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Kaiserliches Kyoto


Mi, 07. April 2010

"Der immer nur von heut auf morgen Lebende verbringt ein Tröpfeldasein!"

(Spruch des Tages)

"Kom ban wa!" - "Guten Abend!"

(Vokabel des Tages)

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Bahnhof Kyoto
Der Hauptbahnhof in Kyoto
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Eines der bedeutendsten Reiseziele in Japan ist sicher Kyoto im mittleren Teil der Hauptinsel Honshu. Der Besuch dieser Stadt ist auch auf unserer Reise ein Höhepunkt. Wir bleiben insgesamt 3 volle Tage in Kyoto und können damit die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt erkunden. Unser Hotel "Granvia" liegt - wie schon erwähnt - im Kyoter Hauptbahnhof. Somit erwartet uns gleich bei der Ankunft eine Überraschung: ein hochmoderner Bahnhof, der 1997 fertiggestellt wurde und 1 Milliarde Dollar kostete! Zwar finden nicht alle Kyotoer den Bau des Architekten Hara Hiroshi passend, aber eindrucksvoll und sehenswert ist das Gebäude in jedem Fall.

In Kyoto gibt es 1600 buddhistische Tempel und ca. 400 shintoistische Schreine. Damit ist Kyoto auch das religiöse Zentrum des Landes. "Die Geisha" oder "Der letzte Samurai" leben von der Magie ihrer Tempel und Schreine. Das Besondere aber an der Stadt: Sie war über 1100 Jahre Sitz des Kaiserhauses. Kaiser Kammu ließ die Stadt 794 erbauen, und zwar streng nach chinesischem Städtebaumuster von Xian auf rechteckigem, schachbrettartigem Grundriss angelegt. Umgeben war sie von Mauern und einem doppelten Graben. Insgesamt führten 9 Straßenzüge von Süd nach Nord. Unser Hotel, das Granvia, lag demnach in der 9. Straße, der Kaiserpalast in der 1. Straße. Es gab 18 Stadttore und 40.000 Häuser.

Kyoto wurde mehrfach im Laufe der Geschichte zerstört, allerdings im 2. Weltkrieg verschont!

Zen-Garten am Ryoan-ji-Tempel
Zen-Garten am Ryoan-ji-Tempel in Kyoto
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Wir beginnen unseren Rundgang am Ryoan-ji, dem Tempel "des zur Ruhe gekommenen Drachens“. Es ist ein 1499 gegründeter Zen-Tempel im Nordwesten der Stadt. Prinzipien dieser meditativen Form des Buddhismus sind seine Gegenwartsbezogenheit und Reduziertheit. Die Erleuchtung im Diesseits ist möglich, wenn man meditativen Praktiken folgt und sich nur auf das Notwendigste beschränkt. Die Hauptattraktion des Ryoan-ji, zu der es uns auch sofort hinzieht, ist sein 25 x 15 m großer Steingarten, ein Meisterbeispiel eines zen-buddhistischen Trockengartens ohne Wasser und Vegetation. Er besteht nur aus Sand und Steinen und verkörpert in seiner Einfachheit und Abstraktheit alle Zen-Ideale und soll zur Meditation anregen, was schwerfällt, da der Besucherandrang hier gewaltig ist. 15 Steine sind in einem Kiesbett gruppiert, eine Anordnungsregelnach oben ist nicht zu erkennen. Von keinem Punkt des Gartens kann man alle 15 Steine gleichzeitig sehen. Dies entspricht einem Prinzip des Buddhismus, daß das Bild, das wir von der Realität geliefert bekommen, nie vollständig ist.

Der Goöldene Pavillon in Kyoto
Der Goldene Pavillon in Kyoto
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Unser nächstes Ziel ist der Kinkaku-ji, der Goldene Pavillon, der 1955 originalgetreu rekonstruiert wurde und eines der meist fotografierten Objekte in Japan ist. Der Kinkaku-ji wurde 1397 vom Shogun Yoshimitsu errichtet, der hier Feste feierte und sogar den Kaiser empfing. Die Funktionen des Pavillons waren in den einzelnen Etagen klar voneinander getrennt: im Erdgeschoss hatte der Shogun seine privaten Wohnräume, im 1. Obergeschoß wurden die Gäste untergebracht. Das 2. Obergeschoß war religiösen Zwecken vorbehalten. Insgesamt vereinigt der Pavillon drei verschiedene Baustile, die harmonisch zusammengeführt werden einschließlich des Phönix auf dem Dach. Die beiden oberen Stockwerke sind mit Lack bestrichen und mit reinem Gold plattiert. Die Goldplattierung verleiht dem Pavillon seinen Namen und lässt ihn wortwörtlich strahlen. Es heißt, die äußere Goldverkleidung sei erst nachträglich, Jahre nach Yoshimitsus Tod, ergänzt worden, so wie es der Shogun noch zu Lebzeiten vorgesehen hatte. 1950 brannte ein geistesgestörter Mönch den Tempel nieder. Später wurde er dann wieder neu aufgebaut.

Das Chinesische Tor am Nijo-Schloss in Kyoto
Das Chinesische Tor am Nijo-Schloss in Kyoto
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Das Nijo-Schloss, das wir als nächstes besuchen, ist der ehemalige Shogunpalast, den Tokugawa Ieyasu zwischen 1600 und 1603 in der Nähe des Kaiserpalastes errichten ließ, der aber erst unter dem dritten Shogun, Iemitsu, seinem Enkel, sein heutiges Aussehen erhielt. Nijo-jo bedeutet "das Schloss in der 2. Straße vom Kaiserpalast". Dicke Mauern und Wassergräben umgeben die Gebäude des Schlosses zum Schutz gegen Überfälle. Wir betreten die Schlossanlage durch das chinesische Tor, das reichlich mit Gold verziert ist und sehr pompös wirkt. Das Hauptgebäude besteht aus sechs großen, prunkvoll ausgestatteten Gebäudeteilen. Für uns sehr beeindruckend ist der "Nachtigallenboden". Diese Böden geben beim Betreten einen zwitschernden Laut. Dies wird durch eine spezielle Konstruktion der Holzdielen erreicht. So konnten die Samurai des Shogun Angreifer und Eindringlinge schon im Flur hören!!

Alle Gebäudeteile sind ähnlich aufgebaut. Zuerst gibt es einen Vorraum, in dem die Bittsteller auf die Audienz beim Shogun warten konnten. Es folgen weitere Räume bis man zuletzt den Audienzraum, den prächtigsten, erreicht. Dieser hat eine versteckte Tür für die Samurai des Shogun, damit diese nötigenfalls sofort bei Gefahr eingreifen und den Shogun beschützen konnten. Die Privaträume befinden sich im hintersten Teil und somit auch im sichersten Teil der nach oben Anlage. Das Sicherheitsbedürfnis des Shogun muss demnach schon sehr groß gewesen sein! Die Schiebetüren und Wände sind mit den schönsten Malereien ausgeschmückt: Kraniche, Fasanen, Pfauen und Phönixe, aber auch Tiger und Leoparden.

Ironie des Schicksals: Seit 1634 hat nie mehr ein Shogun in dieser Anlage gewohnt! Das Schloss stand bis zum Ende der Shogunzeit 1867 leer, knapp 240 Jahre lang!! Die einzigen, die in dieser Zeit hier waren, waren die Wachleute, immer 50 Leute, die dieses Gebäude Tag und Nacht bewacht haben!

Der Landschaftsgarten am Nijo-Schloss in Kyoto
Der Landschaftsgarten am Nijo-Schloss in Kyoto
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Im ausgedehnten Landschaftsgarten des Palastes werden viele Steine verwendet, ein Zeichen von Reichtum, da sie von weither hierher gebracht wurden. Dem Shogun oblag die eigentliche politische und militärische Macht! - Nach so vielen Eindrücken und Besichtigungen ist eine längere Mittagspause angesagt, die wir in der Fußgängerzone von Kyoto verbringen. An Restaurants für eine Mittagserfrischung mangelt es hier nicht!

Geishas im Gionviertel in Kyoto
Geishas im Gionviertel in Kyoto
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Der Nachmittag beginnt mit einem Spaziergang durch das alte Vergnügungsviertel Gion, vorbei am Yasaka-Schrein mit seinen vielen bunten Lampions. Der Maruyama-Park östlich des Yasaka-Schreins ist wegen der Kirschblüten berühmt. So sehen wir auch zahlreiche Vorbereitungen für die abendliche Hanami-Party. Einmal haben wir Glück, eine Geisha (oder eine Maiko, eine Geisha-Anwärterin ?) zu Gesicht zu bekommen. Aber sie zu fotografieren hält sehr schwer! Unser Weg führt uns durch enge Gassen der Altstadt hinauf zum Hügel Kiyomizu und zum Kiyomizu-Tempel. Von hier oben hat man eine gute Aussicht auf die Stadt Kyoto. Die Terrasse des Tempels liegt 25m hoch. Schon manch einer soll sich von hier herabgestürzt haben. Ein Sprichwort sagt:" Die Terrasse des Kiyomizus hinunterspringen" - das bedeutet so viel wie "sich zu einem Entschluss durchringen".

Kiyomizu-Tempel und Pagoge in Kyoto
Kiyomizu-Tempel und Pagode in Kyoto
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Der Name "Kiyomizu" bedeutet "Reines Wasser". Die Kiyumizu-Quelle hat 3 Strahlen. Die Menschen erbitten hier Gesundheit, gute Finanzen und Glück in der Liebe. Allerdings muss man sich auf 2 von 3 Wünschen beschränken!! Siebenmal im Jahr wird das Wasserfest gefeiert. Im übertragenen Sinne soll das Wasser die Göttin der Gnade, die Kannon Boddhisattva, zum Verweilen einladen.

Unser Besichtigungsprogramm endet hier. Wir fahren zurück ins Hotel, erfrischen uns kurz und treffen uns wieder gegen 19.30 Uhr mit Michiko, der japanischen Reisebegleitung in der Hotelhalle. Mit der U-Bahn (Michiko erklärt uns, wie man Fahrkarten löst und was bei den U-Bahn-Linien zu beachten ist) fahren wir nochmals ins Gion-Viertel in der Absicht, Geishas oder Maikos zu sehen. Doch die Mühe ist leider nicht von Erfolg gekrönt. Über das Leben als Geisha bzw. über deren heutige Bedeutung haben wir auf der Busfahrt einiges seitens der Reiseleitung gehört. Die wichtigsten Inhalte sind hier hier (klick) für Interessierte zusammengefasst.

Da wir wenig Lust verspüren, stundenlang auszuharren in der Hoffnung, doch noch eine Geisha zu sehen, verabschieden wir uns von der Gruppe und fahren mit dem Taxi zurück zum Hotel. Im nach oben riesigen Bahnhof suchen wir uns im 15. Stock ein japanisches Restaurant aus und essen hier sehr gepflegt zu Abend. Damit geht ein sehr erlebnisreicher Tag zu Ende!