Rund um Vinales

Do, 03. 03. 2016

Unser heutiges Programm:

Wie sieht eigentlich die Tabakpflanze aus? Die Antwort bekommen Sie im grünen, von markanten Kegelbergen gesäumten Tal von Vinales (UNESCO-Naturerbe), wo der beste Tabak Kubas wächst. Wir unternehmen eine kleine, einstündige Wanderung und lassen uns mittags kreolische Küche in einem Paladar schmecken. Paladar? Ihr Reiseleiter kennt die Hintergründe zu den kubanischen Privatrestaurants. Den Nachmittag können Sie ganz nach Ihren Wünschen gestalten. Warum nicht die herrliche Aussicht vom Swimmingpool des Hotels auf das Vinales-Tal genießen?

Hotel Los Jazmines ***

Das Valle de Viñales („Viñales-Tal“) liegt in der Provinz Pinar del Rio, der westlichsten Provinz Kubas. Das Tal ist etwa 10 km lang und 4 km breit und gilt als schönste Landschaft Kubas. Es liegt in der Sierra de los Òrganos - im Orgelpfeifengebirge - und ist mit den umliegenden Gebirgen ein Nationalpark, der 1999 von der UNESCO mit dem Titel "Kulturlandschaft der Menschheit" ausgezeichnet wurde. Im Zentrum des Tals liegt der kleine Ort Viñales.

Das Valle de Viñales ist Bauernland. Neben Mais, Bohnen und den kartoffel-ähnlichen Malangas wird hier vor allem Tabak angebaut, und zwar kubanischer Premium Tabak! Im Gegensatz zu anderen tropischen Pflanzen benötigt Tabak eine fast grenzenlose Zuwendung. Ein kubanisches Sprichwort sagt, "Tabak kannst du nicht einfach pflanzen, den musst du heiraten".

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

kubanischer Tabakbauer Don Benito
Kubanischer Tabakbauer Don Benito
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Wir besuchen heute Morgen die Tabakfarm des Don Benito. Er erzählt ausführlich über die Aussaat, das Wachstum und die Ernte der Tabakpflanze. Tabakpflanzen gelten als sehr zart und benötigen darum einen lockeren Boden. Von Juli bis August pflügt der Tabakbauer mit Hilfe seiner Zugtiere den ganzen Boden mehrmals durch. Anfang September werden die Samen in die Erde eingepflanzt. Nach 45 Tagen werden diese Setzlinge noch einmal umgesetzt. Nach dem Umsetzen und weiteren 45 Tagen hat die Tabakpflanze ihre vollständige Größe erreicht. Nun kann mit der Tabakernte begonnen werden. Dabei wird in unterschiedlichen Intervallen jedes Blatt einzeln von unten nach oben geerntet, da einige Tabakblätter bereits reif sind, andere hingegen noch nicht.

Tabakblätter in der Casa de Tobaco
Tabakblätter in der Casa de Tobaco
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Nach der Ernte werden die Tabakblätter auf Garn aufgefädelt und kommen in die "Casa de Tobaco", ein fensterloser, mit Palmwedeln bedeckter Holzschuppen, der sich direkt auf den Tabakfeldern befindet und dem einzigen Zweck dient, dass dort die Tabakblätter in einem rund 50 Tage andauernden Prozess getrocknet werden. Die Trocknungsphase nimmt eine Menge an Zeit in Anspruch und ist äußerst aufwendig. Die Tabakblätter werden an langen Holzstangen aufgehängt. Dabei befinden sie sich zuerst in Bodennähe, wandern aber immer weiter nach oben, um eine gleichmäßige Temperatur und Feuchtigkeit für die Blätter zu sichern. Nach 50 Tagen haben sie eine goldbraune Färbung angenommen.  Danach werden die Blätter kategorisiert und ausgelesen. Blätter, die für Einlage, Umblatt und Deckblatt bestimmt sind, werden getrennt. Beim nachfolgenden dreimaligen Fermentieren werden infolge der Hitze in den Schuppen durch Gärung die Gerbstoffe und blatteigenen Eiweißstoffe abgebaut. Ist die Fermentierung abgeschlossen, werden die fertigen Tabakblätter gelagert, bis sie an die Zigarrenfabriken geliefert werden. Premium-Tabakblätter werden 3-7 Jahre gelagert, ehe sie überhaupt an die Fabriken geliefert werden, da ein ausgewogenes Aroma sich erst so richtig nach der Fermentation entwickelt.

Tabakpflanze
Tabakpflanze
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Und noch etwas lernen wir über den Tabakanbau: Die untersten Blätter der Pflanze haben das feinste Aroma und werden in der Zigarre hauptsächlich deswegen verarbeitet, weil sie für ein gutes Abbrennverhalten sorgen.

Die Blätter in der Mitte der Pflanze sind die Träger der meisten Aromastoffe und sorgen für die Geschmacksnuancen in der Zigarre.

Die Blätter ganz oben entwickeln durch die Sonneneinstrahlung die meisten ätherischen Öle. Sie bieten somit den kräftigsten Geschmack und gelten als Maß für die Stärke einer Zigarre.

Da der Tabakanbau in Kuba nach der Revolution nicht verstaatlicht wurde, blieb er in privater Hand. Der Tabakbauer ist allerdingsPfeil verpflichtet, 90% seiner Ernte an staatliche Firmen zu staatlich festgelegten Preisen zu liefern. Don Benito interpretiert das so: "Ich muss 90% an den Staat abgeben, die restlichen 20% sind für mich!"

tiere auf der Farm
Was alles auf der Farm lebt
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Nach der recht ausführlichen "Unterrichtsstunde" über Tabakanbau bekommen wir im Wohnzimmer einen hervorragenden Kaffee - bei Bedarf mit Rum - aus eigenem Anbau serviert. Und wer nun Lust auf Zigarren verspürt, kann im Hinterzimmer "zu einem guten Preis" Zigarren kaufen. Danach dürfen wir uns auf der Farm des Don Benito und auch in seinem Wohnhaus umsehen und fotografieren. Wie wir alsbald feststellen, sind Don Benito und seine Familie reine Selbstversorger. Hier wächst alles, was man so zum täglichen Leben braucht: Mais, Bohnen, Süßkartoffel, Bananen, Kaffee und Mamey sapote, ein vor allem in den amerikanischen Tropen beheimateter Baum, der für seine großen, wohlschmeckenden Beerenfrüchte bekannt ist. Gänse, Truthähne und Hühner laufen ebenfalls auf der Farm herum. Farmarbeiter haben gerade ein Schwein geschlachtet. Alle Teile werden restlos verwertet. Landleben pur!!

Tal von Vinales und mogotes
Tal von Vinales mit Mogotes
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Bei der anschließenden Wanderung durch das Tal von Vinales erleben wir die Schönheit dieser Gegend hautnah.  Rotbraun ist die Erde, saftig grün sind die Felder und daraus erheben sich bizarre Kalksteinkegel, Mogotes oder auch "Elefantenbuckel" genannt. Die stark bewachsenen Felsen waren einst die Säulen eines gewaltigen Höhlensystems, das sich vor 160 Millionen Jahren ausgeformt hatte. Im Lauf der Jahrtausende stürzten die meisten Höhlen auf Grund der starken Kalksteinverwitterung ein. Heute wirken die Berge wie träge Riesentiere im Tal. Elefantenbuckel nennen die Einheimischen die Mogotes auch.

Mural de la Prehistoria
Mural de la Prehistoria
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Ziel unserer Wanderung ist das Mural de la Prehistoria, ein 120 m hohes und 180 m breites Kunstwerk, dessen Farbe aufgrund der häufigen und starken Regenfälle alle 5 Jahre aufgefrischt werden muss. Das Gemälde an der Felswand eines Mogotes stellt in 12 Szenen die Evolutionsgeschichte von der Schnecke über den Dinosaurier bis zum Menschen dar. Es entstand in den 1960-er Jahren auf Initiative der späteren Sekretärin Fidel Castros. An einem Palmwedel-gedeckten Kiosk genieße ich die erste Pina Colada dieser Reise, Dieter den ersten Cuba libre.

In einem wunderschön gelegenen Paladar - Paladar Balcone del Valle. - in der Nähe von Vinales mit Blick auf das Tal von Vinales genießen wir unser Mittagessen: ich entscheide mich für gegrillten Fisch mit Pommes, Dieter für "ropa vieja" - übersetzt "alte Klamotten" - Rindfleisch-Frikassee mit Tomaten, Paprika und Knoblauch. Dazu ein Bier der Sorte Bucanero.

Blick in eine Bodega
Blick in eine Bodega. Hier wird mit der Libreta bezahlt
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Derart gestärkt kehren wir nochmals für eine knappe Stunde in das Dörfchen Viñales zurück. An der Hauptstraße steht auch die Kirche aus dem 19. Jahrhundert sowie ein Denkmal für José Marti. Ansonsten wirkt der Ort recht lebhaft. Wir schlendern an den niedrigen Holzhäusern mit ihren Veranden, an zahlreichen Souvenirläden und Geschäften vorbei bis zu einem kleinen Kunstmarkt in einer Nebenstraße. Hier entdecken wir auch eine Bodega, wo mit der Libreta eingekauft werden kann. Die Libreta, die Lebensmittelkarte, gilt als Symbol der Gleichheit auf Kuba. Dank der Karte können die Bewohner hochsubventioniert vor allem Reis, Eier, Zucker, Bohnen, Kaffee und Nudeln kaufen. Wann die Libreta endgültig abgeschafft werden soll, steht noch in den Sternen. Bereits im Herbst 2010 hat die kubanische Regierung das Projekt „Anpassung des sozialistischen Modells“ entwickelt, mit dem Wirtschaft und Staat „den Erfordernissen der Zeit“ angepasst werden sollen.

Nach dem Kurzbesuch in Vinales geht es per Bus zurück ins Hotel. Wer Lust hat,Pfeil kann das Abendessen in einem nahe gelegenen Paladar einnehmen, da heute kein gemeinsames Abendessen vorgesehen ist. Wir ziehen ein geruhsames Stündchen auf unserem Balkon vor, essen später in der Hotelbar ein Sandwich und gönnen uns noch einen Mojito. Das war's für heute.