Ein Tag in Swakopmund

Di, 17.11.2015

Heute Morgen geht es entspannter zu. Wir haben einen freien Tag, den wir ganz nach unseren Vorstellungen verbringen können. Erst einmal schlafen wir bis 7.30 Uhr, für unsere Verhältnisse schon sehr lang! Dann frühstücken wir in größter Ruhe im schönen Restaurant des Hansa Hotels. Man könnte glatt glauben, man wäre zu Hause: frische Semmel, Marmelade, Honig, Wurst und Käse, Cerealien, Eier in jeder Zubereitungsart und vor allem guten, starken Kaffee, dazu eine sehr freundliche Bedienung. Was will man mehr.

Wir haben uns eine ausführliche Stadtbesichtigung vorgenommen, das Reisehandbuch ist griffbereit. Doch bevor es losgeht, müssen wir noch an der Rezeption eine Reservierung für das Abendessen im nahe gelegenen Brauhaus vornehmen lassen, eine Empfehlung des Reiseleiters und diverser Reisehandbücher. Dann geht's endlich los.

Swakopmund, Hauptstadt und Verwaltungssitz der Region Erongo, liegt zwischen Dünen und Wüste nahe der Mündung des Flusses Swakop und ist ein Stück Deutschland am Rand der afrikanischen Wüste. Überall, wo man hinschaut, haben die deutschen Kolonialisten deutlich ihre Spuren hinterlassen. Spötter bezeichnen Swakopmund als "das südlichste deutsche Seebad".

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Namib High School Swakopmund
Namib High School - ehemals alte deutsche Schule
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Unser Weg führt uns zunächst auf der Daniel Tjongarero Straße am Schwietering Haus und der Evangelischen Kirche vorbei zur Deutschen Schule. Das Schwieteringhaus ist eine alte Kolonialvilla, die 2008 restauriert und als Villa Margherita Guesthouse wieder eröffnet wurde. Gegenüber der evangelisch-lutherischen Kirche aus dem Jahre 1912 befindet sich die alte Deutsche Schule im selben Baustil wie 1912. Sie nennt sich heute Namib High School.

Bahnhof Swakopmund
Bahnhof Swakopmund - heute Hotel Swakopmund
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Ein Stückchen weiter stoßen wir auf den alten Bahnhof der Kaiserlichen Eisenbahnverwaltung. Der Bahnhof war damals Endpunkt der Eisenbahnlinie Windhoek-Swakopmund. Von einem Bahnhof sieht man nichts mehr. Die Gleise wurden demontiert, der ehemalige Bahnhof hat sich in ein Luxushotel verwandelt mit Geschäften, Restaurants und Spielcasino.

Vom Bahnhof gehen wir Richtung Meer/Strand und kommen am Alten Amtsgericht und der Kristallgalerie vorbei, wo glitzernde Steine ausgestellt werden. Das Alte Amtsgericht sollte eigentlich ein Schulneubau werden. Leider gingen 1907/08 die Geldmittel aus und es wurde ein Amtsgericht.

Leuchtturm Swakopmund
Leuchtturm Swakopmund
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Wahrzeichen der Stadt ist der 21 m hohe rot-weiß gestreifte Leuchtturm in der Tobias Hainyeko Straße. Er überragt alle anderen Gebäude der Stadt. Trotz Versandung des Hafens ist er noch in Betrieb. Gleich daneben befindet sich die Sommerresidenz des Staatsoberhauptes. Der Bau entstand 1902 als Kaiserliches Bezirksgericht. Das Marinedenkmal erinnert an die in den Herero- und Nama-Kriegen gefallenen Angehörigen des deutschen Marine-Expeditionskorps. Beliebter Sandstrand von Swakopmund ist Palm Beach. Der Strand wird durch die 1903 angelegte Mole geschützt. Hier befinden sich viele kleine Restaurants. Da uns eine Pause gelegen kommt, suchen wir uns einen schönen Platz in einem solchen Restaurant aus und essen eine Kleinigkeit zu Mittag.

Himbafrau in Swakopmund
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Eine weitere Sehenswürdigkeit in Swakopmund ist das Woermannhaus in der Bismarck-Straße. Der Komplex besteht aus dem Haupthaus, einem Innenhof und dem sogenannten Damaraturm. Letzterer diente auch als Aussichtspunkt für einlaufende Schiffe, als Wasserturm und als Flaggenmast. Das Woermannhaus war Sitz der damals bedeutendsten Import-Export-Gesellschaft in Südwestafrika.

Hohenzollernhaus Swakopmund
Hohenzollernhaus in Swakopmund
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Nicht weit davon entfernt steht das Hohenzollernhaus. Es diente lange Zeit als Hotel und stand im Verdacht, ein geheimes Bordell zu führen. Später wurde es Gemeindehaus und seit 1988 Appartementhaus. Die Hansa Brauerei, die auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurückblicken konnte, musste zwar 2005 ihre Pforten schließen, aber bis heute wird in Namibia nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Bleibt noch die alte Kaserne zu erwähnen und die Hauptgeschäftsstraße, die Sam Nujoma Avenue, die früher Kaiser-Wilhelm-Straße hieß und wo sich ein Geschäft/Souvenirladen an den anderen reiht.

Allmählich kehrt etwas Müdigkeit bei uns ein und wir beschließen, uns auf den Rückweg zum Hotel zu machen. Eines aber wollen wir noch unbedingt: die Schwarzwälder Kirschtorte im Café Anton probieren. Na ja, in der Kühltheke sah die Torte schon etwas mitgenommen aus, deshalb bin ich gleich zum Käsekuchen übergegangen, während Dieter sich den Genuss nicht entgehen lassen wollte. Aber Begeisterung klang anschließend anders!

Für 18.00 Uhr ist unser Tisch im Brauhaus bestellt. Zwei weitere Ehepaare schließen sich an. Doch vorher gönnen wir uns noch etwas Ruhe auf der großen Dachterrasse.

Brauhaus Swakopmund
Brauhaus Swakopmund
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Die Speisekarte im Brauhaus gibt es auf Deutsch und Englisch. Spezialität ist geräucherter Katfisch mit Avocado und Toast. Daneben gibt es so typisch deutsche Gerichte wie Schweinebraten mit Rotkohl und Semmelknödel, Kasseler mit Sauerkraut, Schweineschnitzel Wiener Art, Schweineschnitzel Jäger Art und sogar Leberkäse mit Spiegelei und Bratkartoffeln oder hausgemachte Sülze mit Bratkartoffeln und Remouladensauce. Die Auswahl an Fischgerichten ist ebenfalls riesig. Die Preise schwanken zwischen 50 N$ und 150N$, was in etwa 10-15 € sind. Wir entscheiden uns für ein Wildpfeffersteak mit gebratener Banane, Kroketten und Gemüse zum Preis von je 110 N$ (= ca. 7 €). Geschmeckt hat es vortrefflich, aber die Wartezeit von über einer Stunde (!) war definitiv zu lang. Das galt auch für die Gerichte der beiden anderen Ehepaare.

Als Résumée der beiden Tage in Swakopmund müssen wir sagen, dass uns das Städtchen bestens gefallen hat. Die Unterkunft lag zentral, die Sehenswürdigkeiten waren fußläufig zu erreichen und die Temperaturen - so um die 25° - nach den heißen Wüstentagen erholsam. Ein Zusammentreffen mit einem deutschstämmigen Namibier, der an einem Abend aus seinem Leben, über die aktuelle Lage, das Zusammenleben der Völker Namibias und die Zeit der Apartheid berichten sollte, fiel leider aus und es wurde auch kein Ersatz bemüht. Das ist eigentlich nicht "studiosus-like".