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San Cristobal und Guatemala


So, 15.02.2009

Heute fahren wir nach dem Frühstück ins 120 km entfernte Chichicastenango im Hochtal der Sierra, ein paar Kilometer ab von der Panamericana. Der Besuch des großen Marktes der Quiché-Mayas ist sicher einer der Höhepunkte der Reise: Händler, Bäuerinnen aus dem Umland und Garküchenbesitzer sind die Akteure in diesem lebhaften Szenario, und das jeweils donnerstags und sonntags. Heute ist Sonntag! In langen Reihen sindMarkt Chichicastenango die Stände aufgebaut, manche überdacht, viele mit Plastikplanen gegen Regen und Sonne geschützt. Praktisch alles, was irgendwo in Guatemala produziert wird, findet sich hier im Angebot. Dabei nehmen landwirtschaftliche Produkte wie Getreide, Früchte und Fleisch einen nur geringen Teil des Marktes ein. Zahlreiche Stände bieten handwerkliche Erzeugnisse an, insbesondere Webarbeiten wie Decken und Kleidungsstücke mit schönen Stickereien. Keramiken und Holzschnitzereien sind zu erwähnen und vieles mehr. Handeln sollte man immer, es ist erwünscht und wird erwartet. Auffällig ist die Ruhe auf dem Markt. Fern jeder Marktschreierei werden die Produkte mehr mit Gesten als mit Worten angepriesen. Und die kleinen Leute sind sehr freundlich, alles andere als aufdringlich!

M;arkt ChichicastenangoDas Design der farbenfroh bestickten Blusen, Umhänge und Röcke der Frauen, die ihre Waren anbieten, geht bis in präkoloniale Zeiten zurück und Eingeweihte können daraus Informationen über Stammesgruppe, Dorf oder Status der Trägerin ablesen; manchmal haben die Farben und Muster auch religiöse oder magische Bedeutung.

Wir schieben und drängen uns durch die schmalen Gassen und kommen so an der Kirche Santo Tomás an. 1540 erbaut, befindet sie sich im Zentrum der Stadt und ist eine der Hauptattraktionen von Chichicastenango, da sie eine exquisite Mischung aus Maya-Riten mit katholischen Glauben bildet. Bereits auf den Stufen der Kirche beten und heilen die indianischen Priester, umnebelt vom Rauch von verbranntem Kopal-Holz. Eine mystische Szene, die die Verknüpfungen zwischen längst versunkenen Traditionen und dem katholischen Glauben erahnen lässt. Kopal wird von den Maya bis heute ausschließlich für religiöse Rituale verbrannt. Frische Blumen werden als Opfergabe vor der Kirche verstreut. Um die Indígenas bekehren zu können, mussten die damaligen Missionare einige Kompromisse eingehen. So wurde die Kirche auf den Stufen eines alten Mayatempels erbaut, um die Bevölkerung überhaupt zum Gang in das Gotteshaus zu bewegen! Um die Rituale auf der Außentreppe nicht zu behindern und das religiöse Empfinden der Menschen nicht zu verletzen, sollten Touristen den Nebeneingang in die Kirche benutzen, allerdings wird das von sehr vielen Leuten nicht so beherzigt.

Nach der Besichtigung des Marktes gehen wir durch den Ort und kommen zu einem weiteren, auPfeilf einer Anhöhe gelegenen indianischen Kultplatz, wo Schamanen nach bestimmten Riten ihre Götter anrufen. Eine kleine Gruppe Kinder führt uns anschließend historische Maskentänze vor, die mit dem Sieg über die Spanier enden!! Danach haben wir Gelegenheit, den Markt nochmals alleine zu besuchen und uns nach entsprechenden Souvenirs umzuschauen.

Tänzevor der Kirche

Das Touristenhotel des Ortes, der Sammelpunkt für alle ausländischen Besucher, Hotel Santo Tomás, befindet sich zentral am Marktplatz und bietet Gelegenheit zu einer erfrischenden Mittagspause. Einheimische dürfen die Hotelanlage nicht betreten, sie warten draußen auf den Stufen vor dem Hotel, um bereits hier Käufer für ihre Waren zu finden. Krasser kann der Gegensatz nicht sein: hier ein schönes Hotel mit Ambiente, draußen die arme Bevölkerung. Das hat uns nicht nur hier stark berührt!!

HotelanlageHotelanlage

Die Reisegruppe trifft sich um 15.00 Uhr, um dann gemeinsam die "Heimreise" ins Hotel am Atitlansee anzutreten. Noch vor Einbruch der Dunkelheit treffen wir hier ein und haben gute Gelegenheit, Fotoaufnahmen vom See zu machen. Das gemeinsame Abendessen um 19.00 Uhr findet im Hotel statt.

Mo, 16.02.2009

Im Mittelpunkt des heutigen Besuchstages steht ein Bootsausflug auf dem über 400 m tiefen Atitlansee, für viele (z.B. Alexander von Humboldt) der schönste See der Welt. Diese Auffassung können wir nicht so ganz teilen, aber das ist sicher Geschmackssache und hängt davon ab, wie viele "schöne" Seen man schon gesehen hat. Der See liegt auf 1500 m Höhe vor den drei Vulkanen Tolimán, Atitlán und San AtitlanseePedro. An seinem Ufer reihen sich zahlreiche Dörfer mit fast ausschließlich indigener Bevölkerung aneinander. Unser erstes Ziel ist das Mayadorf San Antonio Palopó.

San Antonio liegt an einer steilen Hügellage, eingerahmt von Terrassenfeldern, welche sich bis ganz nach oben auf die Bergketten ausdehnen. Von der guatemaltekischen Regierung wurden in San Antonio in den letzten Jahren mehrere Projekte für die Beschäftigung der Bevölkerung ins Leben gerufen. Es wurden umfangreiche Mittel für die Gründung von Webereien und Töpfereien investiert. Wir besuchen eine Familie, in der wir die Frauen an ihrem Webstuhl beobachten können. In den einzelnen Gebäuden, die zum Haus gehören, dürfen wir uns ebenfalls umschauen und fotografieren. Danach geht es per Boot zum Dorf San Pedro.

Tuk-TukSan Pedro wirkt schon wesentlich touristischer als San Antonio Palapó. Vom In einer Mayaschule Bootssteg geht es auf einer ansteigenden Straße direkt hinein in den Ort. Wer nicht gehen möchte, kann sich ein "Tuk-Tuk" mieten, eine Art Kleintaxi und sich chauffieren lassen. In San Pedro ist alles - von Lebensnotwendigkeiten bis zum Nippes - erhältlich: Obst und Gemüse gibt es, vieles davon dem europäischen Auge unbekannt. Gewürze in frischer und getrockneter Form. Töpfe, Tassen, Teller in schillernden Perlmuttfarben. Fleisch und Würste, Kaffee und allerlei unbekannte Pülverchen. Unser Ziel ist eine Mayaschule. Hier besuchen wir zunächst eine Grundschulklasse, in der die Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben gelehrt werden, und zwar in der Mayasprache. Ziel ist es, die alte Kultur wenigstens in Ansätzen zu erhalten. Eine Lehrerin zeigt den Schülern anhand von Bildtafeln die Zahlen von eins bis fünf in der Schreibweise der Maya. Die Kinder freuen sich über den Besuch und die damit verbundene Unterrichtsunterbrechung, albern und feixen herum - nicht anders wie auch in deutschen Schulen! Vor allem möchte jeder gerne "abgelichtet" werden. In einem weiteren Klassenraum stehen sogar Computer, wenn auch älteren Datums. Hier werden die Schüler mit den Grundregeln der Textverarbeitung vertraut gemacht.

Per Boot geht es nach der Besichtigung zurück nach Panajachel am Atitlan See. Hier wartet bereits der Bus auf uns und bringt uns zu einem Restaurant, welches imPfeil Besitz des Honorarkonsuls der Bundesrepublik Deutschland ist. In diesem sehr gediegenen Restaurant ist gegen 14.00 Uhr unsere Mittagspause. Danach fahren wir - unterbrochen von einigen Fotostopps - ins 140 km entfernte Antigua. Hier sind zwei Übernachtungen im Hotel Villa Colonial vorgesehen.