Topkapi-Palast, Blaue Moschee und Basar


Mo, 14. Oktober 2013

Der Wecker klingelt um 6.00 Uhr, für uns als gewohnte Frühaufsteher nichts Besonderes. Um 8.00 Uhr ist Treffpunkt am Bus vor dem Hotel. So haben wir genügend Zeit, in Ruhe zu frühstücken, worauf wir grundsätzlich immer großen Wert legen. Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen, so dass ein guter Start in den Tag vorprogrammiert ist.

Wie bei Studiosus nicht anders zu erwarten, sind alle Reiseteilnehmer pünktlich und wir können wie vereinbart pünktlich losfahren. Heute werden wir nach der Besichtigung des Topkapi-Palastes, der Blauen Moschee und des Großen Basars auch noch einen Abstecher zum Ägyptischen Basar machen, denn die Basare sind am morgigen Dienstag und den nachfolgenden 3 Tagen geschlossen. Der Grund: Kurban Bayrami. das Opferfest, das höchste islamische Fest. Es dauert 4 Tage, in diesem Jahr vom 15. - 19. Oktober. Mit dem 'Īd al-fitr, dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Fastenmonats Ramadan, gehört es zu den bedeutendsten Festlichkeiten im Islamischen Jahreskreis.

Doch zurück zu unserem Programm: Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Istanbul ist der Topkapi-Palast, vier Jahrhunderte lang der Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches. Von hier aus führte der Sultan seine Geschäfte und hier fand auch sein Privatleben statt.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Irenenkirche
Irenenkirche Topkapi-Palast
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Der Palast liegt auf der Landspitze der Halbinsel und bietet eine grandiose Panoramasicht auf Istanbul, das Goldene Horn und den Bosporus. Mit seinem Bau wurde kurz nach der Eroberung Konstantinopels - so hieß Istanbul früher - begonnen; fertiggestellt wurde der Palast 1478. Topkapi bedeutet "Kanonentor" und so verdankt der Palast seinen Namen den Kanonen, die im 15. Jahrhundert an der Spitze der Halbinsel aufgestellt wurden. Der Palast besteht aus mehreren Gebäuden und einem Garten, alles auf einer Fläche von fast 70 ha verteilt. Das gesamte Areal bot über 5000 Bewohnern Platz und war eine eigene Stadt. Unterteilt ist der Palast in vier Höfe, die durch eigene Tore betreten werden. Den ersten Hof betreten wir durch das "Reichstor" oder auch "Kaiserliches Tor" genannt und sehen direkt zur Linken die Irenenkirche, die im ersten Jahrhundert n.Chr. als erste Kirche Konstantinopels erbaut wurde. Die "Hagia Irene" ist nur noch anlässlich von Konzerten und Ausstellungen geöffnet.

Tor der Begrüssung
Tor der Begrüssung
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Durch das zweite Tor, das "Friedenstor" oder "Tor der Begrüßung" kommen wir in den zweiten Hof, in dem sich einst Verwaltungsräume befanden. Auch die Palastküchen waren hier in einem lang gestreckten Trakt untergebracht. Mehrere hundert Personen konnten in kürzester Zeit mehrere tausend Essen zubereiten. Gegenüber den Palastküchen erhebt sich der 42 m hohe "Turm der Gerechtigkeit". Hier wurden Gesetze, Protokolle und Urkunden unterzeichnet; der Sultan konnte hinter einem vergitterten Fenster den Beratungen zuhören, ohne von jemanden gesehen zu werden.

In den dritten Hof gelangen wir durch das "Tor der Glückseligkeit". Der Hof durfte nur nach ausdrücklicher Erlaubnis betreten werden. Hier befand sich der Thronsaal für Empfänge der höchsten Staatsbediensteten, der Wesire, und ausländischer Gäste. Beiderseits des Tores war die Palastschule, wo der Nachwuchs für die Staats- und Verwaltungsberufe ausgebildet wurde. Wie der Name "Tor der Glückseligkeit" schon aussagt, befand sich hier auch der Harem, der Verbotene Ort (aus dem Arabischen  haram = verboten, tabu). Dort waren die Privatgemächer des Sultans und seiner Haremsdamen, bis zu 2000 Frauen, die unter der Leitung der Sultansmutter in ihrennach oben Räumen lebten. Der gesamte Bereich war für Außenstehende unzugänglich. Von der Inneneinrichtung ist nicht mehr viel zu sehen, die Räume sind jedoch noch mit Fliesen, Wandmalereien und Mosaiken reich verziert.

Natürlich erfahren wir bei unserer Besichtigung zahlreiche Details über das Leben in diesem Teil des Palastes, dessen Bau zur Zeit von Süleyman dem Prächtigen (um 1500) begonnen wurde und bei Fertigstellung aus mehr als 300 ineinander verschachtelten Räumlichkeiten bestand. Der erste Hof ist der der Schwarzen Eunuchen. Der Schwarze Obereunuch hatte eine besonders vertrauensvolle Stellung. Er pflegte enge Beziehungen mit den Herrschenden und den Haremsdamen. Das Haupttor führte in den bewachten Kernbereich des Harems.

Innenhof der Sultansmutter
Zentraler Innenhof der Sultansmutter
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Der Harem des Topkapi-Palastes unterlag strengen Regeln und klaren Hierarchien. Die Zimmer mit Aussicht gehörten den Prinzenmüttern. Je luxuriöser und größer die Zimmer, desto höher die Stellung ihrer Bewohnerin im Machtgefüge. Die wichtigste von allen, die mächtigste Frau im gesamten Osmanischen Reich, war die "Valide Sultan", die Sultansmutter. Ihre prachtvollen Gemächer lagen direkt neben denen des Herrschers. Die Valide Sultan beriet ihren Sohn in Regierungsfragen, versuchte ihn vor Intrigen zu schützen und suchte aus der Schar der Haremsdamen auch seine Favoritinnen aus. Die Ehefrau, die dem Herrscher einen Sohn gebar, konnte sich Hoffnungen machen, eines Tages selbst zur Valide Sultan aufzusteigen. Es soll vorgekommen sein, dass die ein oder andere Prinzenmutter der Kindersterblichkeit etwas nachhalf, um den Weg für den eigenen Sohn freizumachen. Die meisten Haremsdamen - ausgewählt im Alter zwischen fünfzehn und zwanzig Jahren - bekamen den Herrscher ihr Leben lang niemals zu Gesicht. Sie warteten, rauchten Opium, und langweilten sich, eigentlich ein sehr trostloses Leben! Viele Konkubinen waren Georgierinnen und Russinnen und für ihre Schönheit bekannt.

Der vierte Hof der Palastanlage, der Tulpenhof, beherbergt Parkanlagen, Gärten und Pavillons. Hier befindet sich auch ein Restaurant mit einer Terrasse, die einen schönen Blick auf den Bosporus bietet. Nach dem allgemeinen Besichtigungsprogramm erholen wir uns hier bei einer kleinen Brotzeit. Danach ist noch bis 13.00 Uhr genügend Zeit, alleine durch die Palastanlagen zu schlendern.

Vom Topkapi-Palast gehen wir zu Fuß zur ca. 500 m entfernten  Sultan-Ahmed-Moschee, neben der Hagia Sophia das bekannteste Bauwerk Istanbuls, Istanbuls Hauptmoschee. Wegen ihrer vorwiegend blauen Iznik-Fayencen und ihrem in blau gemalten Dekor ist sie auch unter dem Namen "Blaue Moschee" bekannt.

Blaue Moschee
Blaue Moschee Istanbul
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Es war Sultan Ahmet I (1603 - 1617), der sich mit dem Bau der Moschee ein Denkmal setzen wollte, das die exponiert gelegene Hagia Sophia noch übertreffen sollte. Trotz der zahlreichen Moscheen in Istanbul ist die Blaue Moschee im Stadtbild leicht an ihren 6 Minaretten zu erkennen. Nur die Prophetenmoschee in Medina mit 10 und die Hauptmoschee in Mekka mit 9 Minaretten haben mehr Minarette als die Sultan-Ahmed-Moschee. Der Bau von 6 Minaretten soll durch ein angebliches Missverständnis zustande gekommen sein. Es sollten goldene Minarette gebaut werden. Doch da Geldknappheit herrschte, nutzte der Baumeister den Gleichklang der Worte "altin" (golden) nach obenund "alti (sechs) und baute 6 Minarette. Die Moschee wurde 1616 nach 7-jähriger Bauzeit fertig. Mit Papst Benedikt XVI. betrat im November 2006 erstmals ein Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche das islamische Gotteshaus.

Bevor wir die Moschee betreten, müssen die Schuhe ausgezogen werden und die Frauen müssen ihre Haare mit einem Kopftuch bedecken. Die Schuhe werden hier nicht wie oft üblich in ein Regal gestellt, sondern in bereitliegende Plastikbeutel gesteckt und mitgeschleppt. Nach Ende der Besichtigung können die Plastikbeutel entsorgt werden.

Blaue Moschee
Blaue Moschee Istanbul
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Das Innere der Moschee wirkt grandios, beeindruckend, ja fast überwältigend. Wände, Bögen und Gewölbe sind mit bunten Ornamenten geschmückt. Besonders an den unteren Wandpartien dominiert blaues Fliesendekor. Sie zeigen stilisierte Pflanzen wie Lilien, Tulpen und Rosen. Entscheidend für die Raumwirkung ist die Hauptkuppel, die einen Durchmesser von 23 m aufweist. Ihr Scheitel erreicht die Höhe von 45 m. Der ganze Innenraum wirkt hell und lichtdurchflutet. Wir hören eine Weile den Erläuterungen der Reiseleiterin zu, lassen aber dann die Moschee in ihrer Gewaltigkeit und Schönheit auf uns wirken. Es ist einfach nur beeindruckend!!

Das Hippodrom
Das Hippodrom in Istanbul
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Nächster Besuchspunkt ist das Hippodrom, heute der Sultan-Ahmed-Platz, einst der Schauplatz für sportliche Spiele. Was das Kolosseum für Rom, war das Hippodrom für Byzanz. Das Hippodrom wurde ca. 203 n. Chr. von Kaiser Severinus Septimus gegründet und diente vor allem als Pferderennbahn. Man nimmt an, dass sie Plätze für fast 5000 Besucher bot. Sie war umgeben von Bronzestatuen, die berühmte Pferde und Wagenlenker darstellten. Auf dem Dach der Tribüne des Kaisers thronten 4 bronzene Pferdestatuen, die irgendwann im Verlaufe von Kreuzzügen zur Kriegsbeute wurden und heute vor dem Markusdom in Venedig stehen. Auf dem Sultan-Ahmed-Platz ist von alledem nur noch ein kläglicher Rest zu sehen. Die älteste Säule ist der ägyptische Obelisk von Theodos aus dem 15. Jahrhundert, von der Schlangensäule, die ursprünglich in Delphi stand, ist nur noch der Rumpf aus drei Schlangenkörpern vorhanden.

Grand Bazaar, Kapali Carsi
Grand Bazaar, Kapali Carsi
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Unser Besuchsprogramm ist wegen des morgigen Feiertags dicht gedrängt und so geht es auch schon weiter zum Großen Basar, "Kapali Carsi", mitten in der Altstadt von Istanbul. Wir haben schon viele orientalische Märkte gesehen. Hier ist dasselbe Bild: Ein Labyrinth aus Gassen und Durchgängen, mehr als 4000 Läden, wobei nach orientalischer Tradition noch viele Handwerkszünfte ihren eigenen Bereich haben. So finden sich Silber- und Goldgeschäfte, Töpferwaren, Lederwaren-Anbieter, Teppichhändler, Bekleidungsgeschäfte, Souvenirartikel und und... Viel Kitsch und Krempel! Wie die Ladenbesitzer ihr Warenangebot noch selber überblicken, bleibt rätselhaft. Und überall Massen von Touristen. Wie kann es anders sein. Wir müssen achtgeben, dass wir die Reiseleitung in dem Gewirr nicht verlieren. Zeit, alleine einen Rundgang zu machen, bleibt in jedem Fall. Aber unser Kaufinteresse ist gering. Eine Teepause tut gut; wir lassen uns in einem Teehaus nieder und genießen einen Cay! Danach erwachen wieder die Lebensgeister und wir sind fit für den nächsten, den Ägyptischen Basar.

Gewuerzbasar
Ägyptischer Basar, auch als Gewürzbasar bekannt
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Der teilweise überdachte Ägyptische Basar, der Gewürzbasar, liegt in der Nähe der Galatabrücke im Stadtteil Eminonü und ist einer der ältesten Märkte Istanbuls. Die Zeiten, in denen hier überwiegend mit Kräutern. Heilpflanzen und wertvollen Aromen gehandelt wurde, gehören allerdings der Vergangenheit an. Textilwaren, Haushaltswaren, Lebensmittel, Obst und jede Menge Süßigkeiten warten auf Käufer! Wir gehen einmal mit der Gruppe durch den Basar und besuchen dann alleine den Käsebasar. Wegen des morgigen Feiertags ist hier jede Menge los!

Wie schon erwähnt, liegt der Ägyptische Basar in unmittelbarer Nähe der Galatabrücke. Wir nutzen die freie Zeit und gehen auf die Brücke, um von hier ein paar Fotoaufnahmen zu machen und den vielen Anglern zuzuschauen, bevor uns dann am späteren Abend der Bus wieder ins Hotel zurückbringt. Heute ist kein gemeinsames Essen vorgesehen. Wir sind nicht mehrnach oben allzu unternehmungslustig, da der Tag doch recht lang und anstrengend war. Deshalb essen wir bequemlichkeitshalber im hoteleigenen Restaurant Portofino und machen noch abschließend einen kleinen Spaziergang in Hotelnähe. Das war's für heute.