Von Luang Prabang nach Süden bis Vang Vieng

Do, 29. 03. 2012

Heute verlassen wir um 8.00 Uhr Luang Prabang Richtung Vang Vieng. Das sind 220 km. Die Strecke nach Süden soll zu den schönsten Straßenkilometern in Laos zählen, die Landschaftsszenerie um Vang Vieng soll uns begeistern. So verspricht es der Reiseveranstalter.

Zunächst fahren wir mit den Mini-Vans zum großen Bus, der außerhalb der Stadtgrenze parkt. Dort werden die Koffer umgeladen, dann beginnt die Fahrt auf der Nationalstraße 13, der einzigen, überwiegend asphaltierten Straße mit vielen Schotterabschnitten. Sie führt durch gebirgige Landschaften nach Süden, vorbei an vielen einsamen Dörfern. Unterwegs erzählt der Reiseleiter über das Leben in Laos und die ethnischen Minderheiten, denen wir heute begegnen.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Dorfbewohnerin mit Kind
Minderheit der Khamu, Dorfbewohnerin mit Kind
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Laos gilt als ärmstes Land des asiatisch-pazifischen Raums und ist ein Vielvölkerstaat mit 49 ethnischen Minderheiten, die ihre eigenen Traditionen und Sprachen pflegen. Sie leben in ihren Dörfern in den Bergen, noch weitgehend abgeschieden vom Rest der Welt. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt, mehr als 75% der ländlichen Bevölkerung lebt in Armut. Fast die Hälfte der Laoten lebt von weniger als einem US Dollar pro Tag! Das durchschnittliche Jahreseinkommen auf dem Lande beträgt 850 US Dollar; allein in den Städten braucht man 450 US Dollar/Monat, um überhaupt überleben zu können. 1975 wurde die Demokratische Volksrepublik Laos proklamiert. Seitdem ist die LRVP (Laotische Revolutionäre Volkspartei) die einzige zugelassene Partei. Ihre Angehörigen werden in allen Bereichen des öffentlichen Lebens nach wie vor bevorzugt, Korruption ist an der Tagesordnung.

Häuser der Khamu
Häuser der Khamu
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Die Khamu sind eine der vielen Minderheiten in Laos, denen wir als erstes im Dorf Kiawmaknao begegnen. Wir besuchen hier die örtliche Schule, und zwar eine vierte Klasse Grundschule. Der Besuch der 5-jährigen Grundschule ist auf dem Lande kostenfrei, in den Städten sind umgerechnet 5 €/Kind zu entrichten. Weniger als ein Drittel der Kinder auf dem Lande schließt überhaupt die Grundschule ab. Die Unterrichtssprache ist Laotisch, eine Sprache, die von vielen Minderheiten nicht gesprochen wird. Am stärksten benachteiligt im Bildungswesen sind Mädchen. Sie müssen oft im Haushalt helfen, auf die jüngeren Geschwister aufpassen oder werden früh verheiratet. Jungen werden bevorzugt zur Schule geschickt. Die Qualität des Unterrichts ist allerdings nicht überwältigend. Veraltete Lehrmethoden, fehlende Schul- und Lernmaterialien und schlecht ausgebildete und bezahlte Lehrer sind die Ursachen. An die Grundschule schließt sich eine 3-jährige Mittelschule und danach eine 3-jährige Oberschule an. Für beide Schularten müssen Gebühren entrichtet werden, was für die Landbevölkerung utopisch ist. Im ganzen Land gibt es 4 Universitäten, die je nach Fakultät hohe Aufnahmegebühren verlangen, so z.B. 2000 US Dollar für ein Jura- oder Medizinstudium. Zu den Aufnahmegebühren kommen dann noch Semestergebühren hinzu. Die arme Landbevölkerung ist in diesem Bildungssystem chancenlos!

Schulklasse
Besuch der 4. Klasse Grundschule
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Die Schülerinnen und Schüler, die wir an diesem Morgen kennenlernen, freuen sich sichtlich über unseren Besuch und natürlich über die mitgebrachten "Geschenke" in Form von Kugelschreibern, Notizblocks und Schreibheften.

Nach einer kurzen Mittagspause besuchen wir ein weiteres Dorf einer Minderheit: die Hmong. Ihre Häuser sind ebenerdig, bestehen nur aus einem Raum, der keine Fenster hat. Bei den Hmong ist es dem Mann erlaubt, mehrere Frauen zu heiraten, mit denen er zusammen in diesem einen Raum lebt, für uns unvorstellbar! Durch eine Art Stoffplane wird der Raum unterteilt. Die Frauen der Hmong dürfen nur in ihrer Minderheit heiraten, den Männern ist auch eine Ehe außerhalb ihrer Minderheit erlaubt. Die Familie ist die wichtigste Institution im Leben der Hmong. Verantwortung und Autorität einzelner Familienangehörigen sind altersabhängig. Je älter eine Person, desto mehr Autorität besitzt sie. Traditionell sind die Männer und ihre ältesten Kinder für die Nahrungsbeschaffung zuständig. Außer Näharbeiten müssen sich die Frauen um eventuell vorhandene Tiere kümmern. Weiterhin müssen sie alle anfallenden Arbeiten erledigen, die ihnen von ihren Männern oder engeren Verwandten aufgetragen werden. Im Vietnamkrieg standen die Hmong auf Seiten der Amerikaner. Nach Ende des Krieges sind viele von ihnen in die USA ausgewandert.

Kinder der Hmong
Kinder der Hmong in traditioneller Kleidung
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Die Einwohner des Dorfes begrüßen uns freundlich und zeigen bereitwillig ihre Häuser. Auch lassen sie sich gerne fotografieren, ohne dafür Geld zu verlangen.

Unser heutiges Zimmer im Hotel Vansana ist gut ausgestattet und bietet vom Balkon aus eine phantastische Aussicht auf den Nam Xong River. Die sanitären Anlagen erreichen schon fast europäisches Niveau. Da gibt es wirklich nichts zu bemängeln - wir haben uns wohl gefühlt und die für die lokalen Verhältnisse luxuriöse Unterkunft genossen. Angeblich soll Vang nach obenVieng ein Backpackerparadies mit all seinen Vor- und Nachteilen sein, hier soll sich die gesamte Travellerszene von Laos treffen. Wir haben nichts davon mitbekommen, das Abendessen im Hotel genossen und eine ruhige Nacht verbracht.