Der wilde Osten Kubas

Di, 08. 03. 2016

Unser heutiges Programm:

Weiter geht die Reise durch Zuckerrohrfelder nach Osten. Gegen Mittag erreichen wir Bayamo mit seinen bunt getünchten Fassaden. Wir durchfahren die Sierra Maestra, den höchsten Gebirgszug Kubas, auf unserem Weg in den Wallfahrtsort El Cobre und nach Santiago. 340 km.

Hotel Meliá Santiago ****(*)

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Ballet de Camagüey
Ballet de Camagüey
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Da unser Reisebus in Camagüey nicht vor dem Hotel parken kann, gehen wir die 200m zum Bus zu Fuß. Die Koffer sind bereits eingeladen. Einen Programmpunkt von gestern müssen wir noch nachholen: der Besuch des renommierten Ballet de Camagüey,  eines von vielen Projekten der Kinderhilfsorganisation Camaquito. Hierbei handelt es sich um eine politisch und konfessionell unabhängige Organisation, die Kinder und Jugendliche in Kuba in den Bereichen Bildung, Sport, Kultur und Gesundheit und Umwelt unterstützt. Camaquito wurde 2001 in der Schweiz und 2003 in Deutschland als gemeinnützig anerkannte Kinderhilfsorganisation gegründet. Die Projekte konzentrieren sich auf die Provinz Camagüey im Herzen Kubas. Leiter des Projektbüros ist der Schweizer Mark Kuster. Er stellt uns seine Projekte kurz vor und gibt uns Gelegenheit, einer Übungsstunde des Ballet de Camagüey beizuwohnen. Auch die Kostümwerkstatt sowie die Werkstatt, in der die Ballettschuhe hergestellt werden, können wir besichtigen. Studiosus unterstützt durch Spenden die Arbeit der Hilfsorganisation.

Unsere weitere Fahrt führt uns zunächst noch ein Stück durch die Provinz Camagüey, in der neben der Viehwirtschaft - vornehmlich Buckelrinder aus Asien - auch Zuckerrohranbau und Reisanbau betrieben wird. Nach 2 Stunden kommen wir in der gleichnamigen Provinz Las Tunas an, wo eine kurze Pause eingelegt wird, die auch dem Aufsuchen der Toiletten dient. Denn wir haben gelernt, dass man in Kuba nicht zur Toilette geht, wenn man muss, sondern wenn man kann! Und meist steht eine Toilettenfrau vor dem Örtchen, kassiert freundlich einen CUC oder weniger und gibt bereitwillig 4 Blätter Klopapier heraus. Hat man Glück, erwischt man eine Toilette mit Wasserspülung. Sollte dem nicht so sein, steht aber ein Eimer mit Wasser parat. Und das benutzte Klopapier schmeißt man nicht in die Toilette, sondern in einen extra bereitgestellten Eimer, damit die Abflussrohre nicht verstopfen. So ist es nun mal in Kuba.

Ein kurzer Fotostopp wird an einer alten Dampflok eingelegt, die früher Zuckerrohr transportiert hat und jetzt als Denkmal an der Straße steht.

Unsere Reise geht weiter in die Provinz Granma und deren Hauptstadt Bayamo. Der Weg dorthin führt über den Fluss Cauto, den längsten Fluss des Landes.

Wegen ihrer rebellischen Geschichte gilt Bayamo als "Wiege des Nationalismus". Die Stadt wurde 1519 als zweite Siedlung auf kubanischem Boden von den Spaniern gegründet. Carlos Manuel de Céspedes, geboren in Bayamo, gab 1868 seinen Sklaven die Freiheit und entfachte damit den ersten Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier. Im zweiten Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier kam Bayamo ebenfalls eine wichtige Rolle zu. Nationalheld José Marti fiel in den ersten Kriegstagen in der Nähe von Bayamo. Mit der Landung der aus Mexiko kommenden Revolutionäre um Fidel Castro und Ernesto Che Guevara mit der Yacht Granma begann am 2. Dezember 1956 in der Provinz Granma nahe Bayamo die kubanische Revolution. Im Gedenken an diese Ereignisse erhielt die Provinz im Zuge einer Verwaltungsreform 1976 ihren heutigen Namen. Zu guter Letzt ist Pfeilnoch zu erwähnen, dass die Nationalhymne Kubas, »La Bayamesa« aus dem Ort stammt. Text und Noten dazu finden wir im Parque Céspedes. 1868 nähte die Frau Cespedes' die erste Nationalflagge aus ihren eigenen Kleidern, bevor sie in Bayamo gesegnet wurde.

Plaza de la Revolucion in Bayamo
Plaza de la Revolución in Bayamo
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In der Nähe der Catedral del Santisimo Salvador de Bayamo hat Maribel ein Mittagessen vorbestellt. Trotz Vorbestellung dauert es doch noch eine ganze Weile, bis wir Einlass bekommen und unser vorbestelltes Essen - mal wieder ein Sandwich - genießen können. Aber in Kuba muss man eben Zeit haben. Nach dem Essen bleibt noch Zeit, sich ein wenig umzuschauen. Auf der Plaza de la Revolucíon befindet sich auf einem hohen Marmorsockel eine Statue des "Padre de la Patria", Carlos Manuel de Céspedes. Von seinem Sockel aus blickt er auf sein Geburtshaus, die Casa Céspedes.

Immer wieder werden wir bei unserem kurzen Rundgang von Einheimischen angesprochen und um Seife, Shampoo oder andere Kosmetikartikel gebeten. Wir bringen schon immer diese Artikel aus dem Hotel mit und geben sie den Hilfsbedürftigen. Auch Kugelschreiber oder Bleistifte sind sehr gefragt.

Nachdem wir Bayamo verlassen haben, wird die Gegend gebirgiger. Auffallend sind die vielen Königspalmen. Im Ort Palma Soriano steht mitten auf der Straße ein Auto, dessen Reifen abmontiert sind. Offensichtlich wartet man auf Ersatzreifen, woher sie auch immer kommen sollen. In Kuba gibt es keine Abschleppdienste, erst recht keine Art ADAC, den man um Hilfe bitten kann. Aber da man auf Improvisieren getrimmt ist, wird sich das Problem schon irgendwann lösen lassen. Meint Maribel.

Wallfahrtskirche El Cobre
Wallfahrtskirche El Cobre
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Sonnenblumen in El Cobre
Sonnenblumen in der Basilika El Cobre
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Kurz vor Santiago de Cuba, unserem heutigen Ziel, halten wir an der Wallfahrtsbasilika El Cobre an, just 20 Minuten, bevor diese schließt. Die Basilika ist der "Barmherzigen Jungfrau" geweiht, der Nationalheiligen Kubas und Schutzpatronin der Sklaven der benachbarten Kupferminen. Der Legende nach sollen drei kleine Jungen die hölzerne Statue der Schwarzen Jungfrau aus dem Wasser gefischt und nach El Cobre gebracht haben. Die Sklaven setzten die Virgen del Cobre mit Ochún gleich, einer Flussgöttin des gleichnamigen Flusses  in Nigeria. Sie symbolisiert Fruchtbarkeit. Die Farbe gelb wird der Göttin Ochún zugeordnet. Deshalb sieht man in der Kathedrale auch viele gelbe Sonnenblumen. Viele Votivgaben wurden der Jungfrau gestiftet, darunter auch die Nobelpreismedaille von Ernest Hemingway. Die wurde allerdings gestohlen, aber wieder gefunden und wird jetzt in einem Safe aufbewahrt. Die Mutter Fidel Castros stiftete eine Plakette, damit die Jungfrau ihren Sohn in der Guerilla beschütze.

Santiago de Cuba
Blick vom Hotelzimmer auf Santiago de Cuba
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Wir checken am Abend im luxuriösen 5-Sterne Hotel Meliá Santiago in Santiago de Cuba ein und erhalten ein sehr großes, sauberes Zimmer im 14. Stockwerk mit allen Annehmlichkeiten, die ein Hotel dieser Kategorie haben sollte. Am sehr reichhaltigen Buffet lassen wir uns trotz der Hektik, die hier aufgrund der vielen Reisegruppen herrscht, verwöhnen, holen danach unsere Reisepässe an der Rezeption ab und genießen am späten Abend noch einen Cocktail in der Bar auf der Dachterrasse, bevor wir uns dann - wieder einmal müde von den vielen Eindrücken - in unser Zimmer zurückziehen. Minuspunkte in diesem Hotel sind die langen Wartezeiten am Lift infolge Pfeilvöllig unzureichender Liftkapazitäten sowie ein teures WLAN, das auch nur in der Lobby funktioniert. Dass sich die Zimmertemperatur nicht unter 24° absenken lässt, begeistert uns auch nicht gerade. Aber nach erfolgter Reklamation funktioniert die Klimaanlage am nächsten Tag einwandfrei.