Museumsinsel Kishi

Dienstag, 12. Juni 2018

Wetter: am Morgen:14°, bewölkt; tagsüber 16°, Sonne-Wolken-Mix, am Abend: 12°, Sonne-Wolken-Mix

Offizielles Tagesprogramm:

07.30Uhr - 9.00 Uhr >> Frühstücksbuffet im Restaurant

9.00 Uhr - 10.00 Uhr >> Studiosus-Treff: Etwas zur Geschichte Russlands: Josef Stalin, seine Rolle in der sowjetischen Geschichte und der Zweite Weltkrieg mit Julia Smilga

13.00 Uhr - 14.00 Uhr >> Mittagessen im Restaurant

16.30 Uhr >> M/S Rossia macht an der Museumsinsel Kishi fest

16.30 Uhr >> Beginn des Rundgangs durch das Freilichtmuseum der Insel Kishi. Die Führung dauert 1 3/4 Std. und führt über ebene, meist mit Holz ausgelegte Stege. Nicht außerhalb der Wege gehen, da es auf der Insel Schlangen gibt!

18.45 Uhr >> Alle Passagiere an Bord!

19.00 Uhr >> M/S Rossia nimmt Kurs auf Mandrogi. Es liegen 277 km vor uns

19.30 Uhr >>Abendeseen im Restaurant

ab 21.00 Uhr >> Konzert unserer Bordmusiker in der Präsidenten Bar

 

auf<_dem_onegaseeGestern Abend gegen 19.00 Uhr haben wir den Weißen See verlassen. Unsere Fahrt geht weiter auf der Koschwa, die Bestandteil des Wolga-Ostsee-Kanals ist. Zwischen 1.45 Uhr und 7.15 Uhr in der vergangenen Nacht haben wir insgesamt 6 Schleusen passiert, in denen unser Schiff gesenkt wurde. Eine Stunde nach Verlassen der letzten Schleuse erreichen wir heute Morgen den Onega See, den zweitgrößten See Europas (Länge: 250km), der 18 Mal größer als der Bodensee ist. Der See friert wegen der gewaltigen Wassermassen relativ spät zu und trägt die dickste Eismasse gewöhnlich bis März. Das Abtauen beginnt Ende April, wobei der Süden zuerst eisfrei wird. Der See hat die Form eines Krebses, der mit seinen Scheren nach Nordwesten zeigt und eine Halbinsel bildet. Der Nordteil und die Südteile unterscheiden sich erheblich voneinander. Die von vielen Buchten zerschnittenen nördlichen Ufer sind steil mit vielen Klippen und vorgelagerten Steinen und mit Nadelwald bewachsen. Der südliche Teil hat eine feste Uferlinie, Buchten und Inseln sind selten, dafür gibt es viele Strände. Der Onega See liegt in der Zone der mittleren Taiga, in der Nadelgehölze überwiegen. Es kommen auch Linde, Ulme und Schwarzerle vor. In den Wäldern leben Elche, Bären, Wölfe und Marder. Auf dem Onega See kann man die so genannten Weißen Nächte von Mitte Mai bis Ende Juli beobachten. In diesem Gebiet sind sie länger im Vergleich zu den Weißen Nächten in St. Petersburg, da die Entfernung zum Pol kürzer ist! Die Swir ist der einzige Fluss, der aus dem Onega See heraus fließt!

Kishi liegt 70 km von Petrosawodsk, der Hauptstadt Kareliens, entfernt in einer reizvollen Schärenlandschaft.

Die Insel Kishi, die wir heute besuchen, ist 6 km lang, bis zu 1 km breit und steht unter Naturschutz. Es gibt zwei Dörfer mit insgesamt 100 Einwohnern, aber keine asphaltierten   Straßen.

Der ganze Stolz der Insel ist das Holzkirchen Ensemble. Dazu muss man wissen, dass es in den Gebieten von Wolgoda und Archangelsk, also in Karelien, viele Denkmäler der alten Holzbaukunst gibt. Prachtvolle Kirchen, alte Bauernhäuser und Scheunen sind unschätzbare Werte der Volkskunst. Das hervorragendste Denkmal der alten Holzbaukunst ist das Bauensemble Kishi. Die im Jahre 1714 erbaute, 35 m hohe Verklärungskirche, die von 22 Zwiebeltürmen bekrönt und von 30.000 Schindeln aus Espenholz gedeckt wird, gilt als der kühnste erhaltene Holzbau Russlands, bei dem kein Nagel verwandt wurde. Sie ist Nachfolger einer abgebrannten Kirche und heute die einzige erhaltene Mehrkuppelkirche der Welt in Holzbauweise. Genau genommen besitzt die Kirche 21 Kuppeln, die 22. Kuppel befindet sich über dem Altar. Leider war die Verklärungskirche bei unserem Besuch eingerüstet. Sie wird zur Zeit umfassend renoviert. Sie wurde übrigens als "Sommerkirche" gebaut, die Kirche Maria Schutz und Fürbitte als heizbare "Winterkirche".

Die Legende besagt, dass der Baumeister nach Vollendung seines Meisterwerkes seine Axt mit den Worten „So etwas gab es noch nie, gibt es nicht und wird es nicht noch einmal geben“ in den Onega-See geworfen hat. Die drei Gebäude (Verklärungskirche, Glockenturm, Kirche Maria Schutz und Fürbitte) haben zusammen 33 Kuppeln: sie sollen den 33 Jahren, die Jesus Christus auf Erden war, entsprechen. 

Verklärungskirche (links), Glockenturm (Mitte), Kirche Maria Schutz und Fürbitte (rechts)

Holzbauensemble_kishi

Seit den 1960er Jahren existiert das Freilichtmuseum. Neben den drei markanten Gebäuden umfasst es weitere Werke der karelischen und nordrussischen Holzbaukunst. Badehäuser, Speicher, eine Schmiede, alte Bauernhäuser, Windmühlen, Wegkreuze und Kapellen wurden aus Dörfern der Umgebung nach Kishi umgesetzt und präsentieren den Architekturstil des russischen Nordens. 

Bei unserem Rundgang besuchen wir einige der alten typischen Bauernhäuser, die hier bereits im 17. Jahrhundert gebaut wurden.

Bauernhaus auf KishiUnter dem Dach eines solchen Hauses sind Wohnräume, Stall, Scheune und Werkstatt und zahlreiche Lagerräume untergebracht. Unter den Bedingungen des langen, kalten und schneereichen nördlichen Winters brauchte man bei Frost nicht ein weiteres Mal rauszugehen. Hier wurde gewohnt, Kinder aufgezogen und Vieh gehalten. Gewöhnlich wohnte man hier in großen patriarchalischen Familien - vom Urgroßvater bis zu den Urenkeln, alle gemeinsam. Außen sind die Häuser mit Schnitzwerk verziert, innen finden sich gewebte Decken, gestickte Handtücher und Unterdecken mit gemusterten Blumen, Pflanzen und Bäumen.

Seit 1990 gehört das Museumsreservat zu dem von der UNESCO geschützten Weltkulturerbe.

Wir sind nicht die einzigen Besucher der Museumsinsel gewesen!

Schiffe vor Kishi