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Von Lahti zum Polarkreis


Fr, 09.08. 2002

Die Sonne lacht wieder von einem blauen Himmel. Bevor wir Helsinki verlassen, wollSibelius Denkmalen wir doch noch das Sibelius-Denkmal im Sibeliuspark besichtigen. Gestern hatten wir das nicht geschafft. Wir finden es schneller als gedacht. Mit der Ausführung des Denkmals können wir wenig anfangen. Es ist auch bei den Finnen sehr umstritten (und deshalb auch ein wenig abseits und versteckt aufgestellt). Man verlangte von der Künstlerin, dass noch eine Porträtplastik des Komponisten hinzugefügt wurde. Die abstrakte Skulptur aus Stahl schaffte allein wohl keinen Bezug zum Komponisten. Jedenfalls muss man das Denkmal gesehen haben, wenn man in Helsinki war.

Wir verlassenFinnische Seenplatte Helsinki auf der Straße 4 (E75) in Richtung Lahti. Dort machen wir Mittagspause. Lahti ist als Wintersportort, insbesondere für die nordische Kombination, bekannt. 2001 fanden dort die Weltmeisterschaften statt. Lahti hat sich für die Olympiade 2006 beworben. Im Zentrum schauen wir uns nur den Marktplatz, die Hauptgeschäftsstraße und von Ferne das Rathaus an. Wir werfen auch einen Blick auf die drei Skischanzen und das dazugehörige Sportzentrum.

Wir müssen weiter, da wir nicht den normalen Weg zu unserem Ziel Finnische Seenplattefahren wollen. Schließlich wollen wir Eindrücke von der finnischen Seenplatte sammeln, die wir durchfahren müssen. Wir benutzen Nebenstraßen, um möglichst viel zu sehen. Das braucht natürlich seine Zeit, aber unser Zielort Jyväskylä hat ja voraussichtlich wenig zu bieten.

Die finnische Seenplatte, von der wir ja nur einen Bruchteil sehen, ist eine wunderschöne Mischung aus Wäldern, Seen und Inseln. Man kann sich gut vorstellen, wie man in dieser Idylle in kleinen Blockhütten mit Saunahäuschen und Boot einen geruhsamen Urlaub verbringen könnte. Das Mittag- und Abendessen fischt man selbst, und was rundherum geschieht, bekommt man nicht mit. Es ist einfach schön.

Unser Ziel Jyväskylä liegt hübsch am Nordufer eines kleinen Sees und ist seit 1837 ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und Sitz zahlreicher Fabriken. Jyväskylä ist Universitätsstadt. Die Universität hat vor allem in der Fachrichtung Architektur Bedeutung. Das Nebeneinander von Holz- und Steinbauten ist hier etwas Besonderes.

Am heutigen Tag fand in der Umgebung eine bedeutende Autorallye statt, was abends den Ort und die Kneipen mit Menschen überfüllte. Dies brachte natürlich Lärm mit sich, zumal auch der Alkohol in Mengen konsumiert wurde. Während ich hier am Tagebuch schreibe, höre ich immer wieder Gegröle und Sirenen von Polizeiautos. Außerdem werden immer wieder Alarmanlagen von abgestellten Autos aktiviert. Hoffentlich können wir ruhig schlafen (Sokos Hotel Alexandra). Morgen haben wir eine längere Fahrt vor uns.

 

Sa, 10.08. 2002

Bei schönem Wetter verlassen wir Jyväskylä zu unserem Etappenziel Kemi. Wir haben Phitipudaseine lange Fahrt vor uns. Trotzdem wollen wir unterwegs ein paar Abstecher machen. Langsam verlassen wir die finnische Seenplatte Richtung Norden. Die Seen verschwinden und landwirtschaftlich genutzte Flächen wechseln sich mit Mischwaldgebieten ab. In Pihthipudas, einem unbedeutsamen Städtchen, besichtigen wir eine der ältesten Holzkirchen Finnlands. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert. Weiter geht es in Richtung Oulu, aber zuvor biegen wir nach Muhos ab, wo die älteste Holzkirche Finnlands (von 1634) zu sehen ist. Beide Kirchen sind in bestem Zustand, da sie zwischenzeitlich mehrmals restauriert wurden.

VonOulu Muhos ist es nicht mehr weit bis Oulu. Oulu ist Bischofssitz und Universitätsstadt. Hier ist der Telekommunikationskonzern NOKIA ansässig, allen bekannt durch seine Handys. Finnland ist bei den privaten Internet- und Mobilfunkanschlüssen weltweit führend. Selbst im Kindergarten werden die Kinder schon kostenlos mit Mobilfunktelefonen ausgestattet. Die Firma NOKIA selbst haben wir nicht gesehen, da wir uns aus Zeitgründen auf das Stadtzentrum konzentrieren mussten. Dort sahen wir uns das Rathaus und die Domkirche, in der gerade eine Trauungszeremonie abgehalten wurde, an. Weitere Impressionen gewannen wir auf einem Stadtbummel. Oulu ist eine sehr schöne Stadt. Sie hat uns gefallen.

Unser Tagesziel Kemi ist noch ca. 100 km entfernt. Wir erreichen es um 17.00 Uhr und finden unser Hotel (Hotel Cumulus) recht schnell, da der Ort ziemlich klein ist. Die Stadt liegt am Nordende des Bottnischen Meerbusens, in der Nähe zu Haparanda auf der schwedischen Seite. Kemi ist zwar großzügig mit sehr breiten Straßen angelegt, aber ansonsten strotzt es vor Langeweile und Schmutz. Am Samstagnachmittag ist die Stadt wie ausgestorben. Restaurants findet man nicht. Alles spielt sich in den Hotels ab, von denen es auch nicht viele gibt. Es ist trostlos. Hinzu kommt ein bewölkter, grauer Himmel, aus dem es zwar nicht regnet, der aber die Stimmung keineswegs beflügelt. Vor 31 Jahren kamen wir in der schwedischen Nachbarstadt Haparanda an, Pfeil nach oben nachdem wir den Bottnischen Meerbusen auf der schwedischen Seite hochgefahren waren. Dort war es damals genauso trostlos, nur mit dem Unterschied, dass wegen des früheren Reisezeitpunkts (Ende Juni) der Flieder blühte.

Nach dem Abendessen im Hotel, in dem sich auch eine Reisegruppe von STUDIOSUS eingefunden hat, die auch zum Nordkap will, gehen wir auf unser Zimmer, das wie bisher immer, sehr gut ist.

 

So, 11.08. 2002

In der Nacht konnten wir wegen Lärms nicht gut schlafen. In Kemi war zwar nichts los, dafür in einem zum Hotel gehörenden Nachtklub umso mehr. Der Eingang zu diesem Klub war direkt gegenüber unserem Hotelzimmer, entsprechend hoch war der Lärmpegel. Bis 4.00 Uhr in der Frühe ging dieses Spektakel. Danach war schlagartig Ruhe, aber wir mussten um 7.00 Uhr aus den Federn, da wir heute auf unserer Etappe noch viel anschauen wollten.

Der HimmelArktikum ist bedeckt und es regnet ein paar Tropfen, als wir abfahren. Dies bleibt auch so, aber schon in Rovaniemi, der Stadt in der Nähe des Polarkreises, scheint wieder die Sonne. Hier besichtigen wir das „Arktikum“, ein Lappland-Museum und Forschungszentrum. Unter der 174 m langen Glaskuppel kann man sich auf zwei Etagen über Leben, Natur, Geschichte und Kultur nördlich des Polarkreises informieren.

Einige Kilometer nördlich von Rovaniemi passieren wir dann auf unserer ArktikumFahrt den Polarkreis. Vor 31 Jahren waren wir schon einmal hier, aber inzwischen hat sich vieles verändert, leider nicht zum Guten. Es ist ein richtiger Rummel geworden. Mit Mühe finden wir die Stelle wieder, die uns vor 31 Jahren als Bildmotiv gedient hat, soviel Neues ist hier entstanden.

EinAm Polarkreis ganzes Dorf (Santa Claus Village) ist hinzugekommen, und wie der Name schon sagt, amtiert hier leibhaftig der Nikolaus. Wir haben sogar mit ihm gesprochen.

Nach einer Tasse Kaffee fahren wir weiter gen Norden. Der Himmel ist blau, und obwohl die Sonne scheint sind es nur 13 °C. Unser Ziel ist Saariselkä, 20 km vor Ivalo am Inarisee. In Sydankylä steht die älteste Holzkirche Lapplands, errichtet 1689. Sie ist noch nahezu im Originalzustand erhalten.

Bevor wir Saariselkä erreichen, passieren wir Tankavara. Hier haben wir uns schon vor 31 Jahren im Goldwaschen versucht. Damals brauchten wir dafür nichts zu bezahlen. Heute ist hier alles kommerzialisiert, und der Eintritt ist mit 10.- € pro Person unverschämt hoch. Das ist es uns nicht wert. Wir fahren weiter.

Gegen 17.30 Uhr erreichen wir Saariselkä. Das Hotel (Hotelli Riekonlinna), in dem wir untergebracht sind, war 1999 Ort eines europäischen Außenministertreffens. Außenminister Fischer war also auch schon mal hier in der Wildnis und Einsamkeit Lapplands.. Ein nahe gelegener Flugplatz machte es möglich. Das Hotel ist groß, und wir fragen uns, wie so ein Hotel hier existieren kann. Aber es muss wohl gehen.

Nach dem Abendessen spazieren wir noch durch den Ort. Obwohl in der lappländischen Wildnis gelegen, ist er tausendmal besser als Kemi. Hier ist wenigstens noch Leben auf den Straßen und Restaurants gibt es auch mehrere. Hauptsaison ist hier im Winter, wenn alles verschneit ist. Deshalb wird hier Wintersport in jeglicher Form betrieben. Die Bewohner scheinen auf harte, lange Winter vorbereitet zu sein. Vor den Häusern stehen die im Sommer eingepackten Schneemobile und die Schlittenhunde werden spazieren geführt. Es gibt Skipisten und Langlaufloipen, wie wir den Informationstafeln entnehmen können. Wie schon in Kemi wird es nachts nicht dunkel. Die Sonne verschwindet zwar hinter dem Horizont ( die Zeit der Mitsommernacht ist ja schon lange vorbei ), aber es bleibt hell. Das wird sich auch in den nächsten Tagen nicht ändern. Die absolute Dunkelheit beginnt erst gegen Ende Oktober, dann ist es auch tagsüber dunkel. Jetzt machen wir zum Schlafen einfach die Vorhänge zu.