Ostseebäder Sellin und Göhren, Halbinsel Mönchgut

Mi, 08.12. 2010 

Heute Morgen treffen wir unsere Berliner Freunde ein letztes Mal im Restaurant Königstuhl zum Frühstück, denn für die Beiden steht die Heimreise an. Die Wetterprognosen sind günstig, so dass die Autobahnen wohl schnee- und eisfrei sein dürften, was sich auch im Nachhinein herausstellt. So verabschieden wir uns nach dem Frühstück mit einem herzlichen "Auf Wiedersehen 2011 im schönen Oberbayern" und wünschen Gute Fahrt!


Um 10.00 Uhr starten wir zur heutigen Sightseeing-Tour. Erstes Ziel ist das Ostseebad Sellin, das zweitgrößte der Insel Rügen. Die Entfernung Binz - Sellin beträgt gerade mal 12 km. In Sellin herrscht wenig Verkehr, Touristen sind um diese Jahreszeit auch nicht viele da und wir finden auf Anhieb einen Parkplatz in der Wilhelmstraße. Sie ist die Prachtstraße Sellins. Eine weiße Villa reiht sich hier an die nächste, zahlreiche Restaurant-Terrassen und prächtig verzierte Balkone sind der Straße zugewandt. Hauptattraktion Sellins ist die Seebrücke, auf die wir von der Wilhelmstraße direkt zugehen. Neben der Seebrücke zieht natürlich in den Sommermonaten der schneeweiße, feinsandige Nordstrand die Besucher an. Von hier oben - am Seebrückenplatz - wirkt die Seebrücke wie ein verzaubertes Schloss zwischen Ufer und Meer. Über die Stufen der Himmelsleiter sind es genau 394 Meter bis zum Ende der Brücke.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Seebruecke Sellin
Die Seebrücke in Sellin
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Die Seebrücke ist das Wahrzeichen Sellins. Im Laufe ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte hat sie einiges erlebt. Weder orkanartige Stürme in den Wintermonaten noch der Brand des Brückenkopfes 1920 konnten ihr etwas anhaben. Nur der unvorstellbare Druck riesiger Eismassen gegen das Pfahlwerk führte in den Eiswintern 1924 und 1942 zur völligen Zerstörung der Landungsbrücke. Das Brückenhaus überlebte nicht nur den Krieg, sondern war in den 1950-er bis 70er Jahren eine beliebte Tanzgaststätte.

Tauchglocke Sellin
Tauchglocke am Ende der Seebrücke in Sellin
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In der heutigen Form erhebt sich die strahlend weiße Brücke seit 1998 wieder stolz über dem Meer. In mehreren Bauabschnitten ist sie mit Aufbauten im alten Stil und nach historischen Vorbildern von 1906 und 1925 entstanden. Im Glaspavillon Palmengarten werden Kaffeespezialitäten serviert. Gleich nebenan im an die Zwanziger Jahre erinnernden Kaiserpavillon werden leckere Fischgerichte angeboten; so jedenfalls weist es die Speisekarte aus, im Winter allerdings ist das Restaurant geschlossen! Am Ende des Landungsstegs steht die Tauchglocke Sellin. Trockenen Fußes kann man mit ihr auf den Grund des Meeres gelangen und mehr über diesen Lebensraum, seine Bewohner und seine Schutzbedürftigkeit erfahren. Während des Abtauchens gibt die Besatzung eine Einführung in die Ostsee, ihre Pflanzen- und Tierwelt. Um einen solchen Tauchgang zu machen, darf man nicht an Klaustrophobie leiden!

Verschneiter Ostseestrand in Sellin
Verschneiter Ostseestrand in Sellin an der Seebrücke
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1986 erhielt Sellin die staatliche Anerkennung als Erholungsort, 1993 den Titel "Seebad" und am 5. Januar 1998 den Titel "Ostseebad".

Unsere Fahrt geht weiter: von Sellin nach Göhren sind es knapp 7 km. Mit dem Anschluss an die Rügensche Kleinbahn 1899 wurde aus dem kleinen Fischerdorf ein beliebter Badeort, der im Winter allerdings recht einsam wirkt. Wir halten uns hier auf nicht lange auf, wir unternehmen lediglichnach oben einen kleinen Spaziergang auf der Seepromenade bis zur Seebrücke. Dann geht es zurück zum Auto und weiter nach Groß Zicker, das gemeinhin als schönstes Dorf im Mönchgut, wenn nicht gar auf ganz Rügen gilt. Am Ortseingang direkt vor der Dorfkirche finden wir einen kostenlosen Parkplatz.

Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker
Das Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker
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Der Name "Groß Zicker" soll vom slawischen "Sikor" abgeleitet sein und so viel bedeuten wie "Meisenort". Meisen sehen wir allerdings um diese Jahreszeit keine, dafür jede Menge alter reetgedeckter Häuser. (Der Name Reetdach findet vorrangig an der deutschen Nordseeküste Verwendung, in Mecklenburg-Vorpommern spricht man dagegen vom Rohrdach.) Das bekannteste ist das Pfarrwitwenhaus, ein Lehmfachwerkhaus aus dem Jahre 1723 mit einem spitz zulaufenden Rohrdach. Der Name "Pfarrwitwenhaus" stammt daher, dass nach dem Tod des Pfarrers für die Witwe eine neue Unterkunft errichtet wurde. Das Haus ist ein so genanntes Hallenhaus mit quadratischem Grundriss. In solchen Häusern fanden einst Menschen, Hühner, Schweine, Kühe und jede Menge Heu gleichzeitig ihren Platz.

Rohrdach-gedecktes Haus in Groß Zicker
Rohrdach-gedecktes Haus in Groß Zicker
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Im Ort Groß Zicker sehen wir unzählige Rohrdach-gedeckte Häuser, manche sehr gepflegt, bei anderen dagegen ist die Dachfläche stark vermoost.

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In der Nähe unseres Parkplatzes befindet sich das Restaurant "Haus Dünenrose". Nach dem Spaziergang durch das Dorf kehren wir hier ein, gönnen uns eine kleine Brotzeit und einen Glühwein, der bei den Minusgraden draußen gut tut! Da wir die einzigen Gäste sind, hat die Bedienung, die gleichzeitig die Besitzerin ist, Zeit für eine Unterhaltung über das Dorfleben in Groß Zicker im Sommer und im Winter.

Nach der Mittagspause fahren wir bis zur südlichsten Spitze der Halbinsel Mönchgut, zum Ostseebad Thiessow, das aber auch tief im Winterschlaf liegt!

"Der Ort Thiessow wird mit dem Beruf des Lotsen in Verbindung gebracht. Lotsen sind in Thiessow seit 1632 urkundlich belegt. Im Jahre 1859 wurde Thiessow wegen der günstigen natürlichen Bedingungen zur Hauptlotsenstation erklärt und nahm einen ungeahnten Aufschwung. Die Ausübung des Lotsenberufes als freies Gewerbe fand nun ein Ende, die Lotsen wurden staatlich angestellte und festbesoldete Beamte.  Durch einen Blick in alte Lotsenaufzeichnungen erfährt man, dass im Jahre 1863 insgesamt 655 Schiffe entweder in die Häfen des Binnenmeers zu bringen oder ins freie Meer zu geleiten waren. Eine Lotsung nach Stralsund nahm bei günstigem Wind 2 bis 3 Tage in Anspruch, bei widrigem Westwind konnten 14 Tage daraus werden. Dem Lotsen blieb dann nichts anderes übrig, als an Bord auszuharren. War schließlich das Schiff im Hafen angelandet, begab sich der Lotse auf den Rückweg, der von Stralsund zu Fuß nach Thiessow führte, was rund zwei Tage beanspruchte. 

Der Lotsenturm in Thiessow
Der Lotsenturm in Thiessow
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Auf dem 36 Meter hohen Lotsenberg wurde 1909 ein Lotsenturm erbaut, der eine Höhe von 11 Metern hatte. In seinem Gebälk befand sich ein Glockenstuhl und in diesem hing die Lotsenglocke. Der historische Lotsenturm mit Plattform und Ausstellungsraum, das Wahrzeichen von Thiessow, entstand 2003 wieder in alter Schönheit. Nach dem 1. Weltkrieg mussten viele Thiessower Lotsen den Dienst quittieren, und der 2. Weltkrieg bedeutete dann das Ende der Lotsentätigkeit, da englische Flugzeuge die Boddengewässer vermint hatten. Ganz und gar wurde die Lotsenstation dann 1949 aufgelöst, da alle Schiffsbewegungen über den Hafen Rostock abgewickelt werden sollten. Doch dann reichte ein Hafen für den ständig zunehmenden Warenverkehr nicht mehr aus, Stralsund bekam seinen Anteil an dem Seeumschlag von Gütern zugewiesen. Als der Hafen stark und lebensfähig aufblühte, bedingte dies auch wieder die Einrichtung einer neuen Lotsenstation in Thiessow. So blieb die Tradition bis in unsere Tage lebendig. Noch heute kann man täglich Schiffe beobachten, die vor dem Thiessower Oststrand auf Reede liegen und den Lotsen erwarten. Im März 2000 wurde die Lotsenstation in den Hafen Freest an der Peenemündung verlegt."

Quellenangabe: Kurverwaltung Thiessow / Gastgeberkatalog

Blick vom Lotsenturm auf die Ostsee
Blick vom Lotsenturm auf den Zicker See und die Ostsee
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Wir besteigen den Lotsenturm und haben trotz nicht optimaler Wetterbedingungen eine gute Rundumsicht auf die Küste und die umliegenden Ortschaften. Und damit endet auch unser heutiger Ausflug. Eine auf dem Rückweg geplante Wanderung zum Schloss Granitz scheitert an einem wegen Schneeverwehungen nicht mehr begehbarennach oben Weg. So sind wir wieder gegen 15.30 Uhr im Hotel zurück und vertreiben uns bis zum allabendlichen Schlemmerbuffet -heute ist mediterraner Abend - die Zeit im Wellness-Bereich des Hotels.