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Über den Mittleren Atlas nach Fes



Mi, 25.04. und Do, 26.04. 2007

Wir folgen dem grünen Band der Palmenhaine in der Flussoase des Ziz nach Er-Rachidia. Eindrucksvoll ist die Überquerung des Hohen und Mittleren Atlas mit seinen immergrünen Zedernwäldern auf unserem Weg zur Königsstadt Fes. Die Medina von Fes ist der größte erhaltene Altstadtbezirk ganz Marokkos.

WirArtesischer Brunnen verlassen heute Morgen das Städtchen Erfoud und fahren Richtung Norden nach Fes. Zu überqueren sind heute der Hohe und der Mittlere Atlas. Die Strecke mit insgesamt 430 km ist die längste der ganzen Reise, aber der Reiseleiter lässt keine Langeweile aufkommen und sorgt für reichlich Abwechslung. Unser erster Stopp ca. 17 km nördlich von Erfoud dient der Besichtigung eines artesischen Brunnens. Ursprünglich bohrte man in der Gegend um Erfoud nach Öl, fand dabei aber Wasser. Für die Bewohner bedeutet das "Baraka" - "der Segen Allahs" oder "Atem des Lebens".

Das Ziz-Tal und das Tafilalet, welches wir nach Norden durchfahren, besticht durch In der Ziz-Oaseherrliche Wüstenlandschaften, gewaltige Palmenhaine und dürre steinerne Flächen. Wasser verdankt diese Gegend den Flüssen Qued Ziz und Qued Rheris. Die Ziz-Oase ist eine riesige Dattelpalmenoase mit mehreren Dörfern (Ksour). In dieser Oase wurde auch der Film "Himmel über der Wüste" gedreht.

Auf Steineichenunserer Weiterfahrt durchfahren wir sogenannte Steineichenwälder. Die Steineiche ist ein immergrüner Laubbaum, der in der mediterranen Klimazone - vor allem Spanien, Portugal und Nordafrika - beheimatet ist. Die Steineiche wird als Baum 5 bis 20 Meter, manchmal auch bis 28 Meter hoch. Sie kann ein Alter von 200 bis 500 Jahren und einen Stammdurchmesser bis zu 1,4 m erreichen. Die Krone ist breit gewölbt und oft mehrstämmig. Wir genießen die erfrischende Luft und wandern einige Kilometer durch die Wälder. Der Bus fährt vor und wartet auf die Reiseteilnehmer. Eine sehr gute Idee bei der heutigen langen Busfahrt!!

Ifrane, das "Kitzbühel Marokkos" - ein Luftkurort mit alpenländischen Flair auf einer HöheResidenz Hassan II von ca. 1600 m war ein bevorzugter Erholungsort von Hassan II, dem Vater des heutigen Königs Mohammed VI. So ließ er sich auch hier eine Residenz im Stil mittelalterlichen Burgen bauen. In der Gegend um Ifrane soll 1920 der letzte Atlas-Löwe erledigt worden sein.

AmHotel Les Merinides späten Nachmittag erreichen wir Fes und beziehen unser Zimmer in der luxuriösen Hotelanlage "Les Merinides" hoch über der Stadt mit wunderschönem Blick über die alte Königsstadt.

Fes

Fes liegt inmitten der fruchtbaren Saïs-Ebene und ist die älteste der 4 Königsstädte. Die Stadt, viele Jahrhunderte politisches und geistliches Zentrum des Landes, ist Sitz der ältesten islamischen Universität. Die Stadt besteht aus 3 Teilen: dem ältesten Stadtteil, Fes-el-Bali ("das alte Fes"), dann dem von den Meriniden gegründeten Fes-el-Djedid ("das neue Fes") und schließlich der Ville Nouvelle, von den Franzosen während der Protektoratszeit gegründet und nun eigentliche Neustadt. Um die Stadt vor dem Verfall zu bewahren, wollen die UNESCO und private Stifter die Altstadt restaurieren.

Ausgangspunkt Tor am Königspalastunserer Stadtbesichtigung am anderen Morgen ist das "Neue Fes" - Fes el Jedid -, und zwar die Place des Alaouites. Sie wurde Ende der 60-er Jahre angelegt, als der Haupteingang des Königspalastes neu gestaltet wurde. Mit ihren Marmorplatten und den plätschernden Brunnen ist sie sicher ein würdiger Vorplatz. Der Königspalast besitzt eine eigene Moschee und nach obeneine Medersa. Insgesamt ist das ganze Areal ca. 80 ha groß. Weithin sichtbar und golden glänzend sind die Eingangsportale: 7 Tore mit 7 Türen, die die 7 Tage der Woche symbolisieren. Die Zedernholztüren sind mit fein ziseliertem Goldblech versehen.

Östlich der Place des Alaouites öffnet sich die Mellah, das jüdische Viertel. Die Juden unterstanden direkt dem Schutz des Sultans und wurden daher in seiner unmittelbaren Nähe angesiedelt, zumal sie alsIn der Mellah Kreditgeber, Goldschmiede oder Juweliere häufig für ihn arbeiteten. Früher wohnten in der Mellah 36.000 Juden; heute sind es nur noch 2000. Die jüdische Mellah besitzt ein anderes Gepräge als eine arabische Medina. Die meist zweigeschossigen Häuser sind nicht gegen die Straße abweisend verschlossen, sondern mit Türen, großen Fenstern und Balkonen versehen, die geschnitztes Holzflechtwerk und schmiedeeiserne Gitter aufweisen. Man zeigt seinen Reichtum auch nach außen hin!

Die Stadttor in Fes eigentliche Medina - Fes el-Bali - betreten wir durch das Bab Boujeloud, ein Dreibogentor mit reicher farbiger Kachelornamentik. Seine Farbgebung hat symbolische Funktion: Zum Zentrum hin ist es mit blauen Kacheln geschmückt, der Symbolfarbe von Fes. An der Innenseite weist es grüne Kacheln auf, der Farbe des Islam und des Propheten. Durch den großen mittleren Torbogen hindurch kann man zwei Minarette sehen: links das der Medersa Bou Inania, rechts das der Moschee Sidi Lezzaz.

Die Medersa Bou Inania ist ein besonders üppiges meridinischesMedersa Bou Inania Bauwerk. Sie wurde zwischen 1350 und 1357 errichtet. Angeblich warf der Sultan die Rechnungen der Bauleute in den Fluss, da Schönheit sich nicht mit Geld begleichen ließe. Die Medersa hat einen quadratischen Innenhof mit Waschbrunnen, Betsäle und im ersten und zweiten Stock winzige Wohnzellen für Studenten. Die Flügeltüren sind mit Bronzeplatten geschmückt, die Wände haben feinste florale Ornamente. Im Innenhof besteht das Pflaster aus weißem und rosarotem Marmor; Wände, Fenster, Fassaden und Säulen sind mit Ornamenten aus Stuck und geschnitztem Holz verziert.

(Fes: Quellen: www.wissen.de / Stefan Weidner: Fes, Sieben Umkreisungen, Amazon Verlag)

Die Souks bilden den Mittelpunkt des Handwerks und des Handels. Die Straßen und Viertel sind, wie in allen Souks, nach Handwerkszweigen aufgeteilt. Unser Rundgang durch die Souks beginnt am Place es-Seffarine, dem Platz der Messingschmiede, was leicht am Lärm zu hören ist. Von hier ist es nicht weit zu dem am Oued Fes gelegenen Gerberviertel Chuwwara. Die Gerber von Fes el-Bali gehören zu den berühmtesten Handwerkern Marokkos. Leder aus Fes wurde bereits im Mittelalter bis nach Bagdad exportiert. Die Arbeit in der Gerberei und Lederfärberei beobachten wir von einer Terrasse aus. Über dem Viertel liegt ein sehr übler Gestank, wir erhalten ein Büschel Pfefferminzblätter, das wir vor die Nase halten sollen. Es nutzt etwas und hält den Gestank ab.

Nach traditionellen Methoden werden die Häute von Schafen, Ziegen und Kühen zu Leder verarbeitet. Das Angebot an Babouschen, Taschen und bestickten Sitzkissen ist riesig!


MessingverarbeitungHolzverarbeitungIn der GerbereiErzeugnisse aus Leder


Bei unserem Rundgang werden wir auf einen Fondouk aufmerksam gemacht. Es handelt sich dabei um ein Großhandelslager, so wie sie um 1700 üblich waren. Im ersten Stock wohnten die Händler, unten war Platz für die Pferde sowie Abstellräume, um Handelsware unter Verschluss zu lagern. Man kann auch sinngemäß von einer Karawanserei sprechen.

Marokko Pastillabesitzt nicht nur einen Reichtum an Kunstschätzen und Kulturtraditionen, sondern auch an kulinarischen Genüssen. Die marokkanischen Märkte bieten eine Vielzahl von frischen Gemüsen, Obstsorten und orientalischen Gewürzen. Die Grundnahrungsmittel sind Getreide, Hülsenfrüchte, Geflügel, Schaf-, Ziegen- und Rindfleisch. Ein wahres Festessen ist eine Pastilla, zubereitet aus hauchdünnen Teigblättern mit Mandelpaste und Taubenfleisch gefüllt. Die Zubereitungszeit beträgt ca. 4 Stunden! (Quelle: Rezeptanleitung unter www.mourad007.de/Rezepte/pastilla.jpg) Unser Reiseleiter hat dieses Gericht für uns vorbestellt und wir können es in der Mittagszeit auf der Terrasse eines Restaurants in der Altstadt genießen. (Essen: 180 Dirham pro Person, das sind umgerechnet ca. 16 € pro Pers. Stand: April 2007 )

Nach diesem leckeren Festessen steht der restliche Nachmittag zur freien Verfügung. Wir lassenBlick auf Fes und Umgebung uns mit anderen Reiseteilnehmern per Bus zum Hotel zurückfahren, um uns ein wenig zu erfrischen. Anschließend erkunden wir zu Fuß die nähere Umgebung des Hotels. Unweit des Hotels befindet sich das Bordj Nord, eine Festung aus der saadischen Zeit. Der Saaditen-Sultan Achmed el Mansour ed Dehbi ließ die kleine Festung von christlichen Sklaven errichten, wohl eher zur Einschüchterung der Bewohner von Fes als zu deren Verteidigung. Von hier haben wir eine wunderschöne Sicht auf die Stadt Fes.

Zum Abschluss unseres Fes-Besuches lassen wir uns auf der Aussichtsterrasse des Hotels noch nach obeneinen Tee servieren. Getrunken wird zum Essen in der Regel Wasser, zu jeder Tageszeit wird aber auch Tee serviert, meist auf einem kunstvoll ziselierten Messingtablett. Der Aufguss aus chinesischem grünem Tee, frischen Pfefferminzblättern und sehr viel Zucker ist das Nationalgetränk der Marokkaner: Thé à la Menthe. Ein Genuss!!