Cienfuegos, der Zuckerhafen

Sa, 05. 03. 2016

Unser heutiges Programm:

In Richtung Osten ist Cienfuegos unser erster Stopp. Die Zuckerfabriken machten die Stadt zum weltgrößten Zuckerexporteur. Das koloniale Flair der Innenstadt (UNESCO-Kulturerbe) mit den Palästen der Zuckerbarone und dem Teatro Terry, in dem schon Caruso gesungen hat, bezaubert - auch wenn der Putz bröckelt. Pioniere der Marktwirtschaft erleben wir in der Markthalle. Auf dem Weg nach Trinidad besuchen wir den ältesten botanischen Garten der Insel. 350 km. 

Hotel Las Cuevas Trinidad ***

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Transportarten
Transportarten auf Kuba
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Abfahrt heute Morgen ist um 9.00 Uhr. Zunächst geht es auf der Autobahn A1 Richtung Osten. Autobahnen auf Kuba sind recht "gewöhnungsbedürftig" für uns Europäer. Die A1 ist eine breite zweispurige Straße, die vielleicht irgendwann einmal bis Guantanamo führen soll. Auf dieser, in einigen Abschnitten recht holprigen Straße bewegt sich nun alles, was sich bewegen kann. Neben Autos und LKW auch Pferdewagen, Ochsenkarren, Fahrräder, Reiter und Fußgänger. Feste Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben, zumindest hält man sich nicht daran. Unser Bus fährt hauptsächlich auf der linken Spur und wird ab und zu von Personenwagen rechts überholt. Mittelstreifen fehlen ganz, Vorwegweiser oder Kilometerangaben ebenfalls, Tankstellen oder ausgebaute Rastplätze wie bei uns haben wir nicht gesehen. Es gibt keine Leitplanken und keinen Randstreifen. Manchmal kreuzen Pferde- oder Ochsenkarren die Straßen. Auch Wenden auf der Autobahn scheint gang und gäbe zu sein. Oft ist die Straße viel höher als der Boden daneben. Somit wird hinter jedem Radfahrer oder jeder Pferdekutsche hinterher gefahren, wenn die Straße nicht frei ist zum Überholen. Der Kilometerdurchschnitt/Stunde verringert sich damit erheblich. Kubanische Autofahrer verständigen sich auch oft durch Handzeichen. Das hat den Grund, dass z.B. der Blinker defekt ist und durch die linke Hand ersetzt wird.

Personentransport
Personentransport auf Kuba
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Fußgänger stehen oft an zentralen Stellen und warten auf eine Mitfahrgelegenheit. Busse wie bei uns gibt es nur für die Touristen und die dürfen keine Anhalter mitnehmen. Profi-Tramper erkennen Mietwagen und Touristen allerdings schon von weitem und winken gar nicht erst. Die öffentliche Beförderung findet auf den Ladeflächen von LKW statt und gleicht eher einem Gefangenen- oder Viehtransport. Erkennbar am Nummernschild (P für privat, B für staatlich, T für Tourismus) ist übrigens jeder vorbeikommende LKW oder PKW in Staatsbesitz verpflichtet, Anhalter mitzunehmen. Das öffentliche Transportwesen ist eine einzige Katastrophe!

Trova
Trova cubana
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Auf unserem Weg auf der A1 nach Cienfuegos machen wir einen Stopp in der Finca Fiesta Campesina an der Ausfahrt Central Australia im nördlichen Teil der Halbinsel Zapata. Die Finca ist eine hübsche Ausflugsfarm mit Restaurant, Kaffeebar und kleinem Zoo. Unter Hibiscus, Mango- und Avokado Bäumen kann man sich die Füße vertreten. Einige kubanische Rinder stehen bereits in Pose für Fotos und an der Kaffeebar wird hervorragender kubanischer Kaffee serviert, dekoriert mit einem Kaffeeblatt auf der Untertasse und einem Stück Zuckerrohr zum Umrühren. Die kleine Kaffeepause wird durch sogenannte "Trovas" musikalisch untermalt. Diese Troubadure ziehen als Wandersänger umher und tragen ihre traditionellen Balladen vor.

Zuckerrohrernte
Zuckerrohr wird maschinell geerntet
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Anschließend geht es weiter nach Cienfuegos, der "Perle des Südens". Dieser Ort an einem großen natürlichen Hafen ist heute Industrie- und Handelsstadt. Ein ideales Versteck für Piraten und Schmuggler war die 21 km lange Bucht. Auf Initiative von Che Guevara entstand in den 1960er Jahren eine riesige Zuckerverladestation.

Die großzügig angelegten breiten Straßen und Prachtbauten im Stadtzentrum sind den reichen Zuckerbaronen zu verdanken. Wir sind nämlich mittlerweile in das Gebiet des Zuckerrohranbaus gekommen. Per Zufall sehen wir, wie Zuckerrohr maschinell geerntet wird, wenn auch mit einer veralteten Maschine. Die maschinelle Ernte ist eher noch die Ausnahme. Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers und dem Wegfall der Subventionierung durch die Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre musste der gesamte Maschinenpark sowohl im öffentlichen Leben alsPfeil auch in der Landwirtschaft stillgelegt werden. Somit fehlen bis in die heutige Zeit die Ersatzteile und die Bauern sind gezwungen, das Zuckerrohr per Hand mit Macheten zu ernten. Die Haupterntezeit fällt in die Monate April bis Juli.

Beny Moré
Beny Moré, Musiker des Son montuno, einer musikalischen Stilrichtung
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Vor dem Mittagessen haben wir genügend Zeit, durch Cienfuegos zu bummeln. Die Fußgängerzone, der "Bulevar", ist eine gepflegte Straße mit vielen Geschäften und Galerien. Wir kommen an einer lebensgroßen Statue von Beny Moré - genannt „Bárbaro del Ritmo” (Barbar des Rhythmus) - vorbei. Er war ein kubanischer Sänger des Son montuno, einer musikalischen Stilrichtung im Osten der Insel. In den 1950er Jahren gründete er ein Ensemble mit bis zu 40 Musikern, denen er ihre Stimmen vorsang, weil er keine Noten aufschreiben konnte. 1956 und 1957 spielte die Gruppe in Venezuela, Jamaika, Haiti, Kolumbien, Panama, Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika. Zu seinem Gedenken findet jedes Jahr im September in Cienfuegos  ein Festival statt, das seinen Namen trägt. Der Hut war das Markenzeichen von Beny Morè.

Teatro Tomás Terry
Teatro Tomás Terry in Cienfuegos
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Im Zentrum von Cienfuegos befindet sich der Parque Martí - natürlich mit einer Statue des Namensgebers - mit einer Kirche und dem Theater "Teatro Tomas Terry" in kolonialem Baustil, wo in den 1920er Jahren auch Caruso gesungen hat. Der Innenraum des Bühnensaals ist mit Carrara-Marmor und Schnitzarbeiten aus kubanischen Edelhölzern ausgestattet. 1890 wurde das Theater mit Guiseppe Verdis „Aida” eingeweiht. Um Fotoaufnahmen machen zu dürfen, werden wieder 5 CUC verlangt, die wir aber nicht bereit sind zu zahlen - das ist reine Abzockerei - und folglich auf ein oder zwei Aufnahmen verzichten.

Palacio_del_Ayuntamiento
Palacio del Ayuntamiento, dem Kapitol in Havanna nachempfunden
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Der einzige Triumphbogen in Cuba steht am Westrand des Parks. Er ist der kubanischen Unabhängigkeit gewidmet und wurde 1902 errichtet. Der Palacio del Ayuntamiento (auch Palacio de Gonbierno) ist dem Kapitol in Havanna nachempfunden  und ist Sitz der Provinzregierung. Hier hielt Fidel Castro am 6. Januar 1959 nach dem Sieg der Revolution eine Rede. Der Palacio Ferrer aus  dem frühen 20.Jahrhundert an der Westseite des Parks fällt durch seine Kuppel mit blauen Mosaiken auf.

Paseo Prado in Cienfuegos
Straße Paseo Prado in Cienfuegos
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Zum Mittagessen fahren wir zum Paladar Doña Nora in der Paseo Prado 4219 zwischen Ave. 44 und 42. Dort ist bereits im ersten Stock für uns reserviert. Wir haben ein Sandwich bestellt, dieses Mal mit Thunfisch. Vom Balkon haben wir einen schönen Blick haben einen schönen Blick auf die Straße Paseo Prado mit ihren zahlreichen Kollonaden.

Palaio del Valle
Palacio del Valle auf der Halbinsel Punta Gorda, Cienfuegos
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Nach dem Mittagessen bewundern wir auf der Halbinsel Punta Gorda den Palacio del Valle. Hier befand sich einst das noble Viertel von Cienfuegos mit schindelgedeckten Häusern und mit Türmchen geschmückten Palästen, von denen einer der Palacio del Valle ist. Er wurde von einem italienischen Architekten im maurischen Stil für einen Zuckerbaron errichtet. Dieser investierte angeblich 1,5 Mio.US$ in die Gestaltung des Prachtbaus. Die drei unterschiedlichen Türmchen stehen für Liebe (indisch), Macht (gotisch) und Spiritualität (maurisch). Die Pracht im Inneren ist überwältigend: Marmor, Mosaike, feinste Stuckverzierungen. Bis auf die Holzverkleidungen wurden alle Materialien aus Spanien, Italien und den USA importiert. Heute wird im Prunkbau ein gehobener Hotel- und Restaurantbetrieb geführt. Wir steigen zur Dachterrasse hoch, genießen einen "Cuba libre", den uns Studiosus freundlicherweise spendiert, und einen schönen Blick über die Bahia de Jagua, eine große Meeresbucht.

Bambus
Bambus im Jardin Botánico Soledad
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15 km südöstlich von Cienfuegos liegt der etwa 1km² große botanische Garten Jardin Botánico Soledad auf dem Gelände einer ehemaligen Forschungsstation für Nutzpflanzen. Der botanische Garten gehört zu den größten Gärten Kubas. Dort sind auch die für Kuba typischen Königspalmen in einer großen Anzahl zu bewundern. Neben den riesigen Palmen wachsen im Jardin Botanico Soledad viele Kakteen, Mimosen, Bambuspflanzen, Bananenbäume, Yucca Palmen, Gummibäume und eine große Anzahl verschiedener Ficus Arten. Insgesamt sind dort rund 2000 Pflanzenarten aus tropischen und subtropischen Gebieten zu sehen. Wir haben einen recht lustigen Führer, der zu Späßen aufgelegt uns gekonnt den Weg durch die Anlage zeigt. Zum Schluss bleibt auch noch Zeit für eine kleine Erfrischung an einem Kiosk.

Bungalowanlage in Trinidad
Bungalowanlage im Hotel Las Cuevas Trinidad
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Endstation unserer heutigen Rundreise ist Trinidad. Trinidad liegt im mittleren Teil Kubas am Karibischen Meer und gehört zur Provinz Sancti Spíritus. Die Stadt wurde bereits 1514 von Diego Velázquez gegründet, ist die drittälteste Stadt der Insel und gehört seit 1989 zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir kommen gegen 18.30 Uhr in Trinidad an und checken im Hotel Las Cuevas Trinidad ein. Die Hotelanlage, eine Bungalowanlage, liegt auf einem Hügel etwas außerhalb des Stadtzentrums und bietet einen schönen Blick über Trinidad. Die einzelnen Bungalows - Doppelbungalows - ziehen sich an den Flanken des Hügels hinab. Der uns zugewiesene Bungalow M 16 ist einfach eingerichtet, das Bad zwar klein, aber alles ist vorhanden und funktioniert auch. Die Kunstwerke auf den Betten - aus Handtüchern geformte Schwäne, verziert mit Hibiscusblüten - beeindrucken natürlich. Das Haupthaus der Anlage ist oben auf dem Hügel. Hier ist auch das Buffetrestaurant untergebracht. Wir sind zufrieden und das gemeinsame Buffet ist auch in Ordnung. Probleme gibt es beim Wiederfinden des Bungalows in der Dunkelheit, denn die Beleuchtung der Wege ist Pfeilmangelhaft. Aber da Dieter stets eine kleine Taschenlampe mit sich führt, lässt sich dieses "Problemchen" auch bewältigen. Für den heutigen Tag ist erst einmal nach dem gemeinsamen Abendessen Nachtruhe angesagt.