knopf knopf

In die japanischen Alpen nach Takayama

Sa, 03. April 2010

"Das Glück tritt gern in ein Haus, wo gute Laune herrscht!"

(Spruch des Tages)

"Oyasumi nasai - Gute Nacht!"

(Vokabel des Tages)

Auch Japan hat seine Alpen und entsprechend schöne Bergstädte. Unser heutiges Ziel ist die Stadt Takayama, die am Ufer des Miyagawa in einem Talkessel auf 573 m Höhe liegt.

Wir treffen uns um 8.30 Uhr in der Hotelhalles des Ryokans zur Abfahrt. Es ist heute sehr klares, sonniges Wetter, aber recht kalt!

Die Japanischen Alpen, die sich von Nagano aus nach Südwesten über den Rücken der Hauptinsel Honshu ziehen, sind ein wahres Paradies für Bergsteiger und Wanderfreunde. Sie sind besonders in den Sommermonaten ein beliebtes Ausflugsziel für alle, die sich nach Natur und einer kühlen Brise sehnen. Im Vergleich zu ihrem europäischen Pendant sind die Japanischen Alpen wesentlich grüner und es existieren keine Gletscher! Begünstigt durch das milde und niederschlagsreiche Klima ist die Vegetation üppig, die Baumgrenze liegt oberhalb von 2.400 Metern. Unterwegs sehen wir viele Stauseen. 10% des Energiebedarfs Japans wird durch Wasserkraft gedeckt, 45% durch Atomkraft. In der Gegend, die wir heute durchfahren, wird hauptsächlich Reis angebaut. Die Felder hier sind allerdings relativ klein, was darauf hindeutet, dass hier Reis nur zur Selbstversorgung angebaut und nicht an Genossenschaften verkauft wird. Beim Reisanbau ist Japan autark, d.h. 98% des Reisanbaus dient der Selbstversorgung, es wird fast kein Reis importiert, worauf die Japaner sehr stolz sind. Der Reispreis wird vom Staat festgesetzt, weshalb man von einer gelenkten Privatwirtschaft spricht. Wir erhalten noch einige statistische Daten: Das Durchschnittsalter der Bauern ist 60 Jahre, es gibt 2,4 Millionen Bauernhaushalte, die Gesamtbevölkerung beträgt 127 Millionen Einwohner, 13% der Fläche Japans ist Ackerland, 67% ist Wald., 5% der Fläche sind Wohngebiete.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Futons
Altes Bauernhaus im Freilichtmuseum Hida
>>Schliessen<<

Gegen 11.30 Uhr kommen wir in Takayama an. Im Freilichtmuseum Hida erhalten wir einen Einblick in das Landleben von vor hundert Jahren. Ein ungefähr 99.000 Quadratmeter großes Areal enthält Häuser mit Steil- und Schilfdächern; sie bilden das Herzstück des Museumsdorfes und bestehen aus 30 Gebäuden im historischen Hida-Stil. In jedem Haus sindnach oben Gegenstände des täglichen Gebrauchs ausgestellt. Sie zeigen in anschaulicher Weise das Leben und die Kultur in den Berg- und Bauerndörfern.

Nach dem Besuch des Museumsdorfes fahren wir zunächst zum Hotel "Hida Plaza", wo wir bereits unsere Zimmer beziehen können. Nach einer kurzen Mittagspause - im nahegelegenen Supermarkt "decken" wir uns ein - steht dann eine Stadtbesichtigung von Takayama auf dem Programm.

Vor der Stadtbesichtigung schauen wir uns zuerst den in der Hotelhalle ausgestellten Schreinwagen an und erhalten seitens der Reiseleitung die notwendigen Erklärungen.

Hotelschrein
Schreinwagen aus Takayama
>>Schliessen<<

In Takayama gibt es während des Jahres zwei Schreinfeste, im Frühling und im Herbst: Am 14. und 15. April ziehen vom Hie-Schrein aus prächtige Festwagen durch die Stadt, an ihrer Seite Menschen in Kostümen der Edo-Zeit; es soll den Gott der Plagen besänftigen; am 9. und 10. Oktober ist Erntefest mit einem Umzug vom Hachiman-gu-Schrein aus mit ebenfalls geschmückten Wagen. Solche Feste -Matsuri- gibt es auch in anderen Städten. Es sind japanische Volksfeste, die sich durch regionale Besonderheiten unterscheiden und oft im Zusammenhang mit dem örtlichen Shinto-Schrein oder buddhistischen Tempel stehen. Dabei wird die Gottheit in einem Schrein durch die Stadt geführt. In der Regel auf Rädern und von vielen Leuten gezogen. Takayama ist bekannt für seine überdimensional großen, reich verzierten Schreinwagen. Dies hat geschichtliche Gründe: In der Edo-Zeit musste jede Region an den Shogun Abgaben zahlen, entweder in Form von Naturalien oder industriellen Erzeugnissen. In Takayama gab es aber weder eine große Landwirtschaft noch Industrie. Aber man hatte Menschenkraft! Aus Takayama kamen über 800 Jahre lang die besten Handwerker, die besten Schnitzer Japans! Takayama schickte also seine Handwerker z.B. nach Kyoto oder Nara, damit sie dort die Tempel und großen Paläste aufbauten. So kamen sie schnell zu Reichtum, durften aber ihren Reichtum nicht zeigen, denn es gab eine strenge Sozialstruktur, in der sie sich auf einer der unteren Stufen wiederfanden: Samurai - Bauern - Handwerker - Händler. So arbeitete man quasi im Geheimen zu Hause an solchen Schreinen, die dann bei den Festen Verwendung fanden. Diese Feste waren die einzige Gelegenheit für die Handwerker, ihr Können zu demonstrieren. Heute gibt es ca. 23 solcher Festwagen. Während des Jahres werden sie in eigens gebauten Garagen aufbewahrt.

Sarubobo
Sarubobo aus Takayama
>>Schliessen<<

Vor dem Schreinwagen in unserem Hotel steht ein Sarubobo, eine kleine rote Figur. Diese gibt es nur in Takayama. Übersetzt heißt "Sarubobo" Affenbaby. Es sind Figuren, die Großmütter in früheren Zeiten als Puppenersatz für ihre Kinder und Enkelkinder nähten. Im Laufe der Zeit hat sich daraus ein Amulett entwickelt, dem magische Kraft zugeschrieben wird. Der Sarubobo aus Takayama, den man übrigens in fast jedem Geschäft in der Innenstadt kaufen kann und den es nur in Takayama gibt, soll Glück bringen. Warum er kein Gesicht hat, ist ungeklärt! Vielleicht sollte jedes Kind selber etwas in die Figur hineindenken!

Altstadt von Takayama
In der Altstadt von Takayama
>>Schliessen<<

In der Altstadt von Takayama künden die Straßen mit ihren dunklen, hölzernen Kaufmannshäusern noch vom ehemaligen Reichtum der Stadt. Wir beginnen unseren Rundgang mit einem Besuch des Hauses der reichen Handelsfamilie Kusakabe. Sie liehen in der Edozeit den Beamten der Shogune Geld und erhielten dafür hohe Zinsen. Sie waren also Geldverleiher! Sie durften ihren Reichtum allerdings nicht nach außen zeigen, denn in der Hierarchie standen die Händler ja an letzter Stelle! So sieht das Haus der Familie von außen wie ein normales Handelshaus der damaligen Zeit aus, hinter dem Holzhaus steht allerdings ein Steinhaus, welches von der Straße nicht einsehbar ist und was sich die Familie schon zur damaligen Zeit leisten konnte.

Nach dem Bummel durch die Altstadt steht genügend Freizeit zur Verfügung für eigene Aktivitäten. Wir kaufen einen Sarubobo als Erinnerung an Takayama und gönnen uns noch einen Kaffee.

Sukiyaki
Sukiyaki - Abendessen in Takayama
>>Schliessen<<

Heute Abend ist ein gemeinsames Abendessen im Hotel. Wer Lust verspürt, kann im Yukata erscheinen. Serviert wird Sukiyaki. Das Gericht wird direkt am Tisch zubereitet. Es  besteht aus hauchdünn geschnittenem Rindfleisch, Tofu, Nudeln, Lauch  und Pilzen. Die Zutaten werden in einem gusseisernen Topf in Sojasauce  und Mirin, einer Artnach oben Reiswein, geköchelt. Je nach Geschmack können die Zutaten vor dem Essen in eine Schale mit gequirltem Ei getunkt werden. Geschmeckt hat alles vorzüglich!!!