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Chichen Itza


Mi, 25.02.2009

Unsere Reise neigt sich allmählich dem Ende zu. Ein letzter großer Höhepunkt steht bevor: Die Ruinenstätte von Chichen Itzá! Sie liegt ca. 120 km von Mérida entfernt.

Maya FriedhofAuf dem Weg dorthin besuchen wir noch einen Mayafriedhof, der für europäische Verhältnisse recht ungewöhnlich aussieht, mit seinen kleinen Häuschen und bunten Farben, eine eigenartige Mischung aus indianischem und christlichem Brauchtum. Die ursprünglichen Beisetzungsnischen werden noch immer durch kleine Häuschen angedeutet.

Fünf Quadratkilometer Urwald mussten gerodet werden, um nur einen Teil der Maya-Pyramiden von Chichen Iztá sichtbar zu machen. Die Stätte zählt zu den bekanntesten der Yucatán-Halbinsel. Sie war um große Cenoten errichtet worden, um die Wasserversorgung der Stadt sicherzustellen.

Chichen Itzá ist wahrscheinlich im 4. Jahrhundert entstanden, noch vor der Blütezeit von Städten wie Palenque, Tikal und Copan. "Chichen" heißt so viel wie "Brunnen", Itzá ist einer der Maya Stämme, der aus dem Süden kam und die Stadt gründete, die um das Jahr 1000 von den Tolteken übernommen wurde.

Die Blütezeit Chichen Itzás datiert man auf das 10. - 13. Jahrhundert. Je nach Buch oder Internetquelle streiten sich die Archäologen bisweilen darüber, wie stark Tolteken aus Zentralmexiko auf die Architektur Einfluss nahmen. Typische Darstellungen von Kriegern, Adlern und gefiederten Schlangen, der Verkörperung von Quetzalcoatl, sind auch bei den Tolteken zu finden. Die gefiederte Schlange heißt bei den Maya Kukulcán. Daneben behauptete sich der Regengott Chak. Als die Spanier im 16. Jahrhundert einfielen, war die Stadt längst verlassen.

Pyramide Kukulc�nBallspielplatz

Wir beginnen unseren Rundgang mit dem dominierenden Gebäude der ganzen Ausgrabungsstätte, der Pyramide des Kukulcán. Die Stufenpyramide ist auch unter dem Namen El Castillo (das Schloss) bekannt. Dieses Gebäude wurde nach strengen astronomisch-astrologischen Gesichtspunkten errichtet. Die Pyramide weist vier Treppen und neun Terrassen auf, welche die vier Pyramide de KukulcánHimmelsrichtungen und die neun Himmel symbolisieren sollen. Jede der vier Treppen hat 91 Stufen, zusammen also 364 Stufen und mit der Plattform als letzter Stufe 365, entsprechend der Zahl der Tage eines Jahres. Die Treppen sind genau 45° steil, auf der obersten steht der Tempel des Kukulcán. Die Pyramide ist die Überbauung eines älteren, noch erhaltenen Tempels. Innen sind ein Chac Mol (auf dem Rücken liegend) und ein Thron in der Form eines Jaguars zu sehen.

Bekannt ist das „Schauspiel der gefiederten Schlange“. Dieses ist in jedem Jahr zur Tag- und Nachtgleiche (21. März und 23. September) zu bestaunen. Ab etwa drei Uhr nachmittags zeichnet die Sonne mit Licht und Schatten die Windungen eines vierunddreißig Meter langen Schlangenkörpers an die Außenwand der Treppe und verbindet so den Kopf mit dem Schwanz an den beiden Enden der Balustrade: Kukulkán windet sich über die Stufen der Pyramide herab zur Erde.

Vorbei an einer Opferplattform mit Schlangenköpfen kommen wir zum Ballspielplatz. In Chichen Itzá sind sieben Ballspielplätze entdeckt worden. Der größte misst 166 x 68 m und war einst der größte in ganz Mesoamerika. Man geht davon aus, dass es seit dem 8.Jh. das Ballspiel gibt, das bei nahezu allen Völkern Mesoamerikas praktiziert wurde. Es galt als religiöse Handlung und sollte den Kampf von Tag und Nacht (das Gute und Böse) symbolisieren. Wie der Ball gespielt werden durfte, ist umstritten. Fest steht hingegen, dass das Spiel mit Menschenopfern verbunden war. Das Leben war der Einsatz, am Schluss wurde geopfert. Wer geopfert wurde, ist aber ziemlich unklar. Waren es die Verlierer, weil sie eben verloren haben? Oder doch die Sieger? Freiwilliges Sterben für die Götter galt als ehrenvoll und versprach Wiedergeburt und den Direktzugang zur Oberwelt. Dass tatsächlich Spieler geopfert wurden, belegt ein Relief auf den Steinplatten rings um das Spielfeld. Es zeigt einen enthaupteten Spieler inPfeil voller Ausrüstung, aus dessen Hals neues Leben quillt. Ihm gegenüber steht ein anderer mit dem abgeschnittenen Kopf in der Hand. Vielleicht hatten doch die Sieger, die besseren des Spiels, die Ehre, geopfert zu werden. 

Etwas abseits von den eigentlichen Zeremonienstätten gelegen, kommen wir zum Heiligen Cenote - Cenote sagrado (heiliger Brunnen). Ausführlich erklärt uns Frau Sievers, was es mit diesen Cenoten auf sich hat. Sie sind nämlich eine Besonderheit der Halbinsel Yucatán.

CenoteS�ulenalleen

Cenoten sind schachtartige Einstürze der Kalksteindecke. Durch diese Einstürze werden die unterirdisch fließenden Wasserströme zugänglich. In Yucatán findet man über 3000 Cenoten. Sie waren oft ausschlaggebend für menschliche Ansiedlungen. Für die Maya-Zivilisation waren die "Cenotes" eine Art heilige Quellen, sie waren nicht nur ihre einzige Frischwasserversorgung, sondern sie spielten auch eine wichtige Rolle in ihrer Mythologie. An den Cenoten fanden Zeremonien statt, die dazu dienten, die Götter gnädig zu stimmen. Cenoten waren also eine Art Opferbrunnen. Auf dem Grund verschiedener Cenoten wurden zahlreiche Opfergaben, darunter auch Menschenopfer gefunden. Der große Cenote in Chichen Itza hat einen Durchmesser von ca. 20 m, das Wasser ist etwa 10 m tief. Auf dem Grund dieses Cenotes fanden Taucher menschliche Gebeine und Schmuckstücke. Diese Tatsache weist auf Opferungen hin. Über dieses Ritual gibt es abweichende Theorien: Es wurden Jungfrauen von einer Plattform am oberen Rand des Cenotes in die Tiefe gestoßen. Da die Cenotes ihre Wasservorräte ausschließlich aus Regenfällen bezogen, nimmt man an, dass man die Jungfrauen dem Regengott Chak opferte. Eine andere Theorie geht davon aus, dass Jünglinge geopfert wurden, indem man sie mit auf dem Rücken gefesselten Händen in den Brunnen stieß. Gelang es einem Opfer, sich der Fesseln zu entledigen und die zerklüftete Brunnenwand wieder emporzuklettern, so wurde er erneut hineingestoßen. Wie dem auch sei, es war nach unseren Vorstellungen sicher ein grauenvolles Ritual!

Tempel der KriegerDer Kriegertempel - Templo de los guerreros - steht nordöstlich der Pyramide von Kukulcán auf einer Stufenplattform. Es handelt es sich um einen Gebäudekomplex, der vermutlich für kultische Handlungen benutzt wurde. Die unteren Wände, sowie einige Säulen, sind mit Maskenreliefs geschmückt. Jene Masken stellen Krieger und Adler dar, welche Menschenherzen zerfressen. Auf der oberen Plattform befindet sich der Tempeleingang, der mit zwei Schlagpfeilern markiert ist. Diese Schlagpfeiler entsprechen toltekischem Stil. Die Rüsselnasen des Regengottes Chak, wie sie an den Tempelrändern zu sehen sind, entsprechen dem Baustil der Maya. Der Tempel ist von einer prunkvollen Säulenhalle umgeben, die als „Halle der 1000 Säulen“ bezeichnet wird. Möglicherweise wurden hier Märkte oder andere Veranstaltungen abgehalten.Observatorium

El Caracol, das Observatorium, ist unsere nächste Station. Die kleinen Fenster in der runden Kuppel sind auf das Erscheinen bestimmter Sterne an wichtigen Tagen ausgerichtet. So konnten die Priester der Maya den Zeitpunkt für Rituale, Feste und Ernten bestimmen. Das Wort bedeutet übersetzt "Meeresschnecke". Dieser Begriff kommt von der Wendeltreppe im Inneren, die in den obersten Aufbau des Gebäudes führt. Die Sternenwarte war so ausgerichtet, dass man die Venus, den Sonnenuntergang und den astronomischen Süden sehen konnte.

La IglesiaDie sogenannte Iglesia (Kirche) befindet sich am südlichen Rand der Stätte und gehört zu einer Gruppe weiterer Puuc-Monumente. Sie ist mit langnasigen Göttermasken bedeckt und weist die zurückgesetzten Friese auf, die für die Architektur der Puuc-Region charakteristisch waren. Die Iglesia ist dem Regengott Chak gewidmet. Sie besitzt nur eine Tür und die Fassade ist vollständig ausgeschmückt mit Abbildungen von Tieren und Göttern. Man nimmt an, dass die Iglesia eine Grabanlage gewesen ist.

Das Nonnenkloster - Edificio de las Monjas - ist ein teilweise eingestürzter Palast. Auch er ist geschmückt mit steinernen Chak-Masken, Schnecken, Schildkröten, Gürteltieren und Krabben.

Die UNESCO erklärte Chichen Itzá 1988 zum Welterbe.

Hier endet auch unser gemeinsamer Rundgang. Wir begeben uns wieder zum Eingang, wo wir in einem kleinen Restaurant eine Mittagspause machen. Danach können wir zu Fuß durch die Anlage zu unserem Hotel gehen. Wer nun Lust verspürt, kann am Nachmittag nochmals allein durch die gesamte Ausgrabungsstätte gehen, die Eintrittskarte gilt für den ganzen Tag! Wir entscheiden uns für die wunderschöne Hotelanlage mit ihrem ausgedehnten Park. Nach so vielen Eindrücken wollen wir einfach nur "relaxen". Zum Abendessen trifft sich die Gruppe wieder. Und danach sitzen wir alle auf der Terrasse mit Blick auf das angeleuchtete Observatorium. Es ist der letzte gemeinsame Abend. Studiosus spendiert einen Abschiedsdrink. Frau Sievers hatte bereits im Bus Zettel mit den Zahlen der 22 Reisetage verteilt. Jeder hatte eine Nummer gezogen und soll nun über diesen einen Tag berichten. Anita hatte Tag 3 gezogen (Jungfrau von Guadelupe und Teotihuacán), Dieter Tag 19 (Uxmal und Mérida). Interessant, was bei den Reiseteilnehmern so alles von dieser schönen Reise im Kopf "hängen geblieben" ist. Auf jeden Fall ein sehr schöner Ausklang!!

Do, 26.02.2009

Was bleibt noch über diesen Tag zu berichten?

Die Reisegruppe trifft sich um 11.00 Uhr zur Abfahrt nach Cancun zum Flughafen. Hier trennen wir uns von einigen Reiseteilnehmern, die noch ein paar Tage Badeurlaub an der Karibik machen wollen. Für die anderen (und uns) geht es mit Mexicana-Airlines um 14.00 Uhr nach Mexiko-City und von dort mit Lufthansa am Abend mit Verspätung nach Frankfurt. Der 11-stündige Flug in der engen Boing ist ziemlich unruhig.

Fr, 27.02.2009

Ankunft mit Verspätung gegen 15.00 Uhr in Frankfurt. Um 16.30 Uhr steigen wir in den ICE nach München und sind froh, wieder gesund und wohlbehalten am späten Abend zu Hause zu sein. Es wird sicher eine ganze Weile brauchen, die vielen Eindrücke dieser erlebnisreichen Reise zuPfeil verarbeiten. Es hat uns bestens gefallen!!!!

Studiosus hat sich wieder in jeder Hinsicht bezahlt gemacht! Die nächste Studienreise - wann immer sie sein wird - wird mit Sicherheit bei diesem Reiseveranstalter gebucht werden!!

Nachtrag:
An dieser Stelle ein herzliches "Danke" an Frau Sievers, die freundlicherweise unsere Berichte auf inhaltliche Richtigkeit überprüft hat.