Wir erreichen die Stadt Uglitsch

Samstag, 09. Juni 2018

Wetter: am Morgen:11°, sonnig; am Tage:13°, bewölkt, kurze Schauer, am Abend: 11°, bewölkt

Offizielles Tagesprogramm:

07.00 Uhr - 09.00 Uhr>> Frühstücksbuffet im Restaurant

10.10 Uhr - 11.15 Uhr >> Studiosus Treff in der Zaren Bar: Russland, Alltag, Familienleben und Versuch einer Einführung in die russische Seele mit Julia Smilga

11.30 Uhr - 12.30 Uhr >> Kalinka, Kalinka, Kalinka moja... Liebhaber des russischen Liedes treffen sich zur ersten Chorstunde mit Elena und Nicolai in der Präsidenten Bar

13.00 Uhr >> Mittagessen im Restaurant Puschkin, danach Zeit zum Entspannen

ca. 15.45 Uhr >> Wir passieren die Uglitscher Schleuse!!

ca. 16.30 Uhr >> Die M/S Rossia erreicht die Stadt Uglitsch

Gleich nach dem Anlegen beginnt der Kremlrundgang. Die Gruppen sammeln sich am Anleger vor dem Schiff und gehen zu Fuß zum Kremlgelände im Zentrum der Kleinstadt. Anschließend besuchen wir Einheimische in ihrem Wohnhaus (nur die Studiosus Gruppe)

19.15 Uhr >> Alle Passagiere an Bord! M/S Rossia nimmt Kurs auf Jaroslawl. Es liegen 209 km vor uns.

19.45 Uhr >> Abendessen im Restaurant

ab 21.30 Uhr >> Erstes Konzert in der Konferenzlounge Präsident

 

Der Tag ist ausgefüllt, wie man leicht dem Tagesprogramm entnehmen kann. Besonders die Vorträge von Julia, die täglich stattfinden, geben einen guten Einblick in Land und Leute und sind sehr kurzweilig! Julia Smilga ist Journalistin beim Bayerischen Rundfunk. Die Schwerpunkte ihrer Berichte: Zuwanderer und ihre Schicksale in Deutschland sowie Themen aus ihrem Herkunftsland Russland und dem postsowjetischen Raum. Julia ist in Sankt Petersburg geboren - russisch ist ihre Muttersprache - und hat dort auch studiert. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Oberbayern. Für uns alle ist sie die perfekte Reiseleiterin!

Auf unserer Schiffsfahrt gibt es auch immer wieder Zeit zum Entspannen. Das Schiff besitzt ein schönes Sonnendeck, doch es wird wegen des sehr kalten Wetters - hier pfeift immer ein eisiger Wind - kaum genutzt.

Mit der Passage der letzten Schleuse bei Dubna verlassen wir den Moskwa Kanal und setzen unsere Fahrt auf der Wolga fort, mit einer Gesamtlänge von 3530 km der längste Fluss Europas.

Glockenturm_von_kaljasinCa. 3 1/2 Stunden vor der Ankunft in Uglitsch sehen wir bei der Stadt Kaljasin einen versunkenen Glockenturm im Wasser. Im Zuge der Industrialisierungspolitik unter Stalin wurde 1935 bis 1940 nahe Kaljasin ein neues Wasserkraftwerk erbaut. Hierzu wurde die Wolga in diesem Bereich gestaut, was zur Vernichtung von Teilen des historischen Kaljasiner Stadtgebietes führte. Insbesondere wurde das ehemalige Dreifaltigkeitskloster einschließlich aller Kirchengebäude geflutet und verschwand vollständig unter dem Wasser des Uglitscher Stausees. Das Gleiche geschah mit der 1800 erbauten Nikolaus-Kathedrale. Lediglich deren Glockenturm ist bis heute als Ruine erhalten und steht auf einer kleinen Insel im Stausee. Der ungewöhnlicherweise fast mitten im Wasser stehende Turm gilt heute als Hauptsehenswürdigkeit Kaljasins. Unser Schiff fährt quasi über den ehemaligen Marktplatz des Ortes!

schleuse_bei_uglitschIn der Schleuse von Uglitsch, die wir kurz vor dem Anlegen passieren, werden wir um 11m auf 102 m ü.N.N. gesenkt. Nach dem Ablegen von Uglitsch befahren wir den Flussteil des Rybinsker Stausees.

In Uglitsch werden wir mit Musik empfangen. Durch eine Straße mit vielen Souvenirläden gehen wir zum Zentrum des Ortes. Uglitsch gehört zum so genannten Goldenen Ring, einer Kette altrussischer Städte und ist eng mit der Geschichte Russlands im späten Mittelalter verbunden. Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt zum Schauplatz tragischer Ereignisse, die in der russischen Geschichte eine düstere Spur hinterließen. 1591 kam hier Zarewitsch Dmitri, ein Sohn Iwans des Schrecklichen und der einzige rechtmäßige Thronerbe ums Leben. Gerüchten zufolge war der Schuldige Boris Godunow. Er ließ sich kurz darauf zum Zaren krönen, aber es gelang ihm nie, die russische Bevölkerung von der Rechtmäßigkeit seiner Macht zu überzeugen. An der Stelle, wo der Zarewitsch ums Leben kam, wurde eine Kapelle errichtet, etwas später die zunächst hölzerne, dann am Ende des Jahrhunderts steinerne Kirche des Dmitri auf dem Blute oder auch Blutskirche genannt. Sie ist wunderbar vom Schiff aus kurz vor der Ankunft in Uglitsch zu sehen.

Blutskirche_uglitsch

Eine spektakuläre Rolle spielte die "verbannte" Glocke, die den Tod Dmitris verkündete. Ihr wurde die Schuld an späteren Unruhen gegeben, weshalb man der Glocke den Klöppel herausriss, sie auspeitschte und sie für 300 Jahre nach Tobolsk in Sibirien verbannte.

Die Christi-Verklärungs-Kathedrale datiert aus dem Jahr 1713 und ist die größte Kirche christi_verklaerungskirche_uglitschdes Ortes.

Nach der sachkundigen Führung durch den Uglitscher Kreml hat Studiosus noch eine Besonderheit für uns parat: Wir besuchen eine russische Familie etwas außerhalb von Uglitsch und gewinnen hier einen kleinen Einblick in das Landleben. Alles, was aufgetischt wird, stammt aus dem eigenen Garten. Wir werden liebevoll bewirtet und dürfen auch den selbstgebrannten Schnaps probieren. Einige aus unserer Gruppe lassen es sich nicht nehmen, die Reste des selbstgebackenen Kuchens auf ausdrücklichen Wunsch der Gastgeber mitzunehmen. Damit endet dann auch unser Besuch in Uglitsch.

Ab 19.15 Uhr nehmen wir Kurs auf Yaroslawl. Dabei befahren wir den südlichen Teil der zum Rybinsker See aufgestauten Wolga, die hier eine Breite von 72 km hat. In der Nacht passieren wir die Rybinsker Schleuse, die die Schiffe um 18 m nach Rybinsk absenkt. Von Rybinsk geht es danach Richtung Yaroslawl.