Rund um die Hagia Sophia


Di, 15. Oktober 2013

Heute ist Feiertag: Kurban Bayrami! Der Tag beginnt etwas gemütlicher: Wir treffen uns erst um 9.30 Uhr. d.h. wir können etwas länger schlafen. "Etwas" bedeutet für uns, statt 6.00 Uhr um 6.30 Uhr aufstehen und bereits um 7.30 Uhr am Frühstückstisch sitzen. Der Frühstücksraum ist noch ziemlich leer, lediglich eine Mitreisende, die anscheinend auch Frühaufsteherin ist, treffen wir an. Dieter lässt sich ein Omelett braten, ich (Anita) bevorzuge nach den Cerealien einen Pfannkuchen mit Sirup! Danach dann noch Brot mit Marmelade und Obst. Dieter ist da wesentlich wählerischer und probiert auch die türkischen Spezialitäten aus.

Kurban Bayrami
Opferfest Kurban Bayrami
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Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Wie schon im ersten Teil des Berichtes erwähnt, ist das Opferfest (Kurban Bayrami) der höchste Feiertag in der islamischen Welt. Den Ausführungen von Frau Tönbekici zufolge, wird Kurban Bayrami zum Höhepunkt der Pilgerfahrt nach Mekka gefeiert, die jährlich am Zehnten des islamischen Monats beginnt und 4 Tage dauert. Es ist für alle gläubigen Muslime weltweit Pflicht, zur Feier des Festes ein Tier zu opfern, wenn sie es sich denn finanziell leisten können. Das Fleisch des Tieres sollen sie auch unter den Armen und Hungrigen verteilen. Es ist ein guter Brauch, allen Freunden und Verwandten zum Opferfest die besten Wünsche zu versichern und auch ihnen etwas von dem Fleisch zu geben. Es werden Schafe, aber auch Ziegen und Rinder geschlachtet. Allgemein werden nur Paarhufer – außer dem als unrein geltenden Schwein – rituell geschächtet. Nun hat nicht jeder ein Tier zu Hause, welches er opfern kann. Es gibt dafür auch "Verkaufsstellen", so z.B. am Grab des Eyüp Ensari, welches wir im weiteren Verlauf der Reise besucht haben.

Grand Hotel de Londres
Grand Hotel de Londres
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Zurück zum Reiseprogramm: Wir gehen zunächst zum Taksim-Platz und Gezi-Park, dann schlendern wir die Istiklal Caddesi entlang - wegen des Feiertags wohltuend leer! - biegen in etliche kleine Seitenstraßen ein, wo versteckt Läden und kleine Restaurants zu finden sind - und kommen schließlich an der Endhaltstelle der U-Bahn/Straßenbahn - Tünel - an. Von hier geht es zum Grand Hotel de Londres, ein Hotel, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint: Riesige Kronleuchter, goldene Sessel und Grammofone, Skulpturen aus osmanischen Zeiten, alte Geldkassen, eine Jukebox, viel liebevoller Kitsch, Wandtelefone aus der guten alten Zeit, alles im  barock-osmanischen Plüschstyle. Ernest Hemingway und Agatha Christie sollen hier genächtigt haben. Regisseur Fatih Akin nutzte das Hotel als Schauplatz für seinen Film "Gegen die Wand".  Nostalgiker kommen nach obenvoll auf ihre Kosten. Wir bekommen türkischen Kaffee angeboten und eine Wahrsagerin liest auf Wunsch im Kaffeesatz!! Aber soweit lassen wir beide es denn doch nicht kommen. Trotzdem: das Hotel hat eine kleine, sehr schöne Dachterrasse, die den Blick auf das Goldene Horn freigibt.

Kleine Hagia Sophia
Kleine Hagia Sophia
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Kurz vor Mittag holt uns der Bus vom Hotel ab und bringt uns zunächst zur Kleinen Hagia Sophia. Die Kleine Hagia Sophia ("Heilige Weisheit") ist die ehemalige orthodoxe Sergios- und Bakchos-Kirche, also eine christliche Kirche und seit 1504 eine Moschee. Der byzantinische Kuppelbau wurde im 6. Jahrhundert n. Chr. errichtet und war bauliches Vorbild für die „große“ Hagia Sophia, die Hauptkirche des byzantinischen Reiches. Interessant ist die Kleine Hagia Sophia sicher für Architekten, weil sich durch das Einbeziehen früherer Kirchengebäude in das heutige Gebäude eine Asymmetrie ergibt. Der Grundriss ist unregelmäßig, die Wände angeblich schief, aber der Innenraum doch harmonisch, hell und freundlich!

Simit - türkisches Hefegebäck
Simit - türkisches Hefegebäck
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Neben der Kleinen Hagia Sophia - quasi im Garten - machen wir eine kleine Mittagspause. Studiosus spendiert Simit, ein ringförmiges Hefeteiggebäck mit Sesam-Körnern auf der Kruste. Simit ist in der Türkei vor allem im Handverkauf bei mobilen Straßenhändlern erhältlich. Traditionell wird das Gebäck mit Schwarztee, Schafskäse und Oliven serviert. Es wird zu jeder Tageszeit gegessen, beim Frühstück auch mit Gelee, Marmelade oder Käse und schmeckt sehr gut!

Mit Mosaikkunst vom Feinsten erwartet uns nach der mittäglichen Erfrischung die weltberühmte Hagia Sophia, einst größte Kirche der Christenheit, dann Moschee und heute Museum. Leider ist sie bei unserem Besuch im Innern zur Hälfte eingerüstet. So berühmt wie unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel sind wir leider nicht, denn bei deren letztem Besuch hier wurde das Gerüst extra entfernt. So berichtet jedenfalls die Reiseleiterin.

Hagia Sophia
Hagia Sophia
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Die Hagia Sophia zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Welt, seit 1985 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe. Sie hat eine wechselvolle Geschichte: Bereits im Jahr 360 n.Chr. wurde die Basilika von Konstantin I. geweiht und hieß zuerst "Große Kirche", später dann "Kirche der göttlichen Weisheit". Sie wurde im Laufe der Geschichte oft zerstört bzw. fiel Bränden zum Opfer. Schon sehr früh wurde sie als Staatskirche genutzt. Seit 641 war sie Krönungskirche aller byzantinischen Herrscher. Mit der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 durch die Osmanen wurden christliche Insignien, Inneneinrichtung, Dekorationen und Glocken der Hagia Sophia entfernt. Der Mihrab, die gegen Mekka gewandte Gebetsnische wurde in der Apsis platziert, links davon befindet sich die Sultansloge, zur Rechten der Minbar, die Kanzel. Neben dem Minbar schließt sich der Krönungsplatz an. Man vermutet, dass hier einst der Thron nach obender byzantinischen Kaiser stand. Bei der Umwandlung in eine Moschee wurden viele Anbauten hinzugefügt, darunter vier Minarette. 1934 wurde die Hagia Sophia auf Anregung des ersten türkischen Ministerpräsidenten Mustafa Kemal Atatürk (1881 - 1938) als Museum zugänglich gemacht.

Die Hagia Sophia ist beeindruckend, überwältigend. Ein Gang auf die Empore darf nicht fehlen, da sich hier der Eindruck des Gigantischen nochmals verstärkt!

Cisterna Basilica - Yerebatan Sarayi
Cisterna Basilica - Yerebatan Sarayi
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Nur wenige Gehminuten westlich der Hagia Sophia befindet sich die "Cisterna Basilica", türkisch Yerebatan Sarayi, der "Versunkene Palast", eine unterirdische römische Zisterne, ein Relikt von Kaiser Justinian aus dem 6. Jahrhundert. Die Yerebatan Zisterne ist rund 170 m lang und knapp 70 m breit. Das Deckengewölbe wird von 336 in 12 Reihen angeordneten und 8 m hohen Säulen getragen. Auf hölzernen Stegen, begleitet von leiser klassischer Musik und Wassertropfen, die von der Decke herabfallen, kann man durch dieses Labyrinth "wandern". Am hinteren Ende der Zisterne befinden sich zwei Medusenhäupter, die als Säulensockel dienen und ein begehrtes Fotomotiv darstellen. Sich in eine Warteschlange einreihen ist hier angesagt. Bekannt wurde die Zisterne übrigens durch den James Bond Streifen "Liebesgrüße aus Moskau" sowie "Spion wider Willen" im Jackie Chan Film.

Galata-Turm
Galata-Turm
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Mit dem Besuch der Zisterne endet das heutige offizielle Besuchsprogramm. Per Bus geht es zurück Richtung Hotel. Wir lassen uns am Marmara-Hotel in der Nähe des Hotel de Londres im Stadtteil Beyoğlu absetzen und gehen zu Fuß in Richtung Galata-Turm. Den würden wir gerne besteigen, um von oben eine 360° Panoramasicht auf Istanbul zu genießen.

Der Turm wurde im Jahre 507 erbaut und ist 70 m hoch. Ursprünglich wurde er als Leuchtturm eingesetzt. Für die Genuesen war er Teil ihrer Befestigungsanlagen und die Osmanen benutzten ihn als Wachtturm und später als Gefängnis.

Dass sich der Turm bei Touristen größter Beliebtheit erfreut, sehen wir beim Anblick der Riesenschlange vor dem Kartenschalter. Hier zu warten, ist sinnlos, zumal wir gegen 19.00 Uhr zum gemeinsamen Abendessen verabredet sind. Wir kehren also unverrichteter Dinge zurück, bummeln gemütlich über die Istiklal Caddesi und "studieren" die vielen Schaufensterauslagen (und die Preise!). Dem Kauf von Feigen können wir nicht widerstehen. Allmählich wird es dunkel und die Shoppingmeile ist weihnachtlich erleuchtet. So mutet es uns an; aber die Reiseleitung erzählt dann später, dass diese Beleuchtung das ganze Jahr über nicht ausgetauscht wird.

Um 19.00 Uhr sind wir mit der Reisegruppe im "Blauen Engel" - Mavi Melek Restaurant - verabredet. Es findet ein gemeinsames Abendessen mit türkischen Spezialitäten statt. Das Restaurant hat sehr gute Kritiken im Internet und ist vielen Istanbul-Kennern ein Begriff.nach oben Und das mit Recht! Bei den vielen Gängen, die serviert werden, verliere ich mal wieder den Überblick, zumal es keine gedruckte Menu Folge gibt. Dennoch: Es hat ausgezeichnet geschmeckt und der Besuch im Restaurant war ein schöner Abschluss dieses Besuchstages!