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Nach Süden bis Tafraoute



Di, 17.04. 2007

Der Arganienbaum liefert eines der kostbarsten Öle der Welt. Auf unserem Weg nach Agadir besuchen wir die Arganien-Kooperative „Al Amal“ (Hoffnung): Wir können mit einer der Frauen sprechen und erfahren, warum das Projekt für die dort arbeitenden Frauen so wichtig ist und wie ihre tägliche Arbeit mit dem edlen Öl aussieht. Wir genießen einen Strandbummel am Atlantik in Agadir, bevor die Fahrt über Tiznit hinauf in den Antiatlas nach Tafraoute weitergeht.

Unser morgendlicher Tagesrhythmus, der nun bis zum Abreisetag so gelten soll, sieht wie folgt aus: Um 6.30 Uhr ist das morgendliche Wecken durch den Hotelservice. Die Koffer müssen bis 7.15 Uhr vor die Zimmertür zum Abholen bereitgestellt werden. Gefrühstückt werden kann in jedem Hotel ab 6.30 Uhr. Abfahrt ist jeweils um 8.00 Uhr.

Der Arganienbaumerste Stopp heute ist der Ort Tamanar, der zwischen Essouira und Agadir liegt. Hier sehen wir Seltsames: Aus den Kronen der Arganienbäume blicken Ziegen in die marokkanische Landschaft. Ziegen in den Bäumen? Nun, sie sind scharf auf die saftigen Blätter des Arganienbaumes. Diese Bäume kommen nur hier vor. Der Arganienbaum ist wohl Marokkos berühmtester und zugleich seltenster Baum. Die Früchte des 4-6 m hohen, knorrigen Laubbaums ähneln Oliven und sie dienen den Ziegen, die auf seinen Ästen herumklettern, als Nahrung. Der Baum kann lange Trockenzeiten aushalten. Sobald etwas Regen fällt, sprießt er wieder, wird grün und bringt Blüten hervor.

Viele Leute behaupten, dass das Öl aus den Samen Arganienfruchtdes Arganienbaumes das teuerste der Welt sei. Der Literpreis soll bei ca. 35 Euro liegen. Die Heilkräfte des Öls sollen angeblich sogar Forscher überraschen. Weltweit kommt der Arganienbaum nur im Südosten Marokkos vor. Man hat zwar schon versucht, das Öl in Israel und Spanien anzubauen, aber die Versuche schlugen fehl. Aus etwa 30 kg olivenähnlichen Früchten kann in fast zwei Tagen Handarbeit nur ein Liter Öl hergestellt werden. Anders als bei Oliven wird bei der Arganie aus dem Kern Frauenkooperativeund nicht aus dem Fruchtfleisch das kostbare Öl gewonnen.

Unser Reiseführer klärt uns in einem kurzen Vortrag über die Frauenkooperative auf, die durch das marokkanische Forstministerium ins Leben gerufen wurde. Die Mitglieder - hauptsächlich geschiedene und verwitwete Frauen - sind mit der gemeinsamen Herstellung und Vermarktung von Arganöl beschäftigt. Sie können ihre Tagesarbeitszeit weitgehend selber bestimmen. 6 - 8 Frauen kommen auf einen Tagesverdienst von ca. 50 - 60 Dirham, das sind ca. 5 - 6 €.

Wie werden nun die Früchte verarbeitet? Nach dem Sammeln werden die Steine geknackt, die gewonnenen Früchte angeröstet und anschließend wird in handbetriebenen Steinmühlen das kostbare Öl gewonnen. Erntezeit ist von Juli bis September. Bis zu 4 Jahre können von einem Baum geerntet werden. Regnet es sehr viel, kann man sogar zweimal im Jahr ernten. Damit die Frauen auch in weniger guten Jahren arbeiten können, legen sie sich Vorräte an.

Am 28. April 1999 nahm die UNESCO Marokkos Arganiengebiet in die Liste der zu schützenden Biosphäre auf!

Nach dem Besuch der Frauenkooperative erreichen wir gegen 12.00 Uhr die Stadt Agadir, wo wir eine zweistündige AgadirMittagspause einlegen, die jeder nach seinem Geschmack gestalten kann. Agadir, 1505 von den Portugiesen gegründet, ist das größte Touristenzentrum der Region mit ca. 20.000 Hotelbetten. Am Abend des 29. Februar 1960 wurde die Stadt durch ein Erdbeben mit einer Stärke von 5,7 auf der amtlichen Richterskala verwüstet, wobei rund 10.000 - 15 000 Menschen ums Leben kamen. Viele Nationen halfen Agadir beim Wiederaufbau. Die Schweiz baute sogar ein ganzes Viertel auf. Die Marokkaner nennen diesen Stadtteil das "Schweizer-Viertel".

Die Fahrt geht weiter nach Tiznit, einer ehemaligen Raststelle für Karawanen zwischen Marrakesch und Mauretanien. Die Landschaft um Tiznit nennt man Tazroualt. Ackerbau ist hier nur in Feigenkakteengeringem Maße möglich. Die Bauweise der Häuser ändert sich: Bevorzugtes Baumaterial ist Lehm und Schilfrohr. Die Häuser haben überwiegend Zinnen auf den Dächern, die gegen böse Geister schützen sollen. Auch die weiß angemalten Türen und Fenster sollen das Eindringen der Geister verhindern. Dort, wo genügend Wasser vorhanden ist, trifft man in den Oasen auf Palmen und blühende Kakteen.

AbIm Anti-Atlas Tiznit geht es hinauf in den Anti-Atlas nach Tafraoute. Nach Meyers Weltatlas zählt der Anti-Atlas zu den ältesten Gebirgen der Welt. Geologisch gehört er zur afrikanischen Platte und ist nicht mit den, der europäischen Platte zugerechneten, anderen Atlas-Gebirgen (Hoher Atlas, Mittlerer Atlas) verwandt. Seine Nordhänge sind steil, die Südhänge gehen in Wüste übnach obener und sind fast völlig vegetationslos. Bewohnt wird der Anti-Atlas von den Chleu-Berbern, neben den Berabern und den Rif-Kabylen die größte und älteste Berbergruppe. Der größte Teil des Anti-Atlas bildet eine Hochebene auf ca. 1800 m Höhe.

Die Gegend um Tafraoute (auf Deutsch: Futtertrog), unser Tagesziel, ist landschaftlich Tafraoutesehr beeindruckend. Das Städtchen liegt in der kargen, aber beeindruckenden Felslandschaft des Antiatlas. Rosa Granitfelsen, rote Häuser und grüne Palmen prägen die Landschaft. Es wächst nicht viel in dem Hochtal; Ziegen auf Nahrungssuche sind kein seltenes Bild. Mit 31° nördlicher Breite haben wir den südlichsten Punkt der Reise erreicht. Tafraoute ist das Zentrum der Ammeln, einem Zweig der Chleu-Berber.

Unser Hotel Les Armandiers heutiges Domizil ist das Hotel Les Armandiers, das einzige des Ortes. Auf einem Felshügel gelegen, überragt das im Stil der Kasbahs gebaute Hotel das malerische TafraouteTal. Das Hotel bietet einen Pool, Bar und ein Restaurant in einem großen marokkanischen Salon. Man hat von vielen Zimmern einen wunderschönen Blick auf das Gebirge und das Tal. Bei unserem Aufenthalt entlud sich abends ein Gewitter über dem Ort. Während des Abendessens saßen wir wiederholt ohne Strom da. Was macht das schon? Auch ein Candlelight-Dinner kann schön sein!