Auf der asiatischen Seite


Mi, 16. Oktober 2013

Die Stadt auf zwei Kontinenten - so wird Istanbul gerne genannt. Die Bosporusbrücke (oder auch Europabrücke) verbindet den europäischen mit dem asiatischen Teil Istanbuls. Sie ist die älteste von zwei Brücken und wurde 1973 eröffnet. Es ist eine Hängebrücke mit 6 Fahrspuren, einer Notspur und einem Fußweg. Sie hat eine Länge von 1510 m. Der Abstand zwischen Meeresspiegel und Fahrbahnträger beträgt 64 m, so dass auch riesige Schiffe, Kreuzfahrtschiffe zum Beispiel, problemlos durchfahren können.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Beylerbeyi Palast
Beylerbeyi Palast mit Bosporusbrücke im Hintergrund
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Der Sultanspalast Beylerbeyi befindet sich auf der asiatischen Seite unterhalb dieser Brücke. Ihn wollen wir heute morgen besuchen. Wir treffen uns um 8.45 Uhr am Bus vor dem Hotel. Der Verkehr hält sich noch in Grenzen, wahrscheinlich sind doch viele Istanbuler wegen der Feiertage nicht in der Stadt. So kommen wir zügig voran und sind pünktlich am Palast.

Sultan Abdülaziz ließ den Palast 1861 -1865 als Sommerresidenz und Gästehaus für ausländische Staatsoberhäupter erbauen, ohne Heizung und Küche! Die Speisen wurden angeliefert! Unter den ausländischen Gästen zählten Kaiserin Eugenie, die Gemahlin Napoleons III., Kaiser Franz Joseph von Österreich, Kaiserin Elisabeth, der Prinz von Serbien, der König von Montenegro und Schah Reza Pahlavi zu den berühmtesten. Der Park um den Palast ist nicht besonders groß und überwältigend, der Blick von hier auf den Bosporus umso mehr!

Der Palast besteht aus zwei Stockwerken und einem Erdgeschoss. An den Hauptbau mit den großen Salons schließen sich im linken Flügel der Harem für die Frauen und im rechten Gebäudeteil der Herrentrakt an. Leider ist es im gesamten Palast verboten, zu fotografieren. Der schönste Raum im Obergeschoß ist der Perlmuttsalon; er ist benannt nach den aussergewöhnlich schönen Perlmuttintarsien auf den Möbeln. Die kunstvoll gearbeiteten und mit Antilopenleder bespannten Stühle soll der Sultan persönlich angefertigt haben.

Sakirin Moschee
Sakirin Moschee
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Ein Highlight der besonderen Art ist der nun folgende Besuch der Sakirin Moschee, die als das modernste Gebetshaus der Türkei gilt. Sie liegt im Stadtteil Üsküdar, ebenfalls auf asiatischer Seite. Bei der Moschee ist fast alles anders als in den vielen anderen Moscheen von Istanbul. In der Mitte des Innenhofs steht ein Brunnen, in dem eine hochglanzpolierte Kugel das Universum symbolisieren soll. Das Innere der Moschee wirkt modern und futuristisch. Die Wände sind nicht aus Stein, sondern aus Glaselementen, vor denen verschnörkelte Gitter angebracht sind. Der riesige Kronleuchter besteht aus drei ineinander fließenden Ringen, auf denen die 99 Namen Allahs sowie die Sure "Nur" eingraviert wurden. Der Minbar - die Kanzel - ist eine mit Blättermotiven verzierte Treppe aus Acryl, Blickfang ist der Mihrab, der den Gläubigen die Gebetsrichtung nach Mekka anzeigt. Er wirkt wienach oben eine große aufrecht gestellte Schale mit einem goldenen Kern. Die Frauen haben in der Moschee den schönsten Platz zum Beten. Sie sitzen nämlich auf einer Empore und dürfen wie die Männer die Moschee durch den Haupteingang betreten.

Sakirin Moschee
Sakirin Moschee - Gebetsraum
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Architekt dieser Moschee ist eine Frau, die Innenarchitektin Zeynep Fadillioglu, eine bekennende Muslimin. Sie ist der Meinung, dass eine Frau auch alles kann, was ein Mann kann. Um aber beim Entwurf und Bau der Moschee keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, hat sie eng mit Islamwissenschaftlern zusammengearbeitet. "Es war sehr wichtig, dass auch ich als moderne denkende muslimische Frau bei solch einem wichtigen Bauwerk einen Beitrag leisten konnte. So können wir zeigen, was die moderne türkische Frau kann und auch, was die moderne muslimische Frau kann. Für mich ist das ein schönes Ergebnis, eines der wertvollsten Dinge meines Lebens sogar.“ (Quelle: Publikationen aus http://www.bamf.de, Datum 11.11.2009)

Muslimischer Friedhof
Muslimischer Friedhof bei der Sakirin Moschee
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Der Moschee angegliedert ist ein muslimischer Friedhof, den wir ebenfalls kurz besuchen und Wissenswertes über islamische Bestattungen erfahren, die besonderer Rituale bedürfen. So werden beispielsweise bestimmte Koransuren rezitiert und die rituelle Waschung des Leichnams durch Angehörige hat einen festgelegten Ablauf. Der Leichnam wird anders als in Deutschland vorgesehen nur in Leinentücher eingeschlagen und nicht in einem Sarg begraben. Nach islamischem Ritus muss die Leiche immer in Blickrichtung gen Mekka liegen. Hinzu kommt, dass die Beerdigung bestenfalls noch am Sterbetag erfolgt, denn aus Achtung vor dem Toten dürfen keine anderen Geschäfte vor der Bestattung geführt werden. Eine Feuer- oder Seebestattung ist im Islam nicht erlaubt. Erlaubt sind nur Erdbestattungen, und dies nur auf einem Grabfeld unter anderen Muslimen. Die Gräber werden nicht wie bei uns geschmückt. Das würde als heidnischer Brauch gedeutet. Den Friedhof besucht man nur an Festtagen wie Kurban Bayrami. Die Grabsteine zeigen den Namen, allenfalls noch den Beruf des Verstorbenen. Bei den Lebensdaten wird oft das Geburtsjahr nach islamischer Zeitrechnung angegeben: Prizrenli Saffet 1314 - 1974.

Markt in Kadikoy
Markt in Kadiköy
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Südlich von Üsküdar schließt sich der Stadtteil Kadiköy an, den wir als nächstes besuchen. Es ist ein lebhafter Stadtteil mit vielen Geschäften und Märkten. Die Altstadt gegenüber dem Fähranleger erstreckt sich einen Hügel hinauf und ist für den Autoverkehr gesperrt. Zahlreiche Restaurants und Straßencafés laden zum Verweilen ein. Der Kadiköy-Pazari ist ein gemütlicher Markt mit Lebensmitteln, Gewürzen und traditionellen Hygienenaturprodukten. Angeblich wird hier nicht gehandelt, sondern die Preise sind fixiert. Auf Empfehlung der Reiseleitung finden wir ein gemütliches Café, wo wir eine Mittagspause einlegen und dem Markttreiben zusehen können. Danach bummeln wir durch die zahlreichen Gassen, schauen uns die Auslagen der Geschäfte an und genehmigen uns noch einen türkischen Kaffee.

Schriftwechsel 1928
Schriftwechsel 1928 - vom arabischen ins lateinische Alphabet
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Treffpunkt der Reisegruppe ist das Denkmal am Fährhafen, das Mustafa Kemal Atatürk mit zwei Jugendlichen zeigt. Es erinnert an den Schriftwechsel im Jahre 1928, als die arabische Schrift durch das lateinische Alphabet ersetzt wurde.

Mit einer total überfüllten Fähre fahren wir wieder zurück auf die andere Seite des Bosporus in den europäischen Teil Istanbuls. Wir hatten gehofft, von der Fähre aus die Aussicht auf den Bosporus genießen zu können, aber das war wegen der Menschenmassen auf der Fähre schlicht unmöglich.

In unmittelbarer Nähe der Anlegestelle, am Pier von Karaköy, liegt das İstanbul Modern, ein Museum für Kunst der Gegenwart. Istanbul wollte mit der Eröffnung des Museums (2004) der steigenden Aufmerksamkeit für türkische Künstler und Künstlerinnen in europäischen Museen, Galerien und auf Kunstmessen Rechnung tragen. Das Gebäude besitzt 8000 m² Ausstellungsfläche. Nun ist zeitgenössische Kunst nicht gerade unser Steckenpferd, deshalb hoffen wir, wenigstens vom Pier aus eine schöne Aussicht auf den Bosporus zu haben. Aber leider wird nichts daraus: ein riesiges Kreuzfahrtschiff versperrt jede Aussicht!! Dann soll es wohl nicht sein! So gibt es fürnach oben heute nicht mehr viel zu berichten. Um 17.00 Uhr geht es per Bus zurück zum Hotel. Wir kommen direkt in die Rush Hour, nicht gerade schön. Um 19.00 ist ein gemeinsames Abendessen im Hotel - wieder ausgezeichnet - und danach schaffen wir noch einen kleinen Spaziergang. Das war's für heute!