Durch den Namib-Naukluft-Park zur Küstenstadt Swakopmund

So, 15.11.2015

Im gewohnten Rhythmus (6.00 Wecken, 7.00 Uhr Frühstück, 8.00 Uhr Abfahrt) geht es heute weiter auf dem Weg zur Küstenstadt Swakopmund.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Moose_McGregor_Desert_Bakery
Moose McGregor Desert Bakery in Solitaire
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Erster Stopp ist die Minisiedlung Solitaire. Solitaire liegt an der Kreuzung der Hauptstraßen C14 und C24. Der kleine Ort beherbergt die einzige Tankstelle und den einzigen Lebensmittelladen zwischen der Küstenstadt Walvis Bay und der Hauptstadt Windhoek sowie zwischen Walvis Bay und den Dünen im Sossusvlei und ist daher ein wichtiger Rast- und Versorgungspunkt in diesem dünn besiedelten Wüstengebiet. Auch ein ungeteerter Landeplatz für Kleinflugzeuge ist vorhanden. Direkt neben Laden und Tankstelle sind die Solitaire Country Lodge und ein Zeltplatz sowie ein Café und Restaurant. Richtig bekannt und erwähnt in fast jedem Reiseführer ist die "Moose McGregor Desert Bakery", die angeblich den besten Apfelkuchen (Apple Pie) in ganz Namibia herstellt. Und da wir heute zu Mittag nirgendwo einkehren können, bietet es sich geradezu an, ein paar Stücke Apfelkuchen zu kaufen und während der Fahrt zu genießen. Der Gründer der Bäckerei, Percy "Moose" McGregor, starb überraschend 2014 mit nur 57 Jahren. Er liegt auf einem kleinen Friedhof gegenüber der Bäckerei begraben.

Moose_McGregor_Desert_Bakery
Grabstätte Moose McGregor
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Wir kaufen uns jeder ein großes Stück Apfelkuchen und vertilgen es bei der Weiterfahrt. Ob nun der Apfelkuchen der beste Namibias ist, vermag ich nicht zu sagen, da ich die anderen Apfelkuchen nicht kenne bzw. probieren kann. Doch ich finde, unser "deutscher" Apfelkuchen kann auf jeden Fall mithalten!

Wendekreis des Steinbocks
Wendekreis des Steinbocks
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Auf dem Weg zur Küste überqueren wir den Wendekreis des Steinbocks. Es ist der südliche Wendekreis; der nördliche ist der des Krebses. Auf ihnen steht die Sonne am Mittag des Tages der jeweiligen Sonnenwende im Zenit. Die Wendekreise haben vom Äquator je einen Abstand von 2.609 km. Der Gürtel zwischen nördlichem und südlichem Wendekreis sind die Tropen. Wir haben den südlichen Wendekreis schon einmal am Silvestertag 2000 in Australien (siehe Reisebericht hier) überschritten.

Als nächstes überqueren wir das ausgetrocknete Flussbett des Kuiseb. Die Wildtränken Ganab und Hotsas sehen wir nur aus der Ferne. Lediglich Oryx Antilopen halten sich dort auf.

Welwitschai mirabilis
Welwitschia mirabilis
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Die berühmteste Pflanze Namibias ist die Welwitschia mirabilis. Ob sie gerade "schön" ist, sei dahin gestellt; zumindest ist sie einzigartig. Wir begegnen ihr auf unserem Weg Richtung Swakopmund. Wir sind auf der C 28, ca. 56 km vor Swakopmund. Hier biegt rechts der so genannte Welwitschia Drive ab.

Die Pflanze erreicht ein Alter von 1000 bis 2000 Jahren. Der österreichische Botaniker Martin Joseph Welwitsch hat sie erstmals entdeckt.

Welwitschai mirabilis mit männlichen Blüten
Welwitschia mirabilis, männliche Blüten
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Welwitschai mirabilis mit weiblichen Blüten
Welwitschia mirabilis, weibliche Blüten
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Sie wächst endemisch - kommt also nur hier vor - und ebenerdig und bekommt in ihrem ganzen Leben neben den beiden Keimblättern nur zwei Laubblätter, die über 2 m lang werden und am Ende zerfransen. Dadurch entsteht der Eindruck vieler Blätter. Unterirdisch breitet sich das Wurzelwerk über eine riesige Fläche aus. Die Pflanze kann die geringste Menge Feuchtigkeit nutzen, so zum Beispiel Feuchtigkeit aus dem Nebel, den der Westwind vom Atlantik in die Namib treibt. Da die Pflanze Wasser speichern kann, zählt sie zu den Sukkulenten. Eine weitere Besonderheit dieser seltsamen Pflanzen ist die Tatsache, dass es weibliche (rechtes Bild) und männliche (linkes Bild) Blüten gibt. Man sollte nie zu nahe an die Pflanze herantreten. Damit zerstört man das feine Wurzelwerk unter dem Sand, und die Pflanze stirbt. Daher sind die bekanntesten Exemplare auch von einem Kreis von Steinen umgeben, um die Pflanze zu schützen.

Coat of arms of Namibia

Die Welwitschia mirabilis wird auch auf dem Wappen Namibias dargestellt. Im Sand der Namib Wüste ist sie fest verwurzelt. Die beiden Oryx Antilopen stehen für die trockenen Gebiete Namibias. Der Fischadler sitzt auf einer Kette von Diamanten. "Einigkeit", "Freiheit" und "Gerechtigkeit" sind fester Bestandteil der Verfassung Namibias.

Mondlandschaft
Mondlandschaft
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Eine weitere Besonderheit in dieser Gegend ist die Mondlandschaft, ein absolut vegetationsloses Gebiet. Man sieht nur Geröll, Steine, Staub und Sand und kommt sich eben "wie auf dem Mond" vor. Hier haben die amerikanischen Astronauten für ihre Mondlandungen trainiert und auch so mancher Werbefilm wurde hier gedreht.

Auch hier gibt es Leben! Steine und Boden sind mit Flechten bedeckt, die ihre erforderliche Feuchtigkeit durch den Nebel erhalten, der nachts vom Atlantik herüberkommt. 

Gegen 15.00 Uhr erreichen wir Swakopmund, Namibias beliebtesten Ferienort und lassen damit die Namibwüste hinter uns. Dank des kühlen Benguela-Stroms herrschen angenehme Temperaturen. Wir werden die beiden nächsten Tage hier verbringen. Das gemeinsame Programm beschränkt sich auf einen Bootsausflug zur Walfischbucht. Ansonsten können wir Swakopmund auf eigene Faust erkunden. Das Hotel Hansa (Hendrik Witbooi Str.), ein zeitloser Klassiker und Teil der Swakopmunder Kolonialarchitektur, empfängt uns mit einem Willkommensdrink. Unser zugewiesenes Zimmer mit Bad, gemütlicher Sitzecke, WLAN und schnellem Internetzugang sowie riesiger Dachterrasse lässt keine Wünsche offen. So machen wir es uns erst einmal recht gemütlich, genehmigen uns in der Bar einen doppelten Campari und ein Bier und schlendern dann zum ersten Erkundungsgang durch Swakopmund. Unser Hotel liegt zentral in der Nähe hübscher Parkanlagen sowie den vielen historischen Gebäuden aus der deutschen Kolonialzeit. Café Anton, das bekannteste Café mit Schwarzwälder Kirschtorte, Käsekuchen und Bienenstich liegt gleich um die Ecke. Schnell stellen wir fest: man spricht deutsch in Swakopmund!

Jetty - Landungsbrücke
Jetty - Landungsbrücke
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Unser Weg an diesem Nachmittag führt uns an der Alten Post und dem Marinedenkmal vorbei (Daniel Tjongarero Street) zur Strandstraße und zur Jetty. So heißt im Volksmund die beliebte Landungsbrücke, die jahrelang geschlossen und erst 2006 nach gründlicher Renovierung als "inoffizielles Wahrzeichen" Swakopmunds wieder geöffnet ist. Man hatte bereits 1911 mit dem Bau eines Eisenpiers begonnen, der 640 m in den Atlantik hinausragen sollte. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden die Arbeiten unterbrochen und nach der Verlegung des Hafens nach Walvis Bay danach auch nicht wieder fortgesetzt.

Zurück gehen wir über die Libertina Amathila Avenue - vorbei am Hohenzollernhaus und Kücki's Pub - zum Hotel. Für den Abend ist ein gemeinsames Abendessen im Hotel vorgesehen. Das wird serviert und schmeckt hervorragend. Wir entscheiden uns im Hauptmenu statt "Geschnetzeltes vom Oryx" für "Gebratenes Kap-Seehechtfilet"-überzogen mit Zitronen-Kapernbutter, gereicht mit Salzkartoffeln und feinem grünen Swakopmunder Spargel. Als Vorspeise gibt es Spargelrahmsuppe mit Sahnehaube und Einlage, als Nachtisch gemischte Beeren in Rotweingelee mit hausgemachter Vanillesauce. Ein schöner Tagesausklang!