Delhi: Kolonialflair und Moscheen

Fr, 03.11.2017

Die Nacht ist recht kurz und so richtig zur Ruhe kommen wir nicht. Vielleicht spielt auch ein wenig Aufregung eine Rolle. So stehen wir schon um 7.30 Uhr auf, sortieren noch unsere Sachen, wozu wir heute Nacht keine Lust hatten, probieren das WLAN aus und verschicken schnell ein paar Mails an unsere Lieben zu Hause. Dann geht's zum Frühstück. Wir erhalten einen schönen Tisch für 2 Personen mit Blick auf die Gartenanlagen des Hotels und den Swimmingpool. Kaffee und Tee werden gereicht, ansonsten steht ein riesiges Frühstücksbuffet zur Verfügung, das nicht nur asiatischen sondern auch westlichen Vorlieben gerecht wird.

Um 10.30 Uhr treffen wir auf unseren Reiseleiter, Herrn Harald Keller, und die anderen Reiseteilnehmer. Unsere Gruppe besteht aus 20 Teilnehmern, 6 Paare und 8 Alleinreisende. Herr Keller ist Indologe, spricht Hindi und ist spezialisiert auf Süd- und Südostasien. Ein großer Reisebus steht startklar vor dem Hotel. Es werden noch Audiosets und Auflade Geräte verteilt und schon beginnt unsere Sightseeingtour durch Delhi. Die Stadt besteht in Wirklichkeit aus zwei Teilen: Old Delhi war zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert die Hauptstadt des muslimischen Indiens. So findet man hier viele Moscheen, Denkmäler und Festungen, die einen Bezug zur muslimischen Geschichte haben. Das andere Delhi ist New Delhi, eine Großstadt, die von den Briten als Hauptstadt Indiens geschaffen wurde und viele Botschaften und Regierungsgebäude beherbergt.

Kaum haben wir das Hotel verlassen, lernen wir auch schon den indischen Straßenverkehr kennen: Verkehrsregeln wie „Rechts vor Links“ bzw. "Links vor Rechts" (bei Linksverkehr) scheint es nicht zu geben. Vielmehr gilt die Regel „der Stärkere hat Vorfahrt“. In Bildern gesprochen reicht der Verkehr einem riesigen Ameisenhaufen, in dem jede Ameise (Auto) sich ihren Weg bahnt ohne die nächste anzustoßen. Genauso läuft es in Indien, und wir bemerken schnell, dass das besser geht, als man es vermutet hätte. Jedenfalls haben wir auf der ganzen Reise keinen einzigen Unfall gesehen. Gehupt wird grundsätzlich immer und als Folge ist entsetzlicher Krach auf den Straßen. Dennoch scheint das Hupen einen tieferen Sinn zu haben: z.B. als Warnzeichen vor einer Kurve, als Ankündigung, dass man überholen will oder auch als Aufforderung für den Vordermann, Platz zu machen. Exzellent fahren die vielen Tuk-Tuks, die sich in jede erdenkliche Lücke quetschen. Manchmal - so scheint es - passt nur noch ein Blatt Papier zwischen Bus und Tuk-Tuk. Bei der Fahrt zum ersten Besichtigungspunkt, dem Humayun-Mausoleum im muslimischen Teil von Delhi, geraten wir auch noch wegen irgendeiner Großkundgebung in einen riesigen Verkehrsstau und können auf der Fahrt dorthin das India Gate nur von weitem sehen. Ein Aussteigen wäre wegen des Verkehrs zu zeitaufwendig gewesen.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Humayuns Tomb
Humayuns Tomb
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Humayun war der zweite Mogulkaiser (1508-1556). Seine Grabstätte wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut und zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Allgemein sieht man in Humayuns Tomb den architektonischen Vorläufer des Taj Mahal. Humayuns Witwe, in Persien geboren und Mutter des späteren Mogulkaisers Akbar, ließ es nach dem Tod ihres Mannes in 9 Jahren Bauzeit von persischen Baumeistern errichten. Anders als beim Taj Mahal hat hier also eine Frau ein Denkmal der Liebe errichtet. Das Grabmal stellt ein frühes Beispiel für die Mogularchitektur dar. Das quadratische Gebäude mit der zwiebelförmigen Kuppel ist von einem riesigen Garten umgeben. Die Fassaden wurden kunstvoll mit Marmorintarsien verziert. Vier große Bogenportale führen in den schlichten Innenraum, unter dem die eigentliche Grabkammer liegt. Humayuns Gattin ist auch hier bestattet.

Isa Khan Tomb
Isa Khan Tomb
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Weitere Grabstätten befinden sich auf dem Gelände, so das Grabmal des Barbiers von Humayun. Außerhalb des Mogulgartens und näher am Eingangsbereich fällt ein achteckiges Gebäude auf, der Isa Khan Tomb. Der Adelige Isa Khan diente unter Sher Shah, dem afghanischen Herrscher, der Humayun vom Thron verjagt hatte. 

Jama Masjid
Jama Masjid
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Auf unserer weiteren Tour durch Old Delhi steht die Freitagsmoschee Jama Masjid. Sie erhebt sich 1 km westlich des Roten Forts auf einem Felsen liegend weit über das Häusermeer von Alt-Delhi und ist dem gleichermaßen kunstsinnigen wie prunksüchtigen Shah Jahan zu verdanken. Sie ist die größte Moschee Delhis und ganz Indiens. Der Baubeginn erfolgte 1644. Die Moschee besitzt drei Eingangstore, vier Ecktürme und zwei Minarette, die 40 m hoch sind und aus rotem Sandstein und weißem Marmor erbaut wurden. Der Hof der Moschee kann 25 000 Menschen Platz bieten.

Jama Masjid - Freitagsmoschee
Jama Masjid - Freitagsmoschee
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Eine große Flucht von Stufen führt hinauf zum imposanten Eingang. Hier müssen wir zuerst unsere Schuhe hinterlassen und zudem je 300 Rupien für Fotoapparat und Videokamera berappen. Trotz schulterbedeckender Kleidung bekommen noch alle Frauen einen weiten Umhang verpasst. Das Innere der Moschee besteht aus einer langgezogenen arkadenartigen, mit Teppichen ausgelegten Halle. An nach Mekka ausgerichteten Nischen beten die Gläubigen. Die Halle ist zum Innenhof offen. In der Mitte des Innenhofes gibt es einen schönen Marmorbrunnen für Waschungen und rundum befindet sich an den drei offenen Seiten ein Arkadengang. Durch die Fenster dort hat man einen Rundblick auf die engen, bevölkerten Straßen der Altstadt. Auf den Stufen des Arkadenganges sitzen indische Familien, bestaunen die Touristen und freuen sich, wenn gelegentlich Fotos von ihnen und ihren Kindern gemacht werden.

Raj Ghat
Raj Ghat - Gedenkstätte für Mahatma Gandhi
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Mittlerweile ist es schon 15.30 Uhr. Herr Keller, unser Reiseführer, bietet noch ein Highlight an, das nicht im Reiseprogramm steht: der Besuch des Gandhi Memorials Raj Ghat, die Krematoriumsstätte des legendären Vaters der indischen Unabhängigkeit, Mahatma Gandhi. Ein einfacher schwarzer Marmorblock markiert die Stelle, an der Mahatma Gandhi nach einem Mordanschlag verbrannt wurde. Ein fanatischer Hindu hatte ihn 1948 ermordet, weil er der Abspaltung des muslimischen Pakistans zugestimmt hatte.

Mit dem Besuch der Gedenkstätte endet das heutige Programm. Gegen 17.00 Uhr sind wir zurück im Hotel. Um 19.00 Uhr gibt es ein Abendbuffet. Zur Auswahl stehen westliche und indische Gerichte. Alles ist sehr appetitlich zubereitet und schmeckt ausgezeichnet!

Gegen 20.30 Uhr sind wir zurück in unserem Zimmer, packen noch unsere Koffer und sind dann froh, früh zu Bett gehen zu können. Die vorige Nacht war sehr kurz und morgen früh heißt es sehr früh aufstehen.