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Uxmal und Merida


Di, 24.02.2009

Nach einem servierten Frühstück verlassen wir heute Morgen pünktlich um 8.00 Uhr unser tolles Hotel. Hier hätte man durchaus noch ein paar Tage bleiben können! Unser erstes Ziel ist Uxmal.

Uxmal befindet sich im südwestlichen Teil der Halbinsel Yucatán, ungefähr 80 Kilometer von Mérida entfernt. 1996 wurde die Präkolumbische Stadt durch die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Uxmal heißt in der Mayasprache so viel wie "dreimal erbaut". Der Name mag damit zusammenhängen, dass die Pyramiden tatsächlich mehrfach überbaut wurden, allerdings sind es wahrscheinlich sogar fünf mal. Die Blütezeit der Stadt lag zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert. Die Stadt wurde im sog. Puuc-Stil erbaut, die häufige Verwendung von Schlangenornamenten deuten auf einen toltekischen Einfluss hin.

Puuc bedeutet übersetzt "Hügelchen". Da Hügel die einzigen geographischen Erhebungen in diesem Gebiet sind, nennt man sie die Puuc-Region. Charakteristisch für den Puuc-Baustil ist die Umsetzung organischer Baumaterialien in Stein. Wir finden hier z.B. Palmstrohdächer aus Stein nachgebaut, Vögel, die normalerweise auf solchen Dächern sitzen und in den Palmen herumpicken, sind hier aus Stein nachgebildet, kurzum: die Natur wird in Stein imitiert.

Ruesselnasen_chaakAn vielen Gebäuden sind die geschwungenen Rüsselnasen des Regengottes Chak zu sehen, welcher der Hauptgott der Puuc-Region war. Dem Regengott kam aufgrund der häufigen Trockenperioden eine große Bedeutung zu und es wurden ihm zu Ehren viele Opferungen durchgeführt. Die Bewohner von Uxmal und Umgebung mussten ihr lebenswichtiges Nass in Zisternenbrunnen, sogenannten Chultunes, sammeln; das sind künstlich geschaffene Hohlräume zur Speicherung von Wasser. Da der poröse Karstboden der Halbinsel Regenwasser im Nu versickern lässt, mussten solche Wasserauffangbehälter für die fast 7-monatige Trockenzeit herhalten. Diese Chultunes befanden sich vorwiegend in der Puuc-Region, da es dort an Cenoten und natürlichen Wasserzuläufen mangelt. Das erklärt, warum Chak der wichtigste Gott des Volkes war.

Bei unserem Rundgang kommen wir als erstes an die Pyramide des Wahrsagers (oder Pyramide des Zauberers). Der Legende nach wurde sie von dem Sohn einer Hexe in einer einzigen Nacht erbaut. Tatsächlich dürfte sie aber das Werk von Generationen sein. Sie ist 45 m hoch und hat ein kegelförmiges Aussehen, das im Gegensatz zu den anderen Maya-Pyramiden abgerundete Ecken aufweist. Wegen zahlreicher Unfälle darf die Pyramide aus Sicherheitsgründen nicht mehr bestiegen werden. Zwei Treppen führenPfeil nach oben, die an der Ostseite führt zum Tempel IV, der sich auf der obersten Plattform befindet. Wie man heute weiß, wurde die Pyramide vielfach überbaut. Es ist die dritthöchste Pyramide der Halbinsel Yucatán.

WahrsagerpyramideNonnenviereck

Nächster großer Bau ist der Palast des Gouverneurs. Er steht auf einem künstlichen Sockel, zu dem eine breite Treppe in dessen Mitte hinaufführt. Architektonisch ist der Palast in drei Körper aufgeteilt, zwei seitliche kleinere und einen großen mittleren. Das Gebäude misst knapp 100 Meter inGouverneurspalast seiner Länge, wobei 13 Türöffnungen Zugang zu den Innenräumen gestatten.

Die Westseite des Palastes bietet keinen Zutritt zu den insgesamt 20 Kammern. Man schätzt, dass das gesamte Baumaterial um die 500.000 Tonnen beträgt. Über den Eingängen verläuft entlang des gesamten Gebäudes eine Fassade aus Steinfries, die sich aus kleinen Mosaiken zusammensetzt. Dieses Relief zeigt Abbilder des Sonnengottes und Chak-Masken.

Auf unserem weiteren Rundgang werden wir auch wieder auf Flora und Fauna aufmerksam gemacht. So entdecken wir in einem Baum das Nest eines Webervogels, wir sehen einen Bentevi, ein sog. Schwefeltyrann, der in etwa dem europäischen Fliegenschnäpper entspricht. Auffallend oft zu sehen sind Leguane in allen Größen. Leider sieht man sie aufgrund ihrer Tarnfarbe nicht immer sofort.

Mittlerweile sind wir am Nonnenviereck angekommen. Der Name dieses Konstruktes besagt nichts über seine ursprüngliche Funktion, sondern wurde von den spanischen Eroberern gegeben. Sie sahen eine Ähnlichkeit zu Klosteranlagen des christlichen Mittelalters. Besonders schön erhalten sind die kunstvoll verzierten Fassaden, die sich jeweils über den Eingängen in einem bis zum Dach reichenden NonnenviereckBand am West-, Ost- und Südbau entlang ziehen. Ob der Komplex ursprünglich als Palast genutzt wurde, ist unbekannt. Fantasievolle Interpretationen besagen, dass hier die für Opferzeremonien Auserwählten ihre letzten Monate in Ausschweifung verbringen durften.

Nach einer Mittagspause geht die Fahrt weiter ins 80 km entfernte Mérida, Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán. Hier kommen wir mitten in den Straßenkarneval. Heute ist Karnevalsdienstag oder Faschingsdienstag, wie man in Bayern zu sagen pflegt. Unser Bus kann nicht bis zum Hotel vorfahren, da viele Straßen in der Innenstadt wegen der Umzüge gesperrt sind. So verlassen wir den Bus schon vorher und gehen zu Fuß zum Hotel. Hier gibt es wie üblich den Willkommensdrink und es werden die Zimmerschlüssel verteilt. Für den Abend ist kein gemeinsames Abendessen vorgesehen, sondern wir können auf eigene Faust die Stadt erkunden, soweit das im Karnevalstrubel möglich ist. Frau Sievers macht noch einige Restaurantvorschläge, die dankbar angenommen werden. So treffenPfeil wir im späteren Verlauf des Abends einige Mitreisende im "Los Panchos, Calle 59". Nach einem gemütlichen Essen gehen wir wieder zurück ins Hotel. Die Stadtreinigung ist derweil schon eifrig tätig.