Kolmanskop und Lüderitz

Do, 12.11.2015

Nach einer guten Stärkung am Morgen durch ein reichhaltiges Frühstück setzen wir unsere Besichtigungstour per Bus fort. Unser Ziel ist die Geisterstadt Kolmanskop, wo uns eine resolute, ältere Dame zur deutschsprachigen Führung erwartet. Kolmanskop liegt an der B4 im Diamantensperrgebiet, ca. 15 km östlich von Lüderitz.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Kolmanskop
Geisterstadt Kolmanskop
>>Schliessen<<

Verantwortlich für die Gründung der Stadt Kolmanskop (zu deutsch Kolmanskuppe) war der aus Thüringen stammende Oberbahnmeister der Deutschen Reichsbahn, August Strauch. Als er zusammen mit seinen Arbeitern im Jahre 1908 die Bahnstrecke von Lüderitz nach Keetmanshoop vom Treibsand freischaufeln sollte, präsentierte ihm ein farbiger Bahnarbeiter namens Zacharias Lewala einen unscheinbar aussehenden Stein, den er im Sand gefunden hatte. Lewala hatte in einer südafrikanischen Diamantenmine gearbeitet und war sich sicher, dass es sich bei dem Stein um einen Diamanten handelte. Stauch ließ sich eiligst den Fund als Diamantenfund bestätigen, sicherte sich die Schürfrechte und begann mit der Diamantenschürfung im Wüstensand. Natürlich verbreitete sich die Neuigkeit wie ein Lauffeuer in Deutsch-Südwest-Afrika und der Run auf Diamanten begann. Alsbald schaltete sich die Regierung ein und erklärte einen rund 100 km breiten Küstenstreifen zum Sperrgebiet. Die "Deutsche Diamantengesellschaft" besaß die alleinigen Schürfrechte, alle gefundenen Diamanten mussten abgeliefert werden.

1930 wurde der Diamantenabbau ganz eingestellt, denn der Wüstenboden ist längst leer geräumt, man fördert die Steine aus dem Meeresgrund vor der Küste. Die Bewohner verließen nach und nach den Ort. Die letzte Person lebte hier bis in die 1960er Jahre.

Wohnzimmer in Kolmanskop
Ehemaliges Wohnzimmer in Kolmanskop
>>Schliessen<<

Mit unserer Führerin stampfen wir zuerst zur Wohnung des Metzgers, wo uns die Geschichte zur Stadt und zum Diamantenabbau erzählt wird. Zu sehen sind eine noch möblierte Wohnung mit Wohn- und Schlafzimmer und einer Küche sowie eine Eisfabrik mit alter Elektrik. Nicht alle Häuser sind gut erhalten. Sanddünen haben die Wohnhäuser erobert; sie sind durch undichte Fenster und Türen eingedrungen und auf der anderen Seite wieder heraus. Man hat den Eindruck, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Kolmanskop ganz unter dem Wüstensand begraben ist. Einst reichste Stadt Afrikas war Kolmanskop nur ein Paradies auf Zeit!

Im Dünengürtel
Im Dünengürtel zwischen Aus und Lüderitz
>>Schliessen<<
Dicker Wilhelm
Dicker Wilhelm oder Garubberg
>>Schliessen<<

Auf der Weiterfahrt nach Lüderitz sind wir im Dünengürtel. Schon bei mittleren Windstärken ist die Luft voller Sand. Die kleineren Dünen können bei starkem Wind über 12 Meter am Tag wandern, bei den großen Dünen sind es immerhin noch über zwei Meter in 24 Stunden. Die Straße muss ständig vom Sand befreit werden. Der "Inselberg" oder "Dicker Wilhelm" genannte Berg erhebt sich 600 m hoch in die Namib.

Lüderitz hat uns enttäuscht. Das mag auch am starken Wind gelegen haben, der uns nur so um die Ohren pfiff. Außerdem ist die Zeit für eine Stadtbesichtigung sehr knapp bemessen. Wir halten kurz an der Felsenkirche, dann geht es weiter per Bus durch die Stadt zur Waterfront, wo wir ein Mittagessen einnehmen können. Von den bunten Art-déco-Häusern und Jugendstilvillen haben wir nicht viel mitbekommen. Der Tipp mit dem Mittagessen an der Waterfront (hier soll es den besten Fisch geben) stammt vom Reiseleiter, aber von den entsetzlich langen Wartezeiten bis das Essen kommt wurde nichts gesagt. So geht es bereits um 14.30 Uhr wieder zurück Richtung Aus.

Wildpferde der Namib
Wildpferde der Namib
>>Schliessen<<
Wildpferde der Namib
Wildpferde der Namib
>>Schliessen<<

Ein kleines Highlight gibt es noch auf der Rückfahrt: die Wildpferde der Namib, die wir an einer Wasserstelle bewundern können. Diese verwilderten Pferde bewohnen seit mehr als 100 Jahren dieses Gebiet und können bei über 40° und ohne Schatten der Hitze der Namib trotzen. Woher sie kommen, ist umstritten. Wahrscheinlich handelt es sich nicht um “echte” Wildpferde, sondern um domestizierte deutsche Pferde, die sich weiter entwickelt haben. Sie unterscheiden sich kaum von normalen Pferden. Neugierig beschnuppert eines der Pferde unseren Bus, nimmt den Reiseleiter ins Visier und zieht gelangweilt wieder ab. Einige Strauße und Oryxantilopen geben sich ebenfalls an der Wasserstelle ein Stelldichein.

Mit dem gemeinsamen Abendessen endet der heutige Tag.