Durch Zentralkuba

Do, 10. 03. 2016

Unser heutiges Programm:

Unsere Route führt jetzt wieder nach Westen durch ausgedehnte Ebenen. Die lange Fahrt bietet nach all den Eindrücken eine gute Gelegenheit, Gedanken über Kubas Errungenschaften, die neue Nähe zu den USA und seine Zukunft auszutauschen. Abends erreichen wir die Insel Cayo Ensenachos vor der Nordküste. 650 km auf meist guten Straßen.

Hotel Iberostar Ensenachos ****

Der längste Tag der Rundreise steht heute bevor. Ungefähr 650 km sind von Santiago de Cuba bis zur vorgelagerten Insel Cayo Ensenachos im Norden von Kuba zu bewältigen. Und das auf kubanischen Landstraßen und Autobahnen! Der Busfahrer schätzt für die Strecke inclusive Pausen um die 12 Stunden, womit er auch Recht haben sollte!

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Reiterdenkmal Antonio Maceo in Santiago
Reiterdenkmal Antonio Maceo in Santiago
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Bevor wir die Stadt Santiago verlassen, machen wir noch einen kurzen Fotostopp an der Plaza de Revolución mit dem Reiterdenkmal des Antonio Maceo (1845 - 1896). Er hatte die meisten Schlachten in den Unabhängigkeitskriegen angeführt. Unter den Generälen der Widerstandsarmee war er der einzige Mulatte, weswegen er auch "Bronze Titan" genannt wurde. Die Stahlmacheten sind Teil des Denkmals.

Busunglück
Busunglück
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Auf der Weiterfahrt geraten wir in einen kleinen Unfall. Beim Überholen eines mittelgroßen Transportfahrzeuges gibt es plötzlich einen starken, lauten Schlag gegen die rechte Seite unseres Busses. Ob nun der Busfahrer beim Überholen zu wenig Platz zu dem Transportfahrzeug gelassen hat oder umgekehrt das Transportfahrzeug ausgeschert ist, können wir nicht beurteilen. Jedenfalls halten beide Fahrzeuge an und die Fahrer beschimpfen sich gegenseitig. Aber die Polizei wird nicht eingeschaltet und das Transportfahrzeug entfernt sich nach dem kurzen Disput. Wie wir beim nächsten Stopp in Las Tunas sehen können, ist die Verkleidung des Benzintanks abgerissen und die untere Scheibe der Einstiegstür zersplittert. Außerdem gibt es zahlreiche Kratzer. Pedro, der Busfahrer, hatte die Verkleidung des Benzintanks noch an der Unglücksstelle eingesammelt. Auf Nachfrage bei Maribel meinte sie, der Busfahrer müsse selber für den Schaden haften. Warum und wieso entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls wurde der Schaden in einer Werkstatt auf der Insel Cayo Ensenachos "notdürftig" repariert.

Weiter geht unsere Reise auf der uns schon von der Hinfahrt bekannten Carretera Central de Cuba (CC) über Las Tunas (Toilettenpause) und Marti bis nach Camagüey. Im Restaurant "El Polito" in der Nähe des Flughafens legen wir eine Mittagspause ein. Maribel hat natürlich wieder vorbestellt, so dass wir nicht allzu viel Zeit verlieren. Hinter Camagüey in Höhe der Ortschaft Florida biegen wir nach Norden ab und gelangen bei Esmeralda auf die N123, eine Küstenstraße, die parallel zur Küste führt. Eine letzte Pause für einen Toilettengang und einen Drink gibt es in einem Hotel in Moron.

Damit die Busfahrt erträglich wird, bemüht sich der Reiseleiter um Abwechslung. Wir hören kubanische Musik aus verschiedenen Stilrichtungen, "dürfen" ab und zu ein Nickerchen machen, um dann wieder etwas über die "Errungenschaften" der kubanischen Revolution zu hören. So versucht der Staat seit der Revolution 1959 ausreichenden Wohnraum für die ständig wachsende Bevölkerung zu schaffen, besonders in den Großstädten - mangels Baumaterialien kann aber bis heute davon keine Rede sein! Als besonderer Pluspunkt wird die für alle Bürger kostenlose medizinische Versorgung auch auf dem Lande genannt. Auf 150 Menschen kommt 1 Arzt. PfeilZentrale Krankenhäuser stehen für Operationen und spezielle Behandlungen bereit. Allerdings breitet sich hier eine Zweiklassenmedizin aus: Reiche Kubaner und so mancher Parteigenosse zahlen in CUC und werden vorrangig behandelt!

Die Alphabetisierung schreitet voran. Die Rate der Analphabeten sank von 24% auf 2%. Es gilt die allgemeine neunjährige Schulpflicht. Ein Großteil der Schüler wird bei kostenloser Unterbringung und Verpflegung in Internaten unterrichtet. Damit das Lernen mit praktischer Arbeit verbunden wird, stehen bis zu drei Stunden täglich landwirtschaftliches Arbeiten auf dem Lehrplan.

Die Mieten sind niedrig, die Löhne aber auch! Der Durchschnittslohn liegt bei umgerechnet 15 €, die Durchschnittsrente bei umgerechnet 8 € monatlich. Ein Arbeiter verdient genauso so viel wie ein Akademiker. Wer im Besitz von CUC (der inseleigene Dollarersatz!) ist, kann alles kaufen, in Geschäften oder auf dem Schwarzmarkt. Ein Stück Seife kostet ca. 0,55 CUC, eine Nivea Lotion um die 10 CUC, Shampoo 5 CUC. Zum Verständnis: 1 Euro = ca. 25 CUP (Kubanischer Peso) - 1 Euro = 1,11 CUC (Kubanischer Peso convertible). Alle Löhne werden in CUP ausbezahlt!

Seit dem Jahre 2000 sind 90% aller Haushalte an die Stromversorgung angeschlossen, alle besitzen ein Fernsehgerät!

Freie Wahlen, freie Meinungsäußerung, freie Berufswahl und dergleichen gibt es nicht oder sie werden in Kuba anders interpretiert als in unseren westlichen Demokratien! Reisefreiheit besteht, aber zum Reisen fehlt den Normalbürgern das Geld! Ob sich nun mit der vorsichtigen Öffnung des Landes durch Raúl Castro etwas ändert, wird die weitere Entwicklung zeigen müssen.

Allmählich senkt sich die Sonne, gegen 18.30 Uhr ist es schon dunkel. Wir sind mittlerweile schon 10 1/2 Stunden gefahren! Das letzte Stück bis Caibarién und von dort auf den 45 km langen Damm, der zur Insel Cayo Ensenachos führt, ist für uns das "schlimmste" Stück Wegstrecke. Es ist dunkel, die Straßen sind nicht beleuchtet, es gibt keinen Mittelstreifen und keine seitlichen Begrenzungsleuchten. Der Gegenverkehr blendet sehr oft nicht ab. Unbeleuchtete Fuhrwerke, Fahrräder und Fußgänger bevölkern die Straße. Wegweiser fehlen ganz. Nur ab und zu sehen wir ein Schild, das Überholverbot anzeigt. Die Zustände insgesamt bei diesem letzten Teilstück unserer Fahrt sind für unsere (deutschen/europäischen) Verhältnisse undenkbar. Dazu ein Busfahrer, der bereits über 10 Stunden am Steuer sitzt. Der Reiseleiter verweist auf irgendeine Ausnahmeregel. Nun ja, das lässt sich jetzt nicht verifizieren, wird aber wohl stimmen, da Studiosus auf solche Dinge immer großen Wert legt.

Hotel Iberostar Ensenachos
Hotel Iberostar Ensenachos
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So sind wir wirklich heilfroh, dass wir gegen 20.40 Uhr wohlbehalten im luxuriösen Hotel Iberostar Ensenachos ankommen. Dort empfängt uns laute kubanische Musik. Da das Hauptrestaurant um 22.00 Uhr schließt, nehmen wir vor dem Check-In zunächst unser Abendessen ein. Das Buffet ist noch nicht leer geräumt, aber die meisten Speisen sind nur noch lauwarm oder schon kalt. Nach dem Abendessen erhalten wir an der Rezeption unsere Zimmerschlüssel und werden mit Elektrowagen zu den Unterkünften gefahren. Da es dunkel und die Beleuchtung eher spärlich ist, sehen wir von der Umgebung wenig. Aber die nächsten zwei Tage bieten dazuPfeil genügend Gelegenheit. Unser Zimmer sowie das Bad und ein Ankleidezimmer entsprechen auf den ersten Blick unseren Vorstellungen von einem "erstklassigen" Strandhotel. Alle Getränke sind all inclusive, die Minibar ist gut gefüllt. Was will man mehr!