knopf knopf

Kolonialzentrum Antigua


Di, 17.02.2009

Inmitten von Kaffeeplantagen liegt Antigua, einstige Hauptstadt ganz Mittelamerikas, heute ein UNESCO-Kulturdenkmal.

Unser Ausflug heute Morgen führt uns zu einer Kaffeeplantage, der ein kleines Museum, das sich indianischer Musik widmet, angeschlossen ist.

Auf der Kaffeeplantage lernen wir einiges über den Kaffeeanbau in Guatemala kennen. Kaffeebohne ist nicht gleich Kaffeebohne. Der entscheidende Unterschied zwischen den Qualitäten Kaffeestrauchliegt in der Pflanze, die die Früchte trägt. Von der Coffea-Pflanze, so wird der Kaffee fachmännisch bezeichnet, gibt es ca. 80 unterschiedliche Arten - die wirtschaftlich bedeutendsten sind: Coffea arabica und Coffea robusta. Die Coffea arabica liefert einen edlen, rassigen Kaffee, ist aber sehr anfällig für Schädlinge und stellt hohe Anforderungen an Bodenbeschaffenheit und Klima. Coffea arabica gedeiht vorzüglich im Hochland auf ca. 1500 m Höhe, also genau hier, wo wir sind. Diese so genannten Hochlandkaffees, ausschließlich Arabicas, zeichnen sich aufgrund der speziellen Wachstumsbedingungen durch eine feine Säure und einen hervorragenden Geschmack aus.

Die Kaffeepflanze braucht Wärme, aber keine direkte Sonneneinstrahlung. Deshalb werden sog. Schattenbäume gepflanzt, die die Pflanze vor Sonne schützen. Als guter Schattenbaum hat sich die Grevillea erwiesen, eine australische Silbereiche, die eine Wuchshöhe bis 7 m erreicht. Sie wurzelt ähnlich wie Zypressen senkrecht, so dass sie der Kaffeepflanze nicht ins Gehege kommt. Ihre Blätter sind gefiedert, die Blüte rosa. Ihr Holz ist beliebt als Bauholz und sogar als Möbelholz.

Die Coffea-Pflanze blüht zwar nur wenige Tage, dafür aber mehrmals im Jahr. Wie oft, das hängt von der Zahl der Regenperioden ab. Und ein besonderes Phänomen dieser Pflanze ist, dass sie gleichzeitig blüht und rote Kirschen trägt - also während der Blüte abgeerntet werden kann. Den weiteren Weg von der Ernte bis zur getrockneten Bohne können wir bei einem Rundgang durch das Kaffeemuseum sehen, draußen im Freigelände liegen die Kaffeebohnen zum Trocknen bereit.

Musica MayaBei einem geführten Rundgang durch das MusikinstrumentenmuseumMarimba-Spieler lernen wir eine Vielzahl indianischer Instrumente kennen, die bei Festen und Prozessionen zum Einsatz kommen. Auch einige Arten der Marimba werden vorgestellt. Die Marimba in der heute gängigen Form ist ein sehr junges Instrument. Schon vor Tausenden von Jahren gab es in verschiedensten Kulturen Vorgänger der Marimba. Sie bestanden daraus, auf eine Platte aus Holz oder Knochen zu schlagen, unter der ein Resonanzkörper war, z.B. ein ausgehöhlter Kürbis. Ob die Marimba mit dem Aufkommen des Sklavenhandels in Mittelamerika ankam, kann man nicht genau beantworten. Jedenfalls ist die Marimba auch heute das Nationalinstrument Guatemalas und auch in anderen Regionen, wie Südmexiko oder Ecuador, in der folkloristischen Musik beheimatet. Ein Film rundet die Vorführung ab.

Auf dem Rückweg nach Antigua erfahren wir Näheres über die Sicherheitslage in Guatemala. Dazu wird ein Bild, auf dem sechs Strafgefangene zu sehen sind, im Bus durchgereicht.

"Diese sechs Männer sind Mareros. Sie gehören zu einer der beiden Maras, den verfeindeten Jugendbanden, die in El Salvador, Guatemala und Honduras die Armenviertel der Städte in ihrer Gewalt haben. Ihren Ursprung haben diese Banden in den Elendsvierteln amerikanischer Großstädte. Als 1996 der amerikanische Kongress das Abschieben straffällig gewordener Immigranten erleichterte, wurden Hunderttausende deportiert und fanden sich in ihren Heimatländern wieder. Zehntausende entwurzelte Kinder und Jugendliche schlossen sich den Banden an, der Ersatzfamilie mit „la vida loca", dem verrückten Leben aus Bandensolidarität, Rauschgift und Gewalt.

Wenn die Nacht kommt, traut sich dort keiner mehr auf die Straße. Und es vergeht keine Nacht ohne Mord, ohne Waffen- und Rauschgifthandel, ohne Territorialkämpfe der verfeindeten Banden. Zur Mara-Kultur gehören die Tätowierungen mit geheimen Zeichen und Symbolen. Mareros haben auch einen Ehrenkodex: dem Oberen bedingungslos gehorchen, für die Bande foltern und töten, für diePfeil Bande sterben. Wer aussteigt, ist so gut wie tot. Tausende junge Leute sind in den vergangenen Jahren bei den Bandenkämpfen von der Polizei oder von privaten Sicherheitsdiensten getötet worden.

Mara kommt von „marabuntes", den Amazonas-Ameisen, die in befallenen Gebieten alles zerstören. Die Mareros tätowieren sich heute nicht mehr, damit man sie nicht sofort erkennt. Auch die sechs Männer auf den Fotos wären die Kriegsbemalung wohl gern wieder los. Wer heute noch im Gesicht tätowiert ist, ist entweder tot, im Gefängnis oder muss sich versteckt halten."

(Quelle: F.A.Z., 08.12.2007, Nr. 286 / Seite 9 "Für die Mara tätowiert" von Axel Wermelskirchen)

Wir werden gebeten, nach dem gemeinsamen Rundgang durch Antigua uns nicht weiter als zwei bis drei Blocks vom Zentrum zu entfernen.

La MercedAntigua war von 1543 bis zum Erdbeben von 1773 die Hauptstadt des Landes, dann verlegte man den Regierungssitz 45 km nach Osten ins heutige Guatemala-City. Antigua ist umgeben von drei Vulkanen, Agua, Fuego und Acatenango. Die Kolonialbauten haben 16 Erdbeben, sowie diverse Überschwemmungen und Brände überdauert. Sie alle stammen aus der Zeit der spanischen Herrschaft und Prachtentfaltung. In den Hochzeiten des katholischen Einflusses gab es in Antigua knapp vierzig Kirchen, dazu kamen mehr als ein Dutzend Klöster - Franziskaner und Dominikaner, Mercedianer und Jesuiten, Klarissinnen und Kapuziner.

Als erstes besuchen wir Kirche und Kreuzgang der Iglesia Nuestra Senora de la Merced (Kirche Unsere Dame der Gnade). Sie wird mit ihrem ornamentreichen Stuck dem Spätbarock zugerechnet. Die Kirche war erst sechs Jahre vor dem verheerenden Erdbeben 1773 geweiht worden.

Die 100-Quetzalnote zeigt die alte Universität in Antigua.

BanknoteInnenhof La Merced

Auf unserem Rundgang kommen wir als nächstes an einer Büste von Bartholomäus de las Casas (* 1484 in Sevilla, † 31.7. 1566 in Madrid) vorbei, ein Dominikaner, der Kolumbus auf seiner zweiten Reise nach Amerika begleitet hatte. Er trat vor allem für die Menschenwürde der Indianer ein, seineArco Santa Catalina Bemühungen blieben allerdings erfolglos.

Nicht weit von der La Merced-Kirche entfernt findet sich das Wahrzeichen der Stadt, das auf sehr vielen Postkarten zu sehen ist - der Arco de Santa Catalina. Der Bogen wurde gebaut, damit die Nonnen des Klosters Santa Catalina die Kirche auf der anderen Seite der Straße besuchen konnten, ohne sich unter das gemeine Volk zu mischen. Der orangefarbene Bogen überspannt eine Kopfsteinpflasterstraße, die von bunten traditionell gestrichenen Häusern flankiert ist.

Als letztes besichtigen wir das Kloster Las Capuchinas, das von Kapuzinerinnen bewohnt wurde. Sie kamen als letzter Orden aus Spanien hierhin. Die Nonnen waren strengen Regeln unterworfen. Für die Aufnahme ins Kloster verlangte man keine hohe Mitgift, wie sonst üblich, so dass auch mittellose Frauen hier aufgenommen werden konnten. Auch dieses Kloster wurde durch das Erdbeben weitgehend zerstört.

Blick auf Catedral MetropolitanaDas Herz der Altstadt Antiguas bildet der Plaza Mayor, der hier auch Parque Central genannt wird. Hier fanden früher Prozesse, Stierkämpfe und militärische Paraden statt. An der nördlichen Seite des Platzes liegt das Rathaus. Vom ersten Stock des Rathauses hat man einen sehr schönen Blick auf den Platz. An der Ostseite befindet sich der Palacio Episcopal und die Catedral Metropolitana.

In einem im Kolonialstil gebauten Innenhof eines Cafés direkt am Parque CentralPfeil können wir uns erfrischen und die Pause auch zu einem kleinen Bummel nutzen, sowie nach weiteren Souvenirs Ausschau halten, bevor es am späten Nachmittag wieder per Bus zurück ins Hotel geht.