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Über die Halbinsel Unzen nach Nagasaki


So, 11. April 2010

"Bringe Deine Schultern mit jenen in eine Reihe, denen Du gewachsen bist!"

(Spruch des Tages)

"Roku - Shichi - Hachi - Kyn - Ju " - "6 - 7 - 8 - 9 - 10"

(Vokabeln des Tages)


Heute Morgen starten wir per Bus um 8.30 Uhr. Eine Autofähre bringt uns um 9.25 Uhr auf die Halbinsel Unzen. Die Fahrt dauert 40 Minuten.

"Unzen" heißt übersetzt "Märchenland in Wolken". Wir erleben das Märchenland im strömenden Regen!

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Auf der Fähre zur Halbinsel Unzen
Auf der Fähre zur Halbinsel Unzen
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Endpunkt der Fähre ist Shimabara, ein geschichtsträchtiger Ort. Während der mehr als 250-jährigen Geschichte des Tokugawa-Shogunats gab es nur einen großen Aufstand, den Shimabara-Aufstand. Es war zunächst ein Aufstand der Bauern gegen die hohe Steuerlast durch das Tokugawa-Shogunat, sehr bald aber nahm der Aufstand auch religiöse Züge an, da die Masse der Aufständischen Christen waren. Die Rebellion begann 1637, die Rebellen verfügten zu dem Zeitpunkt über 23 000 Bauern und herrenlose Samurai. Zunächst versuchte der Gouverneur von Nagasaki, mit 3000 Samurai den Aufstand niederzuschlagen, aber bis auf 200 Mann wurde sein Heer zerschlagen. Da bat er in Edo um Verstärkung. Nach dem Eintreffen des Shogunatsheeres wurden die Aufständischen besiegt und zogen sich nach Shimabara zurück, wo sie die Burg von Hara besetzten. Mehrere Versuche der Shogunatstruppen, die Burg zu erobern, scheiterten. Erst als Gefangene verrieten, dass der Festung Nahrung und Schießpulver ausgehe, konnte die Festung eingenommen werden. Über 37.000 Aufständische wurden enthauptet, der Kopf des Anführers nach Nagasaki gebracht. Das Shogunat verfügte nach der Rebellion, dass alle ausländischen Katholiken das Land zu verlassen haben. Das Christentum überlebte in Japan danach nur im Untergrund.

Fußbad
Lust auf ein heißes Fußbad?
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Zurück zu Unzen: Es ist nicht nur der Name der Halbinsel, sondern Unzen ist gleichzeitig ein Vulkan und der Name eines bekannten Kurortes auf der Halbinsel. Das Unzen-Massiv ist - wie schon erwähnt - vulkanischen Ursprungs und zeigt sich in Geysiren, Fumarolen und brodelnden Schlammteichen. Wir machen eine kleine Wanderung in dieses Gebiet, aber ergiebig ist dieser Ausflug nicht, denn es regnet in Strömen!! So sind wir froh, schnell wieder im Bus zu sein. Es geht weiter nach Nagasaki! Zwischendurch gibt es noch eine kleine Mittagspause; in einem an der Straße gelegenen Lokal können wir eine sehr leckere Nudelsuppe essen.

Am frühen Nachmittag treffen wir in Nagasaki ein. Und hier beschäftigen wir uns bei einem Besuch der Insel Dejima zuerst mit der Geschichte der Stadt. Dejima heißt eigentlich "Vorinsel" oder "aufgeschüttete Insel" oder auch "Insel draußen" und liegt in der Bucht von Nagasaki. Während der Edo-Zeit war sie der einzige Ort des direkten Handels und Austausches zwischen Japan und Europa. Der Lehnsherr Nagasaki Kotaro, dessen Familienname die Stadt bis heute trägt, öffnete 1571 den Hafen für europäische Ostasienfahrer. Portugiesen, Holländer und Spanier eröffneten Handelskontore. Da die Japaner keine seetüchtigen Schiffe bauen konnten, überließen sie den Handel den Europäern, insbesondere den Portugiesen, die von hier den Handel mit China, den Philippinen und Macao betrieben. Mit den Handelsleuten kamen auch christliche Missionare, Jesuiten, um die Japaner zum rechten Glauben zu führen. Doch auf Dauer befürchtete die japanische Herrschaftsschicht nicht nur einen zu starken Einfluss auf das Staatswesen und eine Verwestlichung, sondern auch ein portugiesisches Handelsmonopol. 1587 erließ Toyotomi Hideyoshi ein Edikt gegen die Missionare. Der Handel wurde den Holländern anvertraut, die jedoch das Gebiet der Insel Dejima nicht verlassen durften. Dejima wurde damit zur holländischen Enklave. Zugleich wurde der Zugang von Japanern streng reglementiert und kontrolliert. Dennoch gelangten über Dejima bisnach oben ins 19. Jahrhundert neben den Handelswaren zahlreiche westliche Bücher, Instrumente und Informationen ins Land, die später die Grundlage für die rasche Modernisierung Japans nach 1868 bildeten.

Restaurierte Lagerhäuser
Restaurierte Lagerhäuser auf Dejima
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1958 errichteten die Japaner ein kleines Museum in einem in holländischem Stil erbauten Lagerhaus, und vor drei Jahren begann die Stadt Nagasaki ein Restaurierungsprojekt. Die Brücke und einige holländische Gärten werden jetzt rekonstruiert und auch der mächtige Fahnenmast. Weitere Pläne sehen vor, Dejima wieder auf allen Seiten von Wasser umspülen zu lassen und vollständig in den ursprünglichen Zustand zurück zu verwandeln - zur Erinnerung an jene Zeit, als Japan noch keine Weltmacht war.

Nach dem Besuch von Dejima kommen wir gegen 15.30 Uhr im Hotel an. Ein weiteres Besuchsprogramm ist für den heutigen Tag nicht vorgesehen, was auf großes Unverständnis stößt! Denn bei dem Namen "Nagasaki" denkt man zumindest als Europäer zuerst an den zweiten Atombombenabwurf am 9. August 1945, mit dem die US-amerikanischen Streitkräfte den bereits geschwächten Widerstandswillen der Japaner brechen wollten. Obwohl wir besonders in Hiroshima mit diesem Thema konfrontiert werden, wollen wir es uns nicht entgehen lassen, den Friedenspark in Nagasaki zu besuchen. Wir schließen uns zu einer kleinen Gruppe zusammen und erreichen von unserem Hotel aus den Park bequem mit der Straßenbahn in 20 Minuten.

Friedensstatue im Friedenspark in Nagasaki
Friedensstatue in Nagasaki
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Zur Geschichte des Atombombenabwurfs sei kurz folgendes gesagt: Nagasaki war ein wichtiger Kriegshafen und der Standort des Mitsubishi-Rüstungskonzerns. Dort waren u.a. die Torpedos gebaut worden, mit denen Japan die US-Flotte auf Pearl Harbor angegriffen hatte. Damit war die Stadt ein Angriffsziel für die Amerikaner. Ursprünglich war ein Direktangriff auf die Schiffswerften geplant. Wegen schlechter Sichtverhältnisse konnte kein exakter Zielabwurf durchgeführt werden. Eigentlich hätte der Angriff abgebrochen werden müssen, doch nur ohne Bombe konnte der Pilot gerade noch seinen Stützpunkt für eine Notlandung erreichen. So wurde die Bombe - sie hatte den Codenamen "Fat Man" - etwa 3 Kilometer nordwestlich des geplanten Zielpunkts über dicht bewohntem Gebiet abgeworfen. Es starben nach Berichten etwa 22.000 Menschen sofort, weitere 40.000 innerhalb der nächsten vier Monate.

Worte des Bildhauers Kitamura
Worte des Bildhauers Kitamura
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An der Stelle des Epizentrums der Atombombenexplosion ist der Friedenspark entstanden, eines der Wahrzeichen der Stadt. Hier befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer. Im Südteil des Parks stehen das 1955 erbaute Atombomben-Museum und eine fast 10 m hohe Friedensstatue von Seibo Kitamura. Als Ausdruck der internationalen Bedeutung dieses Ortes sind weitere Skulpturen von Künstlern aus aller Welt im Friedenspark aufgestellt.

Was man an solch einem Ort als Besucher empfindet, drücken wohl amnach oben besten die Worte des Bildhauers Seibo Kitamura aus.

Unser Hotel liegt wieder in der Nähe des Bahnhofs. So finden wir leicht ein schönes Lokal zum Abendessen.