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Mexikanische Impressionen

So, 08.02.2009

Heute klingelt der Wecker um 6.00 Uhr. Frühstück können wir ab 7.00 Uhr einnehmen und um 8.30 Uhr beginnt die neue Besichtigungstour. Erster Stopp ist die Basilika der Virgen de Guadalupe.

Die Busfahrten sind immer recht kurzweilig, da wir sehr viel Hintergrundwissen über Mexiko und seine abwechslungsreiche Geschichte vermittelt bekommen.

Mexiko CityMexiko-Stadt liegt auf einer Höhe von ca. 2.310 Meter über dem Meeresspiegel und ist auf drei Seiten von Bergen umgeben – unter anderem von den berühmten Zwillingsvulkanen Popocatépetl, und Iztaccíhuatl sowie der Sierra Nevada. Die Stadt befindet sich in einer durch Erdbeben gefährdeten Region, die regelmäßig von Erdstößen erschüttert wird. Die Gründung der Stadt unter dem Namen Tenochtitlán geht aztekischen Aufzeichnungen zufolge auf das Jahr 1325 zurück.

Hernan Cortéz landete 1519 mit einer kleinen spanischen Armee an der Ostküste und machte sich zu seinem langen Marsch nach Tenochtitlán auf. Mehrere Umstände kamen ihm zugute: der Besitz von Feuerwaffen und der Schockeffekt, den die Reitpferde auslösten (die Indianer hatten zuvor nie Pferde gesehen), die Unterstützung durch Stämme, die mit den Azteken im Krieg lagen oder von diesen unterdrückt wurden, und das Zögern ihres Herrschers Moctezuma II., offenen Widerstand zu leisten.

Die siegreichen Spanier zerstörten systematisch jede sichtbare Erinnerung an die alte Kultur und erbauten dort, wo die großen Tempel standen, ihre Kirchen.

Die Basilika der "Jungfrau von Guadalupe" ist das wichtigste Heiligtum Mexikos. 1531 soll demBasilika Virgen de Guadelupe 57jährigen Indio Juan Diego auf dem Berg Tepeyac die Muttergottes als dunkelhäutige Indianerin erstmals erschienen sein. Als Juan Diego daraufhin beim Bischof war, glaubte ihm dieser zunächst nicht. Die Madonna erschien daraufhin ein zweites Mal und ließ in der Trockenzeit Rosen auf einem Hügel erblühen. Als Diego diese Rosen in einem Umhang dem Bischof brachte, entstand auf diesem Umhang auf unerklärliche Weise ein Bild Mariens. Der Mantel mit dem Bild ist heute noch zu sehen. Wegen des täglich starken Besucherandrangs "fährt" man auf einer Art "Rollbahn", wie sie an Flughäfen üblich ist, an dem Marienbild vorbei.

An der Stelle der Erscheinung wurde dann eine Kirche errichtet. Da der Untergrund absank, musste die Basilika für Besucher und Pilger gesperrt werden. Die neue Basilika wurde 1975 eröffnet. Sie hat 10.000 Sitzplätze und kann insgesamt bis zu 40.000 Besuchern Platz bieten.

Nächster Besuchspunkt ist Teotihuacán im Norden der Hauptstadt.

Man weiß sehr wenig über Teotihuacán. Es sind "die Leute von Teotihuacán", ein Stadtname, den die Azteken diesem Ort gegeben haben. Als sie im 13. Jahrhundert hier ankamen, war die Stadt bereits jahrhundertelang verlassen. Die Azteken waren überwältigt von der Größe der Pyramiden, die sie hier vorfanden. Das war jenseits ihrer Vorstellungskraft. Da sie riesengroße Knochen fanden (wahrscheinlich Mammutknochen), glaubten sie, es seien Riesen oder gar Götter, die diese Stadt gebaut hatten. Daher auch der Name: Teotihuacán: der Ort, wo sich die Götter versammeln oder wo man zum Gott wird. Wir wissen bis heute nicht, welche Sprache die Erbauer gesprochen haben, wo sie herkamen, wie sie ihre Stadt genannt haben und wo sie nachher hingingen.

Teotihuacán gilt als größte Stadt Mesoamerikas mit dem größten Kultzentrum, eine starke, reiche Stadt vor allem durch die Obsidian Vorkommen, ein Eruptivgestein, das nur dort vorkommt, wo es einmal vulkanische Tätigkeit gegeben hat. In dieser Gegend kommt vor allem der braune ObsidiaPfeiln vor, der karamelisierend ausschaut sowie ein goldschimmernder Obsidian. Die Blütezeit Teotihuacáns liegt zwischen Christi Geburt und etwa 700 n. Chr.

MondpyramideBeherrschende Bauwerke sind die beiden großen Pyramiden: Sonnen- und Mondpyramide. Hier soll zum ersten Mal von den Göttern Tag und Nacht unterschieden worden sein. Hier wurde zum ersten Mal die Sonne aus dem Horizont "herausgebildet". Die Pyramiden haben nie eine Spitze wie etwa in Ägypten, es sind eher Pyramidenstümpfe, immer als "künstlicher Berg" verstanden, auf den man auch hochsteigen kann. Deshalb findet man mindestens an einer Seite eine Treppe, oben ist oft ein Tempel zu sehen (in Teotihuacán allerdings nicht) oder auch nur ein offener Altar. Die Pyramiden wurden immer wieder im Laufe der Zeit überbaut.

Archäologen fanden in Teotihuacán in sogenannten Opfergruben z.B. einen Wolf in einem Käfig, neun Adler, einen Falken und drei Klapperschlangen. In einer anderen Opfergrube fand man drei Männer, die ausgestreckt lagen und einer, der daneben hockte. Das Alter der Männer wird auf 20 - 40 Jahre geschätzt. Zusätzlich fand man fünf riesengroße Meeresschnecken, vierzehn Wolfsköpfe, vier Pumaköpfe und den Schädel eines jungen Uhus.

Der bisher spektakulärste Fund: In einer Opfergrube fand man drei in Yogastellung sitzende MännePalacio del jaguarr unterschiedlichen Alters, die nach Westen zur untergehenden Sonne blickten, nicht gefesselt waren, ihre Hände locker auf den Knien liegend. Um den Hals trugen sie Jadeschmuck aus Guatemala mit einem Andreaskreuz! Dieses Kreuz war ein Herrschaftsemblem, das nur Hochgeborene tragen durften. Waren es drei hochgeborene Maya, die da geopfert worden sind? Waren es Kriegsgefangene oder sind sie als Delegation hierhin geschickt worden, um sich hier opfern zu lassen? Diese Fragen sind noch unbeantwortet.

Unser Besuchsprogramm sieht folgendermaßen aus:

Wir betreten die riesige Ausgrabungsstätte (4 km N-S-Ausdehnung) durch das Tor im Süden der Anlage. Zuerst ist eine Videogebühr von 35 Pesos zu entrichten (das wiederholt sich bei allen weiteren Ausgrabungsstätten), das Fotografieren ist dagegen kostenlos. Dann kommen wir zu den ersten Ruinen, wobei wir die 40 m breite und nahezu 4 km lange Prozessionsstraße - Straße der Toten - überqueren. Am nördlichen Ende der Straße sehen wir bereits die riesige Mondpyramide. WirPostkartenverkäufer besichtigen aber zunächst die Ciudadela - einen Festplatz der Anlage mit ca. 400 m Seitenlänge. Im Osten, hinter dem Platz befindet sich die Ruinen des Palacio del Quetzalcoatl (Gefiederte Schlange), errichtet auf einer kleinen Pyramide. Unterwegs treffen wir auf einen Postkartenverkäufer, der zeigt, wie man früher Naturfarben gewonnen hat - rot aus den Nesten der Opuntien Läuse, die auf fast jedem Blatt dieser Kakteenart (Opuntia ficus-indica) zu finden sind, und gelb aus dem Diestel Stängel, der nass gemacht wird.

Nach einer Mittagspause in einem nahegelegenen kleinen Restaurant fahren wir mit dem Bus zum Tor 3 in der Nähe der Mondpyramide, die den nördlichen Abschluss der Straße der Toten bildet. Wir können die 43 m hohe Mondpyramide mit einer Grundfläche von 120 x 150 m besteigen. Über 100 steile Stufen führen hinauf. Von hier oben hat man einen fantastischen Ausblick auf die Gesamtanlage, vor allem aber auch auf die Straße der Toten sowie auf die Sonnenpyramide. Auf dem Weg zur Sonnenpyramide schauen wir uns noch einige kleinere Paläste an der Camino de losFolklore muertos (Straße der Toten) an. Zum Abschluss des Besuches haben wir noch die Möglichkeit, die Sonnenpyramide ( 225 x 225 m Grundfläche, 63 m Höhe ), die größte Pyramide der Ausgrabungsstätte zu besteigen. Danach geht es per Bus nochmals zurück zu unserem kleinen Restaurant, wo Studiosus einen Willkommens-Umtrunk anbietet und die einzelnen Reiseteilnehmer sich zum besseren Kennenlernen mit Namen vorstellen können. Dazwischen gibt es einige folkloristische Einlagen von Einheimischen. Alles in allem ein wunderschöner, erlebnisreicher Tag bei strahlend blauem Himmel. Vergessen möchten wir nicht die kleine Voladores-Show zwischen den VoladoresbeidenPfeil Besuchsteilen.

Der "Tanz der fliegenden Männer" ist ein Jahrhunderte altes Ritual, das je nach Region unterschiedlich durchgeführt wird. Wir sehen hier Totonaken:

Vier Männer ersteigen einen 25 bis 30 m hohen Pfahl, an dessen Spitze sich eine drehbare Plattform und ein drehbarer Holzrahmen befinden. Vom Rahmen aus lassen sich die vier Männer an Seilen herab, während der Rahmen und damit die Männer um den Pfahl rotieren. Die vier fliegenden Männer schweben an einem sich abwickelnden Seil kopfüber zu Boden. Ihr Befestigungsseil wird dabei gleichmäßig und ganz langsam vom Pfahl abgewickelt und damit länger. Nach 13 Umdrehungen erreichen sie den Boden. Dabei vollzieht jeder 13 Umdrehungen, was mit 4 multipliziert die magische Zahl 52 ergibt: 52 Jahre entsprechen in der präspanischen Zeitrechnung einem Jahrhundert. Die Kleidung der Voladores ist eine rote Hose, weißes Hemd, ein rotes Band um die Hüften sowie ein Federkopfschmuck.

Für den Abend ist kein gemeinsames Programm vorgesehen. Wir sind ziemlich erschöpft und wollen noch unsere schriftlichen Aufzeichnungen bearbeiten. Deshalb verlassen wir das Hotel nicht mehr, sondern essen im hoteleigenen Restaurant zu Abend.