Von Ronda nach Jerez de la Frontera und Sevilla


Fr, 26.09.2014

Heute ist das Frühstück für 7.15 Uhr angesetzt, Abfahrt um 8.15 Uhr. Alles klappt reibungslos.

Wir fahren nach Jerez de la Frontera. Erstes Highlight ist der Besuch der Königlich-Andalusischen Reitschule, der Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre. Sie liegt im Norden der Stadt Jerez inmitten eines weitläufigen, prachtvollen Areals.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Spanische Hofreitschule
Spanische Hofreitschule in Jerez de la Frontera
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Es waren die Mauren, die mit der Pferderasse "Berber" die Pferdezucht und die Reitkunst um 720 n.Chr. nach Andalusien brachten. Seitdem fand eine starke Vermischung der Pferderassen statt und die spanischen Pferde wurden mit anderen Rassen veredelt. Im 15. Jahrhundert begannen die Kartäusermönche mit einer eigenen Pferdezucht. Unterstützung erhielten sie vom spanischen Königshaus: es schenkte ihnen 4000 Hektar Land.

Im Jahre 1973 gründete Don Alvaro Domecq Romero die Andalusische Reitschule. Von König Juan Carlos I. wurde er mit dem "Caballo de Oro" (Goldenes Pferd) ausgezeichnet. Zu Ehren dieses Preises führte er seine Show "Wie die andalusischen Pferde tanzen" vor. Diese Dressurvorführung ist auch heute wöchentlich zu sehen.

Palast Recreo de las Cadenas
Palast Recreo de las Cadenas, Sitz der Spanischen Hofreitschule
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1986 erwarb Don Pedro Domecq de la Riva die Reitschule mit 35 Zuchtpferden. Eine Sammlung wertvoller Kutschen, wunderschönes Geschirr, Reitsättel und Schmuck für Reiter und Pferd können wir im Museum bestaunen (Fotoverbot!). Ein Jahr später, 1987, wurde die Reitschule offiziell vom spanischen König anerkannt und darf sich seitdem Königlich-Spanische Reitschule nennen. Seit 2003 ist sie im Besitz einer Stiftung zur Förderung der "reinsten spanischen Pferderassen". Etwa 60 der äußerst edlen Pferde, die allesamt zur arabischen Rasse gezählt werden, leben zurzeit hier in Stallungen (Fotoverbot) und auf Koppeln. Gezüchtet werden die Pferde im Staatlichen Hengstdepot, welches sich in der Nähe befindet.

Das nächste Highlight dieses Tages ist der Besuch einer Bodega, Jerez ist schließlich das Zentrum der Sherry Produktion!

Eine Bodega ist ein Weingut, kein Weinkeller, was die Reiseleiterin ausdrücklich betont. Der Begriff "Weinkeller" oder "Weinausschank" wurde erst später mit diesem Begriff assoziiert. Sherry Weine sind Apéritif- und Dessertweine, keine Tafelweine! Und "Sherry" ist nur die Gegend, wo diesenach oben Weine produziert werden!  Der Begriff „Sherry” rührt nämlich vom arabischen Namen Sherish für den heutigen Ort Jerez de la Frontera her. Es ist der Wein Andalusiens, der von englischen Handelshäusern im 18. und 19. Jahrhundert weltweit bekannt gemacht wurde.

Tio Pepe Fino
Tio Pepe Fino, Sherry aus Jerez
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Wir besuchen die Bodega González Byass, die zu den bekanntesten Bodegas in Jerez de la Frontera gehört. Sie wurde 1835 von Don Manuel Maria González gegründet. Da er zur Zeit der Gründung erst 23 Jahre alt war, wurde er von seinem Onkel, José Angel de la Pena, dem berühmten Tio Pepe, dabei beraten. Zunächst als reines Handelshaus konzipiert, erzeugte González bereits 1844 Weine aus eigenen Reben. Das Weingut war bald so erfolgreich, dass González 1855 seinen britischen Geschäftspartner Robert Blake Byass zu seinem Teilhaber machte und damit den Grundstein zum weltweit größten Sherry Produzenten González Byass legte. Heute wird das Weingut in der fünften Generation der Familie González geführt.

Sherry wird in unterschiedlichen Ausprägungen hergestellt und unter entsprechenden Handelsbezeichnungen angeboten. Entscheidend ist der Alkoholgehalt. "Tio Pepe Fino" ist die am meisten verkaufte Sherry-Marke weltweit mit einem Alkoholgehalt von 15% - 17%.

Eichenfässer mit Sherryweinen
Eichenfässer mit Sherryweinen
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Bei einem Rundgang durch das Weingut sehen wir in den einzelnen Hallen, dass mindestens drei, meist aber vier Reihen Eichenfässer übereinander gestapelt sind. Jedes Fass hat ein Fassungsvermögen von ca. 520 Litern. Die Fassreihe, die am Boden liegt, nennt man Solera, was übersetzt so viel bedeutet wie "die, die am Boden liegt". Der zum Verkauf bestimmte Sherry wird immer aus der untersten Fassreihe entnommen, allerdings nur ein Drittel, maximal 40% des Inhaltes/Fass. Die entnommene Menge wird aus der Fassreihe darüber nachgefüllt, diese zweite Reihe wiederum aus der dritten und die dritte aus der vierten Reihe nachgefüllt. Die aus der obersten Reihe entnommene Menge wird mit dem jungen Wein, dem Mosto, ersetzt. Der Wein "wandert" also von oben nach unten und wird jeweils mit dem älteren Jahrgang "verschnitten". So soll eine gleichbleibende Qualität gesichert werden und schwächere Jahrgänge können durch den Verschnitt mit älteren Jahrgängen nivelliert werden. Dieses System zur Reifung von Sherry nennt man in der Fachsprache auch das "Solera-System". Sherry ist also letztlich ein Verschnitt vieler Jahrgänge.

Auf vielen Fässern befinden sich Unterschriften bekannter Persönlichkeiten wie z.B. Picasso, Kronprinz Naruhito aus Japan, Soraya, Roger Moore, Orson Welles, Steven Spielberg und - Christian Ude aus München!

weinfass, zur Erinnerung an den Besuch Felipes
Weinfass, zur Erinnerung an den Besuch des damaligen Thronfolgers Felipe
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Auf dem Weingut wird auch durch die Destillation von Wein Brandy hergestellt. Die dadurch gewonnenen Schnäpse, "holandas", werden über einen langen Zeitraum in Eichenfässern gelagert, in denen zuvor mindestens drei Jahre lang Sherry gereift ist. Die Sherry Eigenschaften sollen dem Brandy von Jerez seinen einzigartigen Charakter verleihen.

Wir erhalten nach unserem Rundgang je eine kostenlose Probe der vier bekanntesten Sorten: nach obenTio Pepe, Fino - Croft Original, Pale Cream - Alfonso, Olorosao Seco - Solera 1847, Olorosa Dulce. Dazu bestellen wir uns Käse aus Jerez! (5€/Person). Zu dem Besuch der Bodega González Byass können wir nur sagen: Es war höchst interessant und hat allen Teilnehmern großen Spaß bereitet!!

Guadalquivir, Sevilla
Guadalquivir, Sevilla
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Unsere Reise geht weiter durch riesige Sonnenblumen- und Baumwollfelder in das ca. 90 km entfernte Sevilla, eine der beliebtesten Städte für Spanien-Touristen. Sevilla ist Hauptstadt der autonomen Region Andalusien und der Provinz Sevilla. Die Landesregierung, Junta de Andalucía, hat hier ihren Sitz. Mit über 700.000 Einwohnern ist Sevilla die viertgrößte Stadt Spaniens. Durch Sevilla fließt der Fluss Guadalquivir. Sevilla ist der einzige Seehafen im Inland, d.h. der Fluss ist bis hierher auch für Seeschiffe, die vom Atlantik kommen, befahrbar. Über den Guadalquivir wurde im 16. Jahrhundert der gesamte Schiffsverkehr mit der Neuen Welt abgewickelt!

Auf der Fahrt nach Sevilla macht uns Isabel, die Reiseleiterin, recht ausführlich mit der langen Geschichte Sevillas bekannt. Hier eine ganz kurze Zusammenfassung:

Büros des Landtages
Heutige Büros des Landtages, Bau einem Schiff nachempfunden
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Die Gründung der Stadt geht auf den iberischen Stamm der Turdestanen zurück. Später kamen die Phönizier, Griechen und Karthager dazu. 205 v. Chr. wurde die Stadt von den Römern erobert. Caesar erhob Hispalis, wie die Stadt damals genannt wurde, zur Hauptstadt der römischen Kolonie. Nach der Romanisierung fanden die Invasionen der Germanen, später der Vandalen und Sueven statt. 712 n.Chr. eroberten die Mauren die Stadt und benannten sie in Isbiliya um, woher der heutige Name stammt. Im 12. Jahrhundert wurde die große Moschee mit ihrem "La Giralda" genannten Minarett errichtet.

Volkskundemuseum
Volkskundemuseum
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1248 eroberte die kastilische Krone unter Fernando III Sevilla zurück. In der Zeit der katholischen Könige wurde die Kathedrale gebaut. Das Aufblühen und die Stellung Sevillas als erste aller Städte des Königreiches ist ohne Zweifel der Bedeutung des Hafens zuzuschreiben. Er war Ausgangs- und Endpunkt aller Expeditionen in die Neue Welt. Kolumbus brach von einem Hafen in der Nähe auf, die Neue Welt zu entdecken. Amerigo Vespucci und Ferdinand Magellan planten und starteten hier ihre Entdeckungsreisen. Sevilla wurde zum Zentrum des Handels mit der Neuen Welt und zu einer der reichsten Städte der Welt. Die Einwohnerzahl wuchs von 60.000 im Jahre 1588 auf 150.000. Doch Mitte des 17. Jahrhunderts setzte der Niedergang der Stadt ein, verursacht durch eine Pestepidemie und vor allem die Versandung des Hafens. Das Handelsmonopol ging 1717 endgültig an Cadiz über. 1929 machte man mit der Ibero-Amerikanischen Ausstellung noch einmal von sich reden und 1992 stand Sevilla als Austragungsort der Expo im Weltinteresse.

Sevilla hat wie keine andere Stadt so oft als Opernkulisse fungiert. Figaro war hier zu Hause, der Barbier von Sevilla, Don Juan und natürlich Carmen. Carmen - in George Bizets Oper kann sie sich nicht zwischen dem Offizier Don José und dem Torero Escamillo entscheiden - war eine Arbeiterin in Sevillas alter Tabakfabrik.

Das Wappen sevillaStadtemblem ist NO8DO, wobei die 8 ein Wollknäuel (madeja) symbolisiert. NO-MADEJA-DO=No me ha dejado (Sie hat mich nicht verlassen): Alfons X. (* 23. November 1221 in Toledo; † 4. April 1284 in Sevilla) bedankte sich damit für die Treue der Stadt Sevilla, in der er nach seiner Entthronung bis zu seinem Tode im Exil lebte.

Da wir erst am späten Nachmittag in Sevilla ankommen und Teile der Innenstadt aus nicht bekannten Gründen gesperrt sind, machen wir einen Stopp an der Plaza de España, einer der bekanntesten Plätze in Sevilla.

Plaza de Espagna in Sevilla
Plaza de Espagna in Sevilla
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Der halbrunde Platz beeindruckt durch seine Architektur aus roten Ziegelsteinen und bemalten Kacheln. Das Hauptgebäude, der prunkvolle Palacio de España, ehemaliger Pavillon des Gastgeberlandes Spanien, wird von zwei hohen Türmen flankiert. Hier haben heute nach obenandalusische Regierungsgebäude ihren Sitz. Der Halbkreis hat einen Durchmesser von 200 Metern und soll eine Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch Spanien symbolisieren. Außerdem zeigt die Öffnung des Halbkreises in Richtung Fluss, dem Weg, dem man folgen muss, um nach Amerika zu gelangen.

Darstellung der Provinz Malaga
Darstellung der Provinz Malaga
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Der Platz wird von einem Kanal umsäumt, über den vier Brücken angebracht sind, die die vier ehemaligen Königreiche Spaniens symbolisieren: Kastilien, Léon, Navarrra und Aragón. An den Wänden befinden sich eine Reihe von Kachelornamenten, welche an die 48 spanischen Provinzen erinnern sollen und dabei in alphabetischer Reihenfolge angeordnet sind. Dabei stellen sie Landkarten der Provinzen, Mosaike mit historischen Begebenheiten sowie die Wappen der Hauptstädte jeder Provinz dar.

Wir haben genügend Zeit, uns an der Plaza de España umzuschauen und zu fotografieren. Weitere Besichtigungen sind für den heutigen Tag nicht vorgesehen. Mittlerweile ist es aber auch schon 19.00 Uhr, Zeit, das Hotel aufzusuchen, wo gegen 20.00 Uhr im Rahmen eines großen Buffets das Abendessen stattfindet. Ein wirklich erlebnisreicher Tag geht zu Ende!

Unser Hotel für 3 Nächte in Sevilla: Silken Al Andalus Palace, Avenida de la Palmera