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Spaziergang auf dem Bund-Pudong-Nangjing Lu


Sa, 28.10.2006

Nach einer absolut ruhigen Nacht mit tiefem, festen Schlaf und einem guten Frühstück liegt der Tag vor uns und wir starten gegen 10.00 Uhr zu unserem eigenen Sightseeing-Programm. Das Wetter ist sonnig und sehr warm, die Fernsicht vom Hotelzimmer aus verspricht Gutes, sieht man einmal davon ab, dass wohl stets über Shanghai eine Dunstglocke liegt. Richard hatte uns gestern gesagt, dass Taxis in Shanghai sehr billig seien, besonders dann, wenn man auf die Farben der Taxis achtet. Rote und blaue Taxis sollen die teuersten sein, die grünen, gelben und weißen die billigsten. Wir ziehen es zunächst allerdings vor, die Stadt, soweit eben möglich, zu Fuß zu "erobern". Nur so haben wir auch einen Blick für die vielen "Kleinigkeiten" am Rande. Außerdem ist der Bund, Shanghais berühmte Uferpromenade, nur ca. 30 Gehminuten vom Hotel entfernt.

ZunächChinesische Einkaufsstraßest geht es vom Hotel aus in Richtung Bund. Auf der Strecke Hotel - Bund laufen wirennamen entlang der Dongdaming-Road. Die Straße besteht in erster Linie aus Geschäften, die, wenn man das Aussehen zum Maßstab nimmt, nicht gerade profitabel laufen können. Jeweils über den Geschäften sehen wir "Wohnungen", die allerdings mehr Baracken ähneln. Auf den dazugehörigen Balkons werden Wäsche, Pullover, Hosen und auch Dessous zum Trocknen aufgehängt. Die Auslagen in den Geschäften, besonders bei Obst, sind vielfältig. Immer wieder wird die Geschäftsstraße unterbrochen durch riesige Baustellen. Hier sind die alten Häuser bereits dem Bagger zum Opfer gefallen. Auf vielen Straßennamen findet man zum Glück auch die englische Bezeichnung, was uns die Orientierung erheblich erleichtert.

Wo der Suzhou Creek in den Huangpu mündet, führt die 1906 erbaute stählerne Garden Bridge überRussisches Konsulat den Suzhou Creek. Die Chinesen nennen diese Brücke Waibaidu Qiao - Brücke der äußeren Fähre, da hier ihre Fähren über den Huangpu endeten. Von der Brücke haben wir einen guten Blick auf das Russische Konsulat, das 1917 von dem deutschen Architekten Hans Emil Lieb gebaut wurde. Das Viertel am Suzhou Creek wird derzeit für die Expo 2010 saniert - zum Wohnen Denkmal der Volksheldenam Wasser für gehobene Ansprüche!

Direkt am Zusammenfluss des Huangpu und des Suzhou Creek befindet sich eine Schöpfung aus britischer Kolonialzeit, der Huangpu-Park mit dem wirklich hässlichen Denkmal der Volkshelden. Unmittelbar dahinter fängt der Bund an. Wir genießen und fotografieren die Skyline von Pudong auf der gegenüberliegenden Seite des Huangpu-Flusses. Der Bund ist bereits zu dieser relativ frühen Stunde mit Chinesen, vor allem aber mit Touristen überfüllt. Jeder möchte das schönste Bild der Skyline "schießen". Dominiert wird die Skyline vom Fernsehturm, der auf drei Beinen steht, und den Prachtbauten des neuen Finanz- und Wirtschaftszentrums in Pudong. Lästig sind die unzähligen Bittsteller und Verkäufer, die uns immer wieder eine "Rolex-clock", Ansichtskarten oder die chinesische Ausführung von Rollerskates andrehen wollen, zum angeblich absoluten Tiefstpreis versteht sich !

Diesseits des Flusses, am Bund, zeugen die steinernen Relikte aus der kolonialen Vergangenheit Shanghais von der einstigen Macht der Banken und großen Handelshäuser. Von den Kommunisten zeitweise vernachlässigt, gehören sie heute wieder zu den teuersten Immobilien der Stadt und stehen unter Denkmalschutz. Abends werden sie effektvoll beleuchtet. Das nach obenderzeit höchste Gebäude am Bund ist das Peace Hotel am Beginn der Nanjing Lu, leicht zu erkennen an einer 19 m hohen Pyramide aus Kupfer, die abends grün leuchtet. Hier stieg die Hautevolee der Welt ab, unter anderem auch Charlie Chaplin. Einen Besuch des Dachgartencafes haben wir uns am letzten Besuchstag nicht entgehen lassen!

Im einstigen Sitz der englischen Seezollverwaltung schlägt "Big Ching", die Uhr im markanten Glockenturm des Gebäudes. Das Custom House stammt aus dem Jahre 1927, die Uhr schlug schon 1843 im alten Zollamt. Abergläubische Chinesen waren der Überzeugung, dass das Läuten der Glocken die Stadt vor Bränden bewahrt habe, weil der Feuergott das Läuten als Feueralarm gedeutet habe und keine weiteren Brände legen wollte.

Der gigantische Bau mit der großen Kuppel ist die ehemalige Hongkong- und Shanghai Bank. Es war seinerzeit das größte Bankhaus der Welt und mit der Finanzierung des Handels so reich geworden, dass es sich 1921 dieses protzige Gebäude leisten konnte.

Bei unserem Spaziergang über den Bund sind wir mittlerweile am Denkmal für den ersten Bürgermeister Shanghais angekommen. In unmittelbarer Nähe ist der Eingang zum "Tourist Tunnel", eine Art Bahnverbindung unter dem Huangpu nach Pudong mit einer Gesamtlänge von ca.650 m. Fans von Lichteffekten kommen voll auf ihre Kosten. Die Fahrt gleicht einer Geisterbahnfahrt. Der Tunnel ist Chinas erster künstlicher Besichtigungstunnel. Die Fahrt dauert wenige Minuten, für 4 Euro / Person - das sind 40 Yuan -gönnen wir uns ein Rückfahrticket.

DieTourist Tunnel Ticket Ausstiegsstelle des Tourist Tunnel ist in unmittelbarer Nähe des Kongresszentrums in Pudong.Am Kongresszentrum Da Mittagszeit ist, legen wir eine Pause in einem Starbucks direkt an der Uferpromenade ein und genießen von hier aus den Blick auf den Bund in Puxi. So heißt auf chinesisch der Pudong gegenüberliegende Stadtteil. Danach machen wir einen Spaziergang am Fernsehturm vorbei bis zum Jin Mao Tower und wieder zurück. Schließlich bringt uns die kleine Bahn unter dem Huangpu wieder zurück und wir gehen Richtung Nanjing Lu.Shanghai bei Nacht

Die Nanjing Lu (östlicher Teil) ist die Einkaufstraße in Shanghai. Sie endet direkt am Shanghaier Bund. Auch wenn sie nicht mehr die einzige "goldene Meile" in Shanghai ist, so war sie doch die erste und hat wenig von ihrem Flair verloren. Sie ist eine Mischung aus 5th Avenue und Broadway von New York. An der Krezung zur Xizang Straße findet man das Kaufhaus Nr 1, welches das zweitgrößte Kaufhaus in China ist.

Die Nangjing LuNanjing Lu gehen wir bis zum Volkspark, von dort dann Richtung Yu-Garten und Altstadt. Wir wollen in größter Ruhe nochmals die Altstadt genießen. Deshalb gönnen wir uns in der Nähe des Teehauses eine Erfrischung. Mittlerweile bricht die Dämmerung herein. Wir fotografieren eifrig und kehren dann zum Bund zurück, um auch hier wiederum die Skyline bei Dunkelheit zu bewundern. Gegen 20.00 Uhr haben wir auch noch den Fußmarsch zurück ins Hotel bewältigt. Da uns der gestrige Abend im Drehrestaurant wegennach oben der schönen Aussicht so gut gefallen hat und wir für weitere Unternehmungen zu erschöpft sind, genießen wir nochmals die chinesische Küche "hoch über den Dächern von Shanghai" . Sagenhaft toll!!