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Hinter den Klostermauern von Koya-san

Mo, 05. April 2010

"Eine schlechte Tat wird meilenweit bekannt, aber eine gute kommt nicht aus der Tür!"

(Spruch des Tages)

"Hai" - "Ja!"

"Iie" - "Nein!"

(Vokabeln des Tages)

Heute beginnt das Frühstück um 6.45 Uhr. Um 7.45 Uhr treffen wir uns in der Hotelhalle, gehen wenige Meter zu Fuß zum Bahnhof und fahren um 8.05 Uhr mit dem Zug nach Yamatoyaki. Die Fahrt dauert 2 Stunden. Nach der Ankunft steigen wir in einen bereitstehenden Bus und erreichen gegen 11.00 Uhr unser erstes Ziel, den Asuka-Tempel.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Asuka-Tempel
Asuka-Tempel, erster buddhistischer Tempel Japans
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Asuka ist ein Dorf, das einmal Kaiserstadt war, allerdings vor 1400 Jahren! Es liegt in der Yamato-Ebene. "Yamato" ist der Ursprung der japanischen Geschichte. Der erste Tenno soll hier in dieser Gegend das erste Reich gegründet haben. Die Epoche vom 3. bis zum 7. Jahrhundert nennt man auch die Yamato-Zeit. Je nach Sichtweise -archäologisch oder kunsthistorisch - wird sie auch die Kofun-Zeit (um 300–710) genannt nach den schlüssellochförmigen Hügelgräbern jener Zeit, den Kofun. Zu jener Zeit ist in chinesischen Chroniken bereits die Rede von einem Königreich Yamato auf den japanischen Inseln. In der Kofun-Zeit entstanden rege Beziehungen nach China und Korea, Kulturtechniken wurden importiert. Wesentlich war der Buddhismus, der im 6. Jahrhundert nach Japan kam. Er wurde nach heftigen Konflikten Staatsreligion, die wohlhabende Adelsfamilie Soga gelangte zu erheblichem Einfluss und förderte den Buddhismus. Die Asuka-Zeit beginnt etwa 592 und dauert bis 710 an. Obwohl die Asuka-Zeit zeitlich mit der Kofun-Zeit überlappt (552 markiert das Jahr der Übernahme des Buddhismus als Staatsreligion), wird sie gesondert betrachtet, da in diesem Zeitraum Weichenstellungen für Japans Geschichte stattfanden. Japan wurde in dieser Zeit ein Zentralstaat mit einer gesetzlichen Ordnung, die um den Kaiser herum aufgebaut war, welcher jedoch keine reale Macht inne hatte. Die komplette poltische Macht lag in den Händen der vorherrschenden Soga-Familie. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Taika-Reform (645 n. Chr.)

Die wichtigsten Elemente der Taika-Reformen: Aller Grundbesitz und dessen Einwohner wurden der kaiserlichen Verwaltung direkt unterstellt. Privatbesitz wurde abgeschafft. Das Staatsland wurde neu vermessen und an die Bauern verteilt, sie mussten dafür Steuern entrichten. Eine neue Hauptstadt mit neuer Verwaltungsstruktur wurde errichtet. Das Land wurde in 66 Provinzen eingeteilt. Ein neues Straf- und Zivilrecht wurde abgefasst.nach oben

Der Asuka-Tempel, den wir nur von außen sehen, ist der erste buddhistische Tempel Japans! Die anschließende kleine Wanderung durch die Felder rund um Asuka ist eine Wanderung auf dem Gelände der ehemaligen Hauptstadt, von der keine Gebäude mehr erhalten sind.

Huegelgrab
Hügelgrab aus der Kofunzeit
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Unser nächster Besichtigungspunkt ist ein Hügelgrab aus der Kofunzeit. Diese Grabanlagen haben ihren Ursprung in China. Die Größe der in Japan erhaltenen Kofun reicht von einigen Metern bis hin zu 700 m Länge. In den größten Hügelgräbern vermutet man die sterblichen Reste der Kaiser Nintoku und Ojin. Da die Erforschung von Kofun in Japan strengen Restriktionen unterworfen ist, kann man aber keine eindeutige Zuordnung treffen. Japanische Kofun sind keine Kulturdenkmäler, sondern unterstehen der kaiserlichen Hofbehörde, da sie als Privatgräber angesehen werden. Wie diese Gräber gebaut wurden, sehen wir recht anschaulich am Eingang auf einer Schautafel.

Nach der Besichtigung des Hügelgrabes ist ausreichend Zeit für eine Mittagspause und einen Spaziergang durch den kleinen Ort. Einen besonders schönen Anblick bietet die Picknickwiese vor dem Hügelgrab mit den blühenden Kirschbäumen! Um 13.00 Uhr geht die Fahrt weiter nach Koya-san, dem Hauptquartier der Shingonschule bzw. Shingonsekte, wo wir zuerst den Friedhof besuchen.

Der Hauptsitz der Shingonschule (Shingon=das wahre Wort) liegt in einem Waldgebiet auf dem 900 m hohen Mönchsberg Koya-san, etwa 70 km südlich von Osaka. Die Schule wurde 816 von Kobo-daishi gegründet, der zu Lebzeiten Kukai hieß und erst nach seinem Tode 835 den Ehrentitel "Kobo-daishi" erhielt. Kukai bekam den Berg vom Kaiser in Kyoto geschenkt. Er hatte zuvor einige Jahre in China studiert und brachte das Wissen über die esoterisch-buddhistische Richtung nach Japan. Er wird hoch verehrt und sogar in den Rang eines Bodhisattva versetzt.

Auf dem Friedhof in Koya-san
Auf dem Friedhof in Koya-san
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Die Tempelanlage von Koya-san umfasst 123 Tempel, 60 Tempelpensionen und einen großen Friedhof. Der Haupttempel Kongobuji brannte ab und wurde im 19. Jahrhundert neu errichtet.

Auf dem Friedhof Oku-no-in befindet sich das Grab Kukais bzw. die Höhle, in der er meditierte und nie wieder herauskam. Sie liegt hinter einem Tempel und es ist streng verboten, dort zu fotografieren! Die Gläubigen gehen davon aus, dass Kukai noch immer in dieser Höhle ist und eines Tages herauskommen wird in der Form eines Maitreya, eines Buddhas der Zukunft. Dieser wird nach buddhistischem Glauben 5,6 Milliarden Jahre nach dem Ursprungs-Buddha auf die Erde kommen. (Manchmal ist von 2000 Jahren die Rede!) Deshalb sind auf dem Friedhof, besonders in der Nähe der Höhle, Bestattungen sehr begehrt und sehr teuer, um beim Erscheinen des "Buddhas der Zukunft" diesem möglichst nahe zu sein. Der Friedhof liegt in einem Zedernwald. 200.000 Gräber - manche Reiseführer sprechen von bis zu 500.000 Gräbern - von Anhängern der Shingonschule befinden sich hier. Viele Gräber sind sogenannte "Firmengräber" - eigentlich sind es Grabmäler und keine Gräber - die man an ihren Firmenlogos erkennt. Wenn ehemalige Mitglieder dieser Firmen sterben, werden sie natürlich in ihren Familiengräbern beigesetzt. Wenn nun diese Mitarbeiter sich im Leben in besonderer Weise für die Firma engagiert haben, dann stehen auf kleinen Täfelchen die Namen der ehrenwerten Mitarbeiter. So sind diese - so glaubt man - ebenfalls dem Kobo-daishi bzw. dem zukünftigen Buddha nahe und können so die Erleuchtung erlangen.

Wir im Yukata beim Essen im Kloster
Wir im Yukata beim Essen im Kloster
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Mönche servieren das Essen
Mönche servieren im Kloster das Essen
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Nach dem Besuch des Friedhofs fahren wir mit dem Bus zur Tempel-Pension, wo wir die heutige Nacht verbringen. Zuerst heißt es wieder "Schuhe ausziehen", dann werden die Zimmer verteilt. Sie sind im Stil eines japanischen Ryokan eingerichtet, allerdings fehlt ein Bad. Dafür gibt es ein Gemeinschaftsbad und eine Gemeinschaftstoilette - so wie das in Jugendherbergen auch üblich ist. Die Zimmer sind mit Tatami-Matten ausgelegt, die Schiebetüren und Wände mit Washi - handgemachtes japanisches Papier - bespannt. Die Reiseleiterin macht darauf aufmerksam, dass jegliche Konversation im Zimmer vom Zimmernachbarn mitgehört werden kann. Im Zimmer steht ein Elektroofen zum Wärmen. Zum Abendessen um 18.00 Uhr erscheinen wir im Yukata und werden mit ausgezeichnetem vegetarischem Essen verköstigt. Die Speisen werden von Mönchen serviert. Lediglich die einzunehmende Sitzhaltung an den niedrigen kleinen Tischen bereitet einigen Teilnehmern Probleme nach oben bzw. Schmerzen in den Gelenken. Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig!

Nach dem Essen führt Michiko, unsere japanische Reiseleitung, Interessierte in die Kunst des Papierfaltens, Origami, ein. Dann ist Nachtruhe angesagt.