Beijing: Tian'anmen-Platz, Verbotene Stadt, Rikscha-Fahrt

Donnerstag, 17. 04. 2014

Heute heißt es für uns wieder Aufstehen um 6.15 Uhr und Frühstücken um 7.15 Uhr. Das ist reichlich Zeit, aber erstens sind wir Frühaufsteher und zweitens lieben wir keine Hetze am Morgen! Es ist unser letzter Tag in Beijing, heute Abend fahren wir mit dem Nachtzug nach Xi'an. Bis 9.00 Uhr müssen die Koffer zum Abholen vor die Zimmertür gestellt werden, denn sie werden in einem Extra-Abteil des Nachtzuges untergebracht. Im Nachtzug ist nur Handgepäck erlaubt!

Wir treffen uns um 9.30 Uhr im Foyer des Hotels. Draußen regnet es!! Schade, aber schönes Wetter kann man nicht mitbuchen. Die Regenschirme müssen herausgeholt werden.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Platz des Himmlischen Friedens
Tian'anmen-Platz, Platz des Himmlischen Friedens
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Heute besichtigen wir die Zentren kommunistischer und imperialer Macht in Beijing. Als erstes kommen wir zum Tian'anmen-Platz, dem absoluten Zentrum des sozialistischen Chinas. Eigentlich heißt der Platz "Tian'anmen Guangchang", was soviel wie "Platz am Himmelsfriedenstor" heißt, aber weltweit spricht man vom Platz des Himmlischen Friedens. Der Platz des Himmlischen Friedens wird an der Nordseite vom Tiananmen, dem Tor des Himmlischen Friedens, an der Westseite von der Großen Halle des Volkes, an der Ostseite vom Chinesischen Nationalmuseum und an der Südseite vom Denkmal für die Helden des Volkes begrenzt. Zu Beginn des Terrors der Kulturrevolution nutze Mao Zedong den Platz, um die jugendlichen Massen gegen Bildung und Kultur aufzuhetzen, was zur Ermordung tausender Lehrer und Professoren führte. Bis heute ist der Platz einer der größten Versammlungsplätze der Welt, er soll ein Fassungsvermögen von einer Million Menschen haben. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens fanden 1989 auch die Studentenproteste statt, die wenig später von der Regierung blutig niedergeschlagen wurden.

Mausoleum Mao Zedong
Mausoleum Mao Zedong
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Nach dem Tod Mao Zedongs im Jahre 1976 wurde auf dem südlichen Teil des Platzes ein Mausoleum errichtet, in dem seither der einbalsamierte Leichnam des großen Führers aufgebahrt ist. Wir waren 1998 im Mausoleum und konnten die sterblichen Überreste sehen. Im Innern darf man weder fotografieren noch stehen bleiben! Bei unserem Besuch heute stehen Tausende in der Warteschlange! Der Platz selber ist an mehreren Stellen abgesperrt. Ungefähr in der Mitte des Platzes hat man mehrere 50 m breite supermoderne LED-Bildschirme aufgestellt, auf denen die Verdienste des chinesischen Volkes herausgestellt und politische Ereignisse interpretiert werden, wie die Reiseleiterin erklärt. Rundum-Lautsprecheranlagen sorgen für die akustische Unterstützung. Wir empfinden diese Bildschirme und auch die Absperrungen (aus welchem Grund auch immer) als sehr störend, denn das Gefühl für die immense Größe des Platzes geht dadurch etwas verloren.

Leider ist uns nur eine halbe Stunde zum Fotografieren und Bestaunen gegönnt, dann ist auch schon Treffpunkt an der großen chinesischen Flagge. Die wird übrigens täglich zum Sonnenaufgang gehisst und zum Sonnenuntergang wieder eingeholt.

das Tian'anmen-Tor, Eingang zur Verbotenen Stadt Beijing
Das Tian'anmen-Tor, Eingang zur Verbotenen Stadt in Beijing
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Durch einen U-Bahn-Tunnel schieben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes direkt zum Tian'anmen vor, dem Tor des Himmlischen Friedens, von dem im Schnabel eines goldenen Phönix die kaiserlichen Edikte herabgelassen wurden, damit sie dem Volk verkündet werden konnten. Das Tor wurde 1417 erbaut und 1651 erneuert. Als Mao Zedong am 1. Oktober 1949 vom Balkon dieses 34 m hohen, geschichtsträchtigen Tores die Volksrepublik China ausrief, knüpfte er an diese ehrwürdige Tradition an. Neben dem Großporträt des Vorsitzenden Mao Zedong prangt in chinesischen Schriftzeichen: "Lang lebe die Einheit der Völker der Welt!" und "Lang lebe die Volksrepublik China!"

Über drei Marmorbrücken gelangen wir in das Innere der "Verbotenen Stadt" und von dort durch das Mittagstor in den Palast. Und wie oben schon erwähnt, sind wir nicht die einzigen Touristen, die heute den Kaiserpalast besuchen. Menschen, wohin man sieht! Es ist fast unmöglich, Gebäude ohne Menschen zu fotografieren.

Die Verbotene Stadt war der Sitz der chinesischen Kaiser ab dem dritten Kaiser der Ming Dynastie und den nachfolgenden Kaisern der Qing Dynastie bis 1924. Verbotene Stadt heißt sie deshalb, weil niemand ausser dem Kaiser, seiner Familie und dem Beamtenstaat Zutritt besaß. Mit Haupt- und Nebenfrauen, Kindern, Eunuchen, Konkubinen und Beamten sollen bis zu 3000 Personen hier gelebt haben. Die ganze Anlage gleicht einer Festung; sie ist umgeben von einer 10m hohen Mauer und einem 52 m breiten und 6 m tiefen Wassergraben. Zu allen vier Himmelsrichtungen befindet sich ein Tor. Erbaut wurde die Anlage zwischen 1406 und 1420.

Halle der Höchsten Harmonie in der Verbotenen Stadt Beijing
Halle der Höchsten Harmonie in der Verbotenen Stadt in Beijing
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890 Paläste zählt die Verbotene Stadt auf 720.000 Quadratmeter Fläche sowie zahlreiche Pavillons, Gärten, Grünflächen und große Steinplätze. Da nur der Himmel einen Palast mit 10.000 Räumen haben durfte, wurde darauf geachtet, insgesamt nur 9.999 und einen halben Raum zu erbauen.

Das Mittagstor besitzt 3 Durchgänge, von denen der mittlere mit wenigen Ausnahmen allein dem Kaiser vorbehalten war. Beamte sollten den westlichen, kaiserliche Verwandte dagegen den östlichen Durchgang verwenden. Im anschließenden ersten Hof führen fünf weiße Brücken über den Goldwasserbach zum "Tor der höchsten Harmonie", hinter dem sich der Haupthof mit der "Halle der höchsten Harmonie" öffnet. Wichtige Zeremonien wie Thronbesteigungen nach obenoder Vermählungen wurden hier veranstaltet. Es folgen noch die "Halle der Harmonie der Mitte", in der sich der Kaiser auf große Zeremonien vorbereitete und die "Halle der Harmoniewahrung", in der Staatsbankette und die höchsten Beamtenprüfungen stattfanden.

Im Palastgarten der Verbotenen Stadt Beijing
Im Palastgarten der Verbotenen Stadt in Beijing
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Zur Freude aller Teilnehmer gibt es im Palastareal ein kleines Café, wo wir uns für die weiteren Besichtigungen stärken können. Denn nach einer kleinen Pause geht es durch den Palastgarten zum Kohlehügel, einem Aussichtshügel mit einer Höhe von 43 m. Er liegt nördlich des Kaiserpalastes und seine heutige Größe verdankt er dem Ausheben des Palastgrabens. In der Mongolenzeit wurde hier Kohle gelagert, woher auch der Name stammt. Leider ist das Wetter sehr diesig, so dass der Blick auf die Verbotene Stadt nicht überwältigend ist.

Das Wetter hat sich mittlerweile etwas gebessert. Das ist schon ganz erfreulich, denn für den Nachmittag ist der Besuch der Hutongs mit einer Rikschafahrt vorgesehen sowie der Besuch einiger Märkte.

Innenhof Hutongs
In einem Innenhof der Hutongs in Beijing
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Hutongs sind heute die Reste der historischen Pekinger Innenstadt. Im Zuge der rasanten Modernisierung von Beijing werden Hutongs jedoch nach und nach abgerissen und durch moderne Wohnhäuser ersetzt. Die Gassen sind sehr eng, oft nur zu Fuß zugänglich und manchmal zu eng für Pferdekutschen oder Autos. Zu beiden Seiten der Gassen befinden sich Eingänge zu den Wohnhäusern. Diese Eingänge führen in einen dachlosen Innenhof. Hier spielt sich das gemeinsame Leben der Bewohner des Wohnblocks ab. Auf chinesisch heißen diese Innenhöfe "Siheyuan", was wörtlich übersetzt "vier-umschlossen-Innenhof" heißt. Und der Innenhof ist tatsächlich zu allen vier Seiten von Wohnungen umschlossen, alle mit Blick auf den gemeinsamen Hof.

Rikschafahrer
Unser Rikschafahrer in Beijing
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Nach dem Erlebnis "Rikschafahrt" durch die Hutongs steht noch ein Besuch der Altstadt an und dann geht es auch schon per Bus zu einem Hotel in Bahnhofsnähe, wo gegen 18.00 Uhr das heutige gemeinsame Abendessen serviert wird. Danach werden wir am Hauptbahnhof abgesetzt und um 20.43 Uhr soll die Fahrt mit dem Nachtzug im 1. Klasse-Abteil nach Xi'an beginnen. Vorher müssen wir noch durch eine Kontrolle, wo Pässe und Fahrscheine überprüft werden.

1.Klasse Abteil im Nachtzug nach Xi'an
1.Klasse Abteil im Nachtzug nach Xi'an
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Bei Buchung dieser China-Reise hatten wir uns gegen einen Aufpreis von stolzen 75€/Person (!) ein Vierer-Abteil zur Zweier-Benutzung reservieren lassen, was sich im Nachhinein als den Umständen entsprechend angenehm erwies trotz extremer Enge und steinharter Matratzen. Zum Glück konnten wir unser Handgepäck auf die oberen Betten legen. Insgesamt gab es zwei Toiletten im Schlafwagen, eine am Anfang des Waggons, eine am Ende, wobei die erste Toilette sofort verstopft und nicht mehr benutzbar war. Drei Gemeinschaftswaschbecken gab es auch, aber die konnte man gleich vergessen, da das Wasser nur tröpfelte. Die meisten Reiseteilnehmer hatten ein Abteil mit Viererbenutzung; sie nahmen es mit Humor, ändern konnte man eh nichts mehr. In anderen Reiseberichten haben wir Fotos von Zweibett Kabinen gesehen, die sehr gut ausgestattet waren mit Toilette und Waschplatz, Sitzgelegenheit und einem Tisch. Ob wir bei unserer recht spartanischen Ausstattung die Billigvariante hatten, können wir nicht beurteilen. Jedenfalls empfanden wir im Nachhinein nach Recherche im Internet den Aufpreis stark überzogen. nach obenTrotzdem ist es uns gelungen, während der Nachtfahrt ein wenig zu dösen und am anderen Morgen fanden wir es dann auch gar nicht so schlimm. Morgenwäsche fiel komplett aus, aber in Xi'an durften wir bereits nach der Ankunft um 9.00 Uhr unser Zimmer im Grand New World Hotel beziehen und die Morgentoilette nachholen! Eine wohltuende "Entschädigung".