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Miyajima und Hiroshima


Di, 13. April 2010

"Liebst Du Dein Kind, dann schicke es auf Reisen!"

(Spruch des Tages)


Heute Morgen fahren wir um 8.45 Uhr vom Hafen mit der Fähre zur Insel Miyajima.

Miyajima, die "Schrein-Insel", ist eine bewohnte Insel, rund 30km² groß und in ca. 25 Minuten mit dem Fährschiff zu erreichen. Sie liegt in der Bucht von Hiroshima. Schon vom Wasser aus sehen wir das rote Torii des shintoistischen Schreins der Insel. Die Ansicht des Torii ist eine der bekanntesten Japans.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Torii vor der Insel Miyajima
Torii vor der Insel Miyajima
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Die Insel durfte in früheren Zeiten nicht von einfachen Leuten betreten werden, denn die Shinto-Anhänger glaubten, alles gehöre den Göttern oder sei selber Gott. Auf der ganzen Insel gibt es auch heute noch keinen Friedhof, so dass alle Bestattungen auf dem Festland stattfinden. Der berühmte Itsukushima-Schrein - Mittelpunkt der Insel - wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Er ist gewidmet den drei Töchtern der shintoistischen Windgottheit Susanoo. Die Gebäude des Schreins sind in Kettenarchitektur aneinandergereiht, der typischen Palastbauweise. Der Shintoismus legt großen Wert auf Reinlichkeit. Besucher werden auch spirituell gereinigt, indem sie durch die Gänge der Schreinanlage gehen. Der Schrein ist in Pfahlbauweise errichtet, da er bei Flut im Wasser steht. Das Torii ist 16m hoch, 23m breit. Es wurde 1875 im Ryobu-Stil errichtet und trägt die Inschrift des Prinzen Arisugawa. Das Torii gilt als das größte Japans im Wasser. Das blaue Wasser, dazu der dicht bewaldete Misen, der mit 530m höchste Berg der Insel und das orangefarbene Torii- dies alles harmoniert auf eine so beeindruckende Art und Weise, dass man diese Ansicht als eine der drei schönsten Japans bezeichnet.

Reislöffel
Reislöffel
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Schon bei der Hinfahrt zur Insel haben wir die vielen Austernbänke in der Bucht gesehen. Austern sind hier auf der Insel eine Spezialität. Da wir eine ausreichend große Mittagspause haben, bummeln wir nach dem gemeinsamen Besuch der Schreinanlage durch die vielen Gassen und kehren in einem Lokal ein, welches frische Austern anbietet, ein Genuss! Danach schauen wir uns noch nach einem kleinen Souvenir um. Da bietet sich der Reislöffel - Meshitoru - an. Er gilt als Glücksbringer und er ist angeblich nur auf dieser Insel erhältlich. Man kann zwischen diversen Aufschriften wählen, ein in Englisch verfasster Text zeigt alle Möglichkeiten. Wir entscheiden uns fürnach oben eine Aufschrift, die stets Frieden, Glück und Zufriedenheit im Haus bedeuten soll. Ob das auch so auf dem Löffel steht, können wir in Ermangelung japanischer Sprachkenntnisse natürlich nicht beurteilen. Wir hoffen es.

Um 13.00 Uhr treffen sich alle Reiseteilnehmer am Fährterminal und wir fahren zurück auf das Festland. Hier besteigen wir die Straßenbahn, die uns in einer Stunde direkt bis zum Friedenspark von Hiroshima bringt.

Hiroshima erlangte traurige Berühmtheit durch den Atombombenabwurf der Amerikaner am 06.08.1945 um genau 8.15 Uhr. Bei diesem ersten Einsatz einer Atomwaffe in einem Krieg wurden ungefähr 80 % der bis dahin unbeschädigten Stadt zerstört und zwischen 90.000 und 200.000 Menschen sofort getötet. Als Mahnung und Erinnerung errichtete man in den 60-er Jahren den Friedenspark.

Atombombendom
Atombombendom, ehemalige Industrie- und Handelskammer
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Das Gebäude der früheren Industrie- und Handelskammer stand im Zentrum der Detonation. Nach dem Abwurf der Bombe, die den Codenamen "Little Boy" hatte, brannte es völlig aus, alle darin arbeitenden Menschen kamen um. Das, was vom Gebäude übrigblieb, hat man als Ruine stehenlassen. Es ist das Friedensdenkmal bzw. der Atombombendom. 1996 wurde dieses Skelett zum Weltkulturerbe erklärt. Am Abend des Jahrestags der Katastrophe setzen hier die Einwohner der Stadt Papierschiffchen mit brennenden Kerzen in den Ota-Fluss; in einer bewegenden Prozession schwimmen sie dem Meer entgegen und erinnern an die Toten jeder Familie.

Denkmal Oberschüler
Denkmal für ums Leben gekommene Oberschüler
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Im Friedenspark stehen mittlerweile ca. 80 Denkmäler. So erinnert ein Denkmal an 8000 Oberschüler, die vor der Detonation zu Arbeiten rekrutiert waren und hier umkamen.

Ein Grashügel enthält die Asche vieler anonymer Opfer. Die Form des Grabes erinnert an frühere Fürstengräber. Auf Holzlatten sind symbolisch Namen aufgeschrieben.

Friedensglocke
Friedensglocke
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Die Friedensglocke hängt frei und es ist Sitte, dass Besucher sie anschlagen, um damit ihrem Wunsch Ausdruck zu verleihen, alle Atomwaffen zu vernichten.

Ein anderes bewegendes Denkmal erinnert an verstorbene Kinder. Ein Mädchen, das am Tag des Bombenabwurfs zweieinhalb Jahre alt war, verstarb im Alter von zwölf Jahren an Leukämie. Es hieß Sadako Sasaki und wurde am 7. Januar 1943 in Hiroshima geboren. Zunächst wuchs es als gesundes, sportliches Mädchen heran. An einem Herbsttag des Jahres 1954 kam Sadako nach Hause und erzählte stolz von ihrem Sieg beim Herbst-Sport-Fest. Am Abend wurde sie sehr müde. Hier dürfte sich die Krankheit zum ersten Mal gezeigt haben. Bei der anschließenden Untersuchung wurde festgestellt, dass sie Leukämie hatte, ausgelöst von der Radioaktivität der Atombombe. Als sie von ihrer Freundin von der japanischen Legende erfuhr, dass der, der 1000 Kraniche falte, einen Wunschnach oben frei habe, begann sie sofort mit dem Falten. Sie hoffte, gesund zu werden. Sadako Sasaki soll über 1600 Kraniche gefaltet haben aus den Beipackzetteln ihrer Medikamente. Am 25. Oktober 1955 verlor sie ihren Kampf gegen die Krankheit.

Friedensdenkaml
Denkmal für den Kinderweltfrieden
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Durch Sadako Sasaki wurden Origami-Kraniche zu einem Symbol für den Frieden und für den Widerstand gegen Atomwaffen. Mit Spenden wurde 1958 ein von Glaskästen umgebenes Monument für den Kinderweltfrieden errichtet. Auf der Spitze steht eine Bronzestatue mit einem Kranich in der Hand. Die Kästen werden immer wieder mit aus ganz Japan zugesandten Papierkranichen gefüllt.

Gedenkkenotaph
Gedenkkenotaph für die Bombenopfer
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Das wichtigste Mahnmal ist sicher der Gedenkkenotaph für die Bombenopfer, eine Schöpfung des japanischen Stararchitekten Kenzo Tange. Ein Kenotaph ist ein Grab ohne sterbliche Überreste. Unter einem Steinquader befindet sich eine Liste mit Namen der Opfer, auf der Oberfläche sind die Worte «Mögen alle Seelen hier in Frieden ruhen, denn wir werden die Katastrophe nie wieder zulassen» aufkalligraphiert. Durch den sich wölbenden Betonbogen ist der Atombombendom sichtbar. An Jahrestagen des Atombombenabwurfs werden neue Listen mit neuen Namen in den Kenotaph gelegt, Namen von Opfern, die im letzten Jahr gestorben sind oder die erst jetzt identifiziert werden konnten. Insgesamt sind mittlerweile über 300.000 Namen niedergelegt.

"Dieses Monument verkörpert die Hoffnung, dass die Stadt Hiroshima, die am 6. August 1945 durch den ersten Atombombenangriff der Welt zerstört wurde, für immer eine Stadt des Friedens sein möge. Es ist ein Aufruf an die gesamte Menschheit, die Katastrophe des Krieges nie mehr zu wiederholen. Das Monument drückt den Geist Hiroshimas aus, den Leiden zu widerstehen, den Hass zu überwinden, nach Harmonie und Wohlergehen für alle zu streben und einen echten, dauerhaften Weltfrieden zu schaffen!"

Modell der Industrie- und Handelskammer vorher
Modell der Industrie-und Handelskammer vorher
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Foto der Industrie- und Handelskammer vorher
Foto
der Industrie-und Handelskammer nachher
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Die nationale Friedensgedächtnishalle bietet einen "Raum zum Gedächtnis der Opfer". Es werden weiterhin Berichte über das Geschehen und Bilder der Verstorbenen gesammelt, um somit dieses tragische Geschehen weiter zu übermitteln und die Abschaffung der Atomwaffen zu reklamieren.


Die Peace Memorial Hall, das Atombombenmuseum, dokumentiert den Atombombenabwurf und die Zeit danach, Bilder "vorher" und "nachher". Es sind verbrannte Kleidungsstücke, zerstörte Mauern, verbrannte Schüleruniformen, verkohlte Essensdosen, von der Druckwelle verbogene eiserne Fensterläden, Sadakos Papierkraniche und dgl. zu sehen. Es können Videos mit aufgezeichneten Aussagen Überlebender angeschaut werden. Alles in allem ist der Gang durch das Museum sehr ergreifend.

"Wer Hiroshima besucht hat, wird sein Leben lang
die Friedensbotschaft weitertragen in die Welt!"

Richard von Weizäcker, ehem. Bundespräsident bei seinem Besuch in Hiroshima am 08. 08. 1995

Baum vor Hotel in Hiroshima
Der Baum in der Mitte treibt 65 Jahre nach dem Atombombenabwurf wieder aus!
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Nach dem Besuch des Friedensparks spazieren wir noch ein wenig durch Hiroshima, kaufen ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt und sind gegen 18.00 Uhr im Hotel zurück, Zeit genug, unsere Notizen zu ergänzen und die Fotos zu sichern. Vor dem Hotel stehen Bäume, die schon zur Zeit des Bombenabwurfs dort standen. Sie haben überlebt und treiben inzwischen wieder aus! Es sind auf nebenstehendem Foto die noch ziemlich kahlen Bäume nach oben in der Mitte des Bildes.

Unser Hotel bietet heute Abend ein Buffet an. Das nehmen wir gerne an und genießen so einen schönen, aber auch nachdenklichen Tagesausklang.