Sevilla, Hauptstadt Andalusiens


Sa, 27.09.2014

Das Hotel in Sevilla lässt keine Wünsche offen. Unser Zimmer ist recht geräumig und vor allem ruhig, das Frühstücksbuffet reichhaltig.

Heute starten wir mit unserer Stadtbesichtigung um 9.00 Uhr. Schwerpunkt ist das historische Sevilla. Eine örtliche Reiseleiterin wird uns die Sehenswürdigkeiten erklären. Erfreulich auch wieder, dass die sympathische junge Dame perfekt deutsch spricht.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Innenhof Casa de Pilatos
Innenhof Casa de Pilatos
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Unsere Tour beginnt an der Casa de Pilatos, einem Adelspalast aus dem 16. Jahrhundert, der heute die Residenz der Herzöge von Medinaceli ist. Der Palast wurde für eine christliche Adelsfamilie gebaut. Es war die Zeit, in der Sevilla durch den Handel mit der Neuen Welt eine der reichsten Städte des Kontinents war. Der Palast stellt eine Mischung aus italienischer Renaissance und spanischem Mudéjar dar.

Keramikfliesen aus Sevilla
Keramikfliesen aus Sevilla
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Mudéjares ("Personen, denen es erlaubt wurde, zu bleiben") waren Muslime, die im Verlauf der Reconquista, der Zurückeroberung der Vorherrschaft auf der iberischen Halbinsel, unter die Herrschaft der christlichen Königreiche in Spanien geraten waren, doch ihre Religion weiter ausüben konnten und sich an ihre christliche Umgebung anpassten. Sie waren vor allem im Kunsthandwerk tätig. Der nach ihnen benannte Mudéjarstil ist eine Vermischung maurischer und gotischer Formelemente. Charakteristisch sind im Palast die hufeisenförmigen Bögen, die hölzernen Fenstergitter, Stuckornamente, prächtige Holzdecken und eine wunderschöne Holzkuppel, weiterhin Keramik aus Sevilla, farbige Kacheln und Kachelbruchstücke in den typisch maurischen Farbtönen Grün, Blau und Gelb , ein Springbrunnen aus Genua. Im Ehrenhof (Patio Principal) finden sich Skulpturen römischer Kaiser und Statuen aus der griechischen Mythologie. Nicht zu übersehen sind zwei schöne Gärten.

Im Stadtviertrel Santa Cruz Sevilla
Im Stadtviertel Santa Cruz in Sevilla
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Unsere Stadtbesichtigung führt uns nun durch das Stadtviertel Santa Cruz zur Kathedrale. Santa Cruz ist wahrscheinlich das malerischste Viertel von Sevilla. Mit seinen engen Gassen, weiß getünchten Häusern, blumengeschmückten Innenhöfen und Balkonen, seiner Nähe zur Kathedrale sowie dem königlichen Alcázar Palast, ist es Anziehungspunkt für die meisten Touristen. Die Sonnenstrahlen dringen nicht bis in die Gassen durch. Die Breite der kleinen Sträßchen wurde ursprünglich so ausgemessen, dass ein Esel mit zwei Wasserfässern die Gassen nach obenpassieren konnte. Nach der Rückeroberung der Stadt durch die katholischen Könige wurde das Viertel von den Juden bewohnt. Die jüdische Gemeinde hat mindestens drei Moscheen in Synagogen umgebaut, die Christen diese wiederum später in katholische Kirchen.

Giralda, Sevilla
Giralda, Sevilla
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An der Plaza Virgen de los Reyes steht das Wahrzeichen Sevillas, die 95 m hohe Giralda, der Glockenturm der Kathedrale. In maurischer Zeit war dieser Glockenturm das Minarett der Hauptmoschee. Er wurde zwischen 1184- 1196 erbaut. Erst 1568 kam der Glockenturmaufsatz mit einer 4m hohen weiblichen Figur, die den Glauben verkörpern soll, hinzu. Sie dreht sich wie eine Wetterfahne und diese Eigenschaft zeichnet verantwortlich für den Namen Giralda, denn das spanische Wort girar heißt so viel wie drehen. In 76 m Höhe befindet sich eine Galerie, die bei guter Sicht einen schönen Blick auf die Stadt bieten soll. Bei unserem Besuch hätte man sich allerdings stundenlang in die endlos erscheinende Warteschlange einreihen müssen.

Neben der Giralda ist der Haupteingang zur Kathedrale. der zunächst in den Orangenhof führt, ein Relikt der 1172 errichteten Moschee. Er diente nämlich als Platz für die im Koran vorgeschriebenen rituellen Waschungen.

Altar Grosse Kapelle in Sevilla
Altar der Großen Kapelle in der Kathedrale in Sevilla
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Die Kathedrale von Sevilla (Santa Maria de la Sede) selbst ist ein enormes Bauwerk aus der späten Gotik, die in der Größe nur noch vom Petersdom in Rom und der St. Paul's Cathedral in London übertroffen wird. Sie wurde im 15. Jahrhundert auf den Grundmauern der alten Moschee errichtet. Seit 1928 steht sie unter Denkmalschutz und gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der fünfschiffige Innenraum wirkt recht dunkel und er ist ausgeschmückt mit unzähligen Kunstwerken, Gemälden, Skulpturen und Kapellen. Anziehungspunkt ist die Große Kapelle (Capilla Mayor) mit ihrem geschnitzten Altar, dem größten Spaniens.

Grabmal Kolumbus
Grabmal Kolumbus
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Das monumentalste Grabmal der Kathedrale ist nicht einem König, sondern einem Seefahrer geweiht: Vier steinerne Herren, die die Königreiche Kastilien, Léon, Navarra und Aragón repräsentieren, tragen den Sarkophag des Christoph Kolumbus. Kolumbus war 1506 in Valladolid in Nordspanien gestorben und dort wurde er auch beigesetzt, obwohl er eigentlich - wie 1544 bekannt wurde - in Indien beigesetzt werden wollte. Daraufhin wurden die sterblichen Überreste mit einem Segelschiff in die heutige Dominikanische Republik, später nach Havanna gebracht. Erst nach der Unabhängigkeit Kubas, 1898, kamen sie nach Spanien zurück. Im Sarg des Kolumbus befindet sich kein vollständiges Skelett, sondern nur Knochenreste. In Spanien durchgeführte Gentests bestätigten die Echtheit der sterblichen Überreste. Es ist durchaus möglich, dass sich auch noch Spuren von Kolumbus in Amerika nachweisen lassen.

Innenhof Hotel Alfons XIII
Innenhof des Hotel Alfons XIII in Sevilla
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Nach dem Besuch der Kathedrale ist bis 18.00 Uhr kein weiteres gemeinsames Programm vorgesehen. Wir gehen zunächst von der Kathedrale zum in der Nähe gelegenen Rathaus und lassen uns in einem gut besuchten Straßenrestaurant die Tapas schmecken. Dann bummeln wir durch die Innenstadt, anschließend zur Uferpromenade des Guadalquivir bis zum Goldenen Turm (Torre del Oro) und von dort zum 5-Sterne-Hotel Alfons XIII. Das Hotel wurde auf Anweisung von König Alfons XIII. von Spanien erbaut, um die VIP-Gäste der Iberoamerikanischen Ausstellung 1928 zu beherbergen. Seit über 85 Jahren ist das Hotel die Unterkunft schlechthin für Könige, Staatsoberhäupter und alle, für die Geld keine Rolle spielt.nach oben Hier war auch der Hochadel untergebracht, als 1995 die spanische Königstochter Elena de Borbon y Gracia den aus einem altkastilischen Adelsgeschlecht stammenden Jaime de Marichalar in Sevilla heiratete. (Das Paar trennte sich 2007 wieder).

Wir shoppen noch ein wenig und erfrischen uns zuletzt bei Kaffee und Kuchen, bevor wir gegen 18.00 Uhr die Reisegruppe vor der Kathedrale treffen, um zum Flamenco-Museum zu gehen und dort um 20.00 Uhr die Flamenco-Show zu besuchen.

Flamenco
Flamenco-Vorführung in Sevilla
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Isabel hat uns natürlich ausführlich die Geschichte bzw. die Entstehung des Flamenco dargelegt. Der Flamenco hat seinen Ursprung in Andalusien, nicht im restlichen Spanien. Urheber des Flamenco sind die "gitanos", Zigeuner. Sie kamen Ende des 15. Jahrhunderts nach Spanien und brachten auf ihrer langen Reise eine Vielfalt an indischen, arabischen und anderen Musik- und Tanzformen mit, die dann mit der in Andalusien bestehenden Musik eine einzigartige Verbindung einging, die unter dem Namen "Flamenco" bekannt ist. Die Gitanos wurden nach einer kurzen Phase der Toleranz über Jahrhunderte hinweg unterdrückt und verfolgt. Ihre aufgestauten Gefühle von Wut und Verzweiflung, aber auch von Freuden des Lebens und der Liebe drückten sie zunächst allein im Gesang aus. Sich frei schreien und dem Leben trotzen, Leid und Qual des Lebens, das war der Inhalt ihrer Gesänge. Erst später kamen Tanz und Gitarrenbegleitung dazu. Die ersten Flamenco-Künstler, deren Namen überliefert sind, waren Mará Fernández Pena und Enrique Ortega Diáz. Sie sangen nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur auf privaten Festen. In der Zeit der "cafés cantantes" von 1850 bis 1936 änderte sich das. Flamenco Lokale entstanden, die Gitarre als Begleitinstrument kam hinzu, der Tanz, el baile, wurde populär.

Cristina Hoyos, 1946 in Sevilla geboren, war Flamencotänzerin, ist nach wie vor Choreografin und Schauspielerin. Sie eröffnete 2006 in Sevilla das nach ihr benannte Museo del Baile nach obenFlamenco, welches wir nun besuchen und anschließend an einer professionellen Flamenco-Vorführung teilnehmen, ein für alle Teilnehmer einmaliges Erlebnis!! Erwähnen möchte ich noch an dieser Stelle die junge Dame, die uns sehr sachkundig durch das Museum geführt hat und die sich selber dem Flamencogesang verschrieben hat: Anjanita