Hradschin

Samstag, 08. September 2018

Der Hradschin  ist das historische Viertel auf dem Burgberg von Prag. Es wird dominiert von der Prager Burg, in deren Zentrum der Veitsdom steht. Der Hradschin ist bei weitem die größte und leider oft überlaufene touristische Attraktion der Stadt.

Natürlich fehlt ein Besuch dieser Attraktion auch nicht bei unserem Programm. Mit Straßenbahn und Metro erreichen wir das Burggelände. Bei Studiosus sind übrigens alle Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Preis enthalten. Zusätzlich gab es Tagestickets für den freien Abend und Nachmittag.

Die Geschichte des Hradschin reicht zurück bis ins 9. Jahrhundert, als eine erste Burg auf dem Bergrücken oberhalb der Moldau errichtet wurde. Inzwischen sind mehr als 1000 Jahre vergangen, und aus der kleinen mit Erdwällen geschützten Burg entwickelte sich die größte Burganlage der Welt. Im Lauf der Zeit wohnten hier Könige und Kaiser, etliche böhmische Adlige ließen hier prächtige Paläste errichten, und auch die Prager Bischöfe ließen sich auf dem Hradschin nieder. Die Burg ist auch Amtssitz des tschechischen Staatspräsidenten. Seit 1992 gehört der Hradschin zusammen mit der Prager Altstadt zum Weltkulturerbe.

Prager Burg mit Veitsdom

Burgwache

Bevor wir das eigentliche Burgareal betreten, kommen wir an den Wachen vorbei. Auffallend sind deren blaue Uniformen, die sehr viel Lebendigkeit ausstrahlen. Sie gehen übrigens auf den ehemaligen Präsidenten Vaclav Havel zurück, der diese Uniformen anordnete. Sie wurden von dem Kleiderdesigner hergestellt, der für die Kostüme im Film Amadeus einen Oscar erhielt!

Im ersten Burghof liegen die Räumlichkeiten des Präsidenten, eine Fahne auf auf diesem Flügel beweist seine Anwesenheit. Im zweiten Burghof sehen wir die Heilig-Kreuz-Kapelle aus dem 18. Jahrhundert. Im dritten Burghof stehen wir unmittelbar vor den beiden hoch aufragenden Türmen des St.-Veits-Doms, der Kirche der böhmischen Könige und Habsburger Kaiser. Obwohl der Grundstein bereits 1344 gelegt wurde, ist der Dom, ein Meisterwek der Gotik, erst Anfang des 20. Jahrhunderts vollendet worden. Offiziell eingeweiht wurde das Gotteshaus 1929 zum 1000-jährigen Jubiläum des Todestags des hl. Wenzel. Leider bleibt uns eine Besichtigung des Doms wegen einer Hl. Messe verwehrt, außerdem hatte sich bereits draußen eine unendlich lange Warteschlange gebildet, so daß wir zeitlich zu sehr in Verzug geraten wären.

Veits-Dom

Der dritte Hof führt auch direkt zum Alten Königspalast. Er war vom 12. - 16. Jahrhundert der Sitz der böhmischen Könige. Die Hauptattraktion des Palastes ist der Vladislavsaal mit seinem Sterngewölbe. Der prächtige gotische Saal war Schauplatz der Königswahl. Hier fanden auch Bankette und sogar Reitturniere statt.

Königssaal

Ein kleines Highlight für uns als Geschichtsinteressierte ist der zu den Burggärten ausgerichtete Ludwigsflügel des Palastes. Wir sehen das Fenster, das Geschichte schrieb: es war der Schauplatz des zweiten Prager Fenstersturzes, der 1648 den Dreißigjährigenb Krieg einläutete! Seinerzeit hatten sich die böhmischen Stände gegen den neu gewählten König Ferdinand II. erhoben, da dieser die Religionsfreiheit nicht anerkennen wollte. Kurzerhand wurden die königlichen Statthalter Borsita und Slavata mit dem Sekretär Fabrizius zum Fenster herausgeworfen. Damit begann der oben erwähnte Dreißgjährige Krieg. Alle drei überlebten ihren Sturz!

Vom dritten Burghof gelangen wir zwischen Veitsdom und Königspalast zum Georgsplatz mit der romanischen St. Georgs-Basilika, der ältesten Prager Kirche überhaupt. Gegründet wurde sie wahrscheinlich vom Vater des Hl. Wenzel. Als Prag 973 zum Bistum erhoben wurde, entstand daneben das erste böhmische Kloster, das ebenfalls dem Hl. Georg geweiht war.

Die berühmteste Gasse der Stadt steht an der nördlichen Wehrmauer: Das Goldene Gässchen. Hier schrieb Franz Kafka an seinen Erzählungen (Haus Nr. 22 - siehe Bild unten), hier lebten im Mittelalter in kleinen pittoresken Häuschen die Goldschmiede, die der Gasse den Namen gaben - auch wenn sie nie Gold herstellen konnten, was der damalige Kaiser Rudolf II gehofft hatte! In den Häusern befinden sich heute Ausstellungen und sie zeigen, wie die Menschen dort lebten und der (angeblichen) Alchemie nachgingen. Außerdem sind in einigen Häusern Läden mit Souvenirs und tschechischer Handarbeit untergebracht. Um ehrlich zu sein: viel gesehen haben wir nicht. Bei unserem Besuch war das Gässchen voll mit Hunderten (Tausenden) von Touristen - man bekam schlichtweg Platzangst. Schade!

glodenes_gaesschen

Letzter gemeinsamer Besuchspunkt am heutigen Tag ist das Loreto Heiligtum, eine von 50 Loreto-Pilgerstätten in ganz Böhmen. Wichtigster Besuchermagnet ist das Heilige Haus, aber auch das Glockenspiel, die Schatzkammer und die Christi Geburt-Kirche.

Das Heilige Haus, das Casa Santa, ist eine Nachbildung des Casa Santa in der italienischen Gemeinde Loreto. Eine Legende sagt, der Erzengel Gabriel sei in eben jenem Haus der Jungfrau Maria erschienen und habe ihr die kommende Geburt des Erlösers verkündet.

Casa Santa Loreto

Neben dem Heiligen Haus ist die Schatzkammer mit vielen Gemälden und Juwelen ein wertvoller Teil des Heiligtums. In ihr befindet sich auch eine Monstranz von 1699 aus Wien, die mit 6222 Diamanten geschmückt ist. Das Heilige Haus und die Barockkirche sind von einem Kreuzgang umgeben. Im Turm befindet sich ein Glockenspiel aus 27 Loreto-Glocken, die jede volle Stunde von 9 -18 Uhr das Marienlied „Gegrüßt seist du tausendmal, oh Maria“ spielen.

Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Wir nutzen die Gelegenheit zu einem ausführlichen Bummel durch die Altstadt. Das Wetter ist sehr sonnig und warm. Prag zeigt sich von seiner schönsten Seite!