Durch die Wüste zur Namib Desert Lodge

Fr, 13.11.2015

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Schotterpisten
Schotterpisten
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Wüstenlandschaft
Wüstenlandschaft
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Heute brauchen wir Sitzfleisch, denn 460 km vornehmlich auf Schotterpisten liegen vor uns. Wir sind auf dem Weg von Aus nach Norden auf der C13 Richtung Helmeringhausen. Hier eine Aufnahme aus dem Bus fotografiert. Die Landschaft verändert sich immer wieder ein wenig, mal Gebirge, mal endlose Wüste, mal verdorrte Sträucher und roter Wüstensand.

Gegen 9.30 Uhr - nach 1 1/2 Stunden Fahrtzeit - machen wir einen kleinen Stopp im Ort Helmeringhausen am Schnittpunkt der Straßen C13 und C14. 2008 bestand der Ort aus 8 Gebäuden und hatte 11 permanente Bewohner. Mittlerweile dürfte er etwas größer geworden sein. Hubert Hester, ein Mitglied der deutschen Schutztruppe, der am 30. Oktober 1885 in der gleichnamigen Ortschaft im Hochsauerlandkreis (Deutschland) geboren wurde, gründete Helmeringhausen während der Kolonialzeit.

Springbock
Springbock
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Trotz seiner geringen Größe hat der Ort eine touristische Bedeutung, denn hier befindet sich eine Tankstelle und ein kleiner Laden. Anziehungspunkt für eine kleine Pause ist das Hotel Helmeringhausen, das aus der einsamen Gegend hervorsticht und mit seiner hervorragenden Küche wirbt. Das Hotel verfügt sogar über einen Landeplatz für Kleinflugzeuge. Zum Hotel gehört ein zahmer Springbock!

In Helmeringhausen biegen wir nach einer Kaffeepause ab auf die C14 nach Norden Richtung Schloss Duwisib.

Schloss Duwisib
Schloss Duwisib
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Das Vorhandensein eines Schlosses in dieser afrikanischen Landschaft ist kaum vorstellbar. Dennoch existiert das Bauwerk. Seine Entstehung verdankt es dem Traum des Artillerie-Offiziers Hansheinrich von Wolf, Spross einer sächsischen Adelsfamilie. Er kam 1904 als Mitglied der Schutztruppe nach Südwestafrika. Dort erwarb er in kürzester Zeit 8 Farmen und 1400 ha Land - das alles dank seiner vermögenden amerikanischen Gattin. 1908 beauftragte er den Berliner Architekten Wilhelm Sander mit dem Bau des Schlosses als Farmhaus. Sander entwarf ein geschlossenes Viereck aus rotem Sandstein; um einen Innenhof gruppieren sich 22 Zimmer. Durch eine kleine Vorhalle gelangt man in den Rittersaal. Links vom Rittersaal befinden sich Biedermeier- und Esszimmer, rechts die einstigen Privaträume. Eine schmale Holztreppe führt auf eine Galerie. Alte Bilder und Möbel, Kupferstiche und Waffen zieren das Interieur. Das gesamte Mobiliar wurde aus Deutschland mit dem Schiff herantransportiert und auf Ochsenkarren über 600 km durch die namibische Wüste gezogen.

In den Jahren bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges betrieb von Wolf auf Schloss Duwisib eine erfolgreiche Pferdezucht. Er meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst und fiel 1916 in Frankreich. Seine Frau verließ daraufhin Südwest-Afrika und ließ sich in der Schweiz nieder. Das Schloss verkaufte sie. Seit seiner Renovierung 1991 ist Schloss Duwisib nationales Denkmal.

Auf der Farm
In der alten Schmiede der Burg
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In der alten Schmiede des Schlosses treffen wir auf den Farmer Jochen Frank-Schulz. Er begrüßt uns herzlich und serviert zunächst ein kleines Mittagessen. Dann ist Gelegenheit, Herrn Frank-Schulz über das Leben als Farmer in Namibia zu befragen.

Farmer in Namibia
Jochen Frank-Schulz, Farmer in Namibia
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Herr Frank-Schulz lebt in der zweiten Generation in Namibai. Seine Eltern waren 1930 ins Land gekommen. Er hat zwei Söhne, von denen der ältere die Farm bereits übernommen hat. Sein zweiter Sohn lebt mit Familie in England.

Die Farm, die er bewirtschaftet, ist 6000 ha groß, 5000 ha sind dazu gepachtet. Zuletzt besaß er 150 Rinder, von denen 50 wegen Nahrungsmangel aufgrund der extremen Trockenheit verkauft werden mussten. Des Weiteren besitzt er 120 Ziegen und 650 Karakulschafe. Alle Tiere leben das ganze Jahr über auf den Weiden, die Kühe kalben auch dort, was manchmal erst später bemerkt wird. Feinde der jungen Kälber sind vor allem Leoparden. Das für unsere Verhältnisse riesige Farmgebiet ist in 22 Segmente unterteilt. Die Tiere befinden sich immer in vorher genau bestimmten Segmenten, so dass sie kontrolliert abfressen können. Die Farm hat 4 zentrale Brunnen, mit Plastikrohren wird das Wasser auf Wasserstellen verteilt.

Farm und Umgebung
Farm und Umgebung
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Was sowohl die medizinische als auch die technische Versorgung angeht, so ist ein Farmer weitestgehend auf sich allein gestellt. Einen Tierarzt kommen zu lassen oder einen Mechaniker, um eine Pumpe zu reparieren, wäre bei den Entfernungen zu kostspielig. Für medizinische Notfälle gibt es allerdings einen Flugnotdienst. Einkäufe ins 200 km entfernte Windhoek müssen sorgfältig geplant werden. Die schulische Ausbildung der Kinder erfolgt im Internat, neuerdings auch über Fernunterricht. Was die sozialen Kontakte angeht, so meint Herr Frank-Schulz, dass ein schnelles Biertrinken mit dem Nachbarn nicht ohne weiteres möglich ist. Dennoch treffen sich die benachbarten Farmer möglichst einmal im Monat. Schwieriger wird es für die jungen Leute bei der Partnersuche. Aber auch da hilft neuerdings das Internet.

Zum Schluss sagt uns Herr Frank-Schulz, dass er sich ein Leben anderswo in der Welt nicht vorstellen kann. Er ist Farmer durch und durch und liebt sein Land Namibia.

Nach dem Besuch des Schlosses Duwisib und der Farm fahren wir kurz nach Mittag nach Norden Richtung Namib Desert Lodge, unserem Tagesziel und der Unterkunft für die nächsten zwei Tage. Die recht große Namib Desert Lodge liegt am Fuße der Versteinerten Dünen, ca. 60 km nördlich von Sesriem an der C19 im Gondwana Namib Park.

Kameldornbaum
Kameldornbaum
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Unterwegs gibt es noch einen Stopp an einem Kameldornbaum, einer Pflanzenart, die vor allem in Namibia und Botswana vorkommt. Der Kameldorn kommt mit geringen Niederschlagsmengen   und Tagestemperaturen von unter 15 °C bis 45 °C zurecht. Er ist ein wichtiger Schattenspender in den Wüsten und Halbwüsten. Seine bis zu 60 m tiefen Wurzeln können im sandigen Boden bis zum Grundwasser vordringen. Er kann bis zu 15 m hoch werden. In der traditionellen Medizin soll die pulverisierte, gebrannte Rinde gegen Kopfschmerzen helfen, während Ohrenentzündungen mit den pulverisierten trockenen Hülsen behandelt werden.

Im Garten der Namib Desert Lodge
Im Garten der Namib Desert Lodge
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Gegen 16.00 Uhr erreichen wir die Namib Desert Lodge. Sie gehört zur Gondwana Collection Group und liegt mitten im Gondwana Namib Park. Die luxuriöse Lodge lässt keine Wünsche offen. Wir wohnen in einem kleinen Bungalow mit Terrasse und Blick auf die Savanne, wo sich Oryxe und Perlhühner ein Stelldichein geben. Die exquisite afrikanische Ausstattung spiegelt namibische Kultur, Kunst und Tradition wider. Sowohl im großen Pool als auch in der überdachten Bar mit reichlich Sitzgelegenheit kann man nach schweißtreibender Busfahrt gut relaxen. Eine wirklich schöne Lodge mit rustikalem Ambiente.