knopf knopf

Honduras


Mi, 18.02.2009

Heute Morgen verlassen wir Antigua und fahren zunächst nach Guatemala-City, wo wir das Museo Nacional de Arqueologica y Etnologia besuchen, in dem die vorspanische Welt der Maya in beeindruckenden Ausstellungsstücken zum Leben erweckt wird. Gegenüber dem großen Modell Eingang Museum Guatemala Cityder Mayastadt Tikal liegt die Schatzkammer des Museums, wo vor allem kostbarer Schmuck und Masken aus Jade gezeigt werden, die man in Fürstengräbern gefunden hat. Im zentralen Lichthof werden nicht nur Stelen sondern auch riesige Reliefplatten ausgestellt.

Gegen 11.00 Uhr verlassen wir das Museum und fahren weiter ins Tiefland zur Grenze nach Honduras und nach Copan.

Während der Busreise stehen heute detaillierte Ausführungen über "die Welt der Maya" (Mundo Maya) auf dem Programm.

Die "Welt der Maya" erstreckte sich über die heutigen Bundesstaaten Mexikos, Yucatan, Campeche, Tabasco und Chiapas, ganz Guatemala, ganz Belize und die westlichen Bereiche von Honduras und El Salvador. Man unterscheidet 3 Hauptgebiete: der nördliche Bereich - die Yucatan-Halbinsel - mit fast ausnahmslos flachem Land, wenigen Flüssen und sieben Monaten im Jahr trockenem Klima, der mittlere Bereich mit undurchdringlichem Regenwald, der von vielen Flüssen durchzogen ist und der südliche Bereich mit dem mexikanischen und guatemaltekischen Hochland. Lange Zeit dachte man, dass in einer für Menschen so unwirtlichen Umgebung wie der des undurchdringlichen Dschungels keine so hochstehende Kultur wie die der Maya entstanden sein kann. Doch heute weiß man, dass die Flüsse die lebensnotwendige Versorgung mit Wasser und der umgebende Dschungel die Nahrungsgrundlagen mit Pflanzen und Kräutern und Tieren zum Jagen geboten haben. Im mittleren Bereich finden sich die grandiosen Stätten wie Tikal, Copan und Palenque, die wir auf unserer Reise besuchen werden.

Die Mayawelt war nie ein zusammenhängender Staat mit einer Hauptstadt. Es gab immer eineStele in Copan Vielzahl von Stadtstaaten, die im Wettstreit um Macht und Ansehen standen. Im Zusammenhang mit einer langen Herrschaftsperiode eines bestimmten Stadtstaates drückte dieser der Region seinen eigenen architektonischen Stempel auf. Während der Blütezeit, in der klassischen Periode oder im sog. goldenen Zeitalter gab es an die 60 Stadtstaaten. Eine Stadtanlage war bis zu 36 qkm groß, um die 20.000 Menschen wohnten hier. Im Stadtzentrum wurden die religiösen Zeremonien abgehalten.

Die Mayaforschung beginnt ab etwa 2000 v.Chr. mit der vorklassischen Periode, die bis 250 n. Chr. geht. Sie ist unterteilt in die frühe, mittlere und späte Vorklassik. Die klassische Periode dauert von 250 bis 700-900 n. Chr. und endet mit dem Zusammenbruch der Mayakultur: Die großen klassischen Stadtstaaten werden von ihren Bewohnern verlassen. Warum, ist bis heute unklar. Die klassische Periode ist auch die intensivste Zeit der Maya. In dieser Zeit sind sie sehr schreibfreudig und teilen uns viel mit. Archäologen sind mittlerweile in der Lage, ca. 60% ihrer Zeichen zu entziffern. Leider sind viele Stätten, die auch heute noch gefunden werden, geplündert, von den Eroberern zerstört worden oder sie sind dem sauren Regen und der Verwitterung zum Opfer gefallen.

In fast allen Bereichen - Kunst, Mathematik oder Astronomie - verfügten die Maya über einePfeiln herausragenden Wissenstand. Sie schrieben ihre Gesellschafts- und Kulturgeschichte auf Papier oder Stein. Von den tausenden schriftlicher Aufzeichnungen überlebte nur eine Handvoll die spanische Eroberung.

Die Maya waren ein praktisch begabtes Volk. Sie richteten sich im Alltag nach dem Sternenhimmel. Ihre Handelsrouten erstreckten sich weit über das Gebiet ihrer Stadtstaaten hinaus. Sie folgten ihren Königen bedingungslos und feierten ihre Siege mit ihrem traditionellen Ballspiel. Neueste Erkenntnisse bei der Entzifferung der Inschriften zeigen aber auch eine andere Seite dieses Volkes: Die Maya haben erobert und geplündert, sie haben Kriege geführt und ihre Kriegsgefangenen gefoltert und umgebracht. Die Art der rituellen Hinrichtungen reichte dabei von Köpfen, Ertränken (z.B. in den Cenotes) bis hin zu lebendig begraben. Die Könige genossen den Vorzug, als gottgleiche Wesen außerhalb der Gesellschaft zu stehen, quasi Mittler zwischen den Welten zu sein. Allerdings hatte das Königsein auch einen "schmerzhaften" Nachteil: die wichtigsten rituellen Handlungen der Könige und Königinnen waren Blutopfer. Sie stachen sich z.B. dornige Rochenstacheln durch Lippe, Zunge oder Penis. Blut war aus Sicht der Maya Sitz der Seele und Lebenskraft. Das gewonnene Blut fing man durch Papierstreifen wieder auf und verbrannte es.

Soviel zum allgemeinen Teil. Mittlerweile sind wir an der honduranischen Grenze angekommen, der Grenzübertritt geht wie erwartet problemlos vonstatten. Wir passieren die Grenze zu Fuß und auf der anderen Seite erwartet uns unser Reisebus. Bis zum Hotel sind es nur ca. 10 km, das Hotel liegt unweit der archäologischen Stätten. Bevor wir uns im Hotel für die beiden nächsten Tage einquartieren, erhalten wir noch eine kurze Einführung in die Bedeutung von Copan.

HondurasInnenhof La Merced

Copan, der "Ort der Fledermaus", war ein Stadtstaat der Maya, der der sog. klassischen Periode zugerechnet wird. Zur Blütezeit lebten hier etwa 20.000 Menschen. Das besondere Merkmal von Copan ist die Quantität und die Qualität der Steinmetzarbeiten und die ausgearbeiteten, in Stein geschriebenen Hieroglyphentexte. Mit der Treppe der Hieroglyphen findet man hier den längsten Hieroglyphentext der Mayageschichte. Ein bedeutender Herrscher mit dem vielsagendenNamen "18-Kaninchen" erzählt auf vielen Reliefs und Hieroglyphen die Geschichte seines Volkes.

Im 9. Jahrhundert nach Chr. ging die Maya-Kultur verloren und auch Copan verlor an Bedeutung. Die Stadt wurde von ihren Bewohnern verlassen. Warum, ist noch immer nicht endgültig geklärt. Vielleicht haben sich - wie u.a. vermutet wird - die Maya selber ihr Wasser abgegraben: Sie brauchten immer mehr Platz für ihre Städte, rodeten immer größere Flächen des Urwaldes ab, es kam zu Krankheiten, Klimawandel und vielleicht auch Dürrejahren und damit zu Nahrungsknappheit. ---

Und noch ein Wort zur Währung des Landes: Die honduranische Währung heißt Lempira, benannt nach dem indianischen Freiheitskämpfer und Nationalhelden, der sich bis zu seinem Tod 1537 gegen die spanischen Invasoren aufgelehnt hatte. 100 Centavos sind ein Lempira. Der amerikanische Dollar ist die Zweitwährung, mit der man ebenfalls bezahlen kann.

Für den Rest des Tages können wir uns in dem sehr schön gelegenen Hotel "Posada Real Copan" erholen. Hier haben wir auch auf der Terrasse fast schon bei Candlelight Pfeil ein stilvolles Dinner und können so den Tag ausklingen lassen.

 

Do, 19.02.2009

Copan ist für Honduras die wichtigste archäologische Ausgrabungsstätte. Copan liegt im Regenwald. Der US-Amerikaner und Amateurarchäologe John Lloyd Stephens und sein britischer Kollege Frederick Catherwood entdeckten die Trümmer-Stadt im Jahre 1839, natürlich zu dieser Zeit noch völlig überwuchert. Sie erkannten rasch den Wert der Anlage und beschlossen, sie kartografisch zu erfassen und die besten Fundstücke in die USA zu bringen. Kurzentschlossen kauften sie das Areal den Einheimischen für nur 50 Dollar ab. 1980 wurde Copan zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.

Der eigentliche Aufstieg Copans begann 423 mit König König Yax-Kuk-Mo. 16 weitere Herrscher aus dieser Dynastie folgten ihm und regierten fast 400 Jahre lang Copan. Einige von ihnen erreichten besondere Berühmtheit. So beispielsweise Rauch-Imix-Gott K - 12. Herrscher nach Yax-Kuk-Mo - der von 628 bis 695 regierte, also 67 Jahre und damit länger als die meisten seiner Untertanen lebten! Unter seiner Regierung wurde Copan 18-Kaninchen zur Großmacht und erreichte die größte Flächenausdehnung seiner Zeit. Viele Stelen, die er im gesamten Tal als Zeichen seiner göttlichen Abstammung errichten ließ, künden von seiner Herrschaft. Sein Nachfolger wurde sein Sohn, der den lustigen Namen "18-Kaninchen" hatte. Er versammelte die besten Bildhauer, Baumeister, Kalligraphen und Kunsthandwerker seiner Zeit um sich und ließ den Stadtkern umbauen, so wie er heute zu sehen ist. 18-Kaninchen hatte auch die Oberhoheit über die Kolonie Quiriguá geerbt. Dort setzte er in der 2. Hälfte seiner Regierungszeit einen neuen Herrscher namens Cauac-Himmel ein. 13 Jahre später erhob sich Cauac-Himmel gegen seinen Lehnsherren, nahm 18-Kaninchen gefangen und opferte ihn 738 in Quiriguá. Da half 18-Kaninchen auch nicht, dass er mit einer Prinzessin von Quiriguá verheiratet war.

Einen ersten Eindruck von der Anlage erhalten wir am Eingang, wo wir die Gesamtanlage als Modell sehen. Dann beginnen wir unseren Rundgang auf schattigen Wegen, wobei uns ebenfalls Flora und Fauna erklärt werden. Eine wunderbare, fast schon mystische Stimmung. Ein Ara begrüßt uns kreischend in einem Baum. Ein Butterblumenbaum steht in voller Blüte und wir sehen eine Würgefeige, aus deren Rinde Papier hergestellt wurde.

CeibaDer Ceiba-Baum ist der heilige Baum der Maya. Nach dem Glauben der Maya bestand das Universum aus drei Ebenen und diese drei Ebenen wurden durch die Ceiba symbolisiert und miteinander verbunden. Die Wurzeln, die tief in die Erde reichen, sind das Symbol für die Unterwelt. Der Stamm stellt die mittlere, von den Menschen bewohnte, Welt dar. Die Äste und Blätter der Baumkrone trugen den Himmel , den Kosmos. Der König war der personifizierte Drehpunkt des Kosmos, er warHieroglyphentreppe der Baum des Lebens. Der Ceiba-Baum ist auch heute noch ein magischer Baum indigener Bevölkerungsgruppen und wird verehrt.

Wir kommen zum westlichen Platz und sehen zahlreiche Stelen. Auf ihnen ließen sich die Maya-Könige darstellen, an den Seiten der Stelen sieht man die Beschriftungen. Der sog. "Cemetery" war ursprünglich ein edles Wohnviertel, hier fand man in den Häuseranlagen zahlreiche Gräber. Am beeindruckendsten für uns ist der Grand Plaza. Überall auf diesem gro├čen Platz sind Stelen und altarähnliche Skulpturen zu finden, die mit einer verwirrenden Vielzahl von Details aufwarten. Der zwischen 738 und 756 erbaute Tempel 26 ist eine Stufenpyramide, die vor allem wegen der sogenannten Hieroglyphentreppe bekannt ist. Die 2200 Hieroglyphenblöcke, verteilt auf 55 Stufen, berichten von der Geschichte Copans, beginnend mit dem Begründer der Herrscherlinie der Stadt. In der Mitte des Treppenaufgangs stehen sechs Figuren, die Könige von Copán darstellen. Die Treppe stellt in ihrer Gesamtheit den längsten in Stein gemeißelten Text in Maya-Schrift dar. 

Ballspielplatz in CopanDer Ballspielpaltz von Copán ist nach der Anlage in Chichén Itzá der zweitgrößte, der je im Gebiet der Maya entdeckt wurde. Sein Spielfeld wird von zwei aus Tuffstein errichteten Böschungen eingegrenzt. PfeilAn jede Böschung grenzt, etwas erhöht, je ein Gebäude an, das möglicherweise als Aufenthaltsraum für Zuschauer gedacht war. Der Ballspielplatz ist auf dem 1-Lempira-Geldschein von Honduras abgebildet.

 

Banknote HondurasMuenzen Honduras

Die vielen Stelen auf dem großen Stelenplatz tragen an allen Seiten Verzierungen, Gravierungen oder Inschriften, die über das Leben der dargestellten Könige oder deren Handlungen berichten. Vor der Errichtung mussten die Stele in CopanBewohner die tonnenschweren Steinpfähle oft erst steile Berghänge hinauf transportieren. Aufgestellt wurden die Stelen meist zu kalendarischen oder politischen Jubiläen. Der Großteil stammt aus der Zeit des Königs „Rauch-Jaguar Imix-Ungeheuer“, darunter auch die Stelen auf dem „Großen Platz“. Unter „18 Kaninchen“ entwickelte man jenen lebendigen Stil, für den Copán heute bekannt ist.

Rosalila ist ein frühklassischer Tempel, der 557 n.Chr. vom 10. Herrscher Rosalila TempelCopans “Tzik Balam” eingeweiht wurde. Seinen Namen hat er nach den Farben, mit denen er einst bemalt war. Der Tempel war so heilig, dass er nicht einfach überbaut, sondern rituell begraben, konserviert und später dann mit Tempel 16 überbaut wurde. 1992 wurde Rosalila von dem Archäologen Ricardo Agurcia innerhalb des Überbaus (Tempel 16) freigelegt. Rosalila war, - so zeigte sich - vollständig mit einer schützenden Stucco- und darüber mit einer Lehmschutzschicht versehen, begraben worden. Gezielte Probenentnahmen erlaubten den Archäologen, auf den Gesamtbau und besonders das Farbschema zu schließen. Bisher konnte in keiner anderen Mayastätte die ursprüngliche Farbgebung vollständig nachgewiesen werden! Der ca. 14 m hohe mehrstöckige Tempel mit einer Basis von 19 x 19 m wurde originalgetreu rekonstruiert und ist seit 1996 im Museum in Copan, welches wir anschließend besuchen, zu besichtigen.

Das Museum “Museo Litico de Copan” wurde erst 1996 eröffnet und präsentiert die Objekte in einer weiten, hellen Halle.

Mit dem Besuch des Museums endet auch das heutige Programm. Wir fahren mit unserem BuPfeils zurück zum Hotel. Wer Lust hat, kann den hoteleigenen Swimmingpool zu einer Erfrischung vor dem Abendessen nutzen.