Havannas Altstadt

Di, 01. 03. 2016

Unser heutiges Programm:

Bröckelnde Pracht unter azurblauem Himmel, so empfängt uns Havanna. Vom Hauptplatz aus, der Plaza de Armas, führt Sie Ihr Studiosus-Reiseleiter durch die Altstadt (UNESCO-Kulturerbe). Gouverneurspalast, Festung und Kathedrale erinnern an die spanische Kolonialzeit. Das Kapitol, einst dem großen Vorbild in Washington nachempfunden, ist Symbol der republikanischen Ära. Den späteren Nachmittag gestalten Sie selbst. Saugen Sie die heitere Stimmung im Parque Central auf - durch den Strohhalm in Ihrem Mojito - salud!

Hotel Iberostar Parque Central *****

Die erste Nacht in Havanna war erholsam. Gut geschlafen und ausgeruht, kann die eigentliche Reise beginnen. Um 7.00 Uhr finden wir uns im Restaurant des Iberostar Hotels ein und treffen hier zum ersten Mal auf die Freunde aus Berlin, Achim und Elke, die mit KLM geflogen und bereits gestern Nachmittag angekommen sind. Gemeinsam lassen wir uns das reichhaltige Frühstück schmecken. Lediglich auf schwarzen Tee muss Dieter verzichten. Aber das lässt sich verschmerzen.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Unser Reisebus
Unser Reisebus für die nächsten 2 Wochen
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Pünktlich um 8.30 Uhr findet sich die Reisegruppe, die aus 25 Personen besteht, im Foyer ein. Vor dem Eingang steht bereits ein Bus der Firma "Transtur". Fahrer Pedro wird uns damit die nächsten 2 Wochen durch Kuba fahren. Zu merken haben wir uns die Busnummer 4754, denn fast alle Reisegruppen benutzen Busse dieser Firma. Der Bus ist ein chinesisches Fabrikat mit 48 Sitzplätzen, für unsere Gruppe also groß genug!

Blick auf Havanna
Blick auf Havanna
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Heute fahren wir zuerst zum Christus von Havanna, (Cristo de La Habana), einer rund 20 m hohen Christusstatue aus weißem Carrara-Marmor. Sie steht in Casablanca, einem östlichen Stadtteil von Havanna in der Gemeinde Regla. Die Statue ist 18 Meter kürzer als die berühmte Christus-Statue „Cristo Redentor“ in Rio de Janeiro, Brasilien. Vom Standort ’Cristo de La Habana’ haben wir einen herrlichen Überblick über die Stadt, die Bucht und den Hafen der Stadt.

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Kanonen auf der Fortaleza de la Cabana
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Ebenfalls im Osten von Havanna liegen die beiden Festungen, das Castillo de los Tres Reyes del Morro (meist nur El Morro genannt) und die Fortaleza San Carlos de la Cabaña (beide Festungen wurden mit der Altstadt von Havanna von der UNESCO zum Erbe der Menschheit erklärt). Wir besuchen die größere Festung Fortaleza San Carlos de la Cabaña. Sie wurde in den Jahren 1763 bis 1774 gebaut, um die Stadt Havanna zu schützen. Denn im Jahr 1762 eroberte Großbritannien die spanische Kolonie Havanna und konnte sie ganze elf Monate besetzt halten. Im Pariser Frieden tauschte Großbritannien Havanna schließlich gegen Florida ein. Jeden Abend findet auf La Cabaña „El cañonazo de las nueve“ statt, die Kanonenschusszeremonie. Dabei feuern Soldaten der Revolutionären Streitkräfte Kubas einen Kanonenschuss ab. Diese Zeremonie wird seit der Kolonialzeit gepflegt und sollte die Einwohner Havannas darüber informieren, dass die Stadttore geschlossen bzw. wieder geöffnet wurden. Morgens 4.30 Uhr ertönte derPfeil Öffnungsschuss, abends 20 Uhr der Schuss zum Schließen.

Die weiteren Besichtigungen am heutigen Tag in Havanna werden wir zu Fuß machen. Unser Hotel liegt zentral im Stadtteil Habana Vieja.

Verfallene Wohngebäude in Havanna
Verfallene Wohngebäude in Havanna
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Vorweg ein paar allgemeine Informationen zur Stadt Havanna. Sie wurde 1519 als Teil das Spanischen Kolonialreiches mit einem natürlichen Hafen an der Bucht von Havanna gegründet. Sie diente als Zwischenstopp spanischer Galeonen, die mit Schätzen aus der Neuen Welt auf dem Weg zurück in die Alte Welt waren. Havanna wurde im barocken und neoklassizistischen Stil erbaut. Leider fielen nach der kubanischen Revolution (Castro zog mit seiner Rebellenarmee am 1. Januar 1959 in Havanna ein) die meisten Gebäude dem Verfall zum Opfer. Erst in neuerer Zeit fängt man an, überwiegend mit Mitteln der UNESCO, die historische Altstadt, Habana Vieja, aufwendig zu sanieren und zu restaurieren, um auch den Tourismus anzuheizen, der schnell als neue Einnahmequelle wahr genommen wird. Viele Paläste - meist als Stadtpaläste von der Oberschicht Havannas im 18. Jahrhundert erbaut - sind bereits vollständig restauriert. Und bei den anderen steht nur noch die Außenhülle, um vollständig entkernt demnächst wieder in alter Pracht zu erscheinen. Teilweise sollen auch Wohnungen darin entstehen.

Straßen in Habana Vieja
Straßen in Habana Vieja
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Viele Baustellen und Gerüste versperren den Weg und man muss höllisch aufpassen, nicht in ungesicherte Schlaglöcher zu fallen. Entfernt man sich ein wenig von den zentralen Plätzen der Altstadt, so sieht man das wahre Elend, unter welchem die Bevölkerung zu leiden hat. Wohnungen gleichen eher Behausungen. Da wird es wohl Jahrzehnte dauern, bis hier die Arbeiten abgeschlossen werden können, wenn überhaupt!

Löwenbrunnen
Löwenbrunnen
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Wir beginnen unseren gemeinsamen Rundgang an der Plaza de San Francisco, einem schön restaurierten Platz in der Nähe des alten Zollhauses am Hafen. Der Löwenbrunnen (Fuente de los Leones) aus italienischem Marmor diente früher als Trinkwasserquelle für die Besatzungen der Schiffe. Einst war der Platz das Handelszentrum von Havanna. Dominiert wird der Platz von der Basilica Menor de San Francisco de Asís. Die Kirche wurde im 18. Jahrhundert restauriert und ausgebaut und diente als Domizil der Franziskaner.

Aus Anlass des zweihundertsten Geburtstages des Komponisten Fréderic Chopin wurde eine Statue des polnischen Künstlers auf einer Bank sitzend auf dem Platz enthüllt.

Fidel Castro Doppelgänger
Fidel Castro Doppelgänger
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Zum ersten Mal auf dieser Reise begegnen wir auf der Plaza de San Francisco einem Mann, der in selbst gedrehten kleinen Tütchen geschälte Erdnüsse verkauft, das Tütchen zum Preis von 1 CUC. Der Reiseleiter kauft gleich mehrere Tütchen und verteilt sie an einzelne Teilnehmer. Zum besseren Verständnis muss man wissen, dass der Durchschnittslohn eines Kubaners bei umgerechnet ca. 15 € , die Durchschnittsrente bei 8 € monatlich liegt, ausgezahlt allerdings in Pesos Cubanos (CUP). Das sind 208 bzw. 392 CUP. (Stand März 2016). Zum Überleben braucht man andere Währungen. Früher war es mal der Dollar, heute ist es der Peso Convertible (CUC - 1 CUC=1,13 €). Lebensmittel, Kleidung, Medikamente und Luxusgüter bekommt man nur in CUC! So ist es allzu verständlich, dass hier jemand sein Einkommen auf diese Weise aufbessern muss, um überhaupt überleben zu können! An Einfallsreichtum mangelt es den Kubanern nicht. Nebenstehender "Herr" hat sich in Fidel Castro "verwandelt" und kassiert 1 CUC pro Foto. Und er weiß genau, dass die Touristen -so wie ich - gerne für den Gag bezahlen!

Caballero de Paris
Caballero de Paris
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Unweit des Eingangs zur Kirche erinnert eine lebensgroße Bronzestatue an den in den 1950ern und 1960ern stadtbekannten Clochard „El Caballero de Paris”. Wir berühren - wie die Kubaner es tun - den Zeigefinger seiner linken Hand und seinen Bart, was Glück bringen soll. Kann ja nicht schaden!

Über die Calle Oficios kommen wir zur Calle Brasil, wo Teile einer alten Wasserleitung freigelegt wurden. Sie wurde 1893 gebaut und machte Havnna zur fortschrittlichsten Stadt Lateinamerikas.

Plaza Vieja
Plaza Vieja Havanna
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Touristischer Hauptanziehungspunkt und für viele Kubaner der schönste Platz der Stadt ist nach aufwendiger Sanierung die Plaza Vieja aus dem Jahre 1584. Sie wird eingerahmt von hochherrschaftlichen Gebäuden - Stadtpalästen aus dem 18. Jahrhundert - in denen die reiche Oberschicht wohnte. Kaum vorstellen kann man sich, dass esPfeil hier vor der Revolution - während der Batista-Diktatur - ein großes unterirdisches Parkhaus gab, welches den Platz um einen Meter anhob. Durch die Rückbaumaßnahmen hat er wieder sein altes Niveau zurückerhalten.

Taberna de la Muralla
Taberna de la Muralla, Plaza Vieja, Havanna
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Architektonische Schmuckstücke sind die Herrenhäuser "Casa de los Condes de Jaruco", das "Edificio Gomez Vila" mit Türmchen und die "Cerveceria Taberna de la Muralla", ein bekanntes Touristenlokal am Platz.

Der umzäunte Marmor-Brunnen (1796) in der Mitte des Platzes trägt die Wappen Havannas und des Conde de Santa Clara, eines früheren Gouverneurs der Stadt.

Die Apotheke "Drogueria Johnson" an der Ecke Obispo zur Calle Aguiar ist einige Hundert Jahre alt, besitzt ein kolonialspanisches Interieur und ist noch immer in Betrieb.

Hotel Ambos Mundos
Hotel Ambos Mundos
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An der Ecke Obispo und Mercaderes liegt das 1923 erbaute und inzwischen restaurierte Hotel Ambos Mundos. Dieses Hotel ist eng verbunden mit dem Namen Hemingway, denn hier lebte der Schriftsteller von 1930 an fast 10 Jahre lang und ließ sich zu seinem Meisterwerk "Wem die Stunde schlägt" inspirieren. Vom Dachgarten haben wir einen wunderbaren Blick über das koloniale Havanna und auf die Bucht von Havanna. Wir lassen uns dank vorzeitiger Reservierung durch unsere kubanische Mit-Reiseleiterin Maribel im Dachrestaurant nieder und genießen - zusammen mit Achim und Elke und den anderen Teilnehmern - unser erstes Sandwich: ein Käse-Schinken-Sandwich, ein Wasser, ein Bier - alles zusammen für 18 CUC. Diese Mahlzeit wird auf der gesamten Reise mittags unser Standard werden.

Eine weitere Hemingway-Pilgerstätte ist die Bodeguita del Medio, wo er gerne seinen Mojito trank. Die Wände sind mit Widmungen, Unterschriften und Bildern verziert; ein Versuch, hineinzukommen war zwecklos. da das Lokal mit Touristen überfüllt war.

Gut gestärkt und auch etwas ausgeruht geht es am Nachmittag weiter. Auf der Plaza de Armas, dem Waffenplatz, paradierten und exerzierten einst die Truppen des spanischen Königs. Der Platz ist üppig begrünt. Auffallend sind die vielen Händler, die Bücher der kubanischen und lateinamerikanischen Literatur verkaufen.

In der Mitte des Platzes befindet sich die Statue des Carlos Manuel de Céspedes. Er wird verehrt als kubanischer Freiheitskämpfer. Am 10. Oktober 1868 rief C.M. de Céspedes von seiner Zuckermühle  in Manzanillo aus alle Kubaner zum Kampf gegen die spanische Kolonialmacht auf. Er ließ alle seine Sklaven frei und forderte sie auf, sich an dem Kampf zu beteiligen.

An der Plaza de Armas
Plaza de Armas mit Denkmal Carlos Manuel de Céspedes
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Straße mit Edelholz ausgelegt
Plaza de Armas, Straße mit Edelholz ausgelegt
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An der Plaza de Armas besuchen wir den Gouverneurspalast, Palacio de los Capitanes Generales. Wie der Name schon sagt, residierten hier über einhundert Jahre lang die spanischen Gouverneure auf Kuba. Am 10. Dezember 1899 verzichtete Spanien im Friedensvertrag von Paris auf Kuba. Die Unterschrift wurde in diesem Palast geleistet. Im Innenhof steht ein Denkmal von Christoph Kolumbus.

Heute ist im Palast das Stadtmuseum untergebracht, welches wir gemeinsam besuchen. Vor dem Palast ist die Straße mit Edelholz gepflastert. Im 17. Jahrhundert ließ ein Gouverneur, der sich in seiner Siesta nicht von dem Poltern der eisenbeschlagenen Kutschen stören lassen wollte, diesen schallschluckenden Straßenbelag anlegen.

Am Gouverneurspalast beginnt auch das Abzocken der Touristen. Denn wer im Palast fotografieren oder filmen will, muss 5 CUC bezahlen oder den Fotoapparat abgeben. Hier bezahlen wir noch brav, aber die Höhe von 5 CUC finden wir stark übertrieben. Das wiederholt sich später bei allen weiteren Sehenswürdigkeiten. Es führt dazu, dass viele Besucher nicht mehr bezahlen, den Fotoapparat in die Tasche stecken und dann heimlich fotografieren.

Plaza de la Catedral
Plaza de la Catedral
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Letzte gemeinsame Besichtigung ist die Plaza de la Catedral, eine der ältesten Plätze in der Altstadt von Havanna mit einem der wichtigsten Bauwerke der Stadt, der ’Catedral de San Christobál’. Diesen Namen erhielt sie zu Ehren von Christoph Kolumbus, dessen Gebeine angeblich bis 1898 hier begraben waren, bevor sie die Spanier am Ende ihrer Herrschaft mit ins spanische Sevilla nahmen. Die beiden Türme der Kathedrale sind unterschiedlich hoch: im rechten Turm hängen die San Pedro Glocke aus Spanien und die kleinere San Miguel Glocke aus Matanzas. Die Plaza de la Catedral ist umsäumt mit den schön restaurierten Palacios der ehemaligen Granden.

Oldtimer
Oldtimer
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Mittlerweile ist es 16.30 Uhr geworden. Für 18.00 Uhr ist die obligatorische Vorstellungsrunde, für 19.00 Uhr ein gemeinsames Abendessen im Hotelrestaurant vorgesehen. Viel Freizeit bleibt also nicht mehr. Doch für den ersten Mojito in der Hotelbar reicht es allemal!

Einige Reiseteilnehmer haben noch eine Taxifahrt in einem Oldtimer vor. So stehen die Taxis auch bereits bei der Rückkehr vor dem Hotel, denn Maribel hatte sie auf Wunsch dorthin bestellt. Wir entscheiden uns, diese Fahrt am letzten Nachmittag der Reise nachzuholen.

Oldtimer
Oldtimer
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An dieser Stelle einige Bemerkungen zu diesen Oldtimern. Neben Rum und Zigarren ist kein Land der Welt so berühmt für seine alten Autos wie Kuba. Auf den meisten Straßen Havannas und Kubas fahren diese alten amerikanischen Schlitten aus den 40er und 50er Jahren: Old Plymouth, Chevrolet, Ford, Oldsmobile usw. Die Besitzer, so ist zu beobachten, pflegen ihre Fahrzeuge bis ins Letzte. Das wahrscheinlich nicht aus reiner Nostalgie, sondern aus Notwendigkeit, denn ein Autoneukauf - seit dem 1. Januar 2014 erlaubt das Castro-Regime seinen Bürgern, ohne staatliche Genehmigung neue Autos zu kaufen - ist für die Mehrheit unerschwinglich. Als die Kommunisten nach der Revolution 1959 die Macht übernahmen, brachen sie gleichzeitig alle Beziehungen mit westlich orientierten Ländern ab. Folglich mussten die Kubaner mit dem auskommen, was da war und dazu zählten auch die Autos. Da es aber auch keine Ersatzteile mehr gab, war viel Fantasie und Kreativität gefragt, um die Automobile am Laufen zu halten. Man fertigt aus allen möglichen Materialien Ersatzteile an! Mit dem Aufkommen des Tourismus entdeckten sie eine neue Einnahmequelle: Sie bieten ihre alten Autos als Taxis für Touren in und um Havanna an. Schönheitsfehler - bei uns wären es grobe Sicherheitsmängel! - wie Sprünge in der Scheibe, fehlende Zierleisten, Türen ohne Fensterkurbel und Innengriff oder fehlende Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker) werden schlichtweg übersehen. Das ist alles "no problema". Für eine einstündige Fahrt zu zweit werden stattliche Preise zwischen 35 und 40 CUC verlangt; handelt es sich um ein Cabriolet, Pfeilkann der Preis auch höher werden. Und wer länger gefahren werden möchte, zahlt drauf. Der Preis richtet sich nach der Nachfrage - reine Marktwirtschaft! Das hat man schnell gelernt! Über unsere Erlebnisse mit der Fahrt in einem Oldtimer am Ende der Reise werde ich berichten!