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Oudtshoorn, Zentrum der Straußenzucht



Heute steht ein "Abstecher" nach Oudtshoorn in der Kleinen Karoo auf dem Programm. Wir verlassen Knysna nach dem Frühstück auf der N2 Richtung Mossel Bay. Von dort soll es auf der R328 Richtung Oudtshoorn gehen. Genau an dieser Strecke liegt die Highgate Ostrich Farm, die wir besuchen wollen. Leider regnet es mal wieder in Strömen und von schöner Aussicht auf der Fahrt kann keine Rede sein. Gegen Mittag erreichen wir die Farm, aber es gibt wegen schlechten Wetters keine Besichtigungstour, da diese hauptsächlich im Freien stattfindet. Man vertröstet uns auf den nächsten Morgen. So fahren wir weiter bis Oudtshoorn und finden auch auf Anhieb unsere Unterkunft, das Adley House. Da es aber noch zu früh zum Einchecken ist, beschließen wir, in dem Städtchen zu Mittag zu essen. Doch bei Regen ist es überall trostlos. Wir begnügen uns mit KFC (Kentucky Fried Chicken), normalerweise nicht gerade unser Lieblingslokal. Es regnet sich ein und an diesem Tag sind weitere Aktivitäten ausgeschlossen. Schade!


Mo, 08.10.2007

Schneebedeckte Swartberge

Wie schon wiederholt auf dieser Reise sieht es heute Morgen ganz anders aus: Es hat in der Nacht aufgehört zu regnen, wir haben strahlend blauen Himmel. In der Nacht ist Schnee gefallen, die Swartberge haben einen weißen "Überzug". Besitzer und Personal des Adley House sind begeistert, denn Schnee im Frühsommer ist hier sehr selten. So werden unsere Fotoaufnahmen mit tiefblauem Himmel, blühenden Sträuchern und schneebedeckten Swartbergen sicher auch Seltenheitswert haben. Nach ausgiebigem Fotografieren heißt es: Auf zur Highgate Ostrich FaKleine Karoorm!

Oudtshoorn liegt in einem sehr trockenem Tal, geschützt von den Swartbergen. Es wurde nach dem Kap-Gouverneur Pieter Reede van Oudtshoorn benannt und es ist die bedeutendste Stadt der Kleinen Karoo und bis heute Weltzentrum der Straußenzucht. Heute leben hier 50.000 Einwohner. Eigentlich macht die Stadt keinen attraktiven Eindruck auf uns. Das muss wohl mal anders gewesen sein! Die Zeit vor dem ersten Weltkrieg war die bedeutendste Zeit, denn hier lebten die reichen Straußenfarmer, die "Feder-Barone", die auch hier ihre "Straußenpaläste" - verschnörkelte Villen - errichteten, die bis heute vorhanden und zu bewundern sind. Federschmuck war damals etwas Besonders für die feinen Damen! Das Straußengeschäft stagnierte lange, kommt aber jetzt langsam wieder in Gang, denn Straußenfleisch ist cholesterin- und fettarm! In vielen Boutiquen - später z.B. in Kapstadt - werden Kostüme , Taschen, Hosenanzüge in feinstem Straußenleder angeboten.

Auf der Highgate Ostrich Farm nehmen wir zusammen mit zwei weiteren Besuchern an einer Führung teil, wobei wir sehr anschaulich alles Wissenswerte über die Strauße erfahren. Die Führung ist in englischer Sprache. Wissenswerte Angaben über den Strauß stehen in "Iwanowski's , Kapstadt und Garden Route, S. 508ff" - hier eine kurze Zusammenfassung:

StraussDer Strauß ist der größte heute lebende Vogel. Er ist flugunfähig, kann aber bis zu 65 km pro Stunde laufen. Er lebt in den Halbwüsten, Steppen und Savannen Afrikas. Die Lebenserwartung von wild lebenden Straußen beträgt 30 Jahre, die der in Gefangenschaft lebenden bis zu 50 Jahren. Grobenoße Männchen können bis zu 2,60 m hoch werden, wobei ihr Hals fast die Hälfte der Körpergröße ausmacht. Das Gefieder der Männchen ist schwarz, ausgenommen die weißen Schmuckfedern an den Flügeln und am Schwanz. Das Gefieder des Weibchens ist braun, die Federn werden zur Spitze hin heller.Inhalt eines Straussenmagens

Der Kopf, der größte Teil des Halses und die Beine sind nackt, aber die Augen haben lange schwarze Wimpern. Jeder Fuß hat zwei starke Zehen, die längeren sind mit starken Klauen versehen. Die Tiere haben keine Zähne, die Zehen dienen ihnen somit zur Verteidigung. Der Strauß kann mit seinen scharfen Zehen einen Mensch töten. Strauße fressen nahezu alles. Bevorzugt werden Pflanzen, Früchte, Samen und Blätter, manchmal aber auch kleine Tiere, sogar Eidechsen und Schildkröten. Die Speiseröhre der Tiere ist sehr elastisch. So sind sie in der Lage, die für sie lebensnotwendigen Steine und den Sand zu fressen. 1,5 kg Steine befinden sich konstant im Magen eines Straußes!! Zusammen mit dem Sand zerkleinern sie im Magen die Nahrung und fördern so die Verdauung. Auf dem Rundgang durch die Ostrich Farm wird uns sogar von Zündkerzen, Absätzen und Kinderschuhen berichtet, die in einem Straußenmagen gefunden wurden.

Weibliche und männliche Tiere sind, bis sie 14 Monate alt sind, nicht zu unterscheiden. Erst dann entwickelt sich das entsprechende Federkleid. Mit drei Jahren sind Strauße geschlechtsreif. Die mäStrausseneiernnlichen Tiere tragen während der Paarungszeit rote Füße und Schnäbel. Je stärker die Rotfärbung ausgeprägt ist, desto aggressiver ist das Tier. obenDie Henne legt nach Erreichen der Geschlechtsreife zweimal im Jahr 10 bis 13 Eier. Nicht alle Eier sind befruchtet. Ob ein Ei befruchtet wurde, ist erst nach 14 Tagen Brutzeit zu erkennen. Ein Ei wiegt etwa 1,5 kg, die Schale hat einen Durchmesser von 2mm und ist extrem hart, so dass ein Erwachsener darauf stehen kann! Das erste gelegte Ei einer Henne ist immer unbefruchtet. Eine Henne kann bis zu 20 Jahre lang Eier legen. Ein Straußenei entspricht ca. 20 bis 24 Hühnereiern und kostet 30 bis 35 Rand. Künstliche Bebrütung

Auf der Highgate Straußenfarm werden fast allen Elterntieren die Eier weggenommen und künstlich für sechs Wochen bei 36,5°C bebrütet. Wurde das Gelege entfernt, beginnt die Henne ein zweites Mal mit Brüten. Die in der Brutmaschine bebrüteten Eier müssen zwei Mal pro Tag gedreht werden. Die geschlüpften Strauße werden bis zu ihrem 14. Lebensmonat aufgezogen und anschließend geschlachtet. Sie wiegen zu diesem Zeitpunkt ca. 100kg, was 30kg Fleisch ergibt. Aus den wenigen Eiern, die natürlich bebrütet werden, geStraussenfellhen später die Zuchttiere hervor.

Neben dem Fleisch und den Eiern wird der Strauß auch wegen seinem Leder und seinen Federn gehalten. Für die Federgewinnung werden den Straußen einmal im Jahr während der Mauser die Federn abgeschnitten. Rund ein Kilogramm Federn werden dabei gewonnen, und je nach Qualität erhält der Farmer hierfür zwischen 60 und 200 Rand. Etwa 70% der Federproduktion geht nach Europa, den Rest verarbeitet man in Südafrika zumeist zu Staubwedeln. Und die kann man im Souvenirshop der Straußenfarm kaufen. Kostenpunkt: 26 Rand (ca. 2,6 €)

Gegen 11.30 Uhr verlassen wir die Highgate Ostrich Farm und fahren über die R 328 zurück zAlte Landvogteiur N2, Richtung Cape Town. In Swellendam legen wir einen kurzen Stopp ein. Das Städtchen liegt in der Overberg-Region, 240 Kilometer östlich von Kapstadt und ist die drittgrößte Stadt Südafrikas nach Kapstadt und Stellenbosch. Zahlreiche Gebäude im kapholländischen und im viktorianischen Stil zeugen vom reichen historischen Erbe der Stadt. Wir schauen uns die Drostdy an, eine alte Landvogtei aus dem Jahre 1749, die heute ein heimatkundliches Museum beherbergt.

Nach der Besichtigung von Swellendam folgen wir der N2 bis Riviersonderend und biegen dort nach Süden ab Richtung Akkedispass und Stanford. Von hier ist es nicht mehr weit bis de Kelders / Gans Baii. Dort haben wir eine Reservierung in der Whalesong Lodge. Sie liegt in dem kleinen Ort de Kelders, bekannt neben Hermanus als einer der wenigen Plätze in der Welt, wo man Wale, Delphine und Seehunde vom Strand aus sehen kann. Nur eine Straße trennt die Whalesong Lodge vom Strand. Wir können von einem großen Balkon bei schönstem Wetter die Wale beobachten!

Die Wale kommen nur zwischen Juni und November, wobei September und Oktober als die Top-Monate bezeichnet werden. Sie kommen aus den eiskalten Antarktisgewässern nach einer 8000 Kilometer langen Reise an die Kapküste, paaren sich hier und bringen ihre Jungen zur Welt. Wer wie wir bereits im Krüger Park die "Big 5" gesehen hat, kann hier "The Big Six" sehen - neben den 5 großen Säugetieren an Land die 6. Spezies, den Wal. Am häufigsten kommt der "Southern Right Whale" vor. Der Name stammt aus der Zeit, als die Wale noch gejagt wurden. Sie waren die "richtigen", idealen Wale zum Jagen, da sie viel von dem begehrten Tran und den Barten enthielten. Außerdem gehen diese Tiere nach dem Erlegen nicht unter, sondern schwimmen an der Wasseroberfläche. Das machte es den Walfängern sehr einfach. Die Kälber der "Southern Right Whales" erhalten täglich 200 Liter Milch von den Müttern, um Kräfte aufzubauen für die Reise zur Antarktis. Die Zahl der Southern Right Whales vor der Küste Südafrikas wird auf über 2.000 geschätzt mit einer jährlichen Zunahme von ca. 7 %, Sie sind zu erkennen an ihren riesigen Wasserfontänen ("blowing") beim Ein- und Ausatmen. Der Southern Right Whale hat einen "V-shaped blow" im Gegensatz zum Bryde's Whale. (Quelle: http://www.whaletrail.co.za/)oben

Für den Abend reserviert uns unsere Gastgeberin einen Tisch im Restaurant "Cirros" in Gansbaii, das 3 km entfernt liegt; wie sich herausstellt, ein hervorragender Tipp! Wir freuen uns über diesen erlebnisreichen und wettermäßig tollen Tag!!