Stadtrundgang in Saigon

Fr, 16. 03.2012

Wir landen pünktlich um 6.45 Uhr frühmorgens in Ho Chi Minh Stadt, den meisten Lesern sicher besser bekannt als Saigon. Diese Stadt trägt übrigens als einzige Großstadt der Welt den Namen eines Küchengehilfen. Ja, richtig gelesen - Ho Chi Minh arbeitete in seinen Jugendjahren unter anderem als Küchengehilfe im Londoner Carlton-Hotel, bevor er sich entschloss, sein Land von kolonialer Herrschaft zu befreien und mit den Segnungen des Sozialismus zu bereichern. Die Sozialistische Volksrepublik Vietnam entstand 1976 nach der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam. Im Leben bescheiden und einfach, stand Ho Chi Minh erst nach seinem Tod im Zentrum eines großen Personenkults. 1975 bekam die Stadt Saigon den Namen Ho Chi Minh Stadt. In Hanoi wurde ein Mausoleum im Stile des Lenin-Mausoleums errichtet, wo sein einbalsamierter Leichnam gegen seinen Willen ruht (er wollte, dass seine Leiche verbrannt und die Asche in Nord-, Mittel- und Südvietnam vergraben wird).

Am Flughafen Tan Son Nhat International Airport in Ho Chi Minh Stadt begrüßt uns Herr Tung, leicht zu erkennen am Gebeco-Schild, das er den Einreisenden entgegen hält. Herr Tung ist bereits seit über 10 Jahren Reiseleiter in seiner Heimat Vietnam. Seine deutschen Sprachkenntnisse erwarb er sich durch einen 7 Jahre langen Aufenthalt in der ehemaligen DDR.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Dachterrasse Hotel Rex in Saigon
Erfrischung auf der Dachterrasse des Hotels Rex in Saigon
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Nachdem die Reisegruppe sich vollzählig eingefunden hat, werden Koffer und Handgepäck schnell in einen bereitstehenden Bus geladen und schon beginnt unser Vietnam-Abenteuer. Herr Tung ahnt, dass wir vom langen Flug etwas strapaziert sind. Da unsere Hotelzimmer noch nicht bezogen werden können, führt er uns zunächst ins Rex-Hotel im Stadtzentrum, ein 5-Sterne Hotel mit einer wunderschönen Dachterrasse. Hier können wir uns bei Kaffee und anderen Erfrischungsgetränken schon einmal akklimatisieren und mit den anderen Reiseteilnehmern ein wenig bekannt machen. Die Aussicht über die Dächer der Stadt ist nicht überwältigend, da es recht diesig ist und man nicht allzu weit sehen kann.

Rathaus in Saigon
Rathaus und Ho Chi Minh Denkmal in Saigon
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Nach der Erfrischungspause beginnt der im Programm vorgesehene Stadtrundgang. Er beginnt in unmittelbarer Nähe des Rex-Hotels am Rathaus in der Nguyen Hue. Das Rathaus ist ein 1906 im französischen Kolonialstil errichteter üppiger Bau. Leider ist der Eintritt für Touristen verboten, doch das Gebäude stellt ein beliebtes Fotomotiv dar, insbesondere mit der Statue von Ho Chi Minh davor. Repräsentierte es einst koloniale Macht, ist es heutzutage Sitz des Volkskommitees von Ho Chi Minh Stadt. So ändern sich die Zeiten.

Weiter geht unser Spaziergang am Stadttheater vorbei zum Platz der Pariser Kommune. Das wunderschöne Stadttheater in der Le Loi zeigt ebenso wie das Rathaus, wie sehr Ho Chi Minh Stadt vom alten französischen Kolonialstil geprägt worden ist. 1899 wurde das Theater eröffnet,nach oben wobei 1955 für kurze Zeit hier die Nationalversammlung ihren Sitz hatte. Heutzutage hat das Gebäude die alte Funktion zurückerhalten und richtet Theateraufführungen, Opernaufführungen, Tänze, aber auch Modeschauen aus.

Bereits jetzt erkennen wir, warum Saigon auch "Honda-City" genannt wird: Die Auspuffgase von mind. 1 Mio. Mopeds sorgen für eine unglaublich verpestete Luft in den Straßen. Der Mundschutz, den hier viele tragen, hilft da nicht sonderlich. Es herrscht ein Wahnsinns-Verkehr, der einem Angst einflößen kann. Nicht nur die Anzahl der Mopeds, sondern auch das, was alles darauf transportiert wird, ist für europäische Verhältnisse undenkbar. Ein scheinbar totales Verkehrschaos!! Aber Unfälle sehen wir nicht!!Es gibt mehr Mopeds als Platz auf den Straßen. Wer nicht gerade damit fährt, stellt sein Gefährt bedenkenlos auf den Gehsteigen ab. Die werden damit zu Parkplätzen für Mopeds. Und auch für die Autos der Wohlhabenderen!

Das Überqueren einer Straße durch den wirklich dichten Mofa Verkehr gestaltet sich für Mitteleuropäer als eine kleine Mutprobe. Rasch lernen wir: Einfach langsam und vor allem konsequent mit kleinen Schritten und Sichtkontakt zum Verkehr hineinschleichen, der Mofa Strom teilt sich dann automatisch um einen herum. Vorsicht: Keine hastigen Überquerungen und keine panischen Richtungswechsel, denn dann wird es wirklich gefährlich.

Vor dem Hauptpostamt in Saigon
Er möchte vor dem Hauptpostamt seine Backwaren an den Mann bringen
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Herr Tung stellt uns am Platz der Pariser Kommune die Kathedrale Notre Dame und das gegenüberliegende Hauptpostamt vor. Die neoromanische Kathedrale Notre Dame ist das Zentrum der katholischen Kirche in Südvietnam. Notre-Dame befindet sich am Nordende von Dong Khoi. Jeden Sonntag werden Messen in englischer Sprache gehalten. Beim Hauptpostamt von Saigon fühlt man sich schon gleich wie im alten Europa. Herr Tung empfiehlt einen kleinen Rundgang, bei dem wir auch bereits Ansichtskarten und die dazugehörigen Briefmarken erwerben können. Wir machen Gebrauch davon, denn so schnell bietet sich sicher keine weitere Gelegenheit, denen "Daheim" einen ersten Gruß zukommen zu lassen.

Nach einer kurzen Pause im Hauptpostamt wartet schon der Bus auf uns und es geht weiter zum Cho Ben Thanh Markt. Das ist der größte Markt der Stadt. Es ist ein typisch vietnamesischer Markt mit buntem Angebot und lebendiger Atmosphäre. Leider sind die Verkäufer sehr stark auf Touristen ausgerichtet und entsprechend aufdringlich. Das Warenangebot reicht von Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch bis zu Lederwaren und Kleidung. Handeln ist ein Muss! Nicht alle Abteilungen werden unseren westlichen Vorstellungen von Hygiene gerecht. Aber wir sind ja auch nicht in Europa!

Benh_Thanh_Markt in Saigon
Nicht jeder findet einen Verkaufsplatz in den Hallen des Benh Thanh Marktes
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In der Nähe des Marktes hat Herr Tung für uns eine Reservierung in einem kleinen Restaurant vorgenommen. Stolz verweist er auf Fotos an den Wänden, die Bill Clinton, den ehemaligen amerikanischen Präsidenten, beim Besuch in genau diesem Restaurant zeigen. Na bitte, das ist doch was!!?? Wir probieren die ersten Frühlingsrollen!

Gegen 13.30 Uhr geht es dann endlich zum Park Royal Hotel, einem 5-Sterne-Hotel, ca. 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Das Hotel macht einen sehr guten Eindruck, das uns zugeteilte Zimmer ist geräumig und ansprechend eingerichtet. Jetzt haben wir Zeit genug zum Relaxen, denn erst um 18.00 Uhr werden wir wieder mit dem Bus zum Abendessen abgeholt. Herr Tung begleitet uns und erklärt uns im Lokal die Menu-Reihenfolge. Dann genießen wir unser Essen und lassen bei einem Glas Wein den ersten Tag in Vietnam ausklingen. Bis jetzt hat alles super geklappt!! Im Hotel können wir einen Teil unserer Dollar nach obenrecht günstig in vietnamesische Dong umtauschen. Man kann zwar überall mit Dollar bezahlen, aber Herr Tung empfiehlt bei kleineren Beträgen die Landeswährung. Man wird schnell zum Geldschein-Millionär: 1 Dollar sind ca. 27 400 vietnamesische Dong (Stand April 2012).