Zu Besuch in Heidelberg


Mi, 21. Juli 2010

Am ersten vollen Tag in Heidelberg nehmen wir an einer organisierten Stadtführung teil. Diese beginnt um 10.30 Uhr und dauert 2 Stunden. Da wir sehr zeitig in der Altstadt sind, erhalten wir schon seitens unserer Gastgeber eine kleine "private" Stadtführung. Sie beginnt an der Peterskirche und endet am Rathaus, wo später die Hauptführung beginnt.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Peterskirche
Peterskirche in Heidelberg
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Die Peterskirche ist die älteste Kirche der Heidelberger Altstadt. Seit dem Spätmittelalter diente sie vielfach als Universitätskapelle der Universität Heidelberg. Universitätskirche ist sie seit 1896. Gestiftet wurde die Peterskirche vom Bistum Worms, als sich das Gebiet, auf dem sich Heidelberg heute befindet, noch in dessen Besitz befand. 

Universitätsbibliothek
Universitätsbibliothek in Heidelberg
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Unweit der Peterskirche befindet sich die Universitätsbibliothek, die älteste Universitätsbibliothek Deutschlands. Ihre Entstehung reicht in das Gründungsjahr der Universität Heidelberg 1386 zurück.  Die Bibliothek ist die Zentralbibliothek im Bibliothekssystem der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Ihre Aufgabe ist die umfassende Literatur- und Informationsversorgung der Angehörigen der Universität Heidelberg. Gleichzeitig stellt sie Literatur und Information für andere Hochschulen Heidelbergs (Pädagogische Hochschule, Hochschule für Jüdische Studien) und für die Einwohner der Stadt und der Region bereit. Sie verfügt über einen Bestand von über 3 Millionen Medien.

Löwenbrunnen
Löwenbrunnen vor der Alten Universität
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In unmittelbarer Nähe der Bibiothek ist der Universitätsplatz und die Alte Universität. Zur Geschichte der Universität sei folgendes gesagt: Sie wurde 1386 durch den pfälzischen Kurfürsten Ruprecht I. mit den vier Fakultäten Theologie, Recht, Medizin und Philosophie gegründet. Erst 1890 kamen die Naturwissenschaften dazu. Besonders sehenswert in der Alten Universität ist die Aula. Leider ist sie bei unserem Rundgang und auch später bei der organisierten Stadtführung wegen einer Veranstaltung geschlossen. Der vor dem Hauptportal der Alten Aula befindliche Brunnen hat als Jahreszahl 1712 eingeritzt. Als kurpfälzisches Wappentier wurde der Löwe zur Bekrönung des Brunnens gewählt.

Die Heidelberger Universität ist heute räumlich geteilt: Die Naturwissenschaften, Sportwissenschaft und die meisten Teile der Medizin befinden sich im Neuenheimer Feld, das Gros der Geisteswissenschaften sowie die Rechtswissenschaften befinden sich in der Heidelberger Altstadt, ebenso wie das Rektorat und die Universitätsverwaltung. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften befinden sich seit dem Frühjahr 2009 auf dem neugegründeten "Campus Bergheim". Die weltweit anerkannte universitäre Forschung hat Heidelberg auch zu einem Standort nach obengroßer Forschungseinrichtungen werden lassen. So haben das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Europäische Laboratorium für Molekulare Biologie (EMBL) und einige Max-Planck-Institute ihren Sitz in Heidelberg.

Käthe Wohlfahrt Haus
Käthe Wohlfahrt Haus in Heidelberg
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Wir gehen weiter zur Hauptstraße. Als erstes fällt an der Ecke Grabengasse-Hauptstraße das Geschäft "Käthe Wolfahrt" auf. Es bietet auf eindrucksvolle Weise ganzjährig eine große Auswahl an hochwertigen Weihnachtsdekorationen und Geschenkideen. In dem historisch wertvollen Gebäude soll man die "Altheidelberger Weihnacht", so wie sie früher war, erleben. Ähnliche Geschäfte haben wir schon in Salzburg und Oberammergau gesehen. Wir folgen der Hauptstraße bis zum Marktplatz und zum Rathaus. Hier endet unser Spaziergang und hier beginnt die organisierte Führung, wozu sich weitere 19 Teilnehmer eingefunden haben.

Wie das bei Führungen dieser Art üblich ist, erhalten wir als erstes einen Überblick über das Heidelberg "heute".

Heidelberg hat ca. 140.000 Einwohner (Stand Juli 2010), es ist die fünftgrößte Stadt Baden-Württembergs und gehört zum Landesteil Baden. Die ehemalige kurpfälzische Residenzstadt ist bekannt für ihre Schlossruine oberhalb von Fluss und Altstadt, sowie die Ruprecht-Karls-Universität, die älteste Hochschule auf dem Gebiet des heutigen Deutschland. Heidelberg zieht Wissenschaftler und Touristen (3,5 Millionen Besucher pro Jahr!) aus aller Welt an. Die Universitätskliniken haben Weltruf. Das bekannteste Industrieunternehmen ist die Heidelberger Druckmaschinen AG, ein Unternehmen des Präzisionsmaschinenbaus und einer der weltweit führenden Hersteller von Bogenoffset-Druckmaschinen.

Rathaus mit Marktplatz
Rathaus mit Marktplatz in Heidelberg
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Das Rathaus - Ausgangspunkt der Stadtführung - liegt am Marktplatz. Es wurde nach der Stadtzerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1693) in den Jahren 1701-1703 mehrfach umgebaut und erweitert. Der barocke Kernbau ist am heutigen Mittelteil der Marktplatzfassade zu erkennen. Auf dem großen Marktplatz vor dem Rathaus findet zweimal wöchentlich ein Wochenmarkt statt, ansonsten sind hier mehrere Straßencafés. Den Mittelpunkt des Marktplatzes bildet ein zwischen 1703 und 1706 errichteter Brunnen mit der auf einer Säule stehenden Figur des Herkules. Der für seine Stärke bekannte Held aus der griechischen Sage soll Sinnbild sein für die gewaltige Kraftanstrengung, die der Heidelberger Bevölkerung beim Wiederaufbau ihrer zerstörten Stadt in den Jahren nach 1700 abverlangt wurde.

Steingasse mit Brückentor
Steingasse mit Brückentor in Heidelberg
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Vom Marktplatz gehen wir durch die Steingasse zur Alten Brücke. Die Alte Brücke oder Karl-Theodor-Brücke mit dem daran anschließenden Brückentor ist das Wahrzeichen Heidelbergs. Die Vorgängerbrücken der heutigen "Alten Brücke" waren stets Holzbrücken. Auch wenn diese von Steinpfeilern getragen wurden, konnten sie von großen Unwettern doch relativ leicht weggespült werden. Kurfürst Karl Theodor ließ daher 1786-88, mit der bis heute erhaltenen Alten Brücke, erstmals eine Steinbrücke über den Neckar errichten. Nach ihrem Erbauer wurde die Brücke ursprünglich Karl-Theodor-Brücke genannt. Zum Dank für den Brückenbau setzten die Bürger Heidelbergs ihrem Kurfürsten auf der Alten Brücke ein Denkmal. Es zeigt Karl Theodor, von Flussgöttern umgeben, die jeweils einen der vier pfälzischen Hauptflüsse Neckar, Rhein, Main und Donau symbolisieren. Den Namen "Alte Brücke" erhielt die Karl-Theodor-Brücke erst, als im 20. Jh. die Theodor-Heuss-Brücke über den Neckar errichtet wurde. Im Kontrast zu dieser neu errichteten Brücke, konnte die Karl-Theodor-Brücke nun als "Alte Brücke" bezeichnet werden. Das Brückentor hatte übrigens als Teil der nach obenStadtbefestigung alle Hochwasser überstanden und diente nach dem Bau der Steinbrücke als Wächterhaus und Gefängnis. 1788 wurden die spitzen Kegeldächer der Tortürme durch barocke Turmhelme ersetzt. Von der Alten Brücke haben wir einen sehr schönen Blick auf das Heidelberger Schloss.

Brückenaffe
Brückenaffe an der Alten Brücke in Heidelberg
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Westlich des Brückentores hält jetzt der Heidelberger Brückenaffe seinen Betrachtern den Spiegel vor. Die Bronzeplastik von Professor Gernot Rumpf wurde 1979 aufgestellt. Einen Brückenaffen gab es in Heidelberg bereits im 15. Jahrhundert. Alte Stadtansichten zeigen ihn am Brückenturm auf der nördlichen Neckarseite.

Die Heidelberger Altstadt stand oft unter Wasser. Für die Bewohner war es schlimm, wenn der Neckar Hochwasser hatte. Besonders im Winter. In der Pfaffengasse haben die Bewohner aufgezeichnet, bis wohin das Wasser reichte.

Friedrich Ebert Stiftung
Wohnung von Friedrich Ebert im 1. Stock
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In der Pfaffengasse 18 ist die Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte. Ihr Ziel ist es, das Andenken an Friedrich Ebert als erstes demokratisches Staatsoberhaupt in der deutschen Geschichte zu wahren. Friedrich Ebert wurde in Heidelberg als siebtes von neun Kindern eines Schneidermeisters am 4. Februar 1871 geboren. Wir besichtigen den Wohn- und Schlafraum sowie die Küche der Geburtswohnung im ersten Stock. Im Wohnraum befand sich auch die Schneiderwerkstatt von  Friedrich Eberts Vater.

Heiliggeistkirche mit Marktplatz
Heiliggeistkirche mit Marktplatz in Heidelberg
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Die Heiliggeistkirche am Marktplatz ist der größte dreischiffige gotische Kirchenbau im kurpfälzischen Raum. Erbaut wurde sie um 1400. Sie diente den pfälzischen Wittelsbachern als Grablege. Das Grabmal von Kurfürst Ruprecht III. ist bis heute erhalten. Auf den Emporen der Kirche befand sich bis 1623 die damals reichste Schriftensammlung Europas, die "Bibliotheca Palatina". Bei der Zerstörung Heidelbergs durch die Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Heiliggeistkirche in Brand gesetzt. Beim Wiederaufbau im 18. Jh. erhielt die Turmspitze ihre heutige, barocke Form. Die Chorherren der Kirche hatten stets in der Pfaffengasse ihr Quartier! Die vielen Läden rund um die Kirche gab es von Anfang an, sie gehören bis heute der Evangelischen Kirche Baden.

Haus zum Ritter St. Georg
Haus zum Ritter St. Georg in Heidelberg
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In unmittelbarer Nachbarschaft zur Heiliggeistkirche befindet sich an der Hauptstraße das Haus zum Ritter St. Georg. Erbaut wurde das Haus 1592 vom hugenottischen Tuchhändler Charles Bélier zu Wohn- und Geschäftszwecken auf einem bereits vorhandenen Erdgeschoss. Die über dem Giebel angebrachte Ritterfigur war namensgebend. Bélier gab einem unbekannten Baumeister den Auftrag, eine neue reiche Fassade zu entwerfen, da ihm die alte offensichtlich zu schlicht war. Als eines der wenigen fast unzerstört gebliebenen Häuser diente es von 1693 bis 1703 als Rathaus, danach bis heute als Gasthof und Hotel.

Die Jesuitenkirche, die wir als nächstes besuchen, wurde 1712-1723 durch den berühmten Barockbaumeister Johann Adam Breuning errichtet. Die Jesuiten sahen in ihrer Heidelberger Kirche das katholische Pendant zur Heiliggeistkirche. Die Gruft am linken Seiteneingang der Kirche birgt die sterblichen Überreste von Kurfürst Friedrich I.

Studentenkarzer
Studentenkarzer in Heidelberg
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Der Abschluss der Stadtführung ist ein Besuch im Studentenkarzer. Er liegt auf der Rückseite der Alten Universität in der Augustinergasse. Hier wurden von 1778 bis 1914 die Studenten für "Kavaliersdelikte" wie nächtliche Ruhestörungen oder andere Verstöße gegen die öffentliche Ordnung - oft waren es feucht-fröhliche Streiche - bestraft. Zu dieser Zeit besaß die Universität noch ihre eigene Gerichtsbarkeit, so dass ein Amtmann Karzerstrafen verhängen konnte. Der Arrest dauerte, je nach Delikt, zwischen drei Tagen und vier Wochen, allerdings durften die Studenten ihre Vorlesungen besuchen. Danach mussten sie ihre Zeit im Karzer absitzen. Viele vertrieben sich die Zeit damit, sich an den Karzerwänden mit ihren Konterfeis und Sprüchen zu verewigen. Es gehörte quasi zum Studentenleben, einmal im Karzer gesessen zu haben.

Nach so vielen Besichtigungen sind wir ziemlich erschöpft - vor allem auch wegen der Hitze und freuen uns auf eine Mittagspause. Wir treffen uns bei einer unserer Gastgeberinnen zu einem leckeren, liebevoll zubereiteten Mittagessen mit anschließendem Kaffee. Was für ein Service!!

Heidelberger Schloss
Das Heidelberger Schloss
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Den Nachmittag gestalten wir in Eigenregie. Das Heidelberger Schloss ist unser Ziel. Die wuchtige Schlossruine steht direkt über der Altstadt am Berghang des Königstuhls. Vom Kornmarkt aus nehmen wir die Standseilbahn zum Schloss und besichtigen ausgiebig die Schlossruine, das Deutsche Apothekenmuseum im Ottheinrichsbau des Schlosses und das "Große Fass". Dieses Fass wurde unter Kurfürst Karl Theodor gebaut. Es hatte ein Fassungsvermögen von 221.726 Litern. Heute fasst es noch 219.000 Liter nach Eintrocknung des Holzes. Es wurde nur dreimal gefüllt, weil es nie dicht war. Als Attraktion für die Besucher des Schlosses blieb es jedoch erhalten. Es wurde durch ein großes Loch in der Decke aufgefüllt. Durch dieses Loch führte man einen Schlauch ins Fass darunter und pumpte den Wein so in das Fass, damit man nicht aufs Fass klettern musste. Natürlich ist dieses Fass eine Touristenattraktion und es wird eifrig fotografiert!

In der Herrenmühle
Im Restaurant zur Herrenmühle in Heidelberg
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Vom Schloss kann man die Heidelberger Altstadt, die Alte Brücke, den Neckar und die gegenüberliegende Neckarseite bestens sehen. Zurück geht es zu Fuß in die Altstadt, durch die wir noch einmal in Ruhe gehen wollen. Direkt vor der Alten Brücke gönnen wir uns in einem Straßencafé eine Erfrischung. Für 18.00 Uhr haben wir uns wieder mit unseren Gastgeberinnen verabredet. Wir nach obenhaben sie zu einem Abendessen in ein Lokal ihrer Wahl eingeladen. Es ist das Restaurant zur Herrenmühle. Ein Tisch im Garten ist für uns reserviert. Das Essen, "Landhaus-Menu", ist vorzüglich und wir lassen in schöner Atmosphäre diesen wunderbaren, erlebnisreichen Tag ausklingen!!