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Kannon, heiliger Sake und Kaiserpalast


Fr, 09. April 2010

"Auch ein Affe fällt vom Baum!"

(Spruch des Tages)

"Birru" - "Bier" - "Ocha" - "Tee"

(Vokabeln des Tages)

Heute ist unser letzter Tag in Kyoto, bevor uns morgen früh ein kurzer Inlandflug von Osaka auf die südliche Insel Kyushu bringt. Für den Morgen ist noch ein volles Programm vorgesehen, der Nachmittag ist frei und kann individuell gestaltet werden.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Senju-Kannon
Senju-Kannon im Sanjusangen-Tempel
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Wir haben wieder einen Bus zur Verfügung und besuchen als erstes den Sanjusangendo-Tempel. Er gehört zur Tendai-shu, einer Schule des Buddhismus in Japan und ist mit 125m Länge das längste Holzgebäude der Welt.

Innen fasziniert uns die Halle mit ihren 1001 Kamakura-zeitlichen mit Blattgold überzogenen Statuen der Kannon, der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit, sowie zahlreichen Wächterfiguren und Schutzgottheiten. Jede Figur ist anders! Der Name Sanjusangendo bezieht sich auf die 33 Zwischenräume zwischen den Pfeilern in der Halle. Die Zahl 33 verkörpert dabei auch die 33 Stufen der Menschwerdung der Kannon, d.h. sie kommt in 33 Inkarnationen zu den Menschen. Die Halle ist die einzige Tausend-Kannon-Halle, die noch existiert. Die Zentralfigur ist die tausendarmige Senju-Kannon, die elf Gesichter und 40 Arme besitzt, von denen jede 25 Welten erlösen soll. Leider darf man in der Halle nicht fotografieren. Die hier gezeigten Bilder stammen von der Eintrittskarte bzw. der Broschüre, die man am Eingang erhält.

1001 Kannon-Figuren im Sanjusangendo-Tempel
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Auf der langgestreckten Westfassade des Tempels wurden in früheren Zeiten berühmte Schießwettbewerbe abgehalten. Man spricht auch heute noch davon, dass es geschichtlich 3 Formen des Schießens gab, das Schießen der Fußsoldaten, das Schießen zu Pferd und eben das "Tempelschießen". Die Aufgabe des Schützen bestand darin, Pfeile über die Distanz von fast 120m entlang der Tempelwand bis an ihr Ende zu schießen, wobei die Pfeile nicht im Gebälk des überhängenden Daches steckenbleiben durften.

Sake-Faesser
Sakefässer
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Nach der Besichtigung des Tempels fahren wir zu der Sake-Brauerei Gekkeikan. Sie wurde im Jahr 1637 von der Familie Okura gegründet und ist damit eines der ältesten Unternehmen in der Welt überhaupt. Übersetzt bedeutet der Name „Lorbeerkranz“. Der Sakemeister führt uns persönlich durch die Brauerei und erklärt dabei die Herstellung. "Sake" ist gleichbedeutend mit "Reiswein". Angeblich soll sein Rezept den Japanern um 300 n.Chr. von den Göttern verraten worden sein. Früher konnte der Reiswein nur im Winter hergestellt werden, heute läßt sich dies mittels großer Kühlanlagen auch im Sommer bewerkstelligen. Die Qualität der Grundzutaten Reis, Wasser und Hefe bestimmt die Endqualität des Sake. Vor allem der Härtegrad und der Mineralstoffanteil desnach oben Wassers ist mit der Reisqualität entscheidend für den Geschmack des Sake. Der Alkoholanteil beträgt 15-16%. Aus 60 kg Reis lassen sich etwas 1,8 Liter Sake brauen. Es gibt verschiedene Geschmacksrichtungen von süßlich bis trocken.

Der Sakebrauerei angeschlossen ist ein kleines Museum, das die Geschichte dieser Brauerei zeigt. Natürlich dürfen wir nach Beendigung der Führung auch aus Probiergläschen den hier hergestellten Sake genießen.

Die dritte Sehenswürdigkeit des heutigen Tages, die wir noch gemeinsam in der Gruppe durchführen, ist der Fushimi-Inari-Schrein. Er liegt im Südosten Kyotos, im Stadtbezirk Fushimi.

Fuchs am Inari-Tempel
Fuchs am Inari-Schrein
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Der Schrein wurde 711 gegründet - zu einer Zeit, als Nara noch Hauptstadt war. Das Hauptgebäude wurde 1499 errichtet. Inari ist im Shintoismus der Gott der Fruchtbarkeit, des Reises und der Füchse. Inari-Schreine - es gibt ca. 30.000 in Japan! - werden stets von zwei Fuchsstatuen flankiert, der Fruchtbarkeitsgott Inari wird bisweilen auch selbst als weißer Fuchs dargestellt, weshalb Füchse in Japan vielerorts als heilig gelten und nicht bejagt werden – ein Privileg, das sie ihren Artgenossen in den meisten anderen Teilen der Welt voraus haben. Die roten Lätzchen um den Hals des Fuchses bedeuten Respekt, der Schlüssel im Maul öffnet symbolisch einen Reisvorratsspeicher, Reisstroh im Maul zeigt seine Herrschaft über den Reisanbau. Im Schrein werden der Gottheit Opfer von Reis, Sake und anderer Nahrung dargebracht, um sie friedlich zu stimmen. Reisanbau war über Jahrhunderte das Allerwichtigste in Japan. Wer viel Reis anbauen konnte, war wohlhabend. Damit ist die Gottheit auch die des Wohlstands.

Torii-Allee
Torii-Alle am Fushimi-Inari-Schrein
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Bemerkenswert ist die 4km lange Allee, an der Tausende von scharlachroten Toriis aufgestellt sind. Sie wurden von Gläubigen gestiftet, darunter auch vielen Firmen, die damit Wohlstand von der Gottheit erbitten. Die Namen der Spender sind darauf geschrieben. Je nach Größe kostet ein Torii bis zu 10.000 €. Es bleibt etwa 20 Jahre dort stehen. Die Torii-Alle führt auf einen Hügel hinauf, wo kleine Toriis auf Steinaltären geopfert werden. Bei Schreinfesten wird die Gottheit von oben durch die vielen Toriis nach unten zum Hauptschrein getragen.

Hier endet die gemeinsame Führung. Wir fahren mit dem Bus zurück zum Hotel und wollen erst einmal eine kurze Mittagspause einlegen. Wir kaufen je eine Pizza und Getränke und ziehen uns für eine knappe Stunde auf unser Zimmer zurück. Danach treffen wir uns mit drei Reiseteilnehmern im Foyer und fahren gemeinsam mit der U-Bahn bis zum Kaiserpalast.

Kaiserwappen am Eingangstor zum Kaiserpalast in Kyoto
Kaiseremblem, die 16 blättrige Chrysantheme, am Eingangstor zum Kaiserpalast in Kyoto
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Der Kaiserpalast von Kyoto war während des größten Teiles seiner Geschichte die Residenz des Kaisers von Japan. Dies begann mit der Heian-Zeit, als die kaiserliche Hauptstadt von Nara ins heutige Kyoto umzog. Die Funktion als offizielle Residenz endete mit dem politischen Umbruch 1868, als der Kaiser seinen Sitz nach Edo, dem heutigen Tokyo verlegte. Das Kaiserliche Hofamt unterhält die Gebäude und das Gelände. Das Parkgelände steht der Allgemeinheit rund um die Uhr zur Verfügung, auch die Grünflächen dürfen ähnlich wie in europäischen Parks zum Zeitvertreib genutzt werden. Die Palastanlagen selbst werden der Öffentlichkeit im Frühjahrnach oben und im Herbst jeweils eine Woche zugänglich gemacht und genau in dieser Woche, in der wir in Kyoto sind, sind sie zu besichtigen. Da haben wir sehr großes Glück!! Der Eintritt ist übrigens frei.

Die Krönungshalle
Shishinden - die Krönungshalle im Kaiserpalast in Kyoto
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Der Palast zeichnet sich durch gestalterische Reduziertheit aus, angeblich eine Absicht, sich bewusst von der Machtarchitektur der Tokugawa-Herrscher abzusetzen, deren Ehrgeiz auf das Prächtige ausgerichtet war. Hier sollen Eleganz, Einfachheit und bedachte Natürlichkeit dominieren! Die Farbe orange symbolisiert die Lebenszugewandtheit des Shintoismus, dessen Oberhaupt der Kaiser ist. Der Teichgarten wurde erst im 17. Jahrhundert in das Palastareal einbezogen. Von keiner einzigen Stelle aus ist der Garten in seiner Gesamtheit zu sehen. Die Trittsteine im Garten sind so verlegt, dass man gezwungen ist, den Blick streckenweise auf den Boden zu richten und dann beim Aufblicken überrascht einen völlig neuen Gartenausschnitt vor Augen hat. Das ist Absicht, denn auch im wahren Leben weiß man nicht, was der nächste Augenblick bringt! - Die Shishinden-Halle ist das wichtigste Gebäude innerhalb der Palastanlage. Hier fand die Inthronisation von Kaiser Taisho und Kaiser Showa statt. Auf einer Tafel vor dem Gebäude wird auf die beiden heiligen Bäume vor der Halle, einem Kirschbaum zur rechten und einem "tachibana" Orangenbaum zur linken hingewiesen.

Wir sind noch nicht müde ob der vielen Eindrücke und Sehenswürdigkeiten. Zwei Sehenswürdigkeiten wollen wir uns nicht in Kyoto entgehen lassen: den Silbertempel und den Philosophenweg. Wir nehmen uns ein Taxi und lassen uns zuerst zum Silbertempel chauffieren.

Blick vom Silbertempel auf Kyoto
Blick vom Silbertempel auf Kyoto
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Der Silbertempel Ginkaku-ji oder auch Silberner Pavillon ist ein buddhistischer Tempel, der im Jahre 1482 errichtet wurde. Ursprünglich sollte er als Gegenstück zum Goldenen Pavillon mit Silber bedeckt werden, was aber nie geschah. Wir hatten irrtümlich angenommen, das sei so! Der Shogun Yoshimasa baute sich diesen Alterssitz 1482 als Rückzugsort von seinem politischen Leben. Es waren bis zu 10 Gebäude geplant, sie wurden jedoch nicht vollendet. Keines war für offizielle Tätigkeiten vorgesehen. Der Garten stammt aus der Edo-Zeit und ist vor allem für den „See des Silbersandes“ und die „Mondansichtsplattform“ bekannt.

Unmittelbar am Silbernen Pavillon beginnt der Philosophenweg. Er ist 1,8km lang und führt entlang eines Kanals, der von Kirschbäumen gesäumt ist. Ikutaro Nishida und Hajime Kawakami, beide ehemalige Professoren der Kyoto Universität, benutzten den Weg zur Meditation. Zu Beginn des Weges machen wir ein paar Fotoaufnahmen, die Zeit reicht allerdings nicht mehr, dem Weg zu folgen. So gehen wir zur nahe gelegenen Bushaltestelle und fahren mit dem Bus Nr. 100 für 220 Yen zurück bis an unser Hotel. Da ist auch die Endstation dieses Busses. Imnach oben Hotel müssen die Koffer gepackt werden. Sie werden morgen früh abgeholt und wir bekommen sie erst wieder in Hiroshima. Danach gehen wir - quasi als Abschluss unseres Besuches in Kyoto - noch einmal ganz ausgiebig japanisch essen. Ein schöner Abschluss!