Nizwa, der Dschebel Schems und die Bergoase Al-Hamra

Montag, 02.12. 2013

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Falaj Daris Hotel Nizwa
Falaj Daris Hotel in Nizwa
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Nizwa liegt im Zentrum des omanischen Kernlandes am Südrand des Hadschar-Gebirges nahe dem Dschabal al-Achdar (auch Jebel Akhdar), dem höchsten Bergmassiv Omans. Der höchste Gipfel, der Dschebel Schems (Jebel Shams), erreicht eine Höhe von etwa 3000m.

Für die meisten Reisenden, aber auch für die Omanis, gibt es keine traditionsreichere, ehrerbietendere Stadt als Nizwa. Das liegt zum einen daran, dass Nizwa eine sehr alte Siedlung ist. Alte Stämme haben schon im 4. Jahrhundert n.Chr. gerade diese Region des inneren Oman -die Provinz heißt auch Das Innere - besiedelt und hier aufgrund ihrer hervorragenden Kenntnisse im Terrassenfeldanbau neue Siedlungsräume geschaffen. Nizwa war mehrmals im Laufe der Geschichte Hauptstadt. Zum anderen begann hier noch zu Lebzeiten des Propheten Mohammed - 630 n.Chr. - die Islamisierung; 751 wurde der erste ibhaditische Imam, Yulanda ibn Masud, gewählt und Nizwa blieb bis ins 12. Jahrhundert Regierungssitz und religiöses Zentrum. Hier regierten die mächtigsten Stämme, die sich immer wieder gegen die säkulare Herrschaft der Sultane an der Küste auflehnten. Das Imamat bestand bis ins 17. Jahrhundert.

Dank des Wasserreichtums war und ist Nizwa eine wohlhabende Stadt, die Bewässerungskanäle führen in alle Bereiche der Stadt; der wichtigste Kanal ist der Falaj Daris, nach dem auch unser Hotel benannt ist.

Eingangstor zur Altstadt in Nizwa
Eingangstor zur Altstadt in Nizwa
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Wir beginnen unsere heutige Besichtigung an einem der großen hölzernen Eingangstore zum alten Stadtzentrum, über dem die Festung und die Sultan-Qaboos-Moschee thronen. Zur Linken sehen wir ein von Palmen überdachtes Rondell. Hier findet jeden Freitag der berühmte Tiermarkt statt, der für die Bewohner der Bergdörfer rund um Nizwa die einzige Einnahmequelle ist. Da heute Montag ist, ist der Platz leider leer. Wir besuchen zuerst den Obst- und Gemüsemarkt. Er ist gekachelt und klimatisiert und gleicht mehr einer großen Markthalle, bietet aber eine erstaunliche Auswahl an verschiedenen Obst- und Gemüsesorten.

Krummdolch
Krummdolch - khanjar
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Alter Souk in Nizwa
Alter Souk in Nizwa
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Was die Touristen am meisten interessiert, ist natürlich der Souk, der vor 20 Jahren noch zu einem der größten Arabiens zählte. Trotz eines scheinbar unübersichtlichen Gewirrs war der Souq wie alle arabischen Souks nach Branchen unterteilt: Es gab die Gasse der Metzger, die der Gewürzhändler oder die der Weihrauchhändler. Doch 1993 ist Nizwa grundlegend verändert worden. Die Altstadt wurde bis auf ganz kleine Teile abgerissen, der Souq gehörte dazu. Die alten engen Gassen gibt es nicht mehr; ein zweckdienlicher, modernisierter West Souk wurde errichtet mit offenen Verkaufsständen, der vor allem auf Touristen ausgerichtet ist und Silberschmuck, Kaffeekannen und die traditionellen Krummdolche, die khanjars anbietet. Der Ost Souk schräg gegenüber hat noch viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt und man fühlt sich hier schon dem Orient ein Stückchen näher. Er bietet vor allem Gewürze und Alltagsgegenstände an. Doch leider stehen viele der alten Lehmhäuser leer.

Eingang zum Fort von Nizwa
Eingang zum Fort von Nizwa
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Beim Verlassen des Souk stehen wir unmittelbar vor dem Fort von Nizwa. Das Herausragende an diesem Fort ist der Rundturm, den es nach obenin dieser Form nirgendwo sonst im Oman gibt. Er ist 20 m hoch und 36 m im Durchmesser. 14 m ist er mit Sand gefüllt, um die schweren Kanonen, die man zur Verteidigung der Stadt benötigte, positionieren zu können. Die Festung selbst ist unbestimmbar, vielleicht noch aus vorislamischer Zeit; aber davon ist im heutigen Bild gar nichts mehr zu sehen. Diejenigen, die die Festung in ihrer heutigen Form schufen, sind die Herrscher aus der Ya'aruba-Dynastie. Sie konnten die Portugiesen im 17. Jahrhundert aus dem Oman vertreiben. Das Geld für den Bau der Festung soll aus einem einzigen Beutezug gegen die Portugiesen stammen.

Blick über Nizwa
Blick über Nizwa vom Wehrgang des Forts aus gesehen
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Wir betreten die Festung durch ein schweres Holztor, vor dem zwei Kanonen stehen, eine schwedische und eine portugiesische, also keine omanischen! Vom geräumigen Innenhof geht es über eine verwinkelte Treppe auf den Festungsturm. Nach sechs Türen und vielen Treppenstufen erreichen wir die offene Plattform, auf der noch ein paar Kanonen stehen. 10 m über dieser Plattform befindet sich ein Wehrgang. Über steile, steinerne Treppenstufen können wir diesen Wehrgang erreichen und haben von hier einen fantastischen Blick auf Nizwa und auf die Kuppel der Sultan-Qaboos-Moschee. Das sollte man sich nicht entgehen lassen!!

Nach der Besichtigung des Forts bleibt genügend Zeit, sich noch etwas umzuschauen. Wir genehmigen uns zuerst eine Tasse Kaffee in einem nahegelegenen kleinen Coffee Shop, dann schlendern wir nochmals durch den Souk. Die diversen Silberwaren, aber auch die Töpferwaren haben es uns angetan. So einen wunderschönen großen Tonkrug mit Blumen bepflanzt, könnte ich mir schon in unserem Garten vorstellen, wäre da nicht der Transport! Und damit erledigt sich das Thema von selbst.

Der Grand Canyon des Oman
Am Dschebel Schems - Grand Canyon des Oman
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Die Majestät der Berge ist der Dschebel Schems. Das Gipfelplateau ist unser nächstes Ziel. Die Fahrt führt entlang des Wadi Ghul, wo wir einen kleinen Fotostopp einlegen und sehr schön in das fruchtbare Tal hineinsehen können. Es geht weiter, zunächst noch auf asphaltierten Straßen, an mehreren kleinen Bergdörfern vorbei, die wie Vogelnester an den Bergen kleben. Die letzten Kilometer bis auf 2000 m Höhe sind allerdings Schotterpiste. Das Gipfelplateau bietet dann einen grandiosen Ausblick auf die omanische Bergwelt. Die Aussicht in dasnach oben Wadi Nakhr, bekannt auch als "Grand Canyon" des Oman, ist beeindruckend. Es versteht sich fast von selbst, dass wir hier eine Picknickpause einlegen und alle Fotografen genügend Zeit haben, das sich bietende Panorama gebührend festzuhalten.

Oase Al-Hamra
vom Verfall gezeichnet: das alte Al-Hamra
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Faladsch - Bewässerungssystem
Faladsch - Bewässerungssystem
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Auf dem Rückweg nach Nizwa machen wir einen Stopp in der Oase Al-Hamra, die in einer Talsenke liegt. Die riesigen Dattelpalmenhaine gedeihen hervorragend dank des Faladsch-Bewässerungssystems. Die Oase hat zwei Teile: das alte Al-Hamra besteht überwiegend aus Lehmhäusern, nur wenige sind noch bewohnt, die meisten sind dem Verfall preisgegeben. Sie sind teilweise bis zu 3 Stockwerke hoch und besitzen nur relativ kleine Fensteröffnungen. Um das fruchtbare Land in der Talsenke zu schützen, wurden sie vor mehr als 300 Jahren am Berghang auf Felsen errichtet. 1993 machte die Tübinger Universität in diesem Gebiet umfangreiche Studien und fand dabei heraus, dass die Altstadt von Al-Hamra 7 ha groß war und aus 200 Häusern bestand. Die besten Plätze für die Eliten waren unmittelbar am offenen Faladschsystem. Eine besondere Stellung hatte neben diesen hochrangigen Familien auch die Moschee. Sie brauchte stets sauberes Wasser für die rituellen Reinigungen; deshalb ihr Platz direkt an den Kanälen. Die ärmere Bevölkerung wohnte weiter ab und auch höher. Die Nähe zu einem Faladsch unterstrich den Wert des Grundstückes und die Bedeutung seines Besitzers. 1970 wohnten noch alle Bewohner im alten Teil; die neuen Betonhäuser, die wir jetzt sehen, hat es vorher nicht gegeben. Sie sind erst in den 80-er Jahren entstanden. Heute leben in Al-Hamra inklusive aller kleineren Siedlungen ca. 55.000 Leute.

Dattelpalmenhain
Spaziergang durch eine Dattelpalmenoase
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Im Museum Bait al Safah in Al-Hamra
Im Museum Bait al Safah in Al-Hamra
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Unser Spaziergang durch das alte Al-Hamra führt durch die Dattelpalmenhaine zu einem aufwendig restaurierten und mit historischen Möbeln ausgestatteten Haus, in dem sich das Museum Bait al Safah befindet. Es gehört der Safah-Familie, der an dem kulturellen Erbe sehr gelegen ist. Bei einem Rundgang durch das Museum rösten einheimische Frauen Kaffeebohnen, bereiten Kaffee auf traditionelle Weise zu, mahlen Mehl, backen Brot und führen andere Alltagstätigkeiten vor, unter anderem zeigen sie, wie Henna hergestellt wird, das in der Kosmetik zum Färben der Haare oder der Haut eingesetzt wird. Zum Schluss der Besichtigung werden Kaffee und Datteln gereicht, das Symbol omanischer Gastfreundschaft!

Nach einem kurzen Spaziergang durch Al-Hamra warten schon unsere Fahrer auf unsnach oben und bringen uns zurück nach Nizwa, wo wir gegen 18.00 Uhr eintreffen. Um 19.00 Uhr dürfen wir dann wieder am Pool des Hotels unser abendliches Buffet genießen und den Tag ausklingen lassen.