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Wasserdorf Zhujiajiao - Seidenfabrik


Mo, 30.10.2006

Heute steht der Besuch des Wasserdorfes Zhujiajiao auf dem Programm. Für diese Tour haben sich fast alle Reiseteilnehmer angemeldet. Pünktlich um 9.00 Uhr treffen wir Richard vor dem Hotel und steigen in einen wartenden Kleinbus ein, der seine besten Jahre schon hinter sich hat. Für die Busfahrt haben wir die Option "Klimaanlage einschalten" oder "Alle Fenster öffnen". Alle Teilnehmer entscheiden sich für die Klimaanlage, werden es aber später noch bereuen. Die Fahrt beginnt, und anstatt Richard uns nun etwas über das Wasserdorf, seine Geschichte und seine heutige Bedeutung erzählt, verkauft er lieber Mineralwasser, 3 Flaschen für 10 Yuan (1 Euro). Na ja, zum Glück haben wir diverse Reiseführer gelesen und sind bestens informiert.

Das Wasserdorf Zhujiajiao liegt ca. 50 km westlich vom Stadtzentrum Shanghais entfernt im Qingpu-Distrikt. Wer nun denkt "Raus aus dem Großstadtdschungel und rein ins Grüne", der hat sich geirrt. Die Supercity hat gigantische Ausmaße! Immer neue riesige Wolkenkratzer und Hochhäuser im sozialistischen Plattenbaustil kommen ins Blickfeld, mal etwas älter und häßlicher, mal etwas neuer und gefälliger, sofern man dieses Attribut überhaupt gebrauchen kann. Schließlich geraten wir noch in den obligatorischeNeues Stadttorn Stau und erreichen nach ca. 1 3/4 Stunde bei strahlendem Sonnenschein das Wasserdorf Zhujiajiao.

Das Wasserdorf ist touristisch voll erschlossen. Das Eintrittsgeld von 10 Yuan (1 Euro, im Buchungspreis bereits enthalten), das Richard für alle Teilnehmer am "neuen Stadttor" am Parkplatz entrichtet, berechtigt zum Besuch der Sehenswürdigkeiten.

Zhujiajiao Wasserdorfist ein Dorf wie aus einem Bilderbuch. 1996 entdeckte ein Filmteam dieses Dorf und fand ideale Bedingungen vor, um das alte Shanghai nachuzubauen. In den vielen kleinen Gassen entlang der vielen kleinen Kanäle ist noch das alte pittoreske China zu bewundern. Die Geschichte der Besiedlung soll vor 5000 Jahren begonnen haben. Zahlreiche Häuser aus der Ming-Zeit liegen an den Kanälen. Die 9 engen Gassen sind mit 36 Brücken aus der Ming- und Qing-Zeit verbunden.

Neben seinen alten Häusern am Kanal sind die vielen Brücken für dasFangsheng Brücke Dorf typisch. Sie sind überwiegend aus Stein gebaut und so zusammengesetzt, dass sie ohne Mörtel tragfähig sind. Die größte Brücke ist mit 71m die Fang-Sheng-Brücke, die "Brücke zur Freilassung". Die steinerne Brücke wurde bereits Mitte der Qing- Dynastie vor rund 200 Jahren erbaut und bietet einen guten Überblick über das ganze Dorf. Gläubige Buddhisten zieht es immer wieder zur Fangsheng Brücke. Sie glauben, dass sie von Buddha gesegnet werden, wenn sie lebenden Karpfen von der Brücke aus die Freiheit wiederschenken. Die Brücke ist heute das Wahrzeichen Zhujiajiaos. Die Landschaft in Zhujiajiao soll so schön wie die in Venedig sein, weshalb man das Dorf auch als das "VenedigWäschewaschen am Fluss Chinas" bezeichnet.

Zum Besuch des Wasserdorfes gehört auch eine Bootsfahrt auf einem der Kanäle. Einer der zahlreichen "Gondoliere" schippert uns bis zur Anlegestelle eines Restaurants, in dem ein im Preis inbegriffenes MittagessenSchweinshaxe serviert wird. Unterwegs sehen wir, dass der Kanal nicht nur für Bootsfahren, sondern auch zum Wäschewaschen, Reinigen und dgl.benutzt wird.

Eine Spezialität des Ortes lernen wir in den kleinen Einkaufsgassen kennen: Schweinshaxe, mit Blättern umwickelt, eingelegt und gegart. Beim gemeinsamen Mittagessen können wir dieses köstliche, wohlschmeckende Gericht probieren !

DieGeschäftsstraße Hauptgeschäftsstraße Beidaji, die bis heute gut erhalten ist, war in der Vergangenheit eine der wichtigsten Geschäftsstraßen im Jangtse-Delta. Zum Abschluß unseres Besuches machen wir einen Spaziergang auf dieser 300 m langen Gasse. Gesäumt von Häuschen mit grauen Ziegeldächern haftet ihr ein Hauch Nostalgie an. Bild: Ein Händler presst aus Zuckerrohrstangen einen süßen Saft, das Glas für 2,5 Yuan ( 2,5 Cent )

Gegen 15.30 Uhr endet unser Besuch im Wasserdorf. Auf dem In einer SeidenfabrikRückweg nach Shanghai besuchen wir noch eine Seidenfabrik, eine jener "Pflichtübungen", die Richard im Auftrag seiner Agentur absolvieren muß. Wir sehen, wie Seidenfäden aus Kokons gewonnen und Seidendecken hergestellt werden. Natürlich sollen wir bewegt werden,Unser Reisebus fertige Produkte, wie seidene Bettwäsche, Seidenschals, Seidenblusen etc. zu kaufen.

Auf den letzten Kilometern zurück nach Shanghai müssen wir plötzlich wegen drohender Kohlenmonoxid-Vergiftung den Bus fluchtartig verlassen. Es qualmt und stinkt aus allen Ritzen. Der Busfahrer schaltet den Motor ab und unterzieht den Motorblock einer gründlichen Kontrolle. Wir beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Nanach obench einigen Minuten findet er den Übeltäter: ein langes Kabel, das wieein Keilriemen aussieht, wird herausgezogen. Es gehört wohl zur Klimaanlage, die ihren Geist aufgegeben hat. Die Fahrt kann weitergehen, allerdings bei weit geöffneten Fenstern!!

Wir lassen uns gegen 18.00 Uhr am Bund absetzen und bummeln dort noch entlang. Ab 18.30 Uhr werden die Wolkenkratzer illuminiert, jedesmal ein tolles Schauspiel! Für 12 Yuan ( 1,20 Euro) fahren wir später per Taxi ins Hotel zurück.