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Mexikanische Impressionen

Mi, 11.02.2009

Der Tagesrhythmus dürfte jetzt bekannt sein: Frühstück ist um 7.00 Uhr, Abfahrt um 8.00 Uhr ab Hotel. Die Koffer brauchen heute nicht herausgestellt zu werden, da wir noch eine Nacht im schönen Hotel Victoria in Oaxaca übernachten werden.

11 km südwestlich von Oaxaca liegt das ehemalige zapotekische Kultzentrum Monte Alban, ein UNESCO-Weltkulturerbe, unser erstes heutiges Reiseziel. Unsere Reiseleiterin informiert uns wieder umfassend.

Monte AlbanViele Jahrhunderte lang wurde hier gebaut, doch die größte architektonische Leistung stammte von den Vorgängern der Zapoteken, den Olmeken. Um 800 v. Chr. trugen sie die Kuppe des Berges ab und schufen auf diese Weise eine Plattform für ihre Tempel. Von 500 v. Chr. bis 900 n. Chr. war Monte Albán dann bewohnt. In diese Zeit fällt die Kultur der Zapoteken, die hier die wichtigsten und größten Bauten errichteten. Monte Albán war ihr Kult- und Machtzentrum - bis zu dreißigtausend Menschen haben vermutlich zeitweise hier und an den Abhängen des Berges gelebt. Was zum Niedergang der Stadt führte, ist noch ungeklärt.

Auf die Zapoteken folgten die Mixteken, die den Ort ab 1000 bis ca. 1500 primär als GräberstätteStele von Monte Alban nutzten.

Mittelpunkt der Anlage ist der Grand Plaza. Der Platz ist gesäumt von Stufenpyramiden und Palästen, die sich auf künstlich errichteten Terrassen erheben. Freitreppen führen hinauf. In der Mitte des Platzes sind ebenfalls mehrere Bauten hintereinander aufgereiht. Zur damaligen Zeit waren die Gebäude mit leuchtenden Farben, Götterabbildungen und Fresken dekoriert. Es gab sogar schon eine Art Observatorium, das wahrscheinlich astronomischen Zwecken diente. Im berühmten "Grab Nr. 7" fanden Archäologen einen unermesslichen Schatz, bestehend aus Jade, Perlen, Gold, Keramik, Edelsteinen, sowie die Überreste von acht männlichen und einer weiblichen Person.

Der Ballspielplatz diente dem rituellen Ballspiel. Es wurde praktiziert zu Ehren der GötterBallspielplatz und Herrscher, um religiöse Entscheidungen zu treffen, zur Unterhaltung der Herrscher und der Bevölkerung oder auch um die Entscheidung in einem Krieg herbeizuführen. Wie wir im späteren Verlauf der Reise noch sehen werden, hatte jede Stadt ihren Ballspielplatz. Der Ball, der die Sonnenscheibe und damit das Leben symbolisierte, bestand entweder aus Gummi oder ausPfeil einem mit Leder bezogenen Totenschädel. Die Spieler waren Würdenträger, hochgestellte Persönlichkeiten, Fürsten oder Priester in der Tracht der Götter. Das yukatekische Wort für Gummi und ebenfalls für Blut ist gleichlautend. Damit stellt der Ball auch die Lebenskraft und das Blut der Ahnen dar und gilt somit als Mittler zwischen Leben und Tod.

Nach dem Besuch von Monte Alban fahren wir zurück ins Stadtzentrum von Oaxaca. Oaxaca heißt eigentlich Oaxaca de Juárez. Der Name ist eine Referenz an ihren berühmtesten Sohn, den mexikanischen Präsidenten und Nationalhelden Benito Juárez, der in der Nähe geboren wurde. Das historische Zentrum der Stadt gehört seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Das Städtchen ist bekannt für seinen farbenfrohen Markt und sein Kunsthandwerk. Auf dem Marktgeröstete Heuschrecken kann - wer Lust verspürt (!) - Chapulines kosten. Chapulines sind geröstete Heuschrecken. Nachdem sie gekocht und an der Sonne getrocknet wurden, werden sie mit Knoblauch, Chili und Zitronensaft frittiert. Guten Appetit!

Oaxaca ist auch berühmt wegen seiner Schokolade, die hier hergestellt wird. Wir besuchen ein Geschäft, in dem uns die Herstellung gezeigt wird. Danach ist Freizeit angesagt. Wir schlendern am Zócalo entlang und genehmigen uns in einem der dortigen kleinen Restaurants eine Mittagserfrischung. Gegen 14.00 Uhr trifft sich unsere Reisegruppe wieder. Das Nachmittagsprogramm ist fakultativ: Der Baum von Tule, Mitla und Besuch einer Brennerei. Wir nehmen gerne an diesem Programm teil.

Baum von TuleDer Baum von Tule - Árbol del Tule - befindet sich in Santa Maria del Tule und ist ein etwa 2000 Jahre altes Baumexemplar der Mexikanischen Sumpfzypresse. Nach offiziellen Angaben hat der Baum eine Höhe von 41,85 Meter und einen Umfang von 46 Meter. Würde man den Stamm mit ausgebreiteten Armen umfassen wollen, wären ca. 30 Personen erforderlich! Weitere Daten kann man auf einer Hinweistafel nachlesen: Durchmesser: 14,05 m, Gewicht: 636107 kg. In unmittelbarer Nähe steht eine Kirche im "Zuckerbäckerstil".

Wir fahren von Santa Maria del Tule weiter nach Mitla. Die Ruinenstätte Mitla liegt etwa 45 Kilometer von Oaxaca entfernt und bedeutet so viel wie „Ort der Toten“. Nach der Vertreibung der ZapotekenPfeil aus ihrer Heimat Monte Alban wanderten sie weiter und gründeten zwischen 1000 – 1500 n. Chr. ihre neue Hauptstadt Mitla, die den Königen und Hohen Priestern als Herrschafts- und Verwaltungszentrum bzw. als Begräbnisstätte diente. Mitla steht für Mosaiken, geometrische Muster, Stuck und Adobeziegel.

Mosaiken von Mitla

Aus Steinplatten wurden kleinere und größere Flächen herausgemeißelt, so dass der Eindruck eines mosaikartigen Musters entsteht. Die verwendeten Motive sind alle geometrischer Art. Ca. 100.000 Mosaiksteine wurden für die Dekoration eines einzigen Gebäudes verwendet. Direkt vor der Ausgrabungsstätte befindet sich eine Kirche, die aus Steinen der Tempelanlage gebaut wurde. Souvenir Indianermarkt

Zwischen dem Ausgrabungsgelände und der Kirche befindet sich ein Indianermarkt, auf dem regionale und landestypische Souvenirs angeboten werden, darunter bunt bemalte Spielzeugfiguren aus dem Holz des Kopalbaumes.

Nach dem Besuch von Mitla steht noch der Besuch einer Brennerei auf dem Programm. Wir halten an einem an der Straße gelegenen kleinen Betrieb an, in dem Mezcal hergestellt wird. Sein "großer Bruder" ist der Tequila. Mezcal wird wie Tequila aus Agaven hergestellt, allerdings aus anderen Pflanzenarten. Diese Mezcal-Agaven wachsen hauptsächlich hier im Maden für MezcalStaat Oaxaca, wo auch der angeblich beste Mezcal produziert wird. Außerdem unterscheidet sich der Mezcal durch die Garmethode der Agaven. Sie werden in Erdöfen erhitzt und über Holzkohle geröstet

Mezcal mit oder ohne Wurm? Der “Gusano“ ist eine Made (Raupe), die den Agavenstock befällt. Sie wird daumendick. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als man begann Alkohol in größeren Mengen als Rauschmittel zum Trinken herzustellen, entdeckte man bei der Mezcal-Herstellung, dass durch Hinzufügen der Made beim Destillierprozess schlechte Geschmacksstoffe überdeckt werden konnten. Viele Hersteller wendeten diese Destilliermethode an. Heute wird die Made gezüchtet und nur noch als Beilage in die abgefüllten Mezcal-Flaschen gegeben.

Wir sind wieder gegen 18.00 Uhr im Hotel zurück. Heute Abend geht es noch einmal mit dem Bus in das Stadtzentrum. In einem Restaurant am Zócalo haben wir ein gemeinsames Abendessen, begleitet von folkloristischen Einlagen. Es hat uns gut gefallen und das Essen war ausgezeichnet. Gegen 22.00 Uhr sind wir wieder im Hotel.

Leider "kündigt" sich bei Dieter eine sehr starke Erkältung an, die dann in der Nacht schlimmer wird. Fieber (39.3°) kommt hinzu. Das sieht nicht gut aus.

 

Do, 12.02.2009

Heute Morgen müssen die Koffer um 7.00 Uhr herausgestellt werden, um 8.00 Uhr soll es weitergehen. Wir sind schon sehr früh wach, das Fieber bei Dieter ist noch immer nicht zurückgegangen, trotz der Einnahme fiebersenkender Mittel und Antibiotika, zu denen wir im Normalfall nicht so schnell greifen. Anita sorgt dafür, dass das Frühstück ins Zimmer gebracht wird, obwohl Dieter kaum Hunger hat. Dann begeben wir uns zum Bus, etwas anderes bleibt uns sowieso nicht übrig. Heute steht der längste Reisetag der gesamten Reise bevor: 540 km nach Tuxtla Gutierrez in den Bundesstaat Chiapas. Im Bus ist genügend Platz, Dieter kann sich auf der Rückbank "hinlegen". Dort verbringt er dann auch den ganzen Tag, mal mit Schüttelfrost, mal mit Schweißausbrüchen. Zum Glück hat der Bus auch eine Toilette. Und in Flaschen abgefülltes Trinkwasser haben wir reichlich mitgenommen. Mit der Reiseleitung vereinbart Anita, im nächsten Hotel einen Arzt zu konsultieren. Wir kommen um 19.00 Uhr im Hotel Camino Real in Tuxtla Gutierrez an, Dieter schleppt sich ins Zimmer und kurze Zeit später erscheint ein mexikanischer Arzt. Frau Sievers, die sehr behilflich ist, übersetzt. Der Arzt überprüft das mitgebrachte Antibiotikum und verordnet zusätzlich noch einen Hustensaft und eine Cortison-Spritze zur Entzündungshemmung. Frau Sievers veranlasst, dass die Medikamente durch das Hotel besorgt werden. Zum Glück steht im Hotel auch zur Verabreichung der Spritze ärztlicPfeilh ausgebildetes Personal zur Verfügung. Gegen 22.00 Uhr kehrt dann etwas Ruhe ein. Erstaunlicherweise oder besser gesagt, Gott sei Dank, verläuft die Nacht sehr ruhig.