Agra: Itmad-Ud-Daulah - Rotes Fort - Taj Mahal

Do, 09.11.2017

Wir nehmen Kurs auf eine der berühmtesten Städte Indiens: Agra, Traum in Marmor!

Agra wurde während der Regentschaft von Akbar berühmt. Er baute das Fort und machte Agra zum Sitz eines der mächtigsten und reichsten Königreiche. Im 17. Jahrhundert erlebte Agra dann unter der Regentschaft von Shah Jahan, des Enkelsohns von Akbar, seinen Höhepunkt als Stadt der unsterblichen Architektur. Es war das Zeitalter des Marmors, das seinen Höhepunkt im Taj Mahal fand. Sandstein wurde durch Marmor in feinster Form ersetzt. Von 1632 - 1637 residierte Shah Jahan hier und nannte die Stadt Akbarabad.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Agra
Agra - der erste Eindruck von der Stadt
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Doch fangen wir der Reihe nach an. Die Entfernung Gwalior - Agra beträgt 120 km. Gegen Mittag kommen wir in Agra an. Der erste Eindruck von der Stadt ist nicht gerade überwältigend: Die Stadt liegt im Dunst, sie ist dreckig und hässlich. Die Luftbelastung ist extrem hoch. Die Stadtverwaltung könnte mehr für ihre Stadt tun, meint der Reiseleiter.

Baby Taj
Baby Taj - Itmad-ud-Daulah in Agra
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Wir steuern als erstes das Itmad-Ud-Daulah Mausoleum an, bekannt auch als Baby-Taj. Das berühmte Mausoleum liegt am linken Ufer des Yamuna Flusses und wurde von Nur Jahan für ihren Vater Mirza Ghias Beg (genannt Itmad-ud-Daulah) und ihre Mutter errichtet. Die Eltern von Mumtaz Mahal liegen auch in einem der Nebenräume begraben. Das Mausoleum steht in einem weitläufigen Garten mit grünen Zypressen. Das Grabmal selbst steht auf einer Plattform mit achteckigen Türmen an jeder Ecke. Es stellt höchste Mogulkunst des 17. Jahrhunderts dar und ist praktisch der Taj Mahal in Miniatur, auch aus weißem Marmor mit feinsten Einlegearbeiten koloriert - das erste Mogul-Bauwerk vollständig aus weißem Marmor. Wir bekommen einen Vorgeschmack auf den Taj Mahal! Doch die Spannung wird noch etwas gesteigert, denn wir besuchen als nächstes das Rote Fort auf der rechten Seite des Yamuna Flusses zwei Kilometer vom Taj Mahal entfernt.

Das Rote Fort in Agra
Aufgang zum Roten Fort in Agra
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Das Rote Fort ist eine Festungsanlage aus der Epoche der Mogulkaiser und diente im 16. und 17. Jahrhundert als Residenz der Moguln. Es wurde 1983 in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Entworfen und gebaut wurde die Festung von Akbar dem Großen, erweitert wurde sie von seinem Sohn Jahangir und seinem Enkel Shah Jahan. Akbar errichtete eine 2,5 km lange Doppelmauer aus rotem Sandstein als Schutzwall.

Eingang Rotes Fort
Eingang Rotes Fort - Amar Singh Gate
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Zwei Tore führen ins Innere, das Delhi Gate im Westen, der frühere Haupteingang, und das Amar Singh Gate, durch das wir die Festung betreten. Während Akbar vornehmlich mit rotem Sandstein bauen ließ, bevorzugte sein Enkel Shah Jahan weißen Marmor aus der Region Makrana (Rajasthan) mit Verzierungen aus Glas und Halbedelsteinen als Baumaterial. Es gibt demnach im Fort Sandstein-Konstruktionen auf der einen und Marmor Konstruktionen auf der anderen Seite.

Jahangiri Mahal
Jahangiri Mahal Agra
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Wir besuchen als erstes den Jahangir Palast (Jahangiri Mahal). Dieser große Sandsteinpalast wird als der schönste und bedeutendste Palast in der Festung betrachtet. Malerische Konsolen, vorspringende Dachrinnen und geschnitzte Täfelungen, Nischen und Säulen aus rotem Sandstein sind mit Vögeln, Lotus und anderen Schnitzereien verziert. Man nimmt an, dass der Palast von Jahangir für seine Rajput-Ehefrau Jodha Bai erbaut wurde. Weil Jahangir mit dem unbeschreiblichen Reichtum der Schnitzereien nicht zufrieden war, ließ er jeden Zentimeter der Wände und Decken dieses Palastes mit weiteren glänzenden Farben und Goldblatt schmücken. Geld war anscheinend genug da!

Jahangiri Mahal
Jahan Ara Pavillion
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Der nächste Teil der Anlage, den wir besuchen, wurde 1636 von Shah Jahan erbaut und heißt Khas Mahal; hier waren die Privatgemächer des Königs und seiner Töchter. Insgesamt sind es drei Marmorpavillons mit reichhaltigen Schnitzereien an Säulen und Bögen und goldenen Dächern im bengalischen Stil. Durch die Gitterfenster geben sie den Blick frei auf den Yamuna und den Taj Mahal. Leider war es bei unserem Besuch sehr diesig, so dass man den Taj Mahal nur schemenhaft sehen konnte.

Musamman Burj
Musamman Burj
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Im achteckigen Turm Musamman Burj hielt Aurangzeb, der Sohn Shah Jahan, seinen Vater bis zu dessen Tod wegen seiner Verschwendungssucht gefangen. So musste Shah Jahan  seine letzten acht Lebensjahre unter "Hausarrest" hier im Fort mit Blick auf seinen geliebten Taj Mahal verbringen. Nach seinem Tod beerdigte Aurangzeb seinen Vater neben seiner so verehrten Frau in einer Gruft des Taj Mahal. 

Audienzhalle
Audienzhalle
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Ein paar Schritte vom Turm entfernt steht die Private Audienzhalle Diwan-e-Khas, der Ort, an dem der Mogulkaiser Höflinge und Staatsgäste empfing. Sie besteht aus einer äußeren und einer inneren Halle, die durch Gewölbegänge verbunden sind.

Unsere heutige Mittagspause verbringen wir in der Schleiferei Akbar International in Agra. Es erwartet uns neben Tee und einem Imbiss eine höchst interessante Führung sowie ein Vortrag über die Kunst von Parchinkari, von der wir bis dato noch nie gehört hatten.

Parchinkari
Parchinkari - Intarsien im Marmor
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Die Kunst von Parchinkari - das Bearbeiten des Marmors, das Herstellen der Intarsien und das Einarbeiten in den Marmor - hatte im frühen 17. Jahrhundert mit Shah Jahan begonnen, der sein größter Förderer und Pionier war. Diese Kunst ist von einer italienischen Kunstform abgeleitet, die als Pietra Dura bekannt ist. Die europäischen Reisenden kauften Pietra-Dura-Arbeiten als Geschenke für Shah Jahan. Der Mogulkaiser war beeindruckt von der Technik und integrierte sie sofort in seine architektonischen Bestrebungen. Er veredelte und perfektionierte die Technik, die in Indien als Parchinkari bekannt wurde, über mehrere Jahre. Die eingelegten Steinstücke wurden kleiner und Edelsteine ​​wurden in die Meisterwerke eingefügt. Der Taj Mahal ist das leuchtende Beispiel für die Vollkommenheit, mit der Parchinkari während der Herrschaft von Shah Jahan ausgeführt wurde. Das schönste Werk sind die Kenotaphe von Shah Jahan und Mumtaz Mahal in der inneren Grabkammer. Dort wiederholen sich die gleichen Blumen wieder mit der gleichen Anzahl von Steinen.

Parchinkari
Hier werden einzelne Arbeitsschritte demonstriert
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Diese schöne und wertvolle Kunst wurde seit der Mogulzeit durch Generationen von Parchinkaren weitergegeben und gedeiht noch immer in Agra nach mehr als 350 Jahren. Die Firma Akbar International arbeitet bis heute nach diesem Prinzip und verarbeitet Marmor aus den Steinbrüchen von Makrana, jener Gegend, aus der auch der Marmor für den Taj Mahal stammt. Der Preis der hier angebotenen Kunstgegenstände - Teller, Vasen, Tische, Wandteller etc. - richtet sich nach der Anzahl der eingelegten Intarsien und ist dementsprechend hoch. So liegt der Preis für einen Wandteller mit einem Durchmesser von 28 cm und 2180 Intarsien bei 520 €.

Mit so viel Wissen über die Marmorarbeiten steuern wir nun den zweiten Höhepunkt der Reise an: der Taj Mahal, Wahrzeichen Indiens, Denkmal der Liebe, Traum in Marmor, Juwel der Architektur, Bauwerk aus 1001 Nacht oder poetisch ausgedrückt "Eine Träne auf der Wange der Zeit" usw. usw....

Was ist nicht schon alles über den Taj Mahal geschrieben worden! Für die Inder und den Rest der Welt (?) ist es ein Bauwerk von auserlesener Schönheit und Harmonie, das mit keinem anderen Bauwerk auf der Welt gleichgestellt werden kann. Doch bevor wir dieses Wunder der Architektur betrachten dürfen, müssen wir zunächst eine Sicherheitsschleuse passieren und werden auch noch abgetastet! Auf einer riesigen Tafel stehen eine Unmenge von Verboten (ich habe 24 "Prohibited Items" gezählt), so dass wir nur mit Kamera, Ersatz-Akkus, Ersatz-Speicherkarten und einer Flasche Wasser ausgerüstet die Anlage betreten. Dieter hat schon gleich seine Videokamera im Bus zurückgelassen, denn Videofilmen ist auch verboten.

Haupttor Taj Mahal
Haupteingangstor zum Taj Mahal
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Das Haupttor zum Taj Mahal ist ein dreistöckiger Bau, der mit ornamentalen Einlegearbeiten und Inschriften aus dem Koran verziert ist. Die Buchstaben sind der Größe nach stufenweise angepasst, um von unten nach oben gleich groß zu erscheinen. Die 22 kleinen Kuppeln stehen für die Anzahl der Jahre, die für den Bau notwendig waren. Schon vor dem Haupttor wird uns klar, dass es keine Fotos geben wird ohne Menschen! Der Touristenansturm ist gewaltig!

Taj Mahal
Taj Mahal
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Das Haupttor mit der Terrasse gibt den Blick frei auf den Taj Garten und das Denkmal! Hier erkämpfen wir uns zuerst eine Position, von der aus wir in Ruhe die Gesamtanlage auf uns wirken lassen können. Ich muss schon sagen, es ist einfach phänomenal, grandios !!

Der Taj Garten ist in einem formalen Stil angelegt. Ein Wasserkanal teilt den gemauerten Weg zum Taj, daneben stehen links und rechts eine Reihe von Zypressen. Die Mitte des Wasserlaufs nimmt eine 6m hohe Marmorplattform mit Lotusbecken ein. Am Ende des Wasserlaufs auf einer 100 x 100 Meter hohen Plattform ebenfalls aus Marmorplatten erhebt sich dann das Monument. Die gesamte Anlage ist unter dem Aspekt größter Symmetrie gebaut worden. Man sagt, dass der Bauplatz oberhalb des Yamuna-Flusses so gewählt worden sei, dass das strahlend weiße Monument im Kontrast zum blauen Himmel erscheint ohne störende Gebäude im Hintergrund.

Marmorgitter im Mausoleum
Marmorgitter um die Grabstätten im Taj Mahal
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Als ausländische Touristen hat Studiosus für die Reiseteilnehmer einen deutlich höheren Eintrittspreis bezahlt als für Einheimische, so dass wir auf einem wesentlich kürzeren Weg in das Mausoleum gehen können. Vorher müssen noch Schuh-Überzieher angezogen werden. Die Grabmäler im Zentralraum sind Kenotaphe, der Kenotaph von Mumtaz Mahal nimmt die Mitte des Marmorbodens ein, die andere Grabstätte an ihrer Seite ist die ihres Gatten Shah Jahan. Beide Gräber sind aus weißem Marmor und mit vielen Einlegearbeiten aus Halbedelsteinen versehen. Sie sind von einem weißen Gitter aus Marmor umschlossen. Die wirklichen Grabstätten liegen unter der unter der Hauptkammer liegenden Krypta, zu der die Öffentlichkeit aber keinen Zutritt hat. In jenen Tagen war es Brauch, zwei Grabmäler zu bauen, ein reales und eine Replik darüber, damit niemand über das wirkliche Grab gehen konnte. Bei unserem Besuch war der Zentralraum sehr stark abgedunkelt, aus welchen Gründen auch immer und wir wurden auf einem vorgegebenen Weg um die Grabmäler geschleust. Das hat uns stark gestört, war aber bei der Vielzahl an Touristen sicher anders nicht möglich.

Die vier um das Hauptgebäude herum angeordneten Minarette sind leicht geneigt, damit sie bei einem Erdbeben nicht auf das Hauptgebäude stürzen. Im Westen, in der Richtung von Mekka steht eine Moschee. Symmetrisch dazu liegt im Osten ein Gästehaus mit gleichem Grundriss.

Taj Mahal
Taj Mahal
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Nach etlichen Fotoaufnahmen und auch einer Gruppenaufnahme setzen wir uns auf eine Parkbank in der Nähe des Haupttores und genießen den Blick auf das Mausoleum. Zum Gedenken an seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, die bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war, ließ der Mogulkaiser das prunkvolle Grabmal errichten. An seinem Bau in den Jahren 1631-1653 (ein Jahr nach dem Tod seiner Frau) sollen 1000 Transportelefanten, 20.000 Handwerker und Bauern gearbeitet haben, wobei die Baumaterialien aus ganz Indien und halb Asien kamen. Die Tatsache, dass das Bauwerk Unsummen von Geld verschlang (man spricht von 31 Millionen Rupien) soll wohl auch ein Grund für die gewaltsame Machtergreifung durch Aurangzeb, den Sohn Shah Jahans, gewesen sein. Er ließ seinen Vater wie schon erwähnt 1658 ins Gefängnis werfen, wo dieser 1666 verstarb.

Wie jeden Tag auf dieser Reise sind wir bestens untergebracht, dieses Mal im Hotel Trident in Agra. Wir haben stets genügend Zeit vor dem abendlichen Buffet, um uns zu erfrischen und den Tag in Ruhe Revue passieren zu lassen. Wir fühlen uns nie gehetzt.