Unterwegs nach Camagüey

Mo, 07. 03. 2016

Unser heutiges Programm:

Sklavenhandel und Zuckerrohr sind untrennbar miteinander verbunden. Auf einer ehemaligen Zuckerhazienda gewinnen wir einen Einblick in kubanische Geschichte. Die Sklaverei ist lange überwunden, beim Thema Menschenrechte besteht noch Nachholbedarf. Das Stadtbild Camagüeys (UNESCO-Kulturerbe) ist geprägt von Straßen voller Menschen und vielen Fahrrädern gegen die latente Transportmisere. Hier arbeitet die Schweizer Hilfsorganisation Camaquito. Ein Mitarbeiter erklärt uns, wie die Organisation Kinder in den Bereichen Bildung, Sport und Kultur unterstützt, und präsentiert uns eines der aktuellen Projekte. 260 km.

Hotel Colon **

Um 9.00 Uhr machen wir uns auf den Weg ins Valle de los Ingenios, ins Tal der Zuckermühlen. Eigentlich wollen wir mit dem Zug dorthin fahren, aber wie sich herausstellt, fährt ausgerechnet heute der Zug nicht - aus welchen Gründen auch immer.

Drei Reiseteilnehmer müssen noch vor der Abfahrt in Trinidad zur Bank, um mit der Kreditkarte Geld zu besorgen. Das wird eigentlich nicht gern gesehen, da bei den Banken immer sehr lange Warteschlangen zu befürchten sind. Doch unsere Leute haben Glück und sind relativ schnell zurück am Bus. Dazu folgende Anmerkungen: Bankkarten deutscher Bankinstitute (EC-Karte, Girocard, Maestro, VPay) werden in Kuba nicht angenommen, auch eine Bargeldbeschaffung an Geldautomaten und in Wechselstuben, den "Casa de cambio" ist mit diesen Karten nicht möglich. Eine Geldabhebung mit VISA-Kreditkarte und PIN ist in einigen Bankfilialen in größeren Städten möglich. Dies gilt jedoch nicht flächendeckend für das ganze Land und ist aufgrund technischer Probleme nicht immer gewährleistet. Wir haben auf dieser Reise Bargeld in Euro mitgenommen und in den Hotels problemlos tauschen können.

Das Tal der Zuckermühlen östlich von Trinidad trägt seinen Namen von den fast 50 Zuckermühlen, die hier Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt waren. Das Tal erstreckt sich über eine Fläche von 270 km². Es ist besonders fruchtbar und eignete sich deswegen hervorragend zur Zuckerproduktion. Es waren die spanischen Eroberer, die das aus Indien stammende, bis zu 4m hohe Gras auf die Insel brachten. Der Reichtum der Gegend hätte allerdings nie erwirtschaftet werden können ohne die Arbeit der Sklaven. Über eine Million Sklaven mussten unter meist menschenunwürdigen Bedingungen auf den Feldern und in den Fabriken schuften. Erst die Dampfmaschinen machten der Sklaverei ein Ende und industrialisierten die Zuckerwirtschaft. Heute sind nur noch Ruinen einzelner Zuckermühlen vorhanden, da entweder geflüchtete oder freigelassene Sklaven während des ersten Befreiungskrieges sämtliche Plantagen und Zuckermühlen in diesem Tal niederbrannten.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Torre de Iznaga in der Nähe von  Camagüey
Torre de Iznaga in der Nähe von Camagüey
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Wir besuchen das Anwesen Manaca Iznaga, auf welchem in seiner Blütezeit über 100 Sklaven lebten. Hauptattraktion dieses Landsitzes ist neben dem gut erhaltenen Kolonialhaus des Plantagenbesitzers der Torre de Iznaga, der Sklaventurm, ein siebenstöckiger und 50 Meter hoher Glockenturm, der von der Pflanzer Familie Iznaga im Jahr 1816 erbaut wurde. Die Sklaven wurden von der Turmglocke zur Arbeit gerufen und sie wurden auch von hier aus überwacht. Unruhe und Ansammlungen der Sklaven, die in Aufstände münden könnten, sollten so von den Aufsehern früh bemerkt werden. In dem prächtigen Landhaus ist heute ein Restaurant untergebracht. Leider sind die Barracones, kleine Hütten welche den Sklaven als Unterkünfte dienten, nicht mehr zu sehen. Lediglich eine Zuckerrohrpresse, die manuell betrieben wurde, steht noch im Garten des Anwesens.

Nach langer Fahrt auf der Carretera Central de Cuba (CC) über Sancti Spiritus, Jetibonico, Ciego de Avila und Florida kommen wir kurz vor 16.00 Uhr nach Camagüey, viertgrößte Stadt Kubas und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Diego Velázquez de Cuéllar gründete die Stadt 1514 als Santa María del Puerto Príncipe. Wegen häufiger PfeilPiratenüberfälle wurde sie zweimal ins Landesinnere verlegt und dennoch 1668 von Piraten unter Henry Morgan niedergebrannt. Ihren heutigen Namen trägt die Stadt seit 1923 nach einem indianischen Führer.

Fahrradrikschas in Camagüey
Fahrt mit Fahrradrikschas in Camagüey
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Die Altstadt ist die größte in Kuba und geprägt von sehr engen, verwinkelten Gassen und Straßen. Der Legende nach soll das Straßennetz mit Absicht verwinkelt angelegt worden sein, um mögliche Invasoren zu verwirren bzw. abzuschrecken. Man spricht sogar vom "Korinth der Karibik". Damit wir uns nun in dem Straßenlabyrinth nicht verirren, sind Fahrradrikschas bestellt, die wir jeweils zu zweit besteigen. In rasanter, rumpeliger Fahrt bringt uns der "Driver" zu den Sehenswürdigkeiten der Altstadt, die sich seit 2008 mit dem Titel Weltkulturerbe der UNESCO schmücken darf.

Plaza San Juan de Dios in Camagüey
Plaza de San Juan de Dios in Camagüey
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Erster Stopp ist die Plaza de San Juan de Dios, der einzige Platz der Stadt aus der Kolonialzeit, der zur Gänze im Originalzustand erhalten ist. Neben den bunten Häusern an seinem Rand steht hier das Hospital de San Juan de Dios, ein nationales Denkmal aus dem Jahr 1728. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Hospital de San Juan de Dios von Padre José Ollalo (1820-1889) geleitet, der für sein Wirken 2006 selig gesprochen wurde.

Tinajones Karren
Bronzefigur Tinajones Karren
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Die Plaza del Carmen, unser nächster Stopp, soll zu den am schönsten gestalteten Plätzen Camagüeys gehören. Hier steht die Iglesia Nuestra Señora del Carmen aus dem Jahr 1825, die einzige Kirche der Stadt mit zwei Türmen.

Iglesia Nuestra Señora del Carmen
Iglesia Nuestra Señora del Carmen in Camagüey
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Die lebensgroßen Bronze-Statuen wurden 1999 von den örtlichen Denkmalpflegern in Auftrag gegeben und stellen Szenen aus dem Alltag der Stadt dar: Frauen beim täglichen Klatsch, ein Zeitungsleser auf einer Bank, ein Liebespaar und ein alter Mann mit einem Tinajones-Karren. Tinajones sind sehr große, bauchige Tonkrüge, die noch heute neben vielen Eingängen oder in den Innenhöfen stehen. Sie dienten zum Auffangen von Regenwasser, da die Stadt beständig unter Wassermangel litt. Der Reichtum einer Familie wurde an der Zahl ihrer Tinajones gemessen. Später benutzte man sie zur Konservierung von Wein, Öl und anderen Flüssigkeiten.

Parque Ignacio Agramonte
Parque Ignacio Agramonte in Camagüey
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Auf dem ehemaligen Exerzierplatz Camagüeys, der Parque Ignacio Agramonte, begrüßt der Nationalheld und Unabhängigkeitskämpfer Ignacio Agramonte hoch zu Ross die Besucher. An den vier Ecken des Platzes wurden Königspalmen gepflanzt. Sie erinnern an die vier hier am 12. August 1851 hingerichteten Widerstandskämpfer der Unabhängigkeitskriege. Auf die Idee, Königspalmen zur Erinnerung an die Hingerichteten zu pflanzen, kamen die Bürger, weil die Kolonialbehörden keine Denkmäler für von ihnen ermordete Patrioten duldeten!

Che Guevara Silhouette
Che Guevara Silhouette in Camagüey
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Die Plaza de los Trabajadores (Platz der Arbeiter) , unser letzter Stopp, stellt die Mitte der Altstadt dar. An der Fassade des Postamtes ist die stählerne Silhouette des Kopfes von Ernesto Che Guevara nicht zu übersehen. Das Geburtshaus des Unabhängigkeitskämpfers Ignacio Agramonte, der als Viehzüchter in der Region Camagüey den Aufstand gegen die Spanier führte, ist in einem eleganten Kolonialgebäude untergebracht. Dominiert wird der Platz von der Kirche Iglesia Nuestra Señora de la Merced, die älteste Kirche von Camagüey. Sie wurde zwischen 1748 und 1756 erbaut, 1906 nach einem Feuer wieder aufgebaut und in jüngster Zeit renoviert.

Unser heutiges Domizil ist das Hotel Colón in der Calle República 472, eine Mischung aus Kolonial- und Jugendstil-Atmosphäre. Besonders gefällt uns der lauschige Innenhof. Das Hotel liegt Pfeilzentral in der Innenstadt in der Fußgängerzone. Wir bleiben hier nur eine Nacht. Da lassen sich das sehr kleine Zimmer und die harten Matratzen leicht verschmerzen. Nach dem gemeinsamen Abendessen - natürlich wieder ein Buffet - machen wir noch einen Abendspaziergang durch die Stadt.