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Antike Stätten

So, 20. 09. 2009

Unser heutiges Programm sieht so aus:

Rundgang durch das Forum Romanum, einst politisches und wirtschaftliches Zentrum des römischen Weltreiches. Weiter zum Kapitolshügel, dem kleinsten der sieben Hügel Roms, mit der Piazza del Campidoglio. Im Senatorenpalast befindet sich das römische Rathaus. Am Nachmittag Spaziergang ausgehend vom alten jüdischen Viertel der Stadt zum Teatro di Marcello, das einst ca. 17 500 Plätze fasste. Weiter entlang des Tiber zum Forum Boarium, dem antiken Handels- und Rindermarkt. Dann über die Piazza Bocca del Veritá zur früheren Wagenrennbahn, dem Circus Maximus.

Startzeit ist 9.00 Uhr. Alle Reiseteilnehmer finden sich erfreulicherweise pünktlich ein. Leider sind die Wetterprognosen für diesen Sonntag nicht allzu gut, wir nehmen Schirm und Regenschutz mit, was sich dann auch am Nachmittag als vorteilhaft erweist! Ab dem kommenden Tag scheint wieder die Sonne. Mit der Buslinie Nr. 3 fahren wir zunächst zum Kolosseum, welches direkt an das Forum Romanum angrenzt.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Kolosseum
Kolosseum
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Das imposante Bauwerk hat wirklich kolossale Ausmaße! Es ist das eigentliche Amphitheater der Flavier und wurde wahrscheinlich nach der früher hier aufgestellten 35m hohen Kolossalstatue des Kaisers Nero benannt. Mit dem Bau des Kolosseums wurde 72 n.Chr. unter Kaiser Vespasian begonnen; 80 n.Chr. wurde es unter dessen Sohn und Nachfolger Titus vollendet und mit hunderttägigen Spielen eingeweiht, bei denen ca. 1000 Gladiatoren und eine große Menge von Tieren starben.

Das riesige Kolosseum verfügte über 80 Eingänge, die bis zu 70.000 Zuschauer über ein System von Gängen und Treppen zu ihren nummerierten Plätzen führten. Auf diese Weise konnte man das Kolosseum in wenigen Minuten leeren oder füllen. Der Mittelpunkt der Anlage war natürlich die Arena. Unter der Arena existierte ein ganzes System von Käfigen, Galerien, Lager-, Umkleide- und Kellerräumen, die man jetzt dank der Ausgrabungen sehen kann.

Kolosseum - Pflöcke zum Befestigen des Zeltes
Kolosseum - Pflöcke zum Befestigen der Zeltplane
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Die Spiele bestanden aus Gladiatorenkämpfen - meist waren es eigens dafür ausgebildete Sklaven -, Tierhetzen - wilde Tiere wurden von weither nach Rom gebracht - und oft auch Schauspielen, bei denen Christen den Tod fanden. Jedenfalls konnten die Römer beim Bau dieses riesigen Amphitheaters ihre technischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Unter anderem war es möglich, über das Kolosseum ein riesiges Zeltdach aufzuziehen, um die Zuschauer vor Sonne und Regen zu schützen. Noch heute sind einige der Pflöcke zu sehen, an denen das Zeltdach befestigt werden konnte.
Die Gladiatorenkämpfe fanden 313 n. Chr. unter Kaiser Konstantin ein Ende. Er verbot sie und erklärte gleichzeitig das Christentum zur offiziellen Religion des Reiches.

Konstantinsbogen
Konstantinsbogen
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Nach der Besichtigung des Kolosseums gehen wir vorbei am Konstantinsbogen zum Forum Romanum. 315 n.Chr. wurde dieser Triumphbogen eingeweiht und erinnert an den Sieg des Kaisers Konstantin über Maxentius an der Milvischen Brücke. Der Konstantinsbogen ist der größte und der jüngste unter den drei Triumphbögen, die im antiken Viertel um das Forum Romanum erhalten sind. Er ist 21 m hoch und hat eine Durchgangstiefe von über 7 Metern. Von anderen Bauwerkennach oben unterscheidet er sich aber vor allem dadurch, dass etliche Teile des Zierrats, sowie die korinthischen Säulen, aus älteren Denkmälern und Gebäuden stammen. Die Reliefs verherrlichen die Tugenden des Kaisers und zeigen Jagd- und Opferszenen.

Nun kommen wir zum Forum Romanum. Zuerst werden die Eintrittskarten gekauft (im Reisepreis enthalten), wobei die Teilnehmer, die 65 Jahre und älter sind - also auch wir - freien Eintritt haben. Diese Regelung gilt übrigens für alle Museen in Rom!

Kaiserpaläste
Ruinen der Kaiserpaläste auf dem palatinischen Hügel
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Das Forum Romanum war in der Antike ein weiter Platz mit Basiliken, Tempeln und Monumenten, auf dem sich das Leben der Stadt abspielte und der bis in die Kaiserzeit der unbestrittene Mittelpunkt der Stadt war. Der angrenzende palatinische Hügel war die bevorzugte Wohngegend der Adligen und Reichen. Hier nahm Augustus seinen Wohnsitz, und seine Nachfolger taten es ihm gleich. Hier entstanden monumentale Palastanlagen, deren in Ruinen liegende Überreste uns auch heute noch zu beeindrucken vermögen. Auf dem Forum sehen wir die Überreste des Tempels des Saturn, Reste der sogenannten Rostra, der Rednerbühne, wo Politiker und reiche, einflussreiche Leute ihre Reden hielten. Weiter beeindrucken uns der Bogen des Septimius Severus, die Kurie, die Focasäule, der Tempel von Antonio und Faustus und die Basilika von Maxentius. Die Reste des Tempels von Kastor und Pollux, der Tempel des Antonius Pius, das Haus Vestalinnen, die Via sacra und der Titusbogen sollen nicht unerwähnt bleiben. Und und und...... Der Titusbogen gefällt uns besonders gut. Er steht auf der schönsten Stelle des Forums zwischen Palatin und Esquilin, wo die "Via Sacra" in das Forum einmündet. Der Bogen sollte das Andenken an die Großtat des Titus bewahren, nämlich seinen Sieg über die Juden und die Zerstörung des Tempels von Jerusalem im Jahre 71 n.Chr., dessen noch verbliebene Mauer die berühmte Klagemauer ist.

Seitlich hinter der Rostra befindet sich ein kleines, rundes Fundament, das trotz seiner relativen Unscheinbarkeit zu den wichtigeren Monumenten des Forums zählt. Hier stand ein kleiner Tempel, der als Umbilicus Urbis, als "Nabel der Stadt" und Mittelpunkt des Imperium Romanum angesehen wurde. Zugleich galt er als "Mundus", als Stelle, wo sich Ober- und Unterwelt berühren. Hier wurden den Göttern der Unterwelt Opfer dargebracht.

Reiterstandbild Marc Aurel
Reiterstandbild des Marc Aurel auf dem Kapitolsplatz
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Wir verlassen das Forum hinter der Kurie und steigen die Stufen hinauf zum Kapitolshügel, dem kleinsten der sieben Hügel Roms. Hier steht der Senatorenpalast, der seit 1871 das Rathaus der Stadt beherbergt, also Sitz des Bürgermeisters ist. Auf dem davorliegenden Platz, dem Kapitolsplatz oder Piazza del Campidoglio, steht unübersehbar die Reiterstatue Marc Aurels, des "Philosophenkaisers".

Piazza Venetia
Blick auf die Piazza Venetia
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Inzwischen hat es leider angefangen zu regnen. Mttagspause ist angesagt! Wir gehen vom Kapitolsplatz eine breite Treppe hinunter. An deren Anfang stehen die beiden Dioskurenzwillinge Castor und Pollux. Sie eilten, einer Sage zufolge, den verzweifelt kämpfenden Römern in einer aussichtslosen Schlacht zu Hilfe. Von hier sind es nur wenige Schritte bis zur Piazza Venetia mit dem wuchtigen Nationaldenkmal aus weißem Marmor, das im Volksmund spöttisch "Schreibmaschine" genannt wird. Schön ist es unserer Meinung nach wirklich nicht. Doch für die Italiener ist es unbestreitbar bedeutsam als Monument für die Einigung Italiens unter König Viktor Emanuel II. (1860 wurde das neue Königreich Italien proklamiert). Alleine seine Reiterstatue hat eine Höhe von 12 Metern. Unterhalb derer befindet sich der "Altar des Vaterlandes" mit dem Grab des unbekannten Soldaten, an dem bis heute immer eine Flammenach oben brennt und Soldaten eine Ehrenwache stellen. Wegen des schon erwähnten Regens ist hier nicht viel mit Fotoaufnahmen zu machen. Deshalb suchen wir direkt an der Piazza Venetia ein kleines Restaurant auf, wo wir Mittag halten und uns "stärken".

Marcellustheater
Marcellustheater
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Unsere Reisegruppe trifft sich wieder um 14.30 Uhr auf dem Kapitolsplatz. Von dort geht es zunächst zum Marcellustheater. Es liegt auf dem Marsfeld etwa in Höhe Tiberinsel und Kapitol und fasste einmal ca. 15.000 Besucher. Seine halbrunde Fassade ist gut erhalten.

In dem Stadtgebiet, in dem wir uns jetzt befinden, war früher das alte Ghetto. In Rom waren schon seit republikanischer Zeit Juden ansässig, sie wurden sogar von den Päpsten geduldet. Das Ghetto war bis ins 19. Jh. durch Mauern abgeriegelt, seine Bewohner durften es nachts nicht verlassen. Heute leben und arbeiten rund 400 Juden in den alten Gassen, in denen es viele Kurzwaren- und Schneidereibedarfsläden gibt.

In der Via Michelangelo Caetani fand man am 9. Mai 1978 tot in einem Kofferraum den Parteivorsitzenden der Democrazia Cristiana, Aldo Moro. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, eine Regierung der nationalen Einheit aus Democrazia Cristiana und der PCI, den Kommunisten Italiens, zu bilden. Dieser Kurs war wohl in seiner eigenen Partei, als auch in ganz Italien umstritten. Er wurde von den terroristischen Roten Brigaden erschossen.

Schildkrötenbrunnen
Piazza Mattei mit dem Schildkrötenbrunnen
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Ebenfalls im jüdischen Viertel befindet sich die Piazza Mattei mit ihrem Schildkrötenbrunnen, Fontana delle Tartarughe. Vier junge Männer stellen jeweils einen Fuß grazil auf einen Delphin und strecken sich zur oberen Brunnenschale, um je eine Schildkröte zum Trinken über den Brunnenrand zu schieben. Aus dieser Brunnenschale fällt durch kleine Köpfchen als Wasserspeier jeweils ein Strahl in die vier Muschelbecken am Fuß des Brunnens. Was hat es auf sich mit diesem Brunnen? Nun, die Familie Mattei war eine einflussreiche Familie des mittelalterlichen Rom. Sie kontrollierte den Tiber im Bereich der Tiberinsel, ein Gebiet, das die Herrschaft über das gesamte linke Ufer bedeutete. Ihre große Bautätigkeit deutet auf enorme wirtschaftliche Macht hin. Dabei nutzten sie die Erfahrung und die Fähigkeiten der jüdischen Gemeinde und boten ihr dafür ihren Schutz an. Einer römischen Legende zufolge ließ der reiche, angeblich trunksüchtige Conte Mattei den Brunnen über Nacht erbauen. Er wollte damit seinen künftigen, ebenfalls schwerreichen Schwiegervater überzeugen, dass er keinesfalls ein armer Mann und somit der Hand seiner Tochter würdig sei.

Mund der Wahrheit
"Bocco della Veritá" - Mund der Wahrheit
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Zwischen Tiberufer und Circus Maximus liegt die Piazza Bocca della Veritá. Dort befindet sich die im 6. Jahrhundert errichtete Kirche Santa Maria in Cosmedin. In deren Vorhalle links ist eine steinerne Tritonenmaske mit geöffnetem Mund in die Mauer eingelassen, die berühmte Bocca della Veritá, "Mund der Wahrheit". Einer mittelalterlichen Legende nach verliert jeder seine Hand, der sie ihr in den Mund legt und dabei nicht die Wahrheit sagt. Heute würde man das als Lügendetektor bezeichnen. Bekannt wurde die Bocca della Verità vor allem auch durch den Film "Ein Herz und eine Krone" mit Gregory Peck und Audrey Hepburn; seitdem ist sie ein beliebtes Tourismusziel. Und natürlich legen wir auch unsere Hand in den Mund!!

Circus Maximus
So sieht der Circus Maximus heute aus
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Jetzt geht es noch zum Circus Maximus, der genau in der Senke zwischen Palatin und Aventin liegt. Das ist allerdings eine kleine Enttäuschung, denn vom Circus ist nichts mehr übriggeblieben als eine langgestreckte grüne Wiese. Also braucht man etwas Phantasie, um sich vorstellen zu können, was sich einst hier abgespielt hat. Der Circus Maximus war die größte öffentliche Vergnügungsanlage, die je in Rom gebaut wurde. Er diente hauptsächlich für Wagenrennen. Er hatte eine Länge von 600m und eine Breite von 200m. An der Westseite lagen die Boxen für die Gespanne, die "careres", die anfangs aus Holz, später aus Tuffstein oder Marmor bestanden. Die Arena, ein sandiger Platz, war vollständig eben. In der Mitte trennte ein Wall, den man heute noch sehen kann, die Fahrbahnen.  Um diese "spina" herum mussten die Lenker ihre Rennwagen führen, jeder Wagen musste sie 7 mal umfahren. Die Runden wurden mit bronzenen Eiern und Delfinen, welche auf der Spina angebracht waren, gezählt. Um die Rennbahn zogen sich mehrere Etagen von Sitzreihen. Der Circus Maximus war 240 Tage im Jahr in Betrieb, so oft hatten die Römer einen Feiertag oder einen anderen Vorwand gefunden, ihre geliebten Wagenrennen zu veranstalten.

Monte Aventino
Blick auf Rom vom Monte Aventino
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Der Regen hat inzwischen etwas nachgelassen, erste Ermüdungserscheinungen machen sich bemerkbar, eine Erfrischung täte gut. Leider finden wir kein geeignetes Café für 22 Leute. Doch die Reiseleiterin hat eine tolle Idee: Sie hat guten Kontakt zum in der Nähe befindlichen 4-Sterne-Hotel "Kolbe Hotel Rom". Dank ihrer Vermittlung können wir uns dort mit Getränken je nach Wunsch erfrischen, es wird sogar noch Gebäck gereicht und für den Cappuchino werden nur 2 € incl. Gebäck berechnet. Eine Wohltat in jeder Hinsicht!! Und danach wird uns noch eine schöne Aussicht auf die Ewige Stadt geboten, die nicht im Programm steht: Wir gehen auf den nahen Monte Aventino, - hier wäre gegen eine schöne Villa nichts einzuwenden - wo Benediktiner, Dominikaner und Malteser ihre Klöster haben und können aus dem Orangengarten eines dieser Klöster auf dienach oben Stadt schauen. Leider ist die Wetterlage für Fotoaufnahmen nicht die beste. Dennoch, ein sehr schöner Ausklang dieses langen Sightseeing-Tages!! Der Bus der Linie 3 fährt uns direkt bis vor die Hoteltür!!