Sprungbrett ins All: Zu Besuch in Amerikas Weltraumbahnhof

Mo, 28.02.2011

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt: Der letzte Start der Weltraumfähre "Discovery" war am 24. Februar, genau vier Tage vor unserem Besuch im Weltraumbahnhof. An solchen Tagen ist der gesamte Komplex für Besucher geschlossen. Und wir haben für den Besuch des Weltraumbahnhofs einen ganzen Tag eingeplant!

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

NASDA Emblem
Nasa Emblem
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Aber der Reihe nach. Schon von zu Hause sind 2 Monate vorher über "attractiontickets" die Eintrittskarten gebucht worden: Kennedy Space Center Space Pass (64$/Person). Er bietet Zugang zum Saturn V Center, zur LC39 Observatory Gantry, der Astronaut Hall of Fame und dem Rocket Garden, zusätzlich beinhaltet der Pass das "Dine with an Astronaut" Programm sowie die "NASA Up Close Tour", eine 2-stündige Tour mit Zugang zu Bereichen, die sonst angeblich nur Astronauten und NASA Personal betreten dürfen. Die Tour führt ganz nah an die Space Shuttle Abschussrampen, das Aufbaugebäude und die gewaltigen Raupentransporter. Ein volles Programm für einen Tag!!

Wir sind früh auf den Beinen, denn von Kissimmee bis zum Kennedy Space Center auf Cape Canaveral sind es 70 Meilen (112km). Google Maps gibt für die Strecke eine Fahrtzeit von 1Std 25 Minuten an. Öffnungszeit im Kennedy Space Center (KSC) ist 9.00 Uhr. Wir fahren um 7.15 Uhr los und sind bereits um 8.40 Uhr trotz starken Verkehrs am Visitor Center. Die Strecke ist bestens ausgeschildert! Parkplätze sind reichlich vorhanden. Dieses Mal haben wir einen Voucher, der am "Booth 1" - am Schalter 1 - kontrolliert und eingelöst wird. Wegen des Besucherandrangs hat der Schalter schon eher geöffnet. Wir bekommen die Tickets für das Mittagessen mit der Astronautin Susan (12.15 Uhr) und für die NASA Up Close Tour (14.00 Uhr- 16.00 Uhr). Somit steht uns der ganze Morgen für die eigene Besichtigung des Weltraumbahnhofes zur Verfügung. Nach der obligatorischen Taschenkontrolle am Eingang können wir mit dem Rundgang beginnen. Wir kaufen uns noch für 6,95$ einen Audio-Guide (deutsch), der aber nicht immer funktioniert.

Auf dem Weg zum Rocket Garden
Auf dem Weg zum Raketengarten, dem "Rocket Garden"
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Wir beginnen unsere Tour am "Rocket Garden" , am Raketen-Garten. Hier können wir um die aufgestellten Mercury-, Redstone-, Atlas- und anderen historischen Raketen spazieren, die die ersten amerikanischen Astronauten und Satelliten ins Weltall beförderten. Mit Ausnahme der riesigen Apollo-Saturn-1B-Rakete, die horizontal liegt, wurden alle diese Raketen ursprünglich für militärische Zwecke entworfen und dann durch das Raumfahrtprogramm für friedliche Forschungsaufgaben umfunktioniert.

Direkt neben dem Rocket Garden besuchen wir die Ausstellung "Die frühen Tage der Raumforschung" - "Early Space Exploration". Echte Gemini- und Mercury-Raumkapseln gewähren einen Blick in die engen Quartiere, mit denen Astronauten sich damals begnügen mussten.

Apollo-Saturn-1B-Rakete im Raketen Garten
Liegende Apollo-Saturn-1B-Rakete im Rocket Garden"
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In zwei riesigen IMAX-Kinos wird der Traum von der Raumfahrt mit einer Wand von Lautsprechern, fünf Stockwerke hohen Leinwänden und 3D-Spezialeffekten zum Leben erweckt. Unser Erlebnis in einem der IMAX-Kinos ist eine 45-minütige Vorführung über das Hubble-Weltraumteleskop: Glanzvolle Bilder aus den Tiefen des Alls! Weit entfernte Sterne, Nebel und Galaxien erlebt man hautnah! Das Pfeilstärkste Teleskop aller Zeiten umkreist die Erde in einer Höhe von 563 km, für jede Umkreisung der Erde braucht es 97 Minuten, die USA werden dabei in ca. 10 Minuten überflogen.

Nachbau der NASDA Raumfähre Explorer
Nachbau der NASA-Raumfähre "Explorer"
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Ein weiterer Höhepunkt im KSC-Besucherkomplex ist die Besichtigung des Space Shuttles "Explorer", eines Nachbaus einer NASA-Raumfähre in voller Größe. Wir besichtigen das Flugdeck, wo Astronauten den Orbiter während echter Starts und Landungen fliegen, dann das Mitteldeck, wo die Besatzungsmitglieder Experimente durchführen, schlafen und essen, und die Ladebucht, wo die Nutzlast untergebracht wird. Direkt neben der "Explorer" stehen die anderen Komponenten, die für den Start des Orbiters nötig sind: der orangefarbene externe Treibstofftank und die beiden Feststoff-Zusatzantriebe.

Astronautin Susan Kilrain
Begegnung mit der Astronautin Susan Kilrain
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Mittlerweile ist es Mittag geworden, Zeit, zum "Astronaut Encounter" zu gehen, um am Essen mit einer Astronautin teilnehmen zu können. Es finden sich ca. 40 Besucher ein, die ein entsprechendes Ticket besitzen. Wir werden in einen großen Saal geführt und an die einzelnen Tische verteilt. Alles geht sehr diszipliniert zu. Im Saal ist ein reichhaltiges Buffet aufgebaut: Kalte und warme Speisen, Salate, Suppen, Kuchen, Eis und andere Desserts sowie Kaffee und weitere nichtalkoholische Getränke werden angeboten, tischweise kann man sich bedienen. Nachdem alle Besucher mit Essen versorgt sind, erscheint die Astronautin Susan Kilrain. Sie startete am 4. April 1997 mit der Raumfähre Columbia zu ihrem ersten Raumflug als Shuttle-Pilotin. Während des Fluges, der ursprünglich für 15 Tage ausgelegt war, traten Probleme in einer der Brennstoffzellen der Raumfähre auf, so dass die Mission abgebrochen wurde und die Columbia schon nach knapp vier Tagen landete. Die NASA entschied, den Flug mit der gleichen Mannschaft noch einmal zu starten. So kam Kilrain schon am 1. Juli 1997 zu ihrem zweiten Flug. Frau Kilrain erzählt sehr anschaulich von ihren Flügen, ihrer Arbeit im Shuttle und wie sich dort das alltägliche Leben abspielt. Dazwischen werden kurze Filmszenen von ihr in der Columbia eingespielt. Nach ihren detaillierten Ausführungen können noch Fragen gestellt werden, danach besteht die Möglichkeit, sich mit ihr auf einem Foto zu "verewigen". Das Foto kann später für stolze 30$ erworben werden. Da jedoch auch die privaten Fotoapparate erlaubt sind, erübrigt sich der Kauf!

Abschussrampe
Abschussrampe für die Shuttles
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Um 14.30 beginnt mit halbstündiger Verspätung die KSC Besichtigungstour "Guided Tour for Special Guests". Zuerst fahren wir mit dem Bus zu der Stelle, an der Besucher den Start einer Weltraumfähre miterleben können. Aus Sicherheitsgründen ist die Stelle mehrere Meilen von der Startrampe entfernt. Dann geht es zu den Abschussrampen A und B im Startkomplex 39. Hier ist der Ausgangspunkt für die bemannten Raumflüge: Apollo, Skylab, Apollo-Sojus und das Space Shuttle Programm. Derzeit wird die Anlage für das neue Constellation-Programm umgebaut. Dabei soll eine neue Generation von Astronauten Flüge zum Mond und von dort den Weg für langandauernde Forschungsreisen ins All vorbereiten.

Raumfahrzeug-Montagegebäude
Raumfahrzeug-Montagegebäude (Vehicle Assembly Building)
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Eines der größten Gebäude der Welt - gemessen am Volumen - ist das Raumfahrzeug-Montagegebäude (Vehicle Assembly Building - kurz VAB). Es ist 160 m hoch, umfasst ca. 3,6 Millionen Kubikmeter umbauten Raum und nimmt eine Fläche von 3,3 Hektar ein. In diesem Gebäude werden die Space Shuttles zusammengebaut und auf den Raumflug vorbereitet, bevor sie zur Startrampe transportiert werden. Wir sehen auch das Raupentransportfahrzeug, welches vor wenigen Tagen die Discovery zur Startrampe gefahren hat. Es ist ein riesiges Gefährt, größer als ein Baseballfeld. Wenn es ein Shuttle befördert, trägt es eine Last von über 5 Millionen Pfeilkg bei einer Geschwindigkeit von etwa 1,6km/h. Die Transportstraße, der "Crawlerway", ist 5,6 km lang und wurde speziell für die schwere Last gebaut. Unter der Kiesoberfläche liegt eine Schicht Asphalt und darunter ein 2,13m dickes Fundament aus Schotter.

Die Betonlandebahn der Space-Shuttle-Landeanlage (Shuttle Landing Facility) ist so lang und breit, dass sie vom Weltraum aus gesehen werden kann. Hier macht der Orbiter bei seiner Rückkehr aus dem Weltall seinen Landeanflug. Die Landebahn ist fast 5 km lang und knapp 100m breit.

Saturn V Rakete
Saturn V Rakete
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Hauptattraktion im Apollo Saturn V Center, der letzten Besichtigungsstation, ist eine vollständig renovierte Saturn-V-Rakete, die 20 Jahre lang in der Nähe des Raumfahrzeug-Montagegebäudes (Vehicle Assembly Building) gelagert wurde. Sie besteht aus Stufen für Apollo-Missionen, die nie stattfanden, und ist eine von nur noch drei erhaltenen auf der Welt! Es ist schon sehr beeindruckend, wenn man darunter oder daneben steht. Erst dann werden die Ausmaße dieser Rakete bewusst!

Weiskopfseeadler
Weisskopf-Seeadler auf dem Gelände des Kennedy Space Center
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Das Kennedy Space Center liegt übrigens in einem Naturschutzgebiet: Merritt Island National Wildlife Refuge. Etwa zwei Drittel des Wildreservats gehören der NASA. Über 90% der Fläche des Reservats sind unerschlossen, so dass die Tiere hier einen ungestörten Lebensraum vorfinden. Auf dem Gelände rund um das KSC leben über 500 verschiedene Tierarten; dazu zählen der Weißkopf-Seeadler, der Wanderfalke und der Braunpelikan. Wir sehen aktiv genutzte Adlernester und fliegende Adler! Da die Nester einen Durchmesser von bis zu 2,4m haben, sind sie nicht zu übersehen. Laut unserem Tour-Guide wird die Anzahl der Alligatoren im Reservat auf 5000 geschätzt. Sie bewohnen die Süßwasserteiche hinter dem Besucherkomplex. Einer hat sich bei unserer Rundfahrt blicken lassen!

Mittlerweile ist es 18.00 Uhr geworden. Die Zeit für den Besuch der "U.S. Astronaut Hall of Fame" reicht nicht mehr. Man kann sich zwar am Ausgang auf dem Besucherausweis noch eine Erlaubnis für einen zweiten Besuch innerhalb von 7 Tagen ausstellen lassen, aber da wir morgen weiterfahren wollen, entfällt das für uns. Wir schauen uns noch kurz im Souvenirshop um, dann geht es zurück nach Kissimmee, wo wir wieder gegen 20.00 Uhr eintreffen. Der Tag hat uns ausgezeichnetPfeil gefallen. Alles im Einzelnen zu beschreiben fällt schwer. Kennedy Space Center muss man gesehen und erlebt haben!! Im Denny's essen wir noch etwas, dann wird der Tagesbericht geschrieben und die Fotos gesichert. Und dann ist endgültig Schluss für heute!!