Kleinseite und Karlstein

Sonntag, 09. September 2018

Die Prager Kleinseite auf der westlichen Seite der Moldau liegt gegenüber der Altstadt und ist mit dieser über die Karlsbrücke verbunden.

Wir beginnen unsere Besichtigung mit einer U-Bahn-Fahrt bis zum Rudolfinum. Von dort geht es an der Moldau entlang bis zur berühmten Karlsbrücke. Sie ist die älteste erhaltene Brücke über den Fluss Moldau und eine der ältesten Steinbrücken Europas. Die Brücke erhielt ihren heutigen Namen erst im Jahr 1870, sie gilt als Wahrzeichen der Stadt und gehört zu den Nationalen Kulturdenkmälern. Über die Brücke führte der Krönungsweg der böhmischen Könige. Markant sind die Türme zu beiden Seiten der Brücke, die zu unterschiedlichen Zeiten fertiggestellt wurden.

Karlsbrücke

Auf der Altstädter Seite, von der aus wir die Brücke überqueren, entstand zwischen 1370 und 1380 der Altstädter Brückenturm. Kleine Anmerkung aus der Geschichte: Die Köpfe von hingerichteten Teilnehmern des Aufstandes von 1618 gegen die Habsburger wurden zehn Jahre lang (1621–1631) dort außen zur Abschreckung an Stangen aufgesteckt!

Brueckenfigur

Die Karlsbrücke ist vor allem wegen ihrer Brückenfiguren berühmt geworden. Entlang der Brücke reihen sich 30 barocke Skulpturen symmetrisch zu beiden Seiten aneinander, die von den bekanntesten Bildhauern ihrer Zeit erstellt wurden. Inzwischen sind aufgrund ungünstiger Umwelteinflüsse viele der ursprünglichen Plastiken durch Kopien ausgetauscht worden. Am bekanntesten ist die Statue des heiligen Johannes von Nepomuk, der angeblich an dieser Stelle im Jahre 1393 ertränkt wurde.

Die Kleinseitner Türme waren ursprünglich Teil der Befestigungsanlagen im 12. Jahrhundert. War Gefahr im Verzug, ließ man am damals noch viel mächtigeren Tor ein schweres Eisengitter herab, das Schutz vor den herannahenden Feinden bot.

Die Karlsbrücke ist ein Touristenmagnet, nicht zuletzt auch wegen der wunderbaren Aussicht auf die Prager Burg. Da wir am frühen Vormittag hier sind, ist der Ansturm gerade noch erträglich.

Blick von der Karlsbrücke auf die Prager Burg

Am Ende der Karlsbrücke steigen wir ein paar Stufen hinab und befinden uns in einer echten Oase der Ruhe – auf der malerischen Moldauinsel Kampa, die auch das Prager Venedig genannt wird, da die Häuser ähnlich ins Wasser gebaut sind wie in Venedig. Eine Vielzahl an Barockgebäuden, zahlreiche Kirchen, Museen und Palais aber vor allem auch verwinkelte Gassen machen den Reiz der Insel aus.

Die St. Nikolaus Kirche mit ihrer mächtigen Kuppel ist uns einen Besuch wert. Vor allem das barocke Innere und ein 1500 m² großes Deckengemälde mit Bildern aus dem Leben des Heiligen Nikolaus von Myra ist sehenswert.

Die kleinere Wallfahrtskirche Maria zum Siege hat mehr Besucher als die Nikolaus Kirche. Wie uns berichtet wird, wird hier das Prager Jesulein verehrt, eine Figur aus Wachs mit großer Krone. Dieses Jesulein soll während der Gegenreformation allerlei Wunder vollbracht haben, deshalb kommen Pilger aus aller Welt hierhin. Leider ist während unseres Besuches ein Gottesdienst in der Kirche, so dass keine Aufnahmen möglich sind.

Das Wallenstein Palais ist das größte Palais in Prag und Sitz des Senats des Parlaments der Tschechischen Republik.

Wallenstein-Palais

Deutsche Botschaft

Die Deutsche Botschaft in Prag ist im Palais Lobkowitz untergebracht, das sich ebenfalls auf der Kleinseite befindet. Hier wurde im August 1989 Geschichte geschrieben, als Tausende von DDR-Bürgern das Gelände besetzten, um ihre Ausreise zu erzwingen. Am 3. November erlaubten die ČSSR-Behörden den DDR-Bürgern die unreglementierte Ausreise in den Westen und hoben somit ihren Teil des Eisernen Vorhanges auf, was letztendlich im weiteren Verlauf zum Fall der Berliner Mauer führte. Leider können wir aus Zeitgründen nicht den Balkon im Garten des Palais sehen, auf dem der damailige Aussenminister Genscher die Ausreise ankündigte.

Gegen Mittag endet unser Besuch auf der Kleinseite. Mit der U-Bahn fahren wir zur Haltestelle Museum in der Prager Neustadt. Dort kaufen wir uns einen MacBurger, den wir im Hotel essen. Die Zeit reicht noch für eine kurze Erfrischung. Bereits um 13.20 Uhr fahren wir per Bus zur Burg Karlstein. Dieser Programmpunkt ist fakultativ und kostet 70 €/Person.

Die Höhenburg befindet sich rund 30 km südwestlich von Prag. Sie wurde von Kaiser Karl IV. erbaut und beherbergte von ca. 1350 - 1421 die Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches. Die Fahrt dorthin dauerte wegen einer Umleitung eine gute Stunde. Im Nachhinein würden wir diese Fahrt nicht mehr machen. An und in der Burg herrschte Fotografierverbot und die Führung war derart langweilig und einschläfernd, dass einige Mitreisende schon vorzeitg die Burg verließen.

Mit einem Farewell-Dinner in einem böhmischen Lokal in der Prager Neustadt endet unser Prag-Besuch.

Montag, 10. September 2018

Über den heutigen Tag ist nicht mehr viel zu berichten. Nach dem Frühstück geht es zurück zum Prager Hauptbahnhof. Um 10.15 Uhr startet der DB-Bus pünktlich zur Rückfahrt nach München, wo wir um 15.00 Uhr eintreffen. Alles in allem haben uns die Tage in Prag sehr gefallen und wir können dieses Studiosus-Angebot uneingeschränkt weiter empfehlen.