Bäderarchitektur und Herrenhäuser

 

Mo, 06.12. 2010 


Bevor wir über den heutigen Tag berichten, einige allgemeine Anmerkungen zu Rügen. Rügen ist die größte deutsche Insel. Sie gehört zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und liegt an der pommerschen Ostseeküste. Das "Tor" zur Insel Rügen ist die Hansestadt Stralsund, die wir im Verlaufe der Woche noch besuchen werden. Die Insel ist durch den Rügendamm und die 4,1 km lange Ziegelgrabenbrücke über den Strelasund mit dem Festland verbunden. Kernstück ist die 128 Meter hohe Pylon Brücke mit einer Schiffsdurchfahrtshöhe von 42 Metern. Das öffentlich finanzierte und daher maut frei benutzbare Bauwerk kostete inklusive aller Anschlussstellen 125 Millionen Euro. Die Brücke wurde im Oktober 2007 fertiggestellt.

Die Küste von Rügen ist durch zahlreiche Meeresbuchten (Bodden oder Wieken) und Halbinseln zergliedert. Zusammen mit der Insel Hiddensee bildet Rügen den Landkreis Rügen mit der Kreisstadt Bergen. Autokennzeichen ist "Rüg". Die bekanntesten Ostseebäder auf Rügen sind Binz, Sellin, Göhren, Baabe und Thiessow.

Heute ist Nikolaus! Das weiß natürlich auch das Hotel Rugard. Es überrascht seine Gäste mit einem Schokoladen-Nikolaus und weiteren Süßigkeiten, die in einem Geschenkbeutel an der Tür hängen. Eine nette Geste!! Wir begeben uns in den 6. Stock in das Restaurant Königstuhl. Von hier aus genießt man bei klarer Sicht einen tollen Panoramablick über die gesamte Binzer Bucht bis hin zu den Kreidefelsen. In einem geschmackvoll weihnachtlich gestalteten Ambiente erwartet uns ein umfangreiches und köstliches, mit sehr viel Liebe angerichtetes Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen lässt: Alle möglichen Müslisorten, Salate, Brote, Semmel, Marmeladen, Wurst, Käse und warme Gerichte werden angeboten. Für Kalorienbewusste gibt es sogar eine Bio-Ecke. Wer hier nicht satt wird, dem ist nicht zu helfen! Heute am Nikolaustag sind alle Stühle mit einer riesengroßen Nikolauszipfelmütze geschmückt. Die Bedienung ist sehr zuvorkommend und aufmerksam. Es fehlt wirklich an nichts.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Strandpromenade in Binz
Verschneite Strandpromenade in Binz/Rügen
>>Schliessen<<

Als Frühaufsteher sind wir schon fast mit dem Frühstück fertig, bevor Elke und Achim erscheinen. Wir verabreden uns für 11.00 Uhr an der Rezeption. Vorher wollen wir entlang der Strandpromenade bis zur Hauptstraße spazieren und schauen, was sich hier so in den 20 Jahren seit unserem letzten Besuch verändert hat. Und das ist wirklich eine Menge! Fast alle Häuser, Hotels und Villen sind renoviert bzw. neu gebaut und herausgeputzt. Auch das Kurhaus hat wohl eine grundlegende Renovierung, einen modernen Hotelanbau und einen Neuanstrich erhalten.

Seebrücke in Binz
Seebrücke in Binz/Rügen
>>Schliessen<<

Die Binzer Seebrücke ist sicher keine große Sehenswürdigkeit. Dennoch ist ihre Geschichte interessant. Die erste Brücke, eine 560 m lange Holzbrücke, weihte man im Sommer 1902 ein. Zuvor mussten die Passagiere aufgrund des Tiefgangs der Schiffe auf Reede ausgebootet werden. Um diese nicht immer angenehme Prozedur zu umgehen, ließ die Gemeindeverwaltung in Verlängerung der Wilhelmstraße die Brücke bauen. Diese wurde aber schon 1904 durch eine gewaltige Sturmflut zerstört. 1905 wieder aufgebaut, erhielt sie den Namen "Prinz-Heinrich-Brücke". Am 28. Juli 1912 ereignete sich eine folgenschwere Katastrophe. Beim Anlegen eines Dampfers zerbrachnach oben ein hölzerner Querbalken und riss ca. 50 Menschen mit ins Wasser. Es gab dabei 14 Tote. Dieses Ereignis war der Anlass, dass 1913 in Leipzig die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) gegründet wurde! Über 50 Jahre gab es in Binz keine Seebrücke! Erst seit Mai 1994 besitzt Binz wieder eine Seebrücke, heute eine Betonkonstruktion auf Stahlpfählen. Seit 1994 findet jährlich Mitte Juni für 2 Tage das Binzer Seebrückenfest statt.

Bäderarchitektur in Binz
Bäderarchitektur in Binz/Rügen
>>Schliessen<<

Eine Besonderheit der Insel Rügen ist ihre Bäderarchitektur. Zwischen 1890 und 1910 entwickelten sich die einfachen Fischerdörfer zu modernen Seebädern. Eine rege Bautätigkeit fand statt. Viele Übernachtungs-kapazitäten mussten geschaffen werden, die zudem gehobenen Ansprüchen genügen sollten. Denn Rügen galt sehr schnell als Geheimtipp in den Kreisen von Adel und Aristokratie. Die Bauweise, die dabei entstand und eigentlich für Rügen fremd war, war ein bunter Mix aus allen Teilen Deutschlands und Europas, die so genannte Bäderarchitektur. Besonders auffällig dabei sind verglaste oder offene Veranden mit aufwendig verzierten Gebälkkonstruktionen. Die Farbe Weiß dominiert. Nicht nur Villen, Hotels und Kurhäuser wurden in diesem Stil gebaut, sondern auch Konzertpavillons und Badeanstalten. Sowohl entlang der Strandpromenade als auch auf der Hauptstraße finden sich viele in diesem Stil errichteten Gebäude - mittlerweile natürlich restauriert. Während unseres Besuches hat sich alles in eine weiße Schneelandschaft verwandelt. Auch das hat seinen Reiz!

Nach unserem Spaziergang starten wir um 11.00 Uhr zu unserer gemeinsamen Rundreise mit dem Auto. Schwerpunkt des Ausflugs soll der Besuch der Herrenhäuser Venz, Libnitz und Tribbevitz sein. Achim hat schon im Vorhinein die GPS-Daten herausgeschrieben, so dass das Auffinden mit Hilfe des Navigationsgerätes keine Schwierigkeiten bereitet.

Herrenhaus Venz
Herrenhaus Venz mit Storchennest
>>Schliessen<<

Herrenhäuser und Schlösser sind die steinernen Zeugnisse von Rügens Vergangenheit. Im Jahre 1989 wurde ermittelt, dass von den ehemals 216 Schlössern und Herrenhäusern auf Rügen noch 165 in mehr oder minder gutem Zustand existieren. In den vergangenen Jahren wurden viele wiederhergestellt und restauriert.

Unsere erste Station ist das Herrenhaus Venz (Westrügen). 1486 wurde die Gutsanlage erstmalig in einer Urkunde der Stralsunder Marienkirche als Rittersitz erwähnt. Als älteste bekannte Eigentümer wird die Familie von Raleke genannt. Sie waren die "Ralunken" und Weggefährten Störtebekers, des wohl bekanntesten Seeräubers. Im 16. Jahrhundert wurde Venz von Jürgen von Platen auf Granskevitz durch Tausch erworben. Die heutige Gestalt erhielt das Haus im 17. Jahrhundert. Bis 1924 war der Hof mit kurzen Unterbrechungen im Besitz der Familie von Platen. 1945 wurde der Besitzer durch die Bodenreform enteignet. Erst 1995 wurde dann die Hofstelle durch die Familie des letzten Eigentümers von der Treuhandanstalt der Bundesregierung zurückgekauft und ein landwirtschaftlicher Betrieb gegründet. Besonders schön an dem Gebäude ist das riesige Storchennest am Dachgiebel.

Herrenhaus Libnitz
Herrenhaus Libnitz
>>Schliessen<<

Unser nächstes Ziel ist das Herrenhaus Libnitz. Das stattliche Haus wurde 1912 erbaut. Die umfangreiche Sanierung wurde 2004 abgeschlossen. Im Schloss sind 4 stilvolle Feriensuiten mit zeitgemäßem Komfort entstanden. Insgesamt macht die Anlage einen sehr gepflegten Eindruck.

Gruppenfoto in Gingst
Gruppenfoto in Gingst vor der Alten Post
>>Schliessen<<

Mittlerweile ist es bereits 14.00 Uhr, Zeit, in Gingst eine kleine Mittagspause einzulegen. Das Gasthaus "Alte Post" öffnet gerade um diese Zeit. Wir lassen uns Flammküchle und einen guten Glühwein schmecken.

Dann starten wir einen weiteren Versuch, um zum Gutshof Tribbevitz zu kommen. Ein erster Versuch war wegen erheblicher Schneeverwehungen und einer kaum befahrbaren Straße gescheitert. Dieses Mal versuchen wir es von der anderen Seite und sind erfolgreich. Das Gutshaus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und später zu einem Hotel umgebaut. Im Winter scheint das Hotel geschlossen zu sein. Auf uns hat das Gutshaus keinen allzu überwältigenden Eindruck gemacht, so dass wir uns nach ein paar Fotoaufnahmen auf den Rückweg machen. Um diese Jahreszeit fängt bereits gegen 16.00 Uhr die Dämmerung an. Und da wollen wir wieder im Hotel sein, um bis zum abendlichen Buffet noch dennach oben exzellenten Wellnessbereich des Hotels mit Schwimmbad, diversen Saunen, Dampfbädern etc. zu genießen. Nach dem Abendessen ist dann wieder gemütliches Beisammensein in der Bar STÖRTEBEKER angesagt.