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Denver - Wounded Knee - Mt. Rushmore

Sa, 31. 07. 1999

Wir stehen schon sehr früh auf, um die S-Bahn um 6.51 Uhr nach Pasing zu nehmen. Von dort geht es mit der S 8 weiter zum Flughafen. Wir wollen rechtzeitig zum Einchecken dort sein, denn heute ist das erste Ferienwochenende und vielleicht herrscht Hochbetrieb am Flugplatz. Doch entgegen allen Erwartungen ist um diese Zeit relativ wenig Betrieb und wir haben bereits um 8.45 Uhr unser Gepäck aufgegeben und unsere Boarding-Cards erhalten.

Bis zum Abflug nach Chicago sind es noch fast 3 Stunden! So können wir uns noch gemütlich ein bisschen umschauen und in größter Ruhe eine Tasse Kaffee trinken und ein Croissant essen. Der Abflug ist pünktlich um 11.25 Uhr, die Ankunft in Chicago um 14.00 Uhr Ortszeit.

Da wir in München "Blue Lane" gebucht hatten, geht das Einreise-Procedere in Chicago relativ schnell. In Chicago sollen wir um 16.40 Uhr weiter nach Denver, unserem eigentlichen Reiseziel fliegen. Leider sehen wir auf der Auskunftstafel, dass sich dieser Flug wohl verspäten wird. Als neue Abflugzeit wird 18.30 Uhr angegeben, kurze Zeit später sogar 19.10 Uhr. Aus irgendeinem Grund ist eine Maschine ausgefallen und die Passagiere werden umgebucht. Wir bekommen einen Platz in der 19.10 Uhr - Maschine, müssen allerdings von Gate C11 nach Gate B16, was in Chicago- O'Hare schon ein weites Stück zu laufen ist. Na ja, auch das wird gemeistert, der Abflug nach Denver ist dann pünktlich und gegen 23.00 Uhr sind wir "glücklich", aber etwas erschöpft in Denver. Am Avis-Schalter bekommen wir unseren Mietwagen und irgendwann gegen Mitternacht erreichen wir das Adam's Mark Hotel im Zentrum Denvers an der 16th Street Mall, einer großen Einkaufsstraße. Das Auto können wir in der Hotelgarage parken. Unser Zimmer liegt im 15. Stockwerk. Jetzt heißt es erst einmal ausruhen, zu schlafen versuchen und den morgigen Tag in Ruhe angehen.

Unsere genaue Reiseroute sieht man hier

So, 01. 08. 1999

Denver, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado,Am Larimer Square ist Handels-, Gewerbe- und Finanzzentrum für eine Region in den Rocky Mountains, in der vor allem Bergbau und Landwirtschaft betrieben werden. Wichtigste Denver CapitolProduktionszweige in Denver sind Erdölverarbeitung und Elektrotechnik. Daneben ist die Münzprägung von Bedeutung. Die sehenswerte U.S.Mint, neben San Franzisko und Philadelphia die einzige Münzprägeanstalt der USA, hat leider sonntags geschlossen. So fällt dieser Besichtigungspunkt weg. Das Wetter zeigt sich auch nicht gerade von der besten Seite, es fängt sogar zu regnen an. Doch der Regen tut unserer Erkundungstour keinen Abbruch. Wir besichtigen das Viertel am Larimer Square mit seinen vielen Gaslaternen. Es ist ein gelungenes Beispiel der Stadtsanierung.

Denver SkylineAm Larimer Square finden wir ein nettes und gemütliches Lokal, wo wir zu Mittag essen. Leider verschlechtert sich das Wetter zusehends, derWelcome to Golden Regen wird stärker und wir beschließen, nach Golden zu fahren, in der Hoffnung, dass es dort etwas besser wird.

Golden liegt 23 km westlich von Denver. Die Stadt wurde 1859 nach Goldfunden im Clear Creek Canyon gegründet und war von 1862 - 1867 sogar Hauptstadt des Staates Colorado. Heute ist Golden eine hübsch zurechtgemachte alte Westernstadt. Leider kommen wir in Golden auch nicht ohne Regenschirm aus. Die im Baedeker beschriebene nostalgische Westernstadt Black Hawk in der Nähe Goldens erweist sich als ein Reinfall. Wir finden nichts anderes als ein SpielcasinoPfeil nach oben neben dem anderen. Dazu schüttet es nur so vom Himmel ! Wir fahren alsbald zurück nach Denver, genehmigen uns am Larimer Square noch eine riesengroße Pizza und begeben uns ins Hotel, um bei einem Glas Wein den morgigen Tag vorzubereiten.

 

Mo, 02. 08. 1999

Nach einer ruhigen Nacht und einem reichhaltigen Frühstück in einem Coffee-Shop in der Nähe des Hotels wollen wir Denver verlassen. Vorher werden wir aber noch zur Kasse gebeten: Wir haben 15 $ /Tag für das Parken in der hoteleigenen Garage zu bezahlen, also insgesamt 30 US$. Ein stolzer ScottsbluffPreis! Aber wir hatten keine andere Möglichkeit, da die Parkplätze auf der Straße alle zeitlich auf nur wenige Stunden begrenzt waren.

Unser heutiges Tagesziel ist Scottsbluff im US-Bundesstaat NebraskSiedlerwagena. Die Fahrt geht zunächst über den Interstate Highway 25 nach Fort Collins, weiter über Cheyenne. Beides sollen "alte, sehenswerte" Western-Städte sein, was wir nicht bestätigen können. Wir sind eher enttäuscht, oder unsere Erwartungen waren zu hoch. Es geht weiter über Kimball Richtung Scottsbluff. Vor Scottsbluff nehmen wir die Abzweigung zum Scottsbluff National Monument. Hier stoßen wir zum ersten Mal auf den so genannten "Old Oregon Trail".

Chimney RockSeit etwa 1835 hörten die Siedler im Osten Geschichten über ein im Westen liegendes Land, das fruchtbar und frei war, ein Land, in dem die Ernte ein Vermögen bringen und "Milch und Honig fließen" soll. Es war das Land der Verheißung. Dieses Land hieß Oregon. So verließen viele Farmer ihre Heimat und machten sich auf in den Westen. Der erste Track ging im Jahre 1841 zunächst nach Kalifornien. Der zweite Track setzte sich 1842 nach Oregon in Bewegung. Aber erst im Jahre 1843 gab es die erste große Massenwanderung nach Oregon. Die Tracks mussten im Frühjahr ihre Heimat verlassen, um im Sommer die Berge zu erreichen. Das war wichtig, denn in den Bergen lag bereits im Frühherbst Schnee, und wer einen falschen Weg nahm oder zu spät aufbrach, dessen Ende war dann in den Bergen besiegelt. Scottsbluff war eine wichtige Landmarke für die Siedler. Eine 150 m aufragende Felsnadel, Chimney Rock, markierte den Tracks auf dem Oregon-Trail, dass sie die Great Plains nun durchquert, die weit beschwerlicheren Rocky Mountains aber noch vor sich hatten. In Scottsbluff erwartet uns das Best Western Scottsbluff Inn.

 

Di, 03. 08. 1999

Heute steht eine längere Fahrt von Scottsbluff, Nebraska, nach Wall, South Dakota, an. DasWounded Knee sind ca. 250 Meilen. Zunächst fahren wir auf dem HW 87 nach Norden Richtung Rushville und von dort nach Pine Ridge, South Dakota. Unser erstes Ziel ist Wounded Knee im weiten Umfeld der Badlands. Die dort ansässigen Indianer wehrten sich in der Vergangenheit mehrfach gegen die Landnahme der Weißen. Mehrfach kam es zu blutigen und verlustreichen Schlachtfeld Wounded KneeAuseinandersetzungen mit US-Truppen. Am 29. Dezember 1890 wurden mehrere hundert Indianer am Wounded Knee Creek von Einheiten der US-Kavallerie massakriert. Durch diese unrühmliche Aktion konnte der Widerstand der Indianer zunächst gebrochen werden. Das Massaker von Wounded Knee ist aber bis heute nicht vergessen. Eine, unserer Meinung nach, schäbigeIn the Badlands Gedenktafel erinnert an dieses Massaker, das hier stattfand und den letzten Aufstand des roten Mannes gegen die neuen weißen Herren endgültig ersticken sollte.

Nächstes Etappenziel auf dem Weg nach Wall sind die Badlands. Der Badlands-Nationalpark im Südwesten von South Dakota nimmt eine Fläche von fast 100 000 Hektar ein und besteht hauptsächlich aus erodierten, steilen Hängen und grasbewachsener Prärie. Für die Landwirtschaft ist dieses Gebiet ungeeignet, daher auch der Name "Badlands". Im Park befinden sich reiche Fundstätten an Fossilien, wie etwa von prähistorischen Pferden, Schafen, Nashörnern oder Schweinen. 11 000 Jahre alte Funde menschlicher Zivilisation wurden hier ebenfalls gemacht. Das Gebiet wurde 1939 zum National Monument erklärt und 1978 zum Nationalpark aufgewertet.

WallDrugstoreWall in South Dakota ist ein Kuriosum, das 1907 als Bahnstation der Chicago & North Western Railroad entstand. Hauptanziehungspunkt des nur 770 Einwohner zählenden Ortes ist der riesigPfeil nach oben e "Wall Drug Store", der nicht nur 23 Geschäfte und Cafes unter seinem Dach vereint, sondern auch ein Gotteshaus, einen 25 m hohen Dinosaurier und ein Cowboy-Orchester. Um es auf einen Nenner zu bringen: Von Kitsch bis Unendlich findet man hier alles!

 

Mi, 04. 08. 1999

Nach einem Frühstück im Wall Drug machen wir uns auf den Weg. Es geht auf dem Interstate HW 90 nach Rapid City und von dort auf dem HW 79 zur State Game Lodge im Custer State Park. In Rapid City holen wir uns im dortigen Informationscenter Unterlagen für den Besuch von Mt. Rushmore, unserem ersten heutigen Besichtigungspunkt.

Mount Rushmore National Memorial ist eine 5,2 km² umfassende Erinnerungsstätte in den BlacMt Rushmorek Hills in South Dakota, in deren Mittelpunkt die auf einer Höhe von 1707 m in den Granitfelsen gemeißelten Köpfe von vier amerikanischen Präsidenten zu sehen sind: George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt. Federführend bei der gewaltigen Gestaltung der Porträts (Höhe zwischen 15 m und 21 m), die zwischen 1927 und 1941 entstanden, war der amerikanische Bildhauer Gutzon Borglum. Allabendlich findet gegen 21.00 Uhr eine "Feier" am Denkmal statt. Bei einer Art Freilichttheater erfahren wir in einem Film etwas über das Leben dieser Präsidenten, über ihre Ideen, ihre Ideale. Pünktlich um 21.30 Uhr erklingt die Nationalhymne; alle Teilnehmer stehen auf und die Präsidentenköpfe werden illuminiert.

Summer White HouseUnsere heutige Unterkunft ist die Custer State Game Lodge im Custer State Park. Der Name des Parks erinnert an den umstrittenen Helden aus den Indianerkriegen, dessen Regiment am Little Big Horn von den Sioux vernichtet wurde. Tatsächlich war es auch derselbe Custer, der am French Creek durch Zufall auf Gold stieß, als er im August 1874 mit einem Trupp Soldaten den Standort für ein neues Fort sondierte. Die "State Game Lodge & Resort" wird auch das 'Summer White House' genannt, da die Präsidenten Eisenhower und Coolidge hier schon wohnten.

 

Do, 05. 08. 1999

Im Custer State Park lebt eine Herde von ca. 1.500 Bisons. Fährt man den 'Wildlife Loop Road'Bisonherde, eine 16 Meilen lange Strecke, die von der US 16A weggeht und auf die SR 87 im Park trifft, hat man eine gute Chance, die Bisons in direkter Nähe zu sehen. Die 'tatanka' -so nennen die Lakota-Sioux den Bison- wiegen an die 1.000 kg und man bekommt den Rat, nicht aus dem Wagen auszusteigen, da sie durchaus gefährlich werden können. Andere Tiere, die man hier im Park sehen kann, sind Elche, Steinböcke und Bighorn Sheep.

The NeedlesDie SR 87 wird auch "Needles Highway" genannt und zählt zu den 'Scenic Drives', den sehenswerten Strecken im Park. Seinen Namen hat er durch den Felsen 'Needles Eye', einem 12 m hohen, nadelartigen Granitfelsen, an dem er vorbeiführt, bekommen. Ausserdem sind mehrere enge Tunnels zu durchfahren.

Nur wenige Kilometer westlich von Mount Rushmore entsteht an der US 16Crazy Horse mit "Crazy Horse" eine Monumentalskulptur noch viel größeren Ausmaßes. Der Steinmetz Korczak Ziolkowski, der bereits für Gutzon Borglum gehämmert hatte, begann dort 1947 seinen ganz Crazy Horsepersönlichen Lebenstraum zu verwirklichen und ein Abbild des Sioux-Häuptlings Crazy Horse hoch zu Roß dreidimensional aus dem Berg zu sprengen. Die geplanten Endmaße: Länge 195 m, Höhe 172 m - mehr als zehnmal so groß wie die benachbarten Präsidentenköpfe. Ziolkowski starb 1982. Seitdem arbeiten seine Frau und seine 10 Kinder an der Vollendung oder doch wenigstens Fortsetzung seines Werkes. Denn, obwohl bereits mehr Material bewegt wurde als beim Mt. Rushmore, konnte bislang erst der Kopf aus demPfeil nach oben Fels gemeißelt werden. Die geplanten restlichen Umrisse kann man anhand von Farbmarkierungen nur erahnen. Es wird wohl noch Jahrzehnte dauern, bevor der große Sioux-Häuptling glattpoliert das Black-Hills-Tal überblickt - falls diese Stunde überhaupt jemals schlägt!!